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Die Wahrheit · 1925-12-18 · Heft 50 (18.12.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 50 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 EHE WAHRHEIT iSME Nr. 80 haben, die Sturmangriffe auf wehrlose Staatsbürger veranstaltet, Mord und Totschlag nicht nur predigt, sondern zu vollbringen bereit ist, auf das Kommando ihres Führers einen Sturmangriff wie mitten im Kriege veranstaltet Dieser Prozeß zeigt wiederum klar und deutlich, daß das Hakenkreuzlertum eine schwere Gefahr unseres Staates, eine ständige Bedrohung unserer Bürger ist Es muß daher mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, bervor mehr Blut unschuldiger Menschen geflossen ist! Ein jadischer Kulturbund. Dienstag, den 8. Dezember d. J., veranstaltete der Verein der Tempelfreuade Im Hotel New York eine Besprechung über kulturelle Bestrebungen; innerhalb der Judenheit Außer dem Vorstande und den Mitgliedern des Vereines waren der Vize- ~ - Präsident der Kultusgemeinde Herr Doktor Jakob Ornstein und andere Gäste er- _ v ... schienen. Herr Rabbiner Dr. Qrunwaid erstattete edn eingehendes Referat, das in einem Programmentwurf für einen „Jüdischen! Kulturbund" gipfelte, den wir im folgenden zum Abdruck bringen. Im Anschluß an diese Ausführungen' legte Vizepräsident Dr. Ornstein in eingehender Erörterung - <•' -' seine mit dem Referenten, übereinstimmende Ansicht über die Hauptpunkte jenes r Programmes dar. Beiden Rednern, deren Ansprachen lebhaften Beifall fanden, dankte der Leiter der Beratung Vizeobmann des Vereines Herr Oskar T o n e H o in einem Schlußworte, indem er zugleich eine Fortsetzung dieser Diskussion in nächster Zeit ankündigte. Der jüdische Kulturbund ist unpolitisch. Zweck des Bundes Ist die Vereinigung vort Juden, die* den in den Wdener Verhältnissen begründeten Erfordernisse* entsprechend, das Judentum erhalten, pflegen und m der heranwachsenden Jugend stärken wollen. Die Tätigkeit des Kulturbundes erstreckt steh auf drei Hauptpunkte. 1. Jugendfürsorge, 2. Abwehrbewegung und 3. Abbau innerer Uebeästände.; i' ' 1. Jugendfürsorge.! 1. Agitation gegen die Unterlassung der Aufnahme de* jüdischen Knaben in den Bund Abrahams (unter anderem durch ein Merkblatt; das die Bedeutung der Circumciston von allen Seiten beleuchtet und auf die moralischen, hygienische« und gesellschaftlichen Gefahren hinweist, die ihre Unterlassung für die Zunkunft des Kindes im Gefolge hat). 2. Für das jüdische Kind zwischen dem 3. und 6. Lebensjahre sind jüdische Kindergärten (Kinderheime), Ferienkolonie« einzurichten. 3. Die jüdische Erziehung des schulpflichtigen Kindes fet durch jüdische Elternvereinigungen zu unterstützen. 4. Für die reifere Jugend ist zu sorgen durch A) Berufsberatung, B) jüdische Jugendbewegung. a) Der jüdischen Jugendgruppe soll ein ständiger Versammlungsort und dort eine Auswahl jüdischer Zeitschriften zur Verfügung stehen. b) Sie versammelt sich allwöchentlich, um sich gegenseitig geistig anzuregen, z. B. durch Referate über einschlägige literarische Neuerscheinungen. Die Gemeindebibliothek stellt allmonatlich ihre Neuanschaffungen zur Besichtigung für ditf jüdische Jugendgruppe aus. c) Die Jugendgruppe veranstaltet gemeinsam Kurse, Ausflüge, Museumswanderungen, Kunstabende sowie gesellige Zusammenkünfte. d) Sie betätigt sich sozial (z. B. in jüdischen Toynbeehallen und ähnlichen Volksbildungsbestrebungen; II. Abwehrbewegung. 1. Der Kulturbund nimmt in regelmäßig wiederkehrenden Versammlungen Berichte über den Stand der antisemitischen Hetze, insbesondere über Neuerscheinungen auf diesem Gebiete entgegen und sorgt für publizistische; Orientierung der jüdischen Oeffentlichkeit über diese Vorgänge. —SS7^ Feuilleton Reihenfolge. Er durchsuchte, beim Größten fing er an und beim Kleinsten hörte er auf I, 44, 12 Als der Hausverwalter die Säcke der Brüder Josefs nach dem versteckten Becher durchsuchen sollte, fing er mit dem Sacke des Aeltesten an und hörte mit dem des Jüngsten auf. Dieser an sich natürliche Vorgang, bei der Untersuchung dem Alter nach vorzugehen, wird von den Auslegern der Schrift dahin erklärt, daß die Brüder nicht merken sollten, er wisse, wo der Becher ist In der Beobachtung der Reihenfolge lag eäne bestimmte Absicht und kein Zufall. So wunderten sich die Brüder mit Recht damals, als sie von Josef zum Mahle eingeladen wurden, darüber, daß er sie in der Reihenfolge so genau wissen konnte. Reihenfolge hat immer etwas zu bedeuten. Darum kam es auch Sn dem Lehrhause, in dem die Aussprüche Hülels und Scham maas, der beiden gefeierten Meister der jüdischen Gesetzeskunde, vorgetragen und besprochen wurden, einmal zu einem lebhaften Streite über die Reihenfolge, in der dfie Chanukaiichter angezündet werden sollen. Alle wußten daß man die Lichter vom ersten bis zum achten Tage entzünden müsse und sich die Zahl der täglich anzuzündenden Lichter mit jedem Tage des Festes ändere, aber 81m unklaren war man, ob man. am ersten Tage ein Licht und dann an jedem folgenden nur eines mehr oder aber am ersten Tag» alle acht Lichter und mit jedem folgenden eines weniger entzünden müsse. Für letztere Ansicht entschieden sich die Anhänger der Schule Schammads, die meinten, man müsse mit dem vollen Lichtergianze beginnen und mit dem Ausgange und Ausklange des Festes ein letztes Licht übrfg haben; für erstere Ansicht traten die Anhänger und Schüler, Hilleis eM, die sagten, daß die Zahl der anzuzündenden Lichter, wachsen und der letzte Festtag die Fülle des Festesfreude und des Lichtglanzes bedeuten müsse. Die Erfahrung und der Brauch beweisen den Sieg der Ansicht der Schüler Hülels. — Chanukka ist ein Fest der Geschichte und erinnert an die schweren und und siegreichen Kämpfe Judas de» Makkabäers und an den größten und begehrtesten Erfolg jener Kämpfe, die Einweihung des entweihten Tempeäs. Geschichte ist nicht bloß Berichterstatterini und Erzählerin von Ereignissen, von Sorgen und Kämpfen, Erfolgen und Siegern Sie ist auch eSne Schatzkammer, gefüllt mit dem kostbaren Gute von Erfahrung und Lebensweisheit, weil sie uns Erfolge un4 Mißerfolge zeigt Aus beiden muß man lernen, um sich durch diese nicht beugen zu lassen und bei jenen zwischen Zufalkv erfolgen und den echten der Kraft und Tüchtigkeit unterscheiden zu können. Das Geheimnis der wahren Erfolge is* aber die rdcfotäge Reihenfolge. „Die Gerechten schreiten vom Tat zu Tat", lautet ein altes Wort. Im sicheren, zielbewußten Vorwärtsschreiten wird das Große erreicht. Das Bild der Himmelsleiter, die einst Jakob im Traume geschaut hat ist die sinnfällige Darstellung für den Weg zum Erfolg. Man muf von Stufe zu Stufe aufwärtssteigen. Darum lautet der Grundsatz des' Judentums: „man muß dm Heiligen aufwärtsschreiten und nicht hinabsinken". Darum siegte die Ansicht Hilleis ml Lehrhause, weil er seine Meinung, die Lichter in stets wachsender Zahl anzuzünden, mit diesem Grundsatze begründetet Der Talmud vergleicht das Menschenleben mit einem Lichte, denn das Schicksal des Lebens und des Lichtes ist, daß es abbrennt und sich verzehrt, indem es leuchtet Der Ausklans beider ist ein letzter Funke, dann ist es dunkel und tot In» halt Tat und Erfolg vermögen aber dieses Schicksal zu besiegen und um dessentwillen ist die Mehora, die in der Weis? Hülels entzündet wird, stets fortschreitend, sich stets mehren*'

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