Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 50 (18.12.1925)
- Date
- 1925-12-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mr. 50 tas WAitRtffirr gm» 5 geschenkt, unbekümmert darum, daß sie dadurch' nicht nur die Amtspersonen, die die Untersuchung leiteten, sondern auch den Gerichtsarzt, der eidlich ausgesagt, von diesen Mißhandlungen keine Spur entdeckt zu haben, schwer belasteten. Nun sind die Verdächtigten endgültig freigesprochen. Wer entschädigt sie aber für die Mißhandlungen, die sie körperlich erlitten haben, sowie für die Schmerzen, die feinfühlende Menschen seelisch schon durch einen entehrenden Verdacht empfinden? Es ist wahr, die rassenschützlerischen Genossen haben ihnen gleich nach dem freisprechenden Urteil der ersten Instanz mit einem Fackelzug gehuldigt, aber das ist eine Genugtuung, die nur einen ideellen Wert hat und im Grunde genommen weniger Licht auf-die freigesprochenen Heiden, wie auf die Justiz wirft. Die edlen Brüder Piroska und Genossen sind1 gewissermaßen Opfer der Juden, und zwar nicht nur der Czongrader Juden, sondern der Gesamtheit. Sollten diese nicht von Rechtswegen gezwungen werden, diesen armen Verdächtigten eine entsprechende materielle Entschädigung zu gewähren? Es ist dies nur eine bescheidene Anregung, für die ich nicht einmal das Verdienst der Originalität beanspruchen darf. Im alten Sodom sollen bereits ähnliche Entscheidungen getroffen worden sein. So selbstverständlich man das Urteil der Königlichen Kurie in der Czongrader Bombenaffaire bezüglich der Angeklagten finden wird, so seltsam erscheint, daß gleichzeitig die oberste Adiministrationsbehörde in Szegedin auch jene Amtspersonen freigesprochen hat, die beschuldigt waren, durch Anwendung und Duldung psychischer und physischer Zwangsmittel von den bemitleidenswerten Verdächtigten Geständnisse erpreßt zu haben. Es sind dies hohe Beamte, darunter ein Bezirkshauptmann, ein Polizeirat und ein Ministerialrat. Was zum Teufel hat denn diese Herren gedrängt, in dem kleinen Czongrad, dessen Polizei sich gewiß nicht mit der großstädtischen vergleichen kann, wegen drei Opfer eines Bombenattentates die Mörder zu eruieren, wo man doch im großen Budapest seit Jahr und Tag nicht die Bombenwerfer finden konnte, die neun Menschenleben vernichtet hatten? Was werden jetzt die Rassenschützler dazu sagen, daß man diese Herren so ganz und gar ungestraft läßt, obwohl sie in ihrem Uebereifer Geständnisse erzielten, die vielleicht auch zur Verurteilung der Angeklagten hätten führen können. Es ist wahr, das Wort, in Nürnberg hängt man keinen, es wgre denn, man hätte ihn, findet in Horthy-Ungarn auf die p. t. Herren, die in patriotischem Ueberschwang ein bißchen morden, keine Anwendung. Aber immerhin ist es auch für den überschwänglichsten Erwachenden kein Vergnügen, unnötigerweise, wegen irgend einer Untersuchung eine Zeitlang in seiner liebgewordenen gewohnten Tätigkeit gestört zu werden. Jeder vorsichtige ungarische Beamte müßte sich angesichts eines Beschuldigten, der sich im äußersten Fall auf seinen patriotischen Ueberschwang berufen kann, vor Augen halten, daß da auch die schönsten Geständnisse keinerlei moralischen Wert haben, da sie doch immer noch rechtzeitig zurückgezogen werften k6n»e». Ego. Die Juden in den Armeen der Entente. Von Ben Jehuda. (Fortsetzung.) Wir haben gesagt, daß zur Zeit der Abfassung dieser vorläufigen Abhandlung bereits 150.000 Listen jüdischer Soldaten eingesammelt werden konnten. Doch schätzte man auf Grund von Beobachtungen die Gesamtzahl der in allen Abteilungen der Armee vom Beginn bis zum Ende des Krieges dienenden Soldaten auf 200.000 bis 250.000 Mann. Da die gesamten Streitkräfte der Vereinigten Staaten annähernd 4,800.000 Mann betrugen, so ergibt sich, daß die Zahl der jüdäschen Soldaten ungefähr 4 bis 5 Prozent der Gesamtheit ausmacht. Nun war das Verhältnis der Juden zu der Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten nach den letzten Schätzungen 3 Prozent (eine ganz genaue Ziffer ist in den Westländern, wie eingangs dieser Abhandlungen bemerkt wurde, anzugeben nicht möglich, da die amtlichen Zählungen die Konfession der Gezählten nicht vermerkt). Es ergibt sich demnach, daß die Juden ungefähr ein Drittel mehr Soldaten lieferten, als ihrer Bevölkerungsziffer entsprach. Indessen ist ausreichender Grund vorhanden, anzunehmen, daß die Endziffern, wenn sie einmal erfaßbar sein werden, einen viel höheren Prozentsatz der überzähligen Juden ergeben werden. Es ist nämlich eine bekannte Tatsache, daß das Aushebungssystem in den nördlichen und östlichen Staaten intensiver gearbeitet hat, als im Süden und im Westen, und in den städtischen mehr als in den ländlichen Bezirken. Nun ist die jüdische Bevölkerung am dichtesten gerade im Osten und im Norden, und in den Städten ungleich dichter als auf dem Lande. Ferner wurden Dienstbefreiungen infolge der UnabkömmMchkeit hauptsächlich in der Landwirtschaft, in der Bergwerk- und Metallindustrie erteilt, in welchen Zweigen gerade die Juden am allerwenigsten vertreten sind. Das alles zusammen bewirkte, daß die jüdische Bevölkerung in einem weit höherem Maße als die nichtjüdische zum Militärdienst herangezogen wurde. Am meisten aber dürfte wohl folgender Umstand dazu beigetragen haben, den Prozentsatz der Juden in der Armee zu erhöhen; aus allen Feststellungen geht nämlich hervor, daß ungefähr 20 Prozent der jüdischen Soldaten aus Freiwilligen bestand Man kann die Zahl der jüdischen Freiwilligen auf 40.000 bis 50.000 schätzen. Es ergibt sich also, daß die normalen drei Prozent durch die Aushebung erreicht wurden, die Ueberzahl aber, zwischen vier und fünf Prozent, durch die Freiwilligen gestellt wurde. Wie waren die jüdischen Soldaten unter den kombattanten und den nicht kombattanten Abteilungen verteilt? Nach den amtlichen Zahlen von November 1918 bestand die Landarmee aus 3,700.000 Mann. Von dieser Zahl bildeten Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Geniekorps, Signal- und Luftscbifferkorps 60 Prozent, die anderen Zweige, z. B. Ordonanzen, Quartiermacher dazu 40 Prozent. Unter den 114.000 persönlichen Listen jüdischer Soldaten dagegen mächten die Angehörten der erstgenannten Zweigjp 67 Prozent aus. Diö Infanterie Buffete in <Jet Gesamt-