Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 DIE WAHRHEIT Seite 11 Von Woche zu Woche Israelitische Kultusgemeinde Wien. Mittwoch, den 23. v. M. fand unter Vorsitz des Präsidenten Prof. Dr. A. Pick eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt, die mit einer Trauerkundgebung für Dr. Ignaz Schwarz, Mitglied der „Historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde" eingeleitet wurde. Präsident Prof. Dr. A. Pick hielt dem Verstorbenen, der durch viele Jahre dieser Kommission angehörte und auch Mitglied der „Bibliotheks-Kommission" war, einen warmen Nachruf, in dem er seine überaus wertvollen Dienste für unsere Gemeinde und das Judentum als hervorragender Fachmann auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte schilderte, der insbesondere durch sein im Rahmen der Veröffentlichungen der „Historischen Kommission" erschienenes Werk „Das Wiener Ghetto, seine Häuser und seine Bewohner" sich ein dauerndes und ehrendes Andenken gesichert hat Aus dem vom Amtsdirektor Guido Fuchsgelb verlesenen Einlauf entnehmen wir: Ein Dankschreiben des Mitgliedes der „Bibliotheks-Kommission" Herrn Dr. Alfred Landau für die Glückwünsche anläßlich seines 75. Geburtstages, ein Dankschreiben des Hofrates Prof. Dr. Guido Adler für die Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstage, ein Dankschreiben der Frau Charlotte Königswarter für die Beglückwünschung des unter ihrem Präsidium stehenden „Verbandes zur Unterstützung armer isralitischer Wöchnerinnen^4, welcher jüngst das Jubiläum seines .'25jährigen Bestandes feierte. Aus Anlaß des Chanukafestes sind dem Präsidium so überaus zahlreiche Einladungen zu Chanukafestlichkeiten zugekommen, daß das Präsidium beim besten Willen nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen konnte. So weit es nur möglich war, haben die Mitglieder des Präsidiums sich durch die Teilnahme an den Chanukafeiern von der erfreulichen Wiedererstarkung der Opferwilligkeit und des jüdischen Empfindens überzeugen können. Den Einladungen des Bethausvereines „Aeschel 'Awrohom" zur Feier seines 50jährigen Bestandes und des Br Agi tt e-n au er T^mipel Ver elive s, welcher seinen 25jährigen Bestand feierte, ebenso der Einladung zur feierlichen Einweihung des im Strafhause des Landesgerichtes I neu eingerichteten israelitischen Betsaales hat das Präsidium gerne entsprochen und die Verdienste der verschiedenen Funktionäre dieser Institutionen geziemend gewürdigt. Seitens des Präsidiums und des Obmannes der ,J?ürsorgiekommission" wurden die nötigen Maßnahmen eingeleitet, um die Wiedereröffnung des in seiner Existenz gefährdeten „Jüdischen Kindergartens" in der Brigittenau zu ermöglichen und es besteht die begründete Aussicht, daß diese wichtige Institution ihre segensreiche Wirksamkeit auch weiterhin wird entfalten können. Im Einlaufe befindet sich ferner ein an den ,J5reidenker-Bund Oesterreichs" ergangener Erlaß der Magistratsdirektion in Angelegenheit der Veröffentlichung von Religionsaustritten, den wir ebenso wie eine protokollarische Erklärung, die der Obmann des „Bundes der jüdischen Eltern im II. Bezirke", Herr Postamtsdirektor Kolmin am 6. November d. J. im Sekretariate der Kultusgemeinde abgegeben, an anderer Stelle besprechen. Uebsr eine dringliche Anfrage des Vizepräsidenten Dr. Löwenherz und Genossen teilte das Präsidium mit, daß der Verkauf der wertvollen Handschriftensammlung der israeli-" tischen theologischen Lehranstalt mit allen Mitteln verhindert werden wird. Prof. Dr. A. Pick erstattete hierauf den Präsidialbericht, der sich zunächst mit der geplanten Errichtung eines Kriegerdenkmales befaßte, Tausende von Wiener jüdischen Familien haben auf den Schlachtfeldern des unglückseligen Weltkrieges ihre Söhne verloren. Nur ein geringer Teil derer, dde mit m der Hingabe Ihres Lebens deri Beweis geliefert haben, daß der jüdische Soldat seine Pflichten gegenüber dem Staate und dem Vaterlande treu erfüllte und nicht zurückstand hinter den Angehörigen anderer Konfessionen, haben in Wien ihre letzte Ruhestätte gefunden. Wohl hat die Gemeinde Wien auf der allgemeinen Abteilung des Zentralfriedhofes eine eigene Gräberanlage für die Kriegsopfer geschaffen, doch mußte auch die israelitische Kultusgemeinde für jene im Kriege gefallenen oder Kriegserkrankungen erlegenen jüdischen Soldaten, deren Beerdigung auf dem jüdischen Friedhofe dem Wunsche des Verstorbenen oder dessen Angehörigen entsprach, Vorsorge treffen. So ist die Kriegergrabstätte auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes erstanden, welche 131 Gräber von Offizieren und 325 Gräber von Mannschaftspersonen umfaßt Mit ansehnlichen Geldopfern wird diese Kriegergrabstätte von der israelitischen Kultusgememde in würdigem Zur stände erhalten. Jedem dieser Soldaten wurde eine besondere Grabstätte, ohne daß hierfür Gebühren an die Gemeinde entrichtet worden wären, zugewiesen und die Beerdigung auf Kosten der Kultusgemeinde durchgeführt Von der Friedhofskommission wurde die Anregung gegeben, auf dieser Kriegsgräberabteilung ein Denkmal für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten zu errichten. Unter Zuziehung der Chewra Kadischas, der Bezirkskonunissionen und von Persönlichkeiten, die sich für diese Angelegenheit besonders interessieren, wurden bereits Vorberatungen gehalten, die zur Bildung eines Komitees für die Errichtung eines solchen Gräberdenkmales führten. Aufgabe des Komitees wird es sein, g> eignete Entwürfe von Künstlern zu erlangen, mit Zustimmung der Kultusgemeinde das auszuführende Projekt zu wählen und um die Aufbringung der erforderlichen Mittel bemüht zu sein. Das Präsidium der Kultusgemeinde zweifelt nicht daran, daß sowohl jene Familien, die den Verlust von Kindern durch den Krieg zu beklagen haben, als auch jene Familien, die ihre Nächsten lebend aus dem unglückseligen Völkerringen wieder erhielten, das beabsichtigte Werk unterstützen und fördern werden. Damit wird auch die Wiener Judenschaft ihren Tribut der Dankbarkeit jenen gezollt haben, die in treuer Pflichterfüllung im Kriege ihr Leben gelassen. Im Rahmen dieses Berichtes ist das Präsidium in der Lage, über zwei erfolgreiche Aktionen Mitteilung zu machen, welche von einigen wenigen Gemeindemitgliedern durchgeführt, den schönen Zweck erfüllen, das Andenken hervorragender Männer, deren irdische Ueberreste in von der Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengräbern ruhen, durch die Errichtung würdiger Grabdenkmäler zu ehren. Am 18. Oktober d. J. konnte in feierlicher Weise das Grabdenkmal für Dr. Julius Ofner enthüllt und in die Obhut der israletischen Kultusgemefnde übernommen werden. Am 8. Dezember d. J. wurde unter Teilnahme der Repräsentanten öffentlicher und künstlerischer Korporationen das von einem Komitee errichtete Grabdenkmal für Carl Goldmark nach seiner feierlichen Enthüllung dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde in die Obhut übertragen. In beiden Fällen hat es der Präsident der Kultusgemeinde als ehrende Pflicht empfunden, der an ihn ergangenen Einladung Folge leistend, an die Spitze der Komitees für die Errichtung des Grabdenkmales für Julius Ofner und des Komitees für die Errichtung des Grabdenkmales für Carl Goldmark zu treten. Herzlicher Dank des Kultusvorstandes und der Gemeinde gebührt jenem ungenannt sein wollenden Gemeindemitgliede, welches die Initiative ergriffen und unter eigener ansehnlicher Beiträgst eistung die Aufbringung der Mittel für die beiden Denkmäler im Kreise seiner Freunde und Bekannten betrieben hat Zum Budgetprovisorium für die Monate Jänner und Februar 1926 sprach Referent Regierungsrat Dr. H. Oppenheim. Der Voranschlag für die Einnahmen und Ausgaben des Verwaltungsjahres 1926 ist von der „Kommission für finanzielle Angelegenheit' bereits durchberaten und beschlossen und es werden die Vorlagen nach Fertigstellung der Vervielfältigung demnächst an die Mitglieder des Kultusvorstandes zur Versendung gelangen. Im Laufe des Monites Jänner oder anfangs Februar dürfte dann nach Erledigung des Voranschlages durch das Vertreter-Kollegium dessen Verabschiedung im Plenum möglich sein und es besteht die begründete Aussicht daß in jenem Zeitpunkte auch bereits der Rechnungsabschluß für das Jahr 1925 dem Kultusvorstande wird vorgelegt werden können. Im allgemeinen kann schon derzeit berientet werden, daß sich der Voranschlag für das Jahr 1926 im Rahmen des Voranschlages pro 1925 bewegen wird. Um eine ungehinderte Geschäftsführung bis zur Erledigung des Voranschlages durch das Plenum sicherzustellen, hat die Finanzkommission in ihrer Sitzung vom 20. Dezenber 1925 beschlossen, dem Plenum zu beantragen, für die Monate Jänner und Februar 1926 ein Budget-Provisorium im Rahmen der Durchschnittsergebnisse des Jahres 1925 zu bewilligen. Nachdem däe Klubobmänner Dr. Josef T i c h o für die „Union"« Dr. Desider Fried mann für die Jüdischnationalen und Dr. E. Bader für die „Vereinigung für soziale Tätigkeit" zustimmende Erklärungen abgegeben hatten, wurde der Antrag der Finanzkommission einstimmig angenommen. Chanakaietera. Wie alljährlich brachte das am 12. <L M. im Elisabeth-Heim abgehaltene Chanukafest den gewohnten Massenbesuch. In Vertretung der Kultusgeraeinde war Herr