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Die Wahrheit · 1925-12-25 · Heft 51 (25.12.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 51 (25.12.1925)
Date
1925-12-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Nr. 51 internationalen jüdischen Kapital zwecks Unterjochung Rußlands geschaffen wurde, ist denn auch heutzutage so tief verwurzelt, daß man ihr in ernsthaften Büchern hochstehender Diplomaten ebenso wie in der populären Ideenwelt bei der breiten Masse begegnet. In engstem Zusammenhang mit dieser Vorstellung steht der Protokollaberglaube, zu dessen fruchtloser Bekämpfung ich mein Buch geschrieben habe. Mit diesem Buch habe ich merkwürdige Erfahrungen gemacht. Ein Selbstreferat hierüber, welches ich an 56 „judenliberale" Zeitungen versandte, wurde einzig und allein von der wirklich liberalen und unabhängigen Frankfurter Zeitung veröffentlicht. Die Antworten, die ich von den anderen erhielt, lauteten in verschiedenen Abwandlungen: „Wir halten es nicht für opportun, mit den Hakenkreuzlern anzubinden, es erscheint uns unangebracht, jetzt den Antisemiten den Fehdehandschuh hinzuwerfen/4 Das B uch wurde einfach totgeschwiegen. Woher soll also das große nichtjüdische Publikum eine Ahnung haben, daß die Protokolle als Fälschung und Lüge entlarvt wurden? Wir Juden müßten dafür sorgen, daß nicht nur gute Abwehrbücher geschrieben, sondern auch dafür, daß sie denen, auf die es ankommt, auf den Tisch gelegt werden. Anfangs September schrieb mir ein holländischer Herr namens H. v a n L i e m e aus Wien, wo er die ganze Zeit des Zionistenkongresses geweilt hatte, daß in dieser Stadt und in allen größeren Städten Deutschösterreicns jeden Tag die Wände sich mit Riesenplakaten bedeckten, die zum Kampf gegen die Weisen von Zion aufforderten, die ihren Welteroberungsplan in den berühmten Protokollen niedergelegt und ihn zum größten Teil im bolschewistischen Rußland schon verwirklicht hätten . . . . Man muß sehr naiv sein, um zu glauben, daß alle diese und noch stärkere Manifestationen auf die Bevölkerung keinen nachhaltigen Eindruck gemacht haben. Die nichtantisemitischen Blätter protestierten zwar täglich gegen diese Auslassungen, aber nur vom Standpunkt der Straßenordnung oder der geschäftlichen Interessen; keiner Zeitung jedoch fiel es ein, zur Vernunft der Bevölkerung zu sprechen und auf Albernheit und Verlogenheit der Argumente hinzuweisen. Die „Protokolle" und verwandte Literatur wurden in den Räumen der Universität, an allen Ecken und Enden auf der Straße feilgeboten, aber der holländische Herr fragte in allen Buchhandlungen der belebtesten Straßen vergeblich nach einer Abwehrschrift gegen diese Verleumdungen. Kein Sortimenter wußte ihm Auskunft zu geben. Erst am letzten Kongreßtage erfuhr er durch Zufall die Titel meiner beiden Abwehrschriften. Die ganze Zeit über hatte keine Zeitungsannonce sie angekündigt. „Oibt es denn in Wien keine jüdische Organisation, die sich die Bekämpfung des Antisemitismus zu Aufgabe macht?" fragte mich der holländische Herr ,. .*) Unter den sehr zahlreichen Briefen, die mir aus dem Leserkreise zugingen, will ich einen ebenfalls aus Wien hierher setzen, weil er, wie ich glaube, geeignet ist, diese Frage ein wenig zu beleuchten. Der •) Diesem Zionisten ist anscheinend aus Parteigründen nichts von der „Union" bekannt. D. Red. Herr, ein Chemiker von Fach, schreibt mir einen langen Brief, dessen kurzer Sinn folgender ist: „Herr Segel, Sie haben die reichen Juden verteidigt, uns andere geht das gar nichts an." Nämlich die An^ klage, die Juden bildeten eine Weltverschwörung zur Unterjochung der christlichen Völker, richtet sich nur gegen die Repräsentanten des „internationalen jüdischen Kapitals", nicht aber gegen den jüdischen Mittelstand; wir „anderen" Juden hätten also im Grund kein Interesse, die Lüge zu entlarven und sollten dies Geschäft dem „internationalen jüdischen Kapital" überlassen. Dieser Gedanke ist so verfehlt als nur möglich. Zu allen Zeiten haben wirtschaftlich hervorragende Juden den Neid der Judenfeinde erregt, aber dieser Neid hat sich dann an den Armen und Dürftigen entladen. In meinen Studien zur Geschichte der Hostienschändungsprozesse habe ich an einer Reihe von Fällen nachgewiesen, daß jedesmal, wenn ein jüdischer Reicher des Mittelalters den Neid und die Habgier der Mächtigen erregte, rasch ein Hostienschändungsprozeß emportauchte, dem eine Reihe Juden zum Opfer fielen, aber im Grunde war nur der Reiche gemeint. Heutzutage geht es nur den anderen an den Kragen, an die Reichen selber macht man sich gar nicht heran. Man beachte, daß die „Judengesetz e", welche die Protokollapostel fordern, in erster Reihe darauf hinausgehen, daß man die Juden nicht zu Staatsämtern zulasse. Betrifft das etwa die reichen Juden? Hat sich Rathenau, um einen von ihnen zu nennen, jemals um die Stelle eines Postsekretärs oder eines Hilfslehrers beworben? Nein, die Juden des Mittelstandes sind es eben, die bedroht werden und darum sind gerade sie es, denen die Abwehr obliegt. Und sie müssen auf Mittel sinnen, die es unserer Abwehrliteratur möglich machen, die nichtjüdische Leserwelt sich zu erobern. _. Diplomatisehe Berichte über Isak Äoa Mannheimer anläßlich seiner Anstellung in Wien. Von Rabbiner Dr. M. R o s e n m a n n. Die im Frühjahre bevorstehende Jahrhundertfeier des Stadttempels erweckt die Erinnerung an den geistigen Vater der Wiener Gemeinde, Isak Noa_Mannheimer, der gemeinsam mit dem nichf~minder unvergeßlichen genialen Salomen S u 1 z e r die Einweihung des Gotteshauses Sonntag, den 9. April 1826 vornahm. Mannheimer, über Betreiben des einflußreichen Michael Laz-ar Biedermann nach Wien berufen, hatte gewaltige Schwierigkeiten zu überwinden, bevor seine Anstellung die behördliche Genehmigung fand. Mannheimer war in Kopenhagen (17. Oktober 1793) geboren und daher Ausländer. In meinem Buche: I s a k Noa Mannheimer, sein Leben und Wirke n (erschienen 1922 bei R. Löwit), sind die einzelnen Beweise aufgezählt, daß er seinem Ursprünge nach — sowohl väterlicherwie mütterlicherseits — aus Ungarn, bzw. aus Mähren stammte und daß dies auch von der Regierung anerkannt wurde. Nichtsdestoweniger erhoben sich gewaltige Schwierigkeiten gegen seine Anstellung. Er hätte wohl die Berufung als erster Lehrer der öffentlichen Religionsschule der Wiener Judenheit erhalten ^-

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