Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 50 (18.12.1925)
- Date
- 1925-12-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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äeite 6 DIB WAHRHEIT Mr. ßö armee zu Laad 26,6 Prozent unter den jüdischen Soldaten bildeten sie 48 Prozent. Die Artillerie bildete 14 Prozent der Gesamtarmee, unter den jüdischen Kriegern aber nur 8 Prozent, die Kavallerie betrug 2 Prozent, unter den Juden bloß 1,3 Prozent. Das Geniekorps bildete 11 Prozent der Landarmee, unter den Juden dagegen bildete es nur 3 Prozent. Merkwürdig ist es dafür, daß das Signal- und Luitschifferkorps, das in der Gesamtarmee 7 Prozent ausmachte, unter den jüdischen Soldaten verhältnismäßig mehr als zweimal so viel Mannschaften stellte nämlich volle 15 Prozent. Während die Ordonnanzen in der Gesamtarmee 17 Prozent und die Quartiermacher 62 Prozent bildeten, machten sie unter den Juden 15 Prozent und 59 Prozent aus. Aus dem Gesagten ergibt sich also, daß die Juden in den kombattanten Abteilungen im allgemeinen genommen verhältnismäßig stärker vertreten waren als in den nicht kombattanten. Als Städter waren die Juden in der Kavallerie etwas weniger vertreten, ebenso in der Artillerie, da sie im großen ganzen den technischen Hantierungen ferner stehen, als ihre nichtjüdischen Mitbürger. Das Landungskorps ist im wesentlichen eine kombattante Organisation. Jeder einzelne Mann dieses Korps ist ein Freiwilliger, der sich einreihen läßt mit dem vollen Bewußtsein, daß das Korps dorthin geschickt wird, wo der Kampf am heißesten ist. Nun, von den 6500 persönlichen Listen der Angehörigen dieses Korps, die bisher geprüft werden konnten, haben sich 2300, oder 34 Prozent als jüdisch erwiesen, weitere 200 dürften sich bei näherer Untersuchung ebenfalls als jüdisch herausstellen. Dabei ist zu bemerken, daß volle 30 Prozent von diesen 2500 jüdischen Soldaten nach dem 5. Juni 1918 sich einreihen ließen, also nachdem es allgemein bekannt geworden war, daß das Landungskorps die amerikanische Stoßtruppe, d. h. an die gefährlichsten Stellen gesandt zu werden bestimmt sei. Was für eine Beschaffenheit haben nun diese Juden vor dem Feind an den Tag gelegt, in betreff der Tapferkeit, Pflichttreue, Eignung und Dienstgehorsam? Keiner kann glaubwürdigeres Zeugnis darüber ablegen als jene nichtjüdischen Amerikaner, welche Schulter an Schulter mit ihnen gefochten, sie als Offiziere kommandierten, neben ihnen in den Schützengraben lagen, mit ihnen die Gefahren und Nöte des Krieges und den Ruhm des Sieges teilten. Es ist ein offenes Geheimnis, daß che amerikanischen Offiziere zu Beginn des Krieges, als sie vor die Aufgabe gestellt wurden, die städtisch erzogenen Juden nach ihrem Sinne in „echtes Soldatenmaterial" zu verwandeln, sehr skeptisch und verzagt waren, aber es dauerte nicht lange, und sie lernten die jüdischen Rekruten gründlich kennen, und die Skepsis machte einer hohen Wertschätzung Platz. Ein hoher Offizier des Camp Upton war designiert zum Kommando einer Abteilung, die zu 60 Prozent aus Juden bestand: er macht nicht einmal ein Hehl aus seiner Bestürzung hierüber. Zwei Monate später erging an ihn der Befehl, eine bestimmte Anzahl seiner Mannschaften nach dem Camp Gordon zu transferieren: bei der Ausführung dieses Befehles war er sorgsam bedacht, alle jüdischen Mannschaften unter seinem Kommando zurückzuhalten! Oberleutnant Douglas Cambel richtete an eine jüdische Versammlung in der Educational Alliance zu New York am 8. April 1919 jolgende Worte: „Die jüdischen Mannschaften der 77. Division waren die besten Soldaten der Welt! An den heftigsten Gefechten haben sie teilgenommen und sich wacker gehalten. Die 77. Division, die zu 40 Prozent aus jüdischen jungen Leuten bestand, war die einzige amerikanische Division, die die Aisne erreicht hat, nachdem sie in die feindlichen Linien tiefer eingedrungen war als jede andere Division. Eltern und Geschwister dieser jüdischen Jungen haben allen Grund, stolz auf sie zu sein." — Generalmajor Clarence R. Edwards sagte auf einer Versammlung im Tempel „Oheb Schalom" zu Boston u. a. folgende Worte: „Es drängt mich, Ihnen zu erklären, daß die jüdischen Soldaten einen beneidenswerten Rekord geschlagen haben. Ich kenne Fälle, in denen früher judenfeindliche Offiziere schließlich dafür eingetreten sind, daß jüdische Soldaten zu Offizieren ernannt würden, damit sie Führer sein können." — Kapitän Harrigan sagt: „Ich kann nicht genug Lobenswertes von den jüdischen Jungen aussagen, die von East Side (dem New Yorker Ghetto) kamen. Sie haben hervorragende Tapferkeit bewiesen und bewundernswerte Selbstverleugnung an den Tag gelegt, als es galt, gegen den Feind in Frankreich anzurennen. Ich wünschte, ich könnte alle die Dinge im Gedächtnis behalten, die während meiner Tätigkeit im Felde zu meiner Kenntnis kamen." — Oberst Whittlessey, welcher für sich und sein „Verlorenes Bataillon" in den Argonnen unsterblichen Ruhm erworben hat, sagte: „Wir Offiziere von der 77. Diw visdon haben viele jüdische Soldaten kennengelernt und sind dahingekommen!, nur mit größter Bewunderung von ihnen zu denken. Es widerstrebt mir, von der Tapferkeit der East-Side-Männer zu reden, denn das ist eine Tatsache, über die man nicht zu diskutieren braucht. Aber einzelne stehen so unvergeßlich vor meinem Gedächtnis, daß es mir unmöglich ist, nicht von ihnen zu sprechen. So war z. B. einer, den wir als das denkbar schlechteste Soldatenmaterial betrachteten: fettleibig, mit stupidem Gesichtsausdruck, äußerst fremdartig in Erscheinung und Sprache. Und doch hat gerade dieser Mann, als wir das Ufer der Vesle besetzt hielten, Heldentaten vollbracht, die ihn nach meiner Ansicht in die vordersten Reihen stellen. Um den Verkehr mit unseren Anführern aufrechtzuerhalten, benötigten wir einen Depeschenträger, der Hügel auf, Hügel ab, durch dichtes Unterholz auf einem Terrain, das unter gewöhnlichen Umständen schwer zu bewältigen war, den Dienst verrichtete. Jener fettleibige Jude leistete das auf eine bewundernswerte Weise. Unter dichtestem Feuer fand er immer wieder Auskunftsmittel, er hatte einen unverzagten physischen Mut und eine Widerstandskraft der Nerven, die ihm niemand zugetraut hätte." (Fortsetzung folgt)