Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 48 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite & DIE WAHRHEIT Nr. 48 ■ Oesterreichs Jüdische Jugend ] Veröffentlichungen der ■ Jugendgruppe der „Union deutschösterreichischer Juden" ■ Jüdische Jagend und Antisemitismus. Von Jakob Herz, I. Vorsitzender der Jugend-Union. Stärker als andere Schichten unserer Gemeinschaft leidet die Jugend durch den Antisemitismus. Ihr überaus starkes Ehrgefühl, ihr hochentwickelter Gerechtigkeitssinn bäumt sich auf gegen jede Art von Zurücksetzung und gegen jedes Unrecht, das ihr wegen ihres Glaubens oder ihres Bekenntnisses widerfährt. Sie ist auch deshalb stärker von der Judenfeiaidschaft betroffen, weil dieser an den Mittel- und insbesonders an den Hochschulen einen günstigen Nährboden findet und ihr auf Schritt und Tritt, bei jeder Gelenheit in offener oder versteckter Form entgegentritt. Eine besonders häßliche und rohe Art des Judenhasses ist der Rasse nantisemit Ismus, dessen Symbol das Hakenkreuz geworden ist, das man heute nicht nur auf Anschlagtafeln, Plakatwänden und in den Hallen unserer Hochschulen^ sondern sogar in den Hütten und Unterkunftshäusern auf einsamer Bergeshöhe findet. Der Rassenantisemitismus haßt den Juden nicht wegen seines Glaubens, sonder» aus „nationalen'4 Gründen. Da aber kein noch so verbohrter Antisemit so evidente Tatsachen leugnen kann wie die Zugehörigkeit alier derer zu einem Volke, die dessen Sprache sprechen, dessen Geist and Kultur schon mit der Muttermilch in sich aufgenommen haben, schafft er sich einen neuen Begriff, den er der Pferde-, Rinder- und Schweinezucht entnommen hat und mit einem wissenschaftlichen Mäntelchen umgibt, nämlich den Begriff der „R a s s e". Mit dieser Ausgeburt des rohesten Materialismus, mit dieser jeder Realität baren Anschauung ziehen die „Rassenschützler" gegen uns in den Kampf. Da wir Juden — so heißt es in den Programmen dieser Leute — eine Gefahr für die „arische Rasse" bilden, müssen wir verfolgt, unterdrückt und ausgerottet werden. „Dem Antisemitismus gilt daher unser rastloser und schärfster Kampf." Dieser Satz, der sich in unserem Aufrufe findet, enthält demnach eines der wichtigsten Ziele unserer Vereinigung. Mit jugendlicher Begeisterung wollen wir diesen Kampf führen, furchtlos und unerschrocken dem Judenhaß und den Judenhassern entgegentreten, energisch, zielbewußt und — wenn andere Mittel versagen — auch rücksichtslos gegen diejenigen vorgehen, die uns unser Recht und unsere Ehre rauben wollen. Wir führen einen gerechten Kampf, einen uns von unseren Feinden aufgezwungenen Verteidigungskampf und sind davon überzeugt, die rechtlich denkenden und gerecht fühlenden Menschen, welcher Konfession immer, auf unserer Seite zu wissen. Kämpfen wir doch nicht allein für uns, unser Recht und unsere Ehre, sondern auch zur Ausmerzung der größten Kulturschande, zur Vertilgung der Schmach unseres Jahrhunderts. Wie nun soll dieser Kampf geführt werden? Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben: ehrlich, offen und gerade. Wir lehnen die Methoden ab, die unsere Gegner in diesem Kampfe gegen das Judentum anwenden, wir haben es nicht notwendig, mit Lügen, Verleumdungen und Schädigung fremder Ehre zu kämpfen* denn die Waffen in diesem gerechten Kampfe sind das Recht und die Wahrheit. Wir werden durch rastlose Aufklärungsarbeit der Propaganda der Antisemiten entgegentreten, jeden Angriff auf unsere Ehre sofort abwehren, jede Rechtsverletzung, Zurücksetzung oder Kränkung, die dem Geringsten unserer Glaubensbrüder wegen seines Bekenntnisses zum Judentum widerfährt, mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zurückweisen. Die Begeisterung für diesen Kampf in der jüdischen Jugend Deutschösterreichs zu erwecken, alle die um unsere Fahnen zu scharen, welche die Unerträglichkeit des jetzigen Zustandes empfinden, soll Aufgabe unserer Vereinigung sein. Wir wollen die feste Burg der jüdischen Jugend werden, einer Jugend, die nicht aufhörenwird, fürEhre undWürdedes Judentums zu kämpfen, solange es1 Menschen gibt, die sich zum Antisemitismus bekennen. mumm Union özatsftostcppeidiisdiep Juden dm^m) JECinladiingzu der am Samttag, 5. Dezember im Souterrainlokal de« Cafe" Arlon, I., Rothgasse stattfindenden TANZ-SOIREE Ersiklasslfle KuntOcrttMe Bettina 8 Uhr abends Cntree S 1.5« Ottstfe willkommen T