Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 50 (18.12.1925)
- Date
- 1925-12-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 DIE WAHRHEIT Seite 3 2. Er sucht Juden wie Nichtjuden in Wort und Schrift über die Haltlosigkeit der Judenhetze aufzuklären und 3. denen, die sich an der Abwehr solcher Angriffe beteiligen wollen, gegenseitige persönliche Verständigung zu erleichtem. III. Abbau innerer Mißstände. 1. Fühlungnahme kultureller und humanitärer Bestrebungen untereinander zur Erzielung ökonomischer Vorteile (Gemeinsamkeit der Sitzungslokale, der entlohnten Arbeitskräfte usw.). 2. Stellungnahme gegen die Austritts- und Abfallsbewegung (Mission und dergleichen). 3. Bekämpfung der Indolenz dlurch entsprechende Vorträge, Diskussionen und geseMige Veranstaltungen. Soweit das Programm. Um jeder Mißdeutung vorzubeugen, definierte der" Vortragende den Begriff „jüdische Kultur". Kultur hat auch die Pflanze, hat auch das Tier; was bei ihnen ein niaturgeschichtliches Faktum, ist beim Menschen nicht nur eine geschichtliche Tatsache, sondern ein sittliches Postulat. So wenig, wie an einem Rosenstock Kohlsprossen, an einem V/erbstock Eichen wachsen, so wenig soll der Mensch seinen Stamm verleugnen. Dem Juden sind durch die Grundstimmung seines überlieferten Schrifttums, durch die religiös-sittlichen Leitsätze, die in seiner geschichtlichen Entwicklung immer wieder durchschlagen und die Normen für sein Leben im Haus und in den Beziehungen zur Umwelt geliefert haben, Richtlinien für seine Entfaltung in alle Zukunft vorgezeichnet. Jüdisch© Kultur heißt somit: den Zusammenhang der Gegenwart des Juden mit seiner Vergangenheit lebendig erhalten, im Si'nnei der altbewährten Grundsätze seiner Väter die Gegenwart gestalten und die Zukunft durch entsprechende Erziehung der Jugend vorbereiten. Das Gegenteil unserer Auffassung jüdischer Kultur wäre Verleugnung jeder Tradition und Ablehnung jeder Autorität, eine Selbstüberhebung, die wähnt, die Geschichte müsse mit ihr ihren Anfang nehmen. Sie ist eine spezifisch moderne Erscheinung, gezeitigt durch den sozialen Umsturz, der gegen alles, was die Vergangenheit geschaffen, Mißtrauen sät, ferner durch eine materialistische Philosophie, die den Gottesbegriff ausschaltet und durch eine phantastische Bibelkritik, die unsere Bibel als Machwerk ungeschickter Fälscher hänsteilt. Nirgends gibt es eine Kultur, die nicht aus Refügion hervorgegangen wäre. Am wenigsten ist sie beim Juden denkbar. Die Triebkräfte, die das Judentum bis heute erhalten haben, verleugnen, heißt unter einem den Boden des Judentums verlassen. L, Ii. in Zahl und Lichterfülle, das rechte Wahrzeichen für die Unvergänglichkeit, für den Sieg des Heiligen über das Gemeine. Denn der Makkatäer Tat war: den entweihten Tempel wieder geweiht zu haben, und darin liegt die Kraft und Größe. Schwerer 6st es. Zerstörtes wieder aufzubauen, Entweihtes wieder zu heiligen, als neuzubauen und Neues zu weihen. Der Ruhm der Makkabäer ist unsterblich, weil es ihnen gelungen Ist, zerstörte Religion wieder zu Glanz zu erheben, die Entartung des syrischen Geistes zu bannen und Begeisterung für Gott und Glauben zu entflammen. Darum sollen alle die Menora entzünden, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen, und nach der Weise Hillels, denn der Schein dieser leuchtenden, immer mehr und stärker leuchtenden Flammen ist ein Wegweiser für den Fortschritt des Judentums. Wer freilich die Gegenwart betrachtet, könnte auf den trüben Gedanken kommen, daß die Wirklichkeit, das jüdische Leben und die jüdische Begeisterung es mit der Schule Schammais hält. Die Lichter nehmen mit jedem Tage ab. Der Zukunftsseher sieht nur noch ein kleines Flämmchen und nach ihm wird es dunkel sein. Hätte jener Hausverwalter Josefs die richtige Reihenfolge eingehalten, so hätte er den Becher gleich gefunden; er hätte mit dem Kleinsten beginnen müssen! Soll der Erfolg richtig eintreffen, so heißt es: auf die richtige Reihenfolge achten! Das gilt für jedes Aufbauwerk, für die Errichtung jedes Heiligtums. Wenn eine Jugend verhetzt, zu Terror und Parteichauvinismus heran- und ausgebildet wird, so braucht sich n?emand über den endlichen Erfolg zu wundern. Heilige Begeisterung entfacht man nur mit heiligen Mitteln, dauernde Begeisterung senkt man in die Herzen der Menschen, wenn man in der richtigen Reihenfolge Lichter entzündet, im Heiligen aufwärtsschreitet und nicht hinabsinkt, indem man von Tat zu Tat selber geht und andere führt. So beleuchten die Chanukkalichter das Geheimnis des wahren Erfolges und tun. kund das „große Wunder*'. „Mj* deal KIfc!S*tt fteg et tm, Höf *sri XSf dffctf hört* W "saT. Itf Dem Andenken Karl Goldmarks* Anläßlich der Enthüllung seines Denkmals. Es lebte einmal in einer kleinen ungarischen Gemeinde ein Chasen. Er hieß Reb Simche Rüben Goldmark und war ein frommer, gottesfürchtiger Mann und ein großer Künstler in seinem Fache. Reb Silmche Rüben, so wurde er in semer Gemeinde allgemein genannt, hatte elf Kinder und, da ihm die selbst nicht mit Glücksgütern gesegnete Gemeinde keinen großen Gehalt geben konnte, lebte er mit seiner Familie in dürftigen Verhältnissen. Lang ist es her, seitdem Reb Simche Rüben in seiner kleinen Kantorenwohnung seinen Kindern jene alten jüdischen Weisen vorgesungen, die seit Jahrhunderten die Sprache der jüdischen Seele sind, lang ist es her, seitdem der kleine Karl den Weisen seines Vaters gelauscht hat, jenen ergreifenden jüdischen Klängen, die auf sein kindliches Gemüt emeni so tiefen Eindruck gemacht haben, daß sie nach vielen Jahren in Form unvergänglicher Meisterwerke der Tonkunst aus der Seele des Künstlers Karl Goldmark widerhallten. Doch einen langen Leidensweg mußte der kleine Kantorssohn zurücklegen, bis aus ihm der große, allgemein gefeierte Meister Goldimark wurde. Schon frühzeitig war er, der den Beruf des Musikers erwählt hatte, gezwungen, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und erwarb als Musiklehrer in seiner Heimatgemeinde und einigen benachbarten kleinen Ortschaften kümmerlich sein Brot. Doch das Genie, das in ihm wurzelte, vereinigte sich mit den Eindrücken, die er in seinem Vaterhaus gewonnen, und es entstanden jene teils schwermütigen, teils farbenfrohen und klangreichen Schöpfungen, die Goldmark zu einem der Größten unter den Tondichtern gems cht haben. Seine Opern „Die Königin von Saba" und „Heimchen am Herd" gehören zum ständigen Repertoire aller Opern deT Welt, seine Kammermusikwerke und symphonischen Dichtungen, besonders die prächtige „Sakuntala-Ouvertüre'* begeistert immer wieder die Gemüter der andächtig Lauschenden. Goldmark ist ein unerreichter Meister der Instrumentation gewesen; seine Werke können, was Aufbau und Klangfülle anbelangt, den Schöpfungen der größten Tondichter an die Seite gestellt werden. Und doch dauerte es lange, bis Goldmark die ihm gebührende Anerkenntag fand. Ein Beweis hierfür sind die fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, die bewältigt werden mußten, ehe es ihm gelang, die Aufführung seiner Oper „Königin von Saba", die seinen Weltruhm begründete, an der Wiener Hofoper durchzusetzen. „Die Königin von Saba" ist drei Jahre vor der Verdischen Oper „Aida" komponiert worden. Somit war Goldmark der Erste, der die glühende Luft des Orients, seine Farbenpracht und Sinnenfreudigkeit in einem Opernwerke auf die Bühne gebracht hat. Bereits im Jahre 1868 wurde die Partitur der „Königin von Saba" der Wiener Hofoper eingereicht, während die Oper „Aida" erst im Jahre 1871 in Kairo zum ersten Male aufgeführt wurde. Sieben Jahre schlummerte das Manuskript Goldmarks im Archiv der Wiener Hofoper, ohne daß die Direktion dieses einer Durchsicht gewürdigt hätte. Die vor einigen Tagen zu Grabe getragene edle Künstlerin Frau Gomperz-Bettelherim war es, die sich ihrem ehemaligen Lehrer Karl Goldmark dadurch dankbar erwis, daß sie es bewirkte, daß sein Werk endlich einer Beurteilung unterzogen wurde. An einem der berühmten Abende der Gomperz- Bettelheim. die das ganze künstlerische Wien vereinigte, ersuchte die Hausfrau den anwesenden Franz L i s*z t, den Einzugsmarsch aus der „Königin von Saba" zu spielen. Liszt kam diesem Ersuchen nach, spielte den Einzug vom Blatte weg und erklärte begeistert, wenn die Oper selbst auch nur halb so trefflich wäre, wie dieser Marsch, so sei ein Erfolg sicher, dessengleichen noch nicht dagewesen. Liszt war derart entflammt, daß er schon am folgenden Tage den damaligen Intendanten der Hofoper Prinz Hohenlohe aufsuchte und mit eindringlichen Worten auf die hohe Bedeutung der Goldmarkschen Oper hinwies. Prinz Hohenlohe ließ darauf sofort den Hofopemdirektor Johann H e r b e c k kommen und beifragte ihn sehr unsmädisr: „Sasen Sie doch, Herr Direktor, was ist eigentlich mit der Oper Karl Goldmarks, die seit sieben in Ihrem Schreibtisch schläft?" Herbeck stammelte verwirrt und verlegen, es handle sich um eine unbedeutende Sache, an der nichts verloren gehe, worauf Hohenlohe entgegnete: „Darüber werde ich die Entscheidung treffen" und verlangte vom Direktor die Partitur. Einige Tage später >iurde Goldmark eum Intendanten besännen, der lieB sich voii tttm fassen tatgttisd&ä Kbrri?prt!foY ms .-.Kauteln von