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Die Wahrheit · 1925-12-04 · Heft 48 (4.12.1925) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 48 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite ß t)IE_WAHRHEIf Nr. 48 der, Perser, Griechen, Römer, Germanen usw.) die hauptsächlichsten, wenn nicht gar die einzigen Schöpfer der Menschheitskultur gestellt hätten, auf sich hat. Auf Grund seiner umfassenden Vergleichungen kann er auis klarste konstatieren, daß alle Menschenrassen die Fähigkeit nicht nur zur Aneignung bereits vorhandener Kultur, sondern auch zur selbständigen Förderung des Kulturfortschrittes besitzen. Indianer und Neger sind ja befähigt,, mehrere fremde Sprachen sich anzueignen, und z. B. der Neger Booker T. Washington hat durch sein auch ins Deutsche übersetztes- Buch „Vom Sklaven em^ por" (Berlin 1902) sich als einen guten Schriftsteller ausgewiesen. Auch haben sich bei sonst niedrigstehenden Australiern Anfänge des Schriftgebrauchs gezeigt (Friedr. Ratzel, Völkerkunde, Fd. I, 28, 317). Und wie wollen die Antisemiten, welche so lange auf die Arier als , die eigentlichen Kulturschöpfer geschworen haben, mit den neuen Erkenntnissen sich abfinden, welche durch die Ausgrabungen über die Bedeutung der semitischen Babylonier für die Kulturentwicklung gewonnen sind? Auch wenn die Behauptungen der sogenannten Panbabylonisten, zu denen z. B. der sonst verdienstvolle Hugo Winckler gehört hat, daß Babylonien der Urquell aller Kultur gewesen sei, gemäß den Einzelnachweisen meines Schriftchens „Die moderne Babyionisierung der Bibel" (1922) abgelehnt werden müssen, so ist es doch keinem Zweifel unterworfen, daß die Babylonier zunächst auf dem astronomischen Gebiete durch die Entdeckung des Tierkreises und seine Zerteilung in zwölf Abschnitte usw. sowie durch die Grundlagen ihres Maß-, Gewichts- und Münzsystems einen reichlichen Beitrag zur Menschheitskultur beigesteuert haben. Aber auch der israelitischen Nation darf keineswegs die aktive Mitwirkung an der Förderung des Kulturfortschrittes abgesprochen werden. Hat Israel doch schon auf dem profanen Gebiete der Kultur z. B. durch die höchst frühzeitige Ausbildung einer „echten Geschichtsschreibung" (Ed. Meyer) nicht nur die Chinesen, Inder, Aegypter und Babylonier überflügelt, sondern sich neben die Griechen mit ihrem Herodot und Thukydides gestellt, wie erst in diesem Jahre von mir in der weltbekannten „Historischen Zeitschrift" unter dem Titel „Ist die jetzt herrschende Einschätzung der hebräischen Geschichtsforschung berechtigt?" nachgewiesen worden ist. Ferner hat die israelitische Nation anerkanntermaßen durch die Ausbildung einer Chronologie die Grundlage für die Darstellung der Weltgeschichte geliefert (nach den Berichten über den XIII. Internationalen Orientalistenkongreß, S 195 f.). Daß Israel endlich, um nur noch ein einziges Moment anzuführen, als „das Volk der Religion", wie der Göttinger Hermann Schultz es genannt hat, einen Löwenanteil an der Kulturförderung geleistet hat, wie sollte dies erst noch einer weiteren Ausführung bedürfen? Nichts anderes als blinde Verkennung der kulturgeschichtlichen Tatsachen und selbstgefällige Ueberhebung ist es demnach, wenn die Vertreter des Rassen-Antisemitismus nur die Arier oder Indogermanen als die Schöpfer der Kulturgüter hinzustellen pflegen. Und um noch etwas von meinen eigenen Erwägungen über die Hinfälligkeit der rassen-antisemitischen Auistellungen hinzuzufügen: Ihr Hauptgebrechen ist die Verdrehung des Körperlichen und des Geistigen, die Vertauschung von Blut und Gemüt. Diese Verirrung tritt uns ja insbesondere aus Arthur Dinters Büchern entgegen, von denen Hertz in seiner rein akademischen Untersuchungsart gar keine Notiz genommen hat. In Dinters Roman „Die Sünde wider das Blut" (S. 138) müssen wir ja lesen: „Der Lebenswille des reinen Germanenblutes ihrer Mutter war durch die dunkelchaotischen Fluten aus den Adern ihres Vaters in allen seinen edleren. Trieben gehemmt". Welch schrecklicher Absturz der kulturgeschichtlichen Beurteilung tut sich da vor unseren Augen auf! Da will man Idealismus, Moral und Religion auf die Zusammensetzung des Blutes zurückführen. Das ist der Tiefpunkt der kulturgeschichtr liehen Bewegung. Wehe der Generation, die sich von einer solchen Thorie verblenden unid ihrer Ideale rauben läßt! Doch nur getrost! Wenn nach dem Muster von Büchern, wie das von Dr. Friedrich Hertz, nur immer weiter für die Ergebnisse der rein objektiven -— parteilosen — Natur- und Geschichtsforschung gekämpft wird, braucht es uns um den Sieg über die Theorien des Rassen-Antisemitismus nicht bange zu sein. Die Jaden in den Armeen der Entente. Von Ben Jehuda. Der einundzwanzigste Band des von der Jewish Publication Society of America in Philadelphia herausgegebenen „Amerikanisch-jüdischen Jahrbuchs" bringt drei ausführliche Studien über die Juden in den Armeen von England,. Amerika und Frankreich während des Weltkrieges. In allen diesen drei Ländern sind sehr eingehende Untersuchungen über diesen Gegenstand gemacht worden, da man mit Recht den Anteil der Juden an den Opfern, Mühen und Lasten des Krieges als den Maßstab ihrer vaterländischen Gesinnung betrachtete. Anderseits gab dieser Weltkrieg eine ganz unvergleichliche Gelegenheit, die Eignung der Juden für den Militärdienst in physischen und psychischen Beziehungen zu erproben. Viele Jahrhunderte lang, man kann fast sa?en, zwei Jahrtausende hindurch, waren die Juden des Kriegshandwerks völlig entwöhnt. Abgesehen davon, kommt in Betracht, daß die Juden «eit Jahrhunderten Stadtbewohner, in den letzten paar Jahrzehnten überwiegend Großstadtbewohner sind. Man redet also mit einem gewissen Schein von Berechtigung von der physischen Unterwertigkeit der Juden in bezug auf den Militärdienst, die sie mit allen anderen Stadtrespektive Großstadtbewohnern teilen. Diesmal machte die Weltgeschichte selber sozusagen ein Experiment, das die Möglichkeit bot, in einem bisher nie dagewesenen Maße die Eignung der Juden zum Kriegsdienst zu erproben. Die Untersuchungen der eigens zu diesem Zweck eingesetzten Kommissionen erstreckten sichauf die Zahl der Juden, die im Heere Dienste leisten ten, auf die Art dieser Dienste, auf das Verhalten

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