Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1925-12-18 · Heft 50 (18.12.1925) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 50 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064022-3064069--14202-3081748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Softe 8 DIE WAJ Mr. SO er immer vom „Stamme Sem" Von den Deutschtümlern wurde der Ausdruck 1879/80 aufgenommen) und daraus Antisemit gemacht" Und wieder trat, als erster, Landau, dieser ausgezeichnete deutsche Feulletonist, nach vierzig Jahren hervor und riet, voü Trauer über die »»antisemitische" Welle, die über Deutschland dahinrast, die Ueberdeutschen nicht mehr Antisemiten zu nennen, sondern sie als das zu kennzeichnen, was sie sind: Haßbesessene, „Judenhasser". Dr. Botho Laserstedn. Das Grab am Dnjestr. Still rauschen die Wogen des Dnjestr dahin, ihr leises Gemurmel ist, wie wenn Klagelieder ertönten, das Wammern Sterbender, Ertrinkender, deren Todesqualen in den schmutzigbraunen Fluten gelöscht wurden, Sie haben lebenswarmes Menschenblut getrunken, sie haben die noch zuckenden Leiber der grausam Hingemordeten verschlungen, sie haben den Gestorbenen das letzte Geleite gegeben. Still rauschen die Fluten des Dnjestr und schweigen. Sie sind die' stummen Zeugen von unermeßlichem Weh, die stummen Ankläger unersättlicher Grausamkeit Könnten sie sprechen, sie würden von Dingen erzählen, die uns das Blut Sn den Adern erstarren machen, unser Gemüt im Innersten aufwühlen würden. Da kommen die Scharen jüdischer Flüchtlinge, die den Horden Petljuras und Dendkfins entflohen waren, und die, welche aus dem sowjetistäschen Hexenkessel entwichen sind- Wie gehetztes Wiid, die Verfolger auf den Fersen, eilen sie in wahnsinniger Angst der Grenze zu, um wenigstens das nackte Leben, das einzige, was ihnen geblieben war, zu retten. Mit dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte erreichen sie nach tageiangem Wandern endlich den Dnjestr. Schon winkt ihnen jenseits des Stromes das rettende Ufer, schon glauben, säe sich nach so vielen Gefahren geborgen und gerettet da werden sie in ihren Hoffnoingen auf das grausamste enttäuscht Sie fallen den unbarmherzigen Henkersknechten Moraresc us in die Arme und werden unter unsäglichen Qualen und auf die barbarischeste Weise hingeschlachtet; Männer, Frauen, Greise, Kinder, kaum einer entgeht dem furchtbaren Geschick. Wohl gelang es einem einzigen, dem Ungeheuer Morarescu zu entrinnen. Bei einer Eskorte von Flüchtlingen gab Morarescu den Befehl, diese mitten auf dem Wege niederzumachen. Eine Salve und die Opfer seiner Mordlust wälzten sich in ihrem Blute; nur eines der Opfer schleppte sich in schwer verwundetem Zustande nach Soroca und erzählte dort von dem furchtbaren Schicksal seiner Genossen. So kam Morarescu mit seiner Mörderbande vors Gericht Furchtbar sind die EnthüliUmgen, die von den eigenen Soldaten) Morarescus gemacht wurden, entsetzlich die Schilderungen von den. Qualen der Opfer und der viehischen Brutalität Morarescus. Dieser gab seine Mordtaten teilweise zu, doch beruft er sich auf höhere Instruktionen, die dahin gelautet hätten, zur Vermeidung von Spionage keine Ueberschreiitungen der rumänischen Grenze zu dulden. Aus diesem Befehle leitete er das Recht ab, nach Herzenslust morden zu dürfen, und so mordete er alles, was ihm in die Hände fiel, ja sogar seine eigene Ordonnanz soll er eigenhändig erschossen haben. Doch Morarescu ist der irdischen Gerechtigkeit entgangen. Wie aus Bukarest vom 8. Dezember gemeldet wird, wurde der von dem Bukarester Kriegsgericht wegen Uebertretung der Amtsgewalt angeklagte Leutnant Morarescu mit allen seinen Mitangeklagten freigesprochen. Mit diesem Freispruch hat die rumänische Justiz über sich selbst das Verdammungsurteil gefällt. Still rauschen die Wellen des Dnjestr, das unschuldig vergossene Blut aber, das sie getrunken, es schreit nach Sühne! VERGESSEN ^■■■•aaa Sie nicht das Abonnement sflion §*atxt zuT"erneuern. Unterstützen Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit unseren Preßfondi Generalversammlung des Vereines „Wohlfahrt". Donnerstag, den 10. d. M. fand im großen Saale der Kinderbewahr^ anstalt, II., Schiffamtsgasse 15, die V. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Wohlfahrt,, statt, zu welcher als Vertreter der Kuätusgemeinde der Vizepräsident Dr. " J. Ornstein mit dem Amtsdirektor Dr. E. Adler erschienen war. Für das Kuratorium des Vereines waren Dr. Schwarz-Hill er und B. Engel, ferner einige Deputationen jüdischer Vereine, darunter des Jüdischen Frauenvereines für den IL Bezirk erschienen, Der Präsident der „Wohlfahrt", Herr Rabb. Dr. M. Grunwald, begrüßte die Anwesenden und gab sodann einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Vereinsjahre. Er betonte, daß der Verein „Wohlfahrt" aus dem Sanlierungskomitee hervorgegangen ist, in welchem sich Freunde vereinigten, die unter den schwierigsten Umständen) wesentlich zur Aufrechterfaaltung des Altersversorgungshauses, des Siechenhauses, des Rothschldspäitals, des Taubstummen- und Blindeninstitutes beigetragen haben. Nachdem nun im vergangenen Jahre durch däe erfolgte Sanierung die Gemeinde ihre Anstalten selber erhalten konnte, wandte sich der Verein „Wohlfahrt" gemäß seinem Programme der Unterstützung von verschämten Armen zu. Durch den Obmann des Finanzkomitees, Herrn Moritz Oesterreicher, erfuhr nun der Verein, daß die Israelitische Kinderbewahranstält die älteste jüdische Institution in Wien, in Not geraten sei Diese Kinderbewahranstält, die erste ihrer Art im alten Oesterreich, hat 83 Jahre hindurch unter bewährter Leitung jahraus jahrein Hunderte von Kindern unbemittelter jüdischer Eltern vor den Gefahren der Gasse bewahrt sie rituell verköstigt und in religiösem Sinne erzogen, auch geeignete Kindergärtnerinnen ausgebildet Tausende und Abertausende, jetzt in angesehener Lebensstellung, haben ihre erste Ausbildung und damit eine Grundlage ihres Aufstieges dieser Anstalt zu verdanken. Als ein Opfer der Katastrophe des letzten Jahrzehntes, ist die Kinderbewahranstält nicht mehr imstande, aus den bisherigen Hilfsquellen sich zu erhalten. Trotz eifrigen Bemühens des Kuratoriums, an dessen Spitze seit 40 Jahren die hochverdiente Frau Baronin Charlotte Königswarter steht Mef säe Gefahr, ihren jüdischen Charakter einzubüßen. Die Wiener Judenschaft hätte dadurch einen ihrer schönsten Ruhmestitel verloren und so hat der Vorstand beschlossen, gegen nachträgliche Genehmigung der Generalversammlung die Anstalt in eigene Regie zu übernehmen, und zwar in dem Bewußtsein, damit eine echt jüdische und zugleich schöne Pflicht zu erfüllen. Am Schlüsse seiner vortrefflichen Ausführuntgen bat Dr. Grunwald das Plenum um nachträgliche Genehmigung des Beschlusses des Vorstandes. Die einstimmig erfolgte Genehmigung gestaltete sich zugleich zu einer großen Ovation für den Vorstand. Dr. Schwarz-Hiller schilderte ebenfalls eingehend die mißliche finanzielle Lage der Kinderbewahranstält, welche das Kuratorium derselben veranlaßt hat diese der Obhut des Vereines „Wohlfahrt" zu überantworten. Er dankte hierauf dem Plenum für seinen einstimmig gefaßten Beschluß , und gab seiner bestimmten Erwartung Ausdruck, daß es der opferfreudigen und rührigen Leitung des Vereines „Wohlfahrt" gelingen wird, den alten Glanz der alten jüdischen Wohlfahrtsinstitutioneni wiederherzustellen zum Segen der vielen armen jüdischen Kinder und zur Ehre der gesamten Wiener Judenschaft. Dr. Ornstein dankte im Namen der Wiener isr. Kultusgemeinde für die bisherige werktätige Unterstützung der Gemeindewohlfahrtsanistalten, ganz besonders für die Hilfe, die man der Kinderbewahranstält zuteil werden lasse. Er versprach, daß die Gemeinde den Verein in diesen seinen idealen Bestrebungen nach Möglichkeit unterstützen wird. Nach dem von Kassier E. Juskovits erstatteten Kassabericht wurde dem Vorstand das Absolutorium erteilt und die Neuwahl desselben vorgenommen. Jubiläumsfeier. Samstag, den 12. d. M. (Schabos Chanukah) fand im Pazmanitentempel die Feier eines Doppeljubüäums statt. Es jubilierten der Tempelvereih „Aeschel Awrohom", welcher seinen 50jährigen Bestand-feierte, sowie der Rabbiner des Tempels Dr. S. Funk, der die zehnjährige Wiederkehr seiner Berufung in das Gotteshaus feierte. Das Fest hat wieder einmal gezeigt, daß in dem Zusammenhalten und dem Gefühl des Verbundenseins die Stärke des. Judentums begründet ist; denn hier hat die Muttergemeinde, die durch das Gesamtpräsidium Prof. Dr. Alois Dt« Jataob Or«st©i» uvä Dp. JöeeS Löw«ah«pz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.