Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 49 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. & DIE WAHRHEIT Seite 7 corps). Von den 140.000 bereits klassifizierten jüdischen Soldaten dienten 114.000 in der Landarmee, 13.500 in der Flotte, 2300 im Landungskorps; bei ungefähr 11.000 von ihnen konnte der Dienstzweig nicht festgestellt werden. Von diesen 114.000 jüdischen Angehörigen der Landarmee haben 24.200 bei der Infanterie gedient, 7642 bei der Artillerie, 7889 beim medizinischen Korps, 4558 beim Signal- und Luftfliegerkorps, 2496 beim Geniekorps, 1239 bei der Kavallerie, 1385 als Ordonnanzen, 13.264 bei anderen Abteilungen. Von 51.332, deren Dienstzweig noch nicht festgestellt werden konnte, wird der weitaus größte Teil bei der Infanterie gedient haben. Was den Dienstzweig anbetrifft, wurden 7929 aktive Offiziere der Landarmee festgestellt, unter ihnen 32 Obersten, 39 Oberstleutnants, 340 Majore, 1201 Kapitäne und 4802 Leutnants. In der Flotte dienten 433 aktive Offiziere, darunter ein Kontre- Admiral, im Landungskorps 59 aktive Offiziere, darunter ein Brigadegeneral. (Fortsetzung folgt.) Rabbiner Dr. 8. Funk als Jubilar. Von Professor Dr. S. K r a u s. Als der Wiener Tempel verein „Aeschel Awrohom" vor mehr als 10 Jahren daran ging, sich ein geistiges überhaupt zu setzen, war es ihm schwer, den geeigneten Mann zu finden. Der Verein war erstarkt, ein schöner mächtiger Tempel stand da, man lebte in der glanzvollen Hauptstadt Wien, man konnte von den anderer, großen Organisationen dieser Stadt nicht zu sehr abstechen — und dennoch wollte man in konservativem Sinne vorgehen, man wollte das Herkommen in Satzung und .Ritus wahren, und der Rabbiner, der diese Gemeinde leiten sollte, mußte vor allem selbst konservativ, mußte vor allem ein tüchtiger Talmudist sein, der ebenso zum Gefühle wie zum Verstände seiner Getreuen sprechen kann. Dazu mußte er durchaus modern gebildet sein und die Vorgänge dieser großen Welt nach heutigen Erfordernissen beurteilen können. Alle diese Voraussetzungen waren in selten glücklicher Weise in einem Manne vereint, in Dr. S. Funk, der damals Rabbiner in Boskowitz war und im kräftigsten Mannesalter stand, wie er denn, Gott sei's gedankt, auch heute, da er sechzig Jahre alt ist, kräftig und rüstig vor uns dasteht. In seiner ungarischen Heimat in Thora und Abod'a erzogen, hatte er in Berlin das orthodoxe Rabbmerseminar absolviert gehabt, wo er sich die Gunst und Vvenschätzung seiner Lehrer in so hohem Maße errang, daß er, besonders der Liebling des unvergeßlichen Dr. A. Berliner, im Jahre 1911 an die Seite seiner ehemaligen Lehrer zum Dozenten berufen wurde. Er sollte in der Hildesheimschen Anstalt außer Geschichte und Literatur auch das Talmudische vertreten. Schon ein Jahr darauf stand er, nicht als Bewerber, sondern als Berufener, auf der Liste jener Männer, denen in Prag die Stelle des Oberrabbiners angetragen wurde, Aber es kam anders. Funk wurde für Wien gewonnen, für Wien im Ganzen, und nicht mir für den Tempel in der Pazmanitengasse, denn seit einigen Jahren wirkt er auch in der großen Gemeinde als ein Mitglied ihres Beth-Din. Bescheidenheit, Friedfertigkeit und Leutseligkeit gegen jedermann zeichnen diesen Mann in hohem Maße aus, daher düe Achtung und Liebe seiner engeren Gemeinde, die Achtung und Liebe aller, die ihn kennen und zu ihm in Beziehung getreten sind. Noch bevor er in Wien seinen Posten antrat, ging ihm der Ruf eines tüchtigen Gelehrten und namentlich Talmudforschers voran. Es genügt in dieser Beziehung das Urteil eines kompetenten Mannes, wie Professor Dr. W. B a c h e r fn Budapest, s. A. hierherzusetzen: . . . „Dr. S. Funk ... hat sich durch seine teils selbständig in Buchform, teils in Zeitschriften und Sammelschriften erschienene^ gelehrten Arbeiten um cfie wissenschaftliche Erforschung und Verwertung des Talmud in sehr hervorragendem Maße verdient gemacht. Diese Arbeiten zeugen von gründlicher Kenntnis der Traditionsliteratur und von der Fähigkeit, sie wissenschaftlich zu bearbeiten und die Ergebnisse der Forschung klar darzustellen." In ähnlicher Weise urteilen auch andere namhafte Gelehrte der jüngsten Vergangenheit und Jetztzeit, wie z. B. der rühmlichst bekannte Dr. August Wünsche, wie denn unser Dr. Funk zum Unterschiede von manchen selbst talmudischen Rabbinern der Gegenwart auch in christlichen Gelehrtenkreisen sehr geschätzt und anerkannt wird. Zeuge dessen ist das großartig angelegte Werk „Monumenta Talmudica", an dessen Leitung sich außer Funk noch Universitäts-Professor und Hof rat Dr. A. N e u m a n n, später Prof. Dr. I. D ö!11 e r und N. Schlögl beteiligt haben. Schon früher durch sein zweibändiges Werk „Geschichte der Juden in Babylonien" gründlich dazu vorbereitet, hat Funk in den „Monumenta14 den Stoff „Bibel und Babel" bearbeitet, ein großes Werk, das nicht weniger als 902 rabbinische Texte wissenschaftlich behandelt und der modernen Weltanschauung nahe bringt. Dieses Stück der „Monumenta" bildet ein ewiges monumentales Zeugnis dessen, was Fleiß und Gelehrsamkeit eines einzigen Menschen zusammenbringen kann. Nur die leidigen Kriegsverhältnisse sind daran schuld, daß dieses von Funk inspirierte große Unternehmen nicht bis zu Ende geführt werden konnte. Würdig zur Seite den großen Monumenta steht das kleine Werk „Die Entstehung des Talmuds" in Sammlung Göschen, das 1919 in zweiter Auflage erschienen ist Volkstümlich und doch gelehrt, gefällig nach inneren und äußeren Merkmalen, hat dieses Werk in weiten Kreisen einen adäquaten Begriff vom Talmud verrbeitet und steht nun als geachtetes Nachschlagebuch vor aller Welt da. Andere Werke, die wir Dr. Funk verdanken, können hier nicht einmal erwähnt werden. Seine Doktor-Arbeit „Aphraates" behandelt einen syrischen Kirchenvater; wem ist dieser Name geläufig oder auch nur bekannt? Und so geht es manchem Gelehrten, daß die Frucht seiner Arbeit unbekannt bleibt oder gar mitleidig bespöttelt wird. Anderes, mitunter Großes und Nützliches, muß vor den Geschäften des Alltags und der um Brot gehenden Berufstätigkeit zurückgesetzt oder für immer unausgeführt bleiben. Seine Gemeinde, und wir alle, die ihn kennen und verehren, haben uns in diesem vortrefflichen Manne nicht getäuscht; er erfüllte die Hoff nunigen, die in ihn gesetzt wurden, glänzend und in vorbildlicher Weise. Aber er hat sich in uns oder richtiger in Wien getäuscht: er kam hierher und gedachte, hier der wissenschaftlichen Forschung zu leben; das ist ihm allerdings nicht möglich geworden, denn seine immer mehr wachsende Gemeinde und die damit verbundenen Berufsgeschäfte wie auch sein schweres Amt in der Kultusgemeinde nehmen all seine Zeit und all seine Kraft in Anspruch. Aber er soll es sich nicht verdrießen lassen; wer o s e k ist in Zorche zibbur mit Hingebung in Aufrichtigkeit verdient und bekommt umso mehr ein herzliches mische'berach. Gott möge unserem Freunde und Jubilar noch weiter viele Jahre des emsigen Schaffens gönnen; es wird ihm endlich auch gelingen, sein immer betontes Vorhaben, wissenschaftlich arbeiten zu wollen, auszuführen und dlamit erfreuen all die, die noch wissen, daß ein Rabbiner zugleich ein Gelehrter, Lehrer und Mehrer der Thora sein muß. Werbet Abonnenten für „Qie Wahrheit" JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. 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