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Die Wahrheit · 1925-11-27 · Heft 47 (27.11.1925) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 47 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 47 würdigen. Alle aber dürften hierzu imstande sein, wenn man die Größe der Sympathien, die er in den weitesten Kreisen genoß, in Betracht zieht, und die Unparteilichkeit seines Urteils, die kraft der Stärke seiner eigenen religiösen Ueberzeugung unberührt blieb. Als Gelehrter und Humanist besaß er bei seinem tiefen Wissen nicht nur die Fähigkeit einer scharfen Kritik, sondern er bewies auch ein peinlich gewissenhaftes Gefühl der Anerkennung der Leistung der anderen. In seiner ausgezeichneten Kritik von Schürer gewann er auf diese Weise viele Anhänger sowohl dadurch, daß er auf die wirklichen Verdienste dieses Professors hinwies, diese besonders hervorhob, als auch dadurch, daß er offen die Fehler, Vorurteile und Ungenauigkeiten, die dieses Werk teilweise entstellten, an den Pranger stellte- Das Resultat hiervon war, daß Dr. Abrahams Urteile eine außerordentliche Wichtigkeit erlangten. E t setzte das Judentum den Christen auseinander und das Christentum den Juden. Auf diesem Gebiete hatten er und Mr. Claude Montefiore eine Stellung inne, einzig in ihrer Art. Sie schufen eine neue Plattform, wo Judentum und Christentum einander mit Anstand gegenübertreten konnten, dort, wo die Wissenschaft vorgefaßte Meinungen aufgestellt hatte und Sympathie dem Vorurteil wich. Unter den jüdischen Studenten in Cambridge war sein Einfluß sehr groß, weil er allgemein an der Universität in sehr hohem Ansehen stand. Die Presse, die Bibliothek und die theologische' Gesellschaft waren ihm sehr zu Dank verpflichtet. Ständig "wurde er um Rat befragt und jederzeit war er zugänglich. Vergangenen Juli wurden ihm und Frau Abrahams durch seine Schüler und Freunde eine Schenkung überreicht, um den langen Besitz seiner Professur besonders zu kennzeichnen. In der jüdischen Gemeinde war er hervorragend als Führer der jüdischliberalen Bewegung, und bis jetzt war seine Führung in gleichem Maße bei den orthodoxen und liberalen Kreisen geschätzt Wie er für die jüdische Gemeinde wirkte, für ihre Studenten und Lehrer, konnte Zeit seines Lebens nicht gebührend gewürdigt werden. Es muß genügen, zu sagen, daß kein Mann zu seiner Zeit hilfreicher und heilsamer schrieb, lehrte und wirkte. Obwohl kein Nationalist, wirkte er mehr für Palästina als mancher Zionist; obwohl liberal, stand er immer auf seiten des konservativen Judentums. In seinen Augen war bei Lehrern und Schülern niemals Partei oder Glaubensbekenntnis Maßstab der Beurteilung. Woche für Woche waren seine Schriften und Werke zuerst in der .,Jev/ish- Chronicle" und seit 1919 im „Jewish-Guardian" herausgegeben und bei Juden und Christen Gegenstand lebhaften Interesses. Israel Abrahams wurde am 26. November 1858 in London geboren. Sein Vater, der ehrwürdige Barnett Abrahams, war Daiin des „London Ecclesiasfical Court" und ebenso Vorsteher des „Jews College" in London, mit v/elcher Institution Dr. Abrahams in engster Verbindung stand- Seine Mutter war eine Miss B r a n d o n, ein Mitglied jener berühmten Familie der Brandons, die nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 nach Frankreich auswanderte und von welcher so viele in der jüdischen Geschichte bekannte Persönlichkeiten ehemalige Seelsorger der „Senior Synagogue" in Melbourne, jüdischen Seelsorgerstand ein: Moses Abrahams, der nach dem Kriege starb, hatte die Kanzel der „Leeds Old Hebrew Congregation" inne, und Josef Abrahams ist der ehemalige Seelsorger der „Senior Synagoge" in Melbourne. Dr. Abrahams heiratete die Tochter des verstorbenen S. Singer, Rabbi der „New Westend Synagoge" in London und hatte zwei Töchter, von denen die Jüngere eine bekannte akademische Karriere in Oxford und Paris machte. Dr. Abrahams lernte in jüdischen Schulen und an der Universität in London, wo er zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen bekam. Ihm wurde verschiedene Ehrungen zuteil, mitinbegriffen der erste Preis für Logik und Philosophie. 1889 erreichte er in London den Grad eines M- A. (Master of Arts) für Philosophie (er war der erste Student eines. „Jews" College, der den Rang eines M, A. errang) und ebenso war er derjenige, der den Preis in den schriftlichen Arbeiten davontrug. 1902 wurde ihm in Cambridge der Titel eines M. A, honoris causa verliehen, ebenso das Lirt-Doktorat der „Western Pensylvannia" und des D. D. (Doktor of Divitity) des „Union College" in Cincinnati. Dr. Abrahams Verbindung mit dem Jews'College erstreckte sich über einen Zeitraum von 31 Jahren, von 1873, als er dort JAC. MAYER die Venia legendi erhielt, bis 1903. Später wurde er auch Lektor für Englisch* und Mathematik (1881 bis 1899) und Hemiletik (1894 bis 1903); er hatte dort auch den Rang eines „Senior Tutor" von 1899 an bis zwei Jahre nach seiner Ernennung in Cambridge. 1902 wurde Dr. Abrahams Nachfolger des verstorbenen Dr. S. Schlechter als Professor für rabbinische Literatur in Cambridge, wo er 1906 zum Kurator für orientalische Literatur an der Universitätsbibliothek ernannt wurde. Er war Mitglied der „Kammer für orientalische Studien". An anderen Universitäten war Dr. Abrahams ebenso sehr bekannt. In London, wo er lebenslängliches Mitglied des Kollegiums war, hielt er am King's College Vorlesungen. 1907 wurde er zum Präsidenten der „University of Glasgow Theological Society" gewählt und zweimal war er Präsident der „University of Historical Theology" in Oxford, wo die Adressen anläßlich seiner Ernennung zum Präsidenten besondere Aufmerksamkeit erregten. Als er 1899 sein Amt antrat, veröffentlichte er seine berühmte Kritik gegen Professor Schürer (gedruckt in der „Jevish Ouarterly Rewiew", II, 626); 1901 gab er seine Schrift „Die Nachahmung Gottes" (Imitation of God) heraus (erschienen in „Studies in Pharisaism" Vol. 11/138). Bei seinem Besuch in New-York im Jahre 1912 wurde er zum ersten Lector des „Lewisohn College" gewählt und seit damals übte er diese Tätigkeit an den verschiedensten Universitäten der Vereinigten Staaten aus. Tiefste Gelehrsamkeit, Originalität, Beweglichkeit und Gedankenklarheit sind die Charakteristika der Schriften Dr. Abrahams. Sein erstes Werk: „Ausblicke des Judentums" (Aspecta of Judaism), 1895, schrieb er gemeinsam mit Mr. Claude Montefiore. 1896 folgte diesem sein Buch „Jüdisches Leben im Mittelalter" (Jewish Life in the M5f1dle Ages), ein Buch, für dessen Erfolg schon allein die Häufigkeit seiner Auflage und seines Nachdruckes spricht. Kaum ein Jahr ging vorüber, daß nicht irgendein bedeutendes Essay oder eine wichtige Schrift aus seiner Feder erschien. Von diesen mögen folgende angeführt sein: „Kapiteln zur jüdischen Literatur" (1899); „Hebräische Studien" (gemeinsam mit Alice Lucas 1903); „Maimonides" (gemeinsam mit David Yellin); „Studien über die Feiertage" (1905); „Bibliographie der Hebräer und des Judentums", kurzer geschichtlicher Ueberblick der jüdischen Literatur (1906); „Judentum", erschienen in der Zeitschrift „Religions, Andern and Modern" (1907); „Die literarischen Schriften S. Singers" (1908); eine Ausgabe von Macaulay über die Schrift „Jüdische Unmöglichkeiten" (1909); „Das Buch der Freude" (1913); „Kommentiertes hebräisches Gebetbuch" (1919); „Studien über das Pharisäertum" (Vol. 11/1924); „Wege in das Land der hebräischen Bücher" (1920); „Poesie und Religion" (1921); und „Bleibende Worte" (1923). Es ist kaum möglich, hier die Enzyklopädien. Bücher und Essays aufzuzählen, zu welchen er Artikel und Kommentare beitrug. Während eines Zeitraumes von 20 Jahren, von 1889 bis 1908. gab er gemeinsam mit Mr. Claude Montefiore die „Vierteljährliche jüdische Revue" (Jewish Quarterly Review) heraus. An der Organisation der englisch-jüdischen Ausstellung im Jahre 1887 hatte er hervorragenden Anteil; aus dieser entstand dann später die „Gesellschaft für jüdische Geschichte" in England, deren Präsident und Leiter ihrer Veröffentlichungen er war. Er war der erste Präsident und Gründer der „Union der Gesellschaft für jüdische Literatur", organisierte mehrere Sommerschulen, hauptsächlich in Cambridge, in Verbindung mit Volkshochschulkursen. Mit seiner Uebersetzung der Y ellin-Fibel führte er dieses hebräische Unterrichtssystem in England ein. Unlängst erst hielt er Vorlesungen in der britischen Akademie über den Gegenstand „Feldzüge in Palästina", gab vor kurzem das Werk „Vermächtnis Judäas" heraus, ein Ergänzungswerk der „Vermächtnisse Griechenlands und Roms". Er besuchte Palästina und Amerika und bei jeder Gelegenheit erregten seine Vorträge größies Interesse. Abrahams letztes Werk, betitelt „Die Herrlichkeit Gottes" erschien erst vor kurzem' und hatte einen ebenso markanten Erfolg wie sein zu gleicher Zeit erschienenes Werk „Bleibende Worte". Beide Werke werden in Amerika im Original als Vorlesungen benutzt und behandeln die Auslegungen theologischer Meinungen und ihre Folgerungen wenden sich in vieler Hinsicht nicht allein an das Judentum, sondern an alle Religionen. Ein Werk „Jüdischer ethischer Wille" ist im Druck und wird binnen kurzem erscheinen. Kleföer-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: DetaUyerkauf: Wien IL, Glockengüsse 24 Wien IL, Taborsiraße 4d

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