Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 48 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 fiffi WAHRHEIT Seite 5 zu und unbedingt als solche stigmatisiert hätte. Aber schließlich Herr Gottfried zur Beek benützt den „Brief von Toledo" zur Einführung und Beglaubigung für die „Weisen von Zion" und dazu paßt er wirklich ganz vortrefflich. * * * 0, Herr Oottfried zur Beek weiß recht gut, was er tut, was er ohne Furcht tun darf. Die ^.Protokolle der Weisen von Zion" sind, wie mit einer Nachdrücklichkeit, die wohl nicht überboten werden kann, als Sammelsurium frecher Fälschungen und blödsinniger Lügen gebrandmarkt worden. Das richtige Urteil über dieses Schandwerk hat der gründlichste Kenner derselben, B. W. Segel, nach Beibringung eines erdrückenden unwiderleglichen Beweismaterials in den Worten ausgesprochen: „Man hat gesagt, die Protokolle wären das Werk eines Wahnsinnigen oder eines Verbrechers. Wozu die großen Worte? Sie sind das Werk eines vertrottelten armen Teufels, eines hungrigen Strolches, der an moral insanity litt, zu nichts und zu allem fähig. Verbrecher sind die, welche sich dieses Subjektes und seines Opus zu ihren Zwecken bedienten und noch bedienen". Herr Gottfried zur Beek kann nichtsdestoweniger zu seiner Freude lesen, daß die Entlarvung der Fälschung nicht ihren Siegeslauf hemmt, daß die antisemitischen Zeitungen sich weiter, als ob gar nichts geschehen wäre, ruhig auf die „Geheimnisse der Weisen von Zion" berufen. Hat er da nicht Recht zu glauben, daß im Kampfe gegen die Juden kein Blödsinn zu dumm und keine Lüge zu dreist sein? Ein echter Antisemit wird auch in dem Glauben der Echtheit der Protokolle der „Weisen von Zion" nicht erschüttert werden. Ego. Eine Hauptrüstkammer tür unsern Abwehrkampf.*) Von Geheimrat Ed. König in Bonn. Wer etwa der Meinung sein sollte, daß die Bekämpfung des Judentums eine ganz einfache Erscheinung sei, würde sich einer recht fatalen Täuschung hingeben. Denn sie ist es weder in bezug auf die Dauer ihres Verlaufes, noch in bezug auf die von ihr angewendeten Waffen oder Gefechtsarten, noch endlich in bezug auf ihre Anlässe oder Vorwände. Die verwickelte Zusammengesetztheit, die im Kampfe gegen das Judentum im Verlaufe der Jahrhunderte zutage getreten ist, wird sofort anschaulich vor das Auge des Lesers treten, wenn er jetzt hier auch nur auf den zuletzt erwähnten dritten Gesichtspunkt, unter dem die Judenverfolgung betrachtet werden muß, auf ihre Anlässe oder Vorwände, einen raschen Blick mit mir werfen will. Denn was war das erste Hauptmotiv, wodurch man sich zur Befehdung der Judenschaft antreiben ließ? Die Judenverfolgungen, die im Mittelalter z. B. in Mainz, Speyer, Worms so viele Opfer forderten, hatten ihren Hauptanlaß in dem Wahn, die von einem Bruchteil der jüdischen Zeitgenossenschäft *) Rasse und Kultur, Eine kritische Untersuchung der Rassentheörien von Friedrich Hertz. — Dritte gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage (Philosophisch-Soziologische Bücherei Bd. 34), Alfred Kröner Verlag in Leipzig. 1925; Preis: Geheftet M. 9.—; gebunden M. 11.—. Jesu zu diesem eingenommene Stellung noch immer an den Juden rächen zu müssen. Lieber die Verwerflichkeit dieses Strebens, jene Stellungnahme jüdischer Führer noch nach Jahrtausenden ihren Nachkommen mit blutigem Griffel ins Schuldbuch zu schreiben, ist selbstverständlich kein Wort weiter zu verlieren. Allerdings ein Friedrich Delitzsch hat es noch neuestens fertig gebracht, in seinen beiden Kampfschriften „Die große Täuschung" (Bd. I 74, 94; Bd. II, 17) jene Tat von Zeitgenossen Jesu gegenüber den jetzigen Generationen Israels als einen Posten ihres Schuldkontos zu unterstreichen. Jedoch im allgemeinen fing man doch an, sich dieses Motivs zum Judenhasse zu schämen. Aber war man nun um einen neuen Anlaß zur Hetze gegen das jüdische Volk verlegen? Keineswegs. Es waren besonders der französische Graf Gobineau und der englisch-deutsche Schriftsteller H. St. Chamberlain, die eine unwissenschaftliche Ansicht über den Begriff „Rasse" benützten, um den Haß gegen die Judenheit von neuem in helle Flammen ausbrechen zu lassen. Sie in erster Linie brachten das Dogma auf, daß den Semiten eine besondere Rasse zukomme, und daß von der Rasse eines Volkes die kulturgeschichtliche Stellung desselben abhänge. So kam der Kampf gegen das Judentum zu dem Namen „Antisemitismus" und wurde unter dieser Bezeichnung eine der giftigsten Fackeln in dem ohnehin schon ausgedehnten Flammenmeer, dem die Parteikämpfe der letzt vergangenen Jahrzehnte geglichen haben. Zur klaren Beurteilung und siegreichen Bewältigung dieser neuen Richtung, die der Angriff gegen das jüdische Volk eingeschlagen hatte, bietet sich als ein Hauptführer das Buch von Dr. Friedrich Hertz über „Rasse und Kultur" an, das im Verlage von Alfred Kröner zu Leipzig erschienen ist und wegen seiner Gediegenheit vor kurzem schon die dritte neubearbeitete Auflage erlebt hat. Bei der Lektüre dieses Buches kann man nicht nur die Erinnerung auffrischen, daß das Volk der Hebräer oder überhaupt die Semiten (1. Mos. 10, 22) nur einen Teil der kaukasischen Rasse ausmachen, also mit völligem Unrecht eine besondere Rasse genannt werden. Die tiefschürfenden Untersuchungen, die Hertz in seinem Buche niedergelegt hat, bestätigen auch, daß die Lehre von der Einheit des Menschengeschlechtes, durch deren Betonung die althebräische Literatur sogar die griechische überstrahlt, durch das unleugbare Vorhandensein der weißen, gelben, rotbraunen und schwarzen Menschenrasse durchaus nicht widerlegt wird. Denn bei Hertz finden wir aufgezeigt, daß die dünklere Färbung der Haut nur von der Menge des Pigments („Farbstoff" im englischen Wörterbuch) abhänpt, die ihrerseits wieder durch den Intensitätsgrad der einen Körperteil treffenden Licht- und Wärmestrahlen bedingt wird, weil ja z. B. die Fußsohlen bei Negern viel weniger als die der Sonnenwärme stets ausgesetzten Körperteile schwarz sind. Aus dem Buche von Dr. Hertz kann man aber auch noch Kenntnisse gewinnen, die eine noch direktere Beziehung zum Kampf mit den antisemitischen Gegnern besitzen. Er untersucht auch, was es mit der Theorie des Antisemitismus, daß die „Rasse" der Arier (also I»-