Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 muß man den Rassenschützlern zugestehen* sie lassen ihre Freunde in -der Not nicht im Stich, mag da kommen, was da will, sie schätzen und achten sie weiter als ihresgleichen. Das führende Blatt der Rassenschützler „Szozät" hat, als die ersten Schreckensnachrichten aus Amsterdam einliefen, sofort edelmütig Partei für Herrn v. Marsovszky genommen und ihm das ehrende Zeugnis ausgestellt, er habe sich als Sekretär seines Vereines stets als einwandfreier Gentleman bewährt, er sei der Typus des selbstlosen, für seine Grundsätze mit unerschütterlicher Ehrenhaftigkeit schreibenden und fechtenden Erwachenden. Da aber schließlich für die kleinen Entgleisungen, bei der ihm seine Schuhe einen so schlechten Streich gespielt irgend eine Erklärung gefunden werden muß, deutete „Szozät" an, Herr v. Marsovszky sei zwar ein Banknotenfälscher, dabei aber ein unverfälschter Idealist. Er habe immer romantische Neigungen gehabt und es werden sicherlich Vorspiegelungen hoher Ziele gewesen sein, die ihm auf den Weg mit den durchlöcherten Sohlen lockten. Aiuich Herr v. Gömbös scheint sich vorläufig dieser Erklärung angeschlossen zu haben und auch er betont, daß sein Freund ein Träumer mit romantischen Ideen war. Wie schön das alles klingt und wie vertraut sind diese Töne unserem Ohr. Die romantischen Neigungen erinnern an den „patriotischen Ueberschwang", für den" Horthy bekanntlich immer seine berühmte Gnadenarie sang. * * * Wie wesentlich anders hätte sich das kleine Abenteuer des Herrn v. Marsovszky abgespielt, wenn er zum Schauplatz desselben nicht Amsterdam, sondern Budapest erwählt hätte. Nehmen wir an, der „jüdische" Wechselstubenbesitzer — denn ein echter Rassenschytzler wird . doch zu keinem anderen mit falschen Noten gehen — würde die Fälschung entdeckt haben. Ist es wahrscheinlich, daß er Herrn v. Marsovszky, den mächtigen Freund des allmächtigen Herrn v. Gömbös (der auch der Regierung, wenn sie nicht gleich parieren will, mit Revolution droht) anders als unter tausend Entschuldigungen daran! aufmerksam gemacht hätte? Herr v. Marsovszky hätte dies mehr oder minder höflich zur Kenntnis genommen und würde dann sicherlich mit der bestimmten Erklärung, daß ihm ein „jüdischer" Gauner die Note angehängt habe, das Lokal verlassen haben. Aber denken wir uns das Unwahrscheinliche, Herr v. Marsovszky wäre auch in Budapest infolge der Verkettung von unglücklichen Zufälligkeiten der Polizei in die sogenannten rächenden Hände gefallen und sie hätte sogar seine seltsam durchlöcherte Börse entdeckt. Was hätte da Herrn v. Marsovszky weiter viel geschehen können? Hätte er selbst in der ersten Verblüffung alles gestanden, wer hätte ihn gehindert, das Geständnis rechtzeitig zurückzuziehen? Weiß man denn nicht, daß die böse Polizei in Ungarn Geständnisse renommierter Rassenschützler immer nur durch peinliche Mißhandlungen erpreßt? Und dann . . . weiß man denn nicht, daß es immer nur die Juden sind, die den braven Rassenschützlern weiß der Himmel was alles in die Schuhe schieben? * * * Es gibt immer Leute, die immer anderer Meinung sind. Manche verübeln es daher Herrn v. Gömbös und dem „Szozät", daß sie keine andere Art der Verteidigung weißten, Sie hätten lieber dafür eintreten sollen, die drei erwischten und geständigen Banknotenfälscher seien gar nicht die drei richtigen Rassenschützler, sondern drei verkappte Juden, die sich auch des Besitzes falscher Dokumente erfreuten. Privilegierten Nörglern kann man es nie recht tun. Gömbös und „Szozät" wissen sicher, warum sie die Echtheit ihrer rassenschützlerischen Schützlinge zugeben. Ich muß aufrichtig gestehen, daß mir ihre Taktik sehr klug erscheint. Wenn Herr v. Marsovszky nicht innerhalb der nächsten Tage in Budapest spazieren geht, dann weiß jeder, daß er in Amsterdam sitzt,, denn dort gibt es auch für Rassenschützler seiner Arie einen Numerus clausus. Ist es da nicht viel besser, man leugnet nicht Marsovszkys Tat, sondern glorifiziert sie vielmehr? Hat der Edle im „patriotischen Ueberschwang" gehandelt, so steht er, ich kann mir nicht helfen, auch in meinen Augen turmhoch erhaben, selbst über einem Hejjas da, von dem ein Staatsanwalt in öffentlicher Sitzung erklärte, sein Gewissen sei von mehr als 40 Mordtaten belastet, und doch zählt er zu den gefeiertsten Helden des Landes, weil er eine Art Verkörperung des „patriotischen Ueberschwanges" bildet. Herr v. Marsovszky ist wirklich eine geradezu liebenswürdige Gestalt, verglichen mit den, ich will nicht sagen, unerwischten, so doch ungestraften mörderischen Bombenwerfern, denen der „patriotische Ueberschwang" selbst die Tarnkappe der Unsichtbarkeit verlieh'. Warum sollen Fälscher schnöden Papiergeldes nicht tausendmal achtenswerter erscheinen als die Hetzer, die das Evangelium fälschen, indem sie unter dem Mantel der Nächstenliebe Haß luind Verfolgung verkünden, achtenswerter als die Volksverderber, die^den Begriff des Patriotismus fälschen, indem sie in dessen Namen Verbrechen sanktionieren? Ein Träumer wie Herr v. Marsovszky ist wahrhaftig nicht der Schlimmste der Erwachenden. Ego. |iiuiiiiiiiiiiiiiiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiii[iiiHiiiiiiii[iiyiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii[ii | MorijaundGolgatha f H von | Binjamin Seegel | H Ergreifende und wirksame Apologie de» Jüdischen §j H Religion, besonders geeignet, auf frische, lugendliche H Ü Menschen bleibenden Eindruck zu machen. — Preis §j p Mark 1.50« Zu beziehen durch alle Buchhandlungen S §§ und durch den Verlag ü 1 H. 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