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Die Wahrheit · 1925-12-04 · Heft 48 (4.12.1925) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 48 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 48 DIE WAHRHEIT Seite 7 der Juden im Felde, nämlich die Auszeichnungen, die sie erwarben und für welche Kriegstaten sie ihnen zuteil geworden, die Beförderungen von Juden zu Offizieren, die Zahl der Gefallenen. Dabei hatten die Kommissionen mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen, da in den genannten Ländern die Konfession in der amtlichen Statistik in keinem Falle berücksichtigt wird, so daß die einfache Feststellung der Zahl der jüdischen Bewohner eines gegebenen Landes nur auf privatem Wege möglich ist, mit Hilfe der Gemeinden, Korporationen und dergleichen. Zumal die Kriegsstatistik erforderte ein ausgedehntes Netz von Nachforschungen und Untersuchungen, deren Ergebnisse demnach hinter dem Tatsächlichen zurückbleiben mußten. Hatte man die Liste abgeschlossen, so stellte sich häufig nachträglich heraus, daß sie unvollständig war und durch spätere Feststellungen ergänzt werden mußte. Als die in Rede stehenden Studien verfaßt wurden, waren die Untersuchungen noch weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein, und Rab. Michael Adler in London, das Oberhaupt des britischen Feldrabbinats, der die Studie über die Juden in der englischen Armee verfaßt hat, betont, daß die Erfahrungen aller Persönlichkeiten, die mit der Erforschung des Gegenstandes zu tun hatten, dahin gehen, daß kaum zwei Drittel der wirklichen Zahl der am Kriege beteiligten Juden sich ziffernmäßig feststellen ließ. Gleichwohl bietet das gesammelte Material so viel Wissenswertes und Interessantes, daß die Ergebnisse weitesten Kreisen bekannt gemacht zu werden verdienen. Großbritannien. Die Zahl'der Juden im britischen Reich konnte, wie gesagt, nur schätzungsweise festgestellt werden. Im vereinigten Königreich (England, Schottland, Irland) schätzt man ihre Zahl auf 275.000, in den Dominions (Kanada, Australien, Südafrika usw.) betrug die Zahl ungefähr 145.000, zusammen also ungefähr 420.000. Davon entfiel jedoch ein sehr beträchtlicher Teil der männlichen Bevölkerung auf Ausländer, die noch nicht eingebürgert waren, also für den Militärdienst nicht in Betracht kamen. Die englischen Juden besaßen überdies im allgemeinen fast gar keine militärische Tradition und Vergangenheit, Im August 1914 war die Zahl der Juden, die in der regulären Truppe der englischen Armee dienten, sehr geringfügig. Etwa fünfzig in der Marine, vierhundert Offiziere und Mannschaften in der Landarmee und gegen achthundert in der Reserve und der Territorialtruppe. Aber als der Aufruf an die Bevölkerung erging, es sollen sich Freiwillige melden (bekanntlich wurde nachher, trotz des lebhaften Widerstandes der Bevölkerung, die Militärpflicht nach kontinentalem Muster eingeführt, aber nur für die Dauer des Krieges), da meldeten sich jüdische Freiwillige aus allen Klassen und aus allen Gegenden des Reiches. Vor Einführung der Militärpflicht erreichte die Zahl der Juden in der Armee zehntausend, darunter 1140 Offiziere. Die 19.000 Köpfe zählende jüdische Bevölkerung von Australien zum Beispiel stellte 1800 Freiwillige, von denen 250 im Felde gefallen sind. Von den Familien englischer Geburt haben sich ungefähr 90 Prozent der waffenfähigen jungen Leute freiwillig gemeldet, die in England geborenen Söhne von eingewanderten Ausländern lieferten gleichfalls hohe Ziffern. Von den ehemaligen Schülern der bekannten „Jüdischen Freischuie" im Last End von London hatten sich 1200 gemeldet. Von den beiden anderen Erziehungsanstalten in Clifton und Chelxonham hat buchstäblich jeder Zögling in militärpilichtigem Alter, bis aui die physisch untauglichen, sich einreihen lassen. — In England existierte eine sehr merkwürdige und nachahmenswerte Institution, die Jewish Lads' Brigade, eine Brigade von jüdischen jungen Leuten, die während der Sommermonate regelrechte militärische Uebungen abhält und ihre Mitglieder für den militärischen Dienst in jeder Beziehung ertüchtigt, ohne dem Verband der Armee anzugehören. Von neunzig jungen Leuten, die in der Brigade als Offiziere fungierten, brachten es achtzig zu Ofrizieren der Armee während des Krieges. Von der Gesamtzahl der Juden im britischen Reich, die, wie gesagt, Frauen, Kinder und Ausländer mit eingerechnet, 420.000 Köpfe betrug, dienten, so weit festgestellt werden konnte, 50.000 im Heere. Verluste an Gefallenen, Verwundeten und Vermiß*- ten haben 8674 zu verzeichnen. Davon sind vor dem Feind gefallene Offiziere 316, Offiziersaspiranten und Mannschaften 2008. Dekoriert und in den Armeebefehlen erwähnt wurden insgesamt 1105. Davon erhielten fünf die höchste Auszeichnung, das Viktoria-Kreuz, das etwa dem preußischen Pour te Merite entspricht, fünfzig erhielten den Distinguished Service Order, das Militärkreuz erhielten zweihundertundfünfzig, der Rest erhielt Auszeichnungen, die etwa dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse entsprechen, zweihunidertdreißig erhielten ausländische Orden und Auszeichnungen. Lehrreich sind die amtlichen Begründungen der Auszeichnungen, von denen einiges hier erwähnt werden möge. Der Leutnant Frank Alexander de Pass erhielt sein Victoria-Kreuz für „hervorragende Tapferkeit", die er bewies, indem er in eine feindliche Sappe eindrang, in Angesicht der feindlichen Bomben einen Quergang zerstörte und dann unter dichtem Feuer einen Verwundeten, der unter freiem Himmel lag, davontrug. Leutnant de Pass verlor das Leben an demselben Tage, bei einem wiederholten Versuch, die erwähnte Sappe, welche der Feind wieder beisetzt hatte, zurückzuerobern. #(Der Leutnant de Pass wurde nach dem Tode dekoriert.) Korporal Issy Schmulowitsch erhielt das Victoria-Kreuz für „äußerst hervorragende Tapferkeit": er verließ bei Ypern aus eigenem Antriebe seine Kompagnie und drang in die feindliche Linie vor, um einem schwerverwundeten Mann beizustehen, den er unter dichlem Kugelregen 250 Yard weit trug und in Sicherheit brachte. Infanterist Leonard Keyser für „äußerst hervorragende Tapferkeit und Pflichttreue": er zeichnete sich im Bombenwerfen aus, wurde verwundet, weigerte sich jedoch, ins Lazarett zu gehen, und schloß sich einer anderen Kompagnie an, die ihre Bombenwerfer verloren hatte. Kapitän Robert Gee für „außerordentlich hervorragende Tapferkeit, Initiative und Entschlossenheit", mit der er sich aus der Gefangenschaft befreite, dann selbständig eine Gruppe des versprengten Brigadestabs sammelte und den bisher siegreichen Feind aus der ganzen Gegend verjagte; verwundet, lehnte er es ab, verbunden zu werden, bis die Verteidigung sicher organisiert war. (Fortsetzung folgt)

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