Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 1 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 1 DIE WAHRHEIT Seite 7 dies zwei Prediger angestellt sind. Da er jedoch ohne bestimmte Beschäftigung war und man von seinen Predigten Erbauung erwartete, reiste er mehrere Male auf Einladung der betreffenden Kommission nach Leipzig, um dort während der Messe und bei den Haiuiptfesten an dem Gottesdienste teilzunehmen. Die Berliner Gemeindevorsteher, welche ihn ungern vermißten,, wollten ihn wieder daselbst als Lehrer bei der Freischule anstellen; gleichzeitig soll er Anträge von Wien aus erhalten haben, um an die Stelle des alldort kürzlich verstorbenen jüdischen Religionslehrers zu treten, auch diesem Ruf gefolgt sein. Mit Hamburg hat I. N. Mannheimer keine andere Verbindung, als daß seine Frau, mit der er sich im November 1824 vermählte, eine hiesige ist und seine Schwiegereltern gegenwärtig hier wohnen. Geruhen..... E. Binder. An.Sr. des Hochwohlgeborenen Fürsten von Metternich Durchlaucht." Unterdessen hatten die Vertreter bereits zweimal urgierebde Bitten um Bestätigung Mannheimers an die Oberdirektion eingereicht Weit wirksamer wlar aber die inoffizielle Intervention des Baron Salomon Rothschild (siehe mein Mannheimer-Buch, S. 60). Obschon die Antwort aus Berlin noch ausständig war, erfloß eine Zuschrift des Grafen Sedlnitzky an die Polizeioberdirdktion. Wien, 19. Jänner 1826. Ich habe mich im Grunde der! von der k. k. Polizeioberdirektion mit Bericht vom 19. Mai v. J. hierher vorgelegten Gesuches an den Vertreter der hiesigen israelitischen Gemeinde mit dem Ersuchen an de k. k. geheime Hof- und Staatskanzlei gewendet, bei dem Umstand, daß der in Frage stehende Israelit als Lehrer zu Berlin, Kopenhagen, Hamburg und Leipzig durch längere Zeit sich aufgehalten hat, durch die betreffenden k. k. Missionen nähere Erkundigungen über die moralische, religiöse und politische Haltung und das sonstige Benehmen desselben einzuziehen, um somit infolge der diesfalls erhaltenen Auskünfte verläßlich beurteilen zu können, ob und wie ferne dieser Ausländer zum Schul- und Religionsunterricht für die hiesige israelitische Jugend unbedenklich zugelassen werden kann. Obschon bisher noch nicht von allen k. k. Missionen hierüber die gewünschten Auskunftsberichte erstattet worden sind, so finde ich mich schon mit Rücksicht auf die über den Israeliten Mannheimer vorläufig von einigen Gesandtschaften erhaltenen günstigen Notizen und in Erwägung des vorteilhaften Zeugnisses, welches die k. k. Polizeioberdirektion demselben in ihrem Berichte vom 29. Oktober v. J. erteilt hat, bewogen, einstweilen dazu, daß der gedachte Isak Noa Mannheimer den Posten eines Lehrers an der hiesigen Judenschüle provisorisch versehe, aber mit der ausdrücklichen Bedingung meine Zustimmung zu erteilen, hieraus keine Konsequenz für den Fall, als die noch ausständigen Berichte der k. k. österreichischen Missionen bei ihrem Einlangen ihn für den gedachten Lehrerposten nicht geeignet darstellen sollten, zu seinen Gunsten erwachsen kann, indem er solchenfalls zur definitiven Bekleidung der Stelle nicht zugelassen würde. Ich behalte mir sonach vor, der k. k: Polizeioberdirektion nachträglich zu meinem gegenwärtigen Erlasse 'die definitive Erklärung in der besagten Angelegenheit, sobald mir die noch abgängigen Auskünfte über das gedachte Individuum im Wege der k. k. geheimen Hof- und Staatskanziei zukommen werden, bekanntzugeben; für diesmal aber trage ich demselben auf, die k. k. n.-ö. Landesregierung von den über den Israeliten Mannheimer aus obigem Anlaß bisher gepflogenen Verhandlungen umständlich in Kenntnis zu setzen und mit Rücksicht auf meine obige Erklärung vor der Hand auf die Bewilligung anzutragen, daß derselbe den Posten eines ersten Lehrers an der hiesigen israelitischen Schule unter den obgedachten Bedingungen inzwischen provisorisch versehen dürfe. Die Beilagen der vorbezogenen von der k. k. Polizeioberdirektion in dieser Angelegenheit erstatteten zwei Berichte folgen in der Anlage zurück. Wien, am 19. Jänner 1826. Sedlnitzky. (Schluß folgt.) Glossen. Es ist wirklich nicht gut, wenn ein Rassenschützler mit fremden Polizisten zu tun bekommt. Das hat Herr v. Marsovszky, der ehemalige hochangesehene Sekretär des Vereines der Erwachenden und auch gegenwärtig noch verehrte Freund des Herrn v. Gömbös jetzt in überzeugender Weise erfahren. Die Amsterdamer Polizei, die offenbar die Augen wachhält, hat unbekümmert um die glänzenden Verbindungen, deren sich Herr v. Marsovszky mit Recht rühmen darf, ihn und seine Mitarbeiter verhaftet, wie wenn er ein ganz gewöhnlicher hergelaufener Banknotenfälscher 6wäre. Herr v. Marsovszky hätte nicht ein politischer Gesinnungsgenosse der Marffy — und wie all die Bombenhelden heißen, deren Namen ich aus Raumrücksichten unterdrücken muß — sein dürfen, um nicht sofort zu erklären, daß er auf die unschuldigste Weise von der Welt in den Besitz einer gefälschten Tausendfrancnote gelangt sei. Das kann in der Tat dem ehrlichsten Menschen passieren. Vielleicht hätte man es ihm auch geglaubt, wenn er nicht die Unvorsichtigkeit begangen hätte, zwei Päckchen gefälschter Noten in den ausgehöhlten Schuhen aufzubewahren. Da die Benützung der Schuhe als Geldtasche selbst den Besitzer von echten Noten einigermaßen verdächtig macht, wird es erklärlich, daß Herr v. Marsovszky, als er sich nach dem Ablegen seiner Schuhe so bloßgestellt sah, auch zum Ablegen eines Geständnisses hinreißen ließ. Herrn v. Marsovszky dürfte der Aufenthalt in Amsterdam durch diesen Zwischenfall wohl verleidet worden sein und man würde es nur begreifen, wenn er sich gerne auf die Strümpfe gemacht hätte. Daran haben ihn aber die durch ihre Gastfreundlichkeit bekannten Amsterdamer gehindert. Sie werden ihn auch so bald nicht fortlassen. * * * Dadurch, daß Herr v. Marsovszky es nicht vorzog, im Lande zu bleiben und sich daselbst unredlich zu nähren, ist die Angelegenheit für ihn und seine Freunde etwas kompliziert geworden. Das