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Die Wahrheit · 1925-12-11 · Heft 49 (11.12.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 49 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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die Wahrheit Seht 11 Mrä t iq ö h i de s -1 n s 111 u t veranstalteten Vortragsabende;\am 5, d. M.) sprach Rabbiner Dr. A. Kaminka über Universal ismus und Nationalismus in der G eschichte des Judentums. Seine Ausführungen schütteten, wie immer so auch diesmal, ein wahres Füllhorn' historischer Kenntnis und Erkenntnis aus und boten einen Gesamtüberblick über Leben, Kämpfe und Leiden um geistiges Gut, das stets höher als materielles, um Mehschheitsinteressen, die immer höher als die eigenen Volksnöte gewertet wurden. „Wenn jemand von Israel sich lossagt, gehört er nicht mehr zu unserer Gemeinschaft — aber jeder Fremde kann unser Bruder werden." Es waltet in unserer ganzen Geschichte ein Dualismus insoferne, als auf eine große Epoche der Vorherrschaft universeller Ideen eine kleinere folgt, in welcher das' Bestreben auf Erhaltung der physischen Einheit stärker betont erscheint. Da die Ausbreitung Israels über die engen Grenzen Palästinas in die weite Welt ein wesentliches Merkmal se'ner Geschichte bildet, kann, man säe wenigstens seit dem VIII. vorchristlichen Jahrhundert bereits als Einleitungsprinzip verwenden: Schon in der ersten Diaspora weissagt J e s a i a, daß von Israel die Leuchte der Nationen ausgehen werde; ' auf drei Jahrhunderte uraversalistischer Geistesrichtung folgte unter J e r e m i a die Erinnerung an Mutter Rahel und e'ne religiös-separatistische Epoche zur Zeit Es ras. Innerhalb der zweiten Diaspora der hellenistischen Siedlung am Mittelmeere spricht Philo von Israel als dem Priester für die ganze Menschheit und damals drohte dte physische Einheit fast zu erlöschen. Die Gegenbewegung brachten die Makkabäer zustande. Aber mit der Erstarkung der Nation kam Priesterhierarchie und Imperialismus auf und drohte die religiöse Idee zu vernichten. Rabbinismus und Pharisäer haben den großen Weltgedanken wieder gerettet, flillel erklärte, die Selbsterhaltung sei durchaus nicht Hauptzweck! R. Ischanan, R. Eleasar u. a. wollten die große Saat der religiösen Idee in die ganze Welt ausstreuen. Erst unter den T a n a i t e n begann wieder der Versuch, die fast in Vergessenheit geratene hebräische Sprache zu beleben. In der dritten Diaspora, die mit der Ausbreitung der arabischen Zivilisation in Nordafrika und Spanien zusammenfällt, schrieben wieder Sandia, Bachia und Maimonides ihre Hauptwerke arabisch; das Hebräische gilt als heilige Sprache, die nicht profaniert werden soll. Auf diese Zeit der philosophischen Entfaltung des Judentums innerhalb der arabischen Kultur reagiert energisch und feindselig eine extreme Orthodoxie; es wurden damals sogar Palästinaauswanderungen unternommen. Hierauf folgt eine ganz eigenartige Synthese von Philosophie und Orthodoxie in der kabbalistischen Strömung, welcher leider auch Historiker von der Bedeutung eines G r ä t z verständnislos gegenüberstehen, obwohl sie besonders für den Osten von kraftspendender Wirkung gewesen. Trotz oder neben aller Mystik liegt eine große Dynamik darin, daß mit den. kleinsten Verrichtungen des Alltagslebens große Ewigkeitsgedanken verknüpft werden. Die vierte Diaspora leitet Mendelssohn mit seiner Bibelübersetzung ein und damit erst zu Schiller und Kant hmüber: dieser Assimilation sucht sich wieder d;e Orthodoxie (S. R3fael Hirsch) zu erwehren, während die nationale Idee durch Theodor Herzl initiiert wird. Auf den Vortrag folgte eine Diskussion, bei der Herr Bafo seine völkische. Herr Dr. Tmalis seine philosophische und der Referent seine universalistische Auffassung?<> dem Thema präzisierten und den Bewefs erbrachten, daß durch derartige Vorträge mit geistigen Waffen gegensätzliche Anschauungen vornehm durchzukämpfen der geeigneteste Boden geschaffen wird, auf welchem sich nur. zahlreichere Teilnehmer im eigensten geistigen Tnteresse einfinden sollten. Med. Rat Dr. H. Haas e. temoelverem Aeschel Awrohom (II., Pazmanritengasse 6). Als Einleitimg für die anläßlich des 50iährieen Bestandes des Tempelvereines geplanten Feierlichkeiten fand Sonntag, den 6. d. M. im Giebelsaal des Tempels unter Vorsitz des Obmannes Oskar Schramek eine außerordentliche Generalversammlung statt. Der Gesamtvorstand, die Funktionäre des Tempels und eine große Anzahl Mitglieder des Tempelvereines waren erschienen und bot sich ihnen durch die Ausschmückimg des Saales ein feierlicher Anblick dar; über dem Vorsitztisch pranerte ein Gruppenbild, dias den gegenfwärtigen Vorstand und die Funktionäre vereinigte. Obmann Oskar Schramek eröffnete die Generalversammlung mit einigen _ Begrüßi.nesworten, gab hierauf einen kurzen Ueberblfck über die Geschichte des Vereines von dem Tage an, da 17 be- : herzte Männer in der Springergasse unter Führung des Obmannes Josef G r ü n f e 1 d s. A. den Bethausverein ..Am Volkert" gründeten und ein kleines Bethauslokal mieteten. Durch den Zuwachs von Anhängern breitete steh der Verein immer mehr aus und übersiedelte m die Fugbachgasse» wo größere Beträume adaptiert wurden. Die Führung übernahm Adolf Schramek s. A., unter dessen Leitung der Verein zu großem Ansehen gelangte. Durch seine Tätigkeit und die einiger opferwilliger Mitglieder, deren erste die des Herrn Friedrich Allina war, wurde der Verein In dte Lage versetzt, im Jahre 1914 das von Herrn Architekten. Reiser erbaute herrliche Gotteshaus in der Pazmanitengasse zu errichten, wobei die besondere Anerkennung den inzwischen heimgegangenen Gründern Obmann Adolf Schramek, B1 ü h, G1 o g a u und Rat W e n g e r, wie auch dem Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern und dem Vertreter der Isr. Kultusgemeinde Dr. Markus Spitzer für ihre werktätige Unterstützung gebührt. Obmann Oskar Schramek skizzierte hierauf das Programm des Tempelvereines, der nicht nur die Pflege des Gottesdienstes sich zur Aufgabe machte, sondern auch auf karitativem und kulturellem Gebiete Ersprießliches leistet. Er erwähnte die Unterstützungstätigkeit des Vereines durch seinen Armen- und Brautausstattungsfonds und die Hilfeleistungen seinerzeit für die notleidenden deutschen Juden wie auch für unsere Glaubensgenossen in Palästina, weiters die vielbeachteten Vorträge Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. S. Funk und die hervorragenden Leistungen der Bibelschule, die unter Leitung des Obmannstellvertreters S. Adler derzeit einen Stand von 200 Kindern hat. Anläßlich des Vereinsjubiläums w'e auch des 10jährigen Dienstjubiläums Sr. Ehrw. Rabb. Dr. S. Funk, werden eine Reihe von Festlichkeiten veranstaltet, so Ssmstag. den 12. Dezember vormittags ein Festgottesdienst, bei dem eine neue Thorarolle eingeweiht wird, am Abend desselben Tages ein Festbankett und eine Stiftungstrauung am Sonntag. Er dankte den Spendern von Kle- Kodausch für den neuen Sefer und teilte schließlich mit, daß der Vorstand beschlossen habe, eine Anzahl von um den Verein verdienten Mitgliedern und Vorstandsmitgliedern zu Ehrenmitgliedern zu ernennen. Den diesbezüglichen Vorschlag unterbreitete der Generalversammlung Obmaninstellvertreter I. Schönherz und erbat ihre Zustimmung für die Wahl dter Herren Rabbiner Dr. S. Funk, Obmannstell Vertreter S. Adler. Friedrich Allina, Moritz Bi ss. Hermann Ehrenfeld. Josef Friedländer und Salomon Hoff mann. Nachdem die Generalversammlung per Akklamation ihre Zustimmung gegeben hatte, dankte im eigenen Namen wie namens der Ausgezeichneten Rabb. Dr. S. Funk in schwungvollen Worten, in denen er die Ehrung als einen Ansporn für weitere unermüdliche Tätigkeit bezeichnete. Hierauf sprachen eine Anzahl von Vereinsmitgliedern, darunter für die Bibelschule Obmannstellvertreter S. Adler, für die Gaboimsektion S. Leenman.n, für die rührige Jugendgruppe Dr. Funk jun. sowie die Herren Friedrich Allina und Heinz Kohn u. a. Zum Abschluß der Generalversammlung wurde dem Obmanne des Vereines Herrn Oskar Schramek für seine überaus verdienstvolle Tätigkeit eine besondere Ehrung seitens des Rabbiners Dr. S. Funk zuteil: dieser verlieh ihm nämlich mit herzlichen Worten den. Ehrentitel Morenu Raw und überreichte ihm die Urkunde für diese hohe Auszeichnung. Obmann Oskar Schramek schloß mit Dankesworten die Generalversammlung und fand hierauf eine Festsitzung des Vorstandes statt bei der den neugewählten Ehrenmitgliedern wie auch gleichzeitig Herrn Architekten Reiser, der anläßlich des 10jährigen Bestandes des Tempels zum Ehrenmitgliede gewählt worden war. die Diplome überreicht wurden. — Auch die Jugend°rum>e des Tempelvereines wird das 5€jährige Jubiläum des Vereines festlich begehen und zugleich ihren Sinn für Wohltätisrkeit treffend dokumenf eren. Durch die Rührigkeit der Frau Vizeiväsidentin Pollitzer ist es nämlich gelungen, de Winterbekleidung für 20 Kinder der Bibelschule zu verschaffen und -findet Sonntag, den 13. d. vormittags eine Fe?er im Tempe-1 und am Nachnrttag desselben Tages im Hotel Astoria. II.. Praterstr. 60, eine Chanukaveranstaltung statt, bei der Kinder Festspiele aufführen werden. Verband jüdischer Gastwirte, Hotellers und verwandter Betrfpbe. Der im Titel genannte Verband hat in seiner am 9. Februar stattgefundenen Generalversammlung seinem verdien st vollen Präs:denten Herrn Oskar Tonello in Anerkennung seiner erfolgreichen hingebungsvollen Tätigkeit für dte Interessen des Verbandes und zur Hebung des Ansehens der jüdischen Gastwirte Wiens zum Ehrenmitgliede ernannt. In Ausführung dieses Beschlusses wurde Herrn Oskar Tonello in der Montag, den 7. d. M. stattgefundenen Vorstandssitzung ein überaus kunstvoll ausgeführtes Diplom überreicht. Abschiedsabend. Frl. Olla Bauer, Tochter des Herrn Oberkantor Jakob Bauer, die seit 15 Jahren am Hamburger Stadt-

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