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Die Wahrheit · 1925-12-11 · Heft 49 (11.12.1925) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 49 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 pm WAHRHEIT Kr. 49 Von Woche zu Woche Die Wirtschaftslage In Palästina. Wir hatten bereitsmehrmals Gelegenheit, die erfolgreiche Tätigkeit der Agudas J i s r o e 1 im Heiligen Lande zu besprechen. Diese internationale Vereinigung aller gesetzestreuen Juden hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Geist der Thora und der Tradition zu erhalten, zu vertiefen und zu verbreiten. Getreu diesem Ideale hat sie es als ihre Pflicht angesehen, an der Wiederaufbauarb ei t in Palästina teilzunehmen, um auf diese Weise zu verhindern, daß diese ausschließlich in den Händen areligiöser und materialistisch orientierter Organisationen liege. Ungeachtet ihrer rein religiösen Einstellung hat die Aguda ihr Augenmerk besonders auf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Palästina gerichtet und ein eigenes Wirtschaft samt für Palästina gegründet, dem ein Informationsbüro angegliedert wurde. Wir entnehmen dem letzten von Dr. Robert Weiß erstatteten Berichte dieses Amtes folgende Einzelheiten, welche ein ungeschminktes Bild der derzeitigen ökonomischen Verhältnisse in Palästina geben. Die Wirtschaftslage in Palästina hat sich einigermaßen stabilisiert. Nach der Periode des starken Anschwellens der Einwanderungsziffern folgte eine ziemlich gleichbleibende Monatsimmigration, die (nach Abzug der Rückwanderer) auch weiterhin um die Zahl 3000 schwanken dürfte. Damit war ein Warnungszeichen für die größte Industrie des Landes — für das Bau- und Baumaterialiengewerbe— gegeben worden, der Häuserspekulation nicht allzu weite Kredite zu gewähren. Die Krise, die derzeit die Bauindustrie erfaßt hat und wieder die Arbeitslosenziffern anschwellen läßt, kann daher zu einer Gesundung und Normalisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse führen. Palästina, das eine noch viel zu wenig gewürdigte wirtschaftliche Aktivität besitzt, kann dann an absehbarer Zeit den Kapitalzustrom erwarten, um den man sich jahrelang bemüht hat Solange aber nicht nur •eine schwache Krise — wie jetzt — sondern ein vollständiger Zusammenbruch der führenden Industrie des Landes zu erwarten war, Ist es unmöglich gewesen, langfristige Kredite auch für die solidesten Projekte und Unternehmungen aufzunehmen. Die Kredittätigkeit der Banken beschränkte sich daher lediglich auf das laufende Diskontgeschäft Es ist zu erwarten, daß, sobald die gegenwärtige Depression ihren Höhepunkt erreicht haben wird, jene neuen Kapitalien ins Land strömen werden, die allein imstande sind, die wirtschaftliche Basis für eine steigende Einwanderungszahl zu schaffen. Denn die Tätigkeit der im Lande arbeitenden Kolomsatäonsorganisationen — Pica (Verwaltung der Rothschildkolonien), ICA. Agudas Jisroel, Zionistische Organisation — wird solange nur Stückwerk bleiben, als nicht das internationale Weltkapital sich für die Anlagemöglichkeiten in Palästina •ebenso interessiert wie für jedes andere Land im vorderen Orient Die verheißungsvolle Eröffnung der Tel-Awiwer Messe wedst deutlich den Weg, der der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes gegeben hat: Nur eine möglichst vollkommene, ja restlose Eingliederung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion des Landes in die Warenerzeugung und in den Warenverkehr des vorderen Orients kann für Palästina jene gesunden, stabilen wirtschaftlichen Verhältnisse schaffen, die Voraussetzung sind zu einer ruhigen politischen Konstellation und zu einer tiefdringenden kulturellen Arbeit im Lande. Der Großteil der ins Land strömenden Einwanderer sind nach wie vor ungelernte Arbeitskräfte, gleichgültig, ob es sich um junge oder alte Immigranten handelt Neben der Kapittlsarmut ist diese, fast bei jedem Wirtschaftsdetat bemerkbare Minderqualität der Arbeit und der Arbeitsorganisation eines der schwersten Hindernisse zur Entwicklung des Landes. Die Ursache ist in einem fast allgemeinen professionellen Hochmut zu suchen, der vermeint daß ein halbes Jahr Ausbildung außerhalb oder innerhalb des Landes genüge, um aus Kaufleuten „Fachleute für alles" heranzuziehen. Nach wie vor wird Qualitätsarbeit in der Möbel-, Kleider- und Schuhwarenbranche zum größten Teile aus dem Auslande eingeführt Gewiß gibt es einige gut arbeitende Betriebe, aber die durchschnittliche Qualifikation ds Gewerbetreibenden und Handwerkers in Palästina steht auf einem beschämend niedrigen Niveau. Aus all dem ergibt sich, daß eine dauernde Ansiedlung in Erez Jisrael nur dort möglich ist, wo entweder über ausreichende Kapitalien oder über wirklich ausreichende Fachkenntnisse verfügt wird. Speziell Qualitätsarbeit mit dem Niveau, das man ». B. in Deutschland durchschnittlich vom gelernten Arbeiter verlangt, sind nach wie vor im Lande stark nachgefragt. Aber nicht genug gewarnt werden kann vor einer unüberlegten Einwanderung ohne Kapitalien oder ohne langjährige und tiefgehende Fachkenntnisse. Das sichere Elend wartet in Erez Jisroel ebenso wie in anderen Ländern auf denjenigen, der unzulänglich ausgerüstet an seine Arbeit herantritt. Erez Jisroel ist kein Wirtschaftsasyl für Existenzen, die in Europa Schiffbruch gelitten haben. Der Händlerberuf ist derart überfüllt, daß die Einnahmen der Krämerlädchen. die es zu Tausenden in Tel Awiw gibt, täglich mehr zusammenschmelzen. Nur Produzenten — Handwerker, Gärtner und Landwirte — können hier erfolgreich arbeiten, wenn die oben erwähnten Voraussetzungen gegeben sind. Die Hauptschuld an der wirtschaftlichen Not der mangelhaft ausgerüsteten Einwanderer tragen die ut o pi st is che n Meldungen mancher Zeitungen in Europa, die phantastische Stimmt! n gs b er i c h te verbreiten, denen jede Basis fehlt. Neue. Keilschriftrunde in Kapadokien. Wie aus Prag gemeldet wird, hat der Professor für semitische Sprachen an der tschechischen Universität in Prag Doktor Friedrich H r o z n y an den Präsidenten der Republik Prof. Dr. Thomas G.Masaryk aus Kaissari eh in Kleinasien folgendes Telegramm gesendet: „Die tschechoslowakische Mission hat in K u 11 e p e bei K a i s s a r e h ein sehr wichtiges kappadokisches Keilschrift- Archiv ausgegraben, das aus dem Jahre 3000 vor Christi stammend an tausend Tafeln und Bruchstücke mit Keilschriften enthält". Die vorliegende Meldung dürfte nicht verfehlen, auch im Kreise der Nichtfachleute erhebliches Interesse hervorzurufen, sowohl mit Rücksicht auf die Persönlichkeit des Leiters der tschechoslowakischen Mission, Prof. Hroiny. der'als erster die hethitische Keilschrift entziffert hat, als auch wegen der Bedeutung, die der so umfangreiche Fund für die Erforschung der Geschichte des alten Orient zu erlangen verspricht; reichen doch die ältesten Keilschriftfunde in Kappadokien nicht weiter zurück als in das Jahr 2500. Nun wissen wir aber aus anderen Keilinschriften, daß sich schon um die Mitte des dritten Jahrtausends vor Christo eine semitische Wanderung nach Kappadokien ergossen hat. Die eingewanderten Stämme führten den Namen Hethiter und wurden von den Aegyptern Cheta genannt, während sie in der Bibel als Bnai Cheth (Söhne Chets) bezeichnet werden. Die Thora berichtet nämlich (1. B. M. Cap. 23, Vers. 3 ff), daß Abraham seine Frau Sarah in Hebron im Lande der Söhne Chets begraben hat und vorerst mit Ephron, dem Fürsten der Hethiter wegen einer Ruhestätte für seine Frau unterhandeln mußte. Nördlich von Palästina bildeten die Hethiter später ein großes Reich und führten mit den Pharaonen viele Kriege um den Besitz Syriens und Palästinas. Hierüber haben wir teils aus den ägyptischen Hieroglyphen Auskunft erhalten, teils aus dem sogenannten „Kappadokischen Tafeln", welche in der untersten Schicht von Bogazköj und bei Karah-Uejuk in Kleinasien gefunden wurden. Diese Tafeln, die zahlreiche Keilinschriften aufweisen, sind teils geschäftlicher Natur, teils Briefe, die jedoch einen wichtigen Beitrag zur Assyrologie lieferten und uns einige Kenntnis von dem Kalendarium jener Kultur brachten. Als die Kinder Israels Palästina besiedelten, mußten sie den hartnäckigsten Wiederstand des in der Berglandschaft um Hebron wohnenden Stammes der Hethiter überwinden, der sich dann nach der Unterwerfung Kanaans durch die Israeliten weiter nördlich in der GegendvonB e th el niederließ und von Salomo unterworfen und tributpflichtig gemacht wurde (um 100O vor Christo). Der nördlich von Palästina' wohnende Hauptstamm der Hethiter, der in Sprache und Schrift seiher alten Kultur treugeblieben war, wurde durch eine aus Kleinasien kommende Völkerbewegung in eine Anzahl kleiner, ohnmächtiger Fürstentümer zersprengt, die gegen Ende des 8. Jahrhunderts vor Christo von den assyrischen Königen gänzlich unterworfen wurden. Prof. Hrozny ist auf Grund seiner Forschungen der Ansicht, daß die Hethiter nicht semitischen, sondern indo-europäisehen Ursprunges waren, während die bisher herrschende Meinung die war, daß es sich hier um einen Teil der zahlreichen semitischen Völkerschaften handle, die von Süden her kommend, Palästina, Phonikien und Philistäa besiedelt hatten. Das nunmehr gefundene zahlreiche Keilschriftenmaterial dürfte uns nicht nur die Klärung dieser Frage bringen, sondern auch manche interessante Einzelheiten über das seltsame Volk der Hethiter. Vortrag. In einem vom Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Verbindung mit dsm

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