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Die Wahrheit · 1925-11-27 · Heft 47 (27.11.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 47 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Settel im WAMRimTi werde* Jedenfalls mußrnaa ess denn verantwortlichen Führern des ungarischen Judentums, die micht auf dem Boden des Trianoner Vertragese stehen, selbst überlassen, welchen Weg. sie als den vorteilhaften ansehen, ob den loyalen innerpolitischen Weg oder den" Weg . einer von außen kommenden Pression. Nachderrrdäese ^Argumente "auf die -Meinung'des Herrn Stricker und seiner Gesinnungsgenossen,-die^ offenbar eine vorgefaßte war, keinen Eindruck "gemacht hat, wollen wir mit einem Beweis dienen, der auf jeden Beobachter Eindruck machen muß, wofern nicht sein Urteil durch ^me vorgefaßte Meinung getrübt ist. Wir lassen im folgenden Herrn Lucien Wolf selbst sprechen, Strickers unfreiwilligen Kronzeugen. In einer Erklärung vom 13. November behauptet nämlich Lucien Wolf, daß das Jewish Foreign Comittee sich durchaus nicht in die inneren Angelegenheiten Ungarns einmischen wolle- und ganz im Gegenteil gleich bei Ueberreichung seiner Zuschrift an den Völkerbund betont habe, daß es von keiner ungarisch-jüdischen Korporation eine Ermächtigung zu diesem Schritte erhalten habe. Wäram die ungarischen Juden sich nicht direkt an den Völ- - kerbund wenden, das haben die Abgeordneten Wilhelm V a s z o n y und Paul S a n d ö r in ihren Parlamentsreden eingehend klärgelegt. Der Schritt, den das Jewish Foreign Comittee unternommen hat, hat a 11 e i n d e n Sinn, angesichts einer drohenden Auswirkung auf andere Ländereineneind e u t i ge n St an dp u n k t des Völkerbundes in der Frage des Numerus clausus herbeizuführeu. Was aberrdie "inneren .* Angetegenheitehi Ungarns f betrifft!" so hat das:Jewash.5Foreign Comitteeceinen'f reu n d~ schaftliehen Briefwechsel1 mit dem ungarfc sehen Ministerpräsidenten Grafen Bethlen und dem Vertreter' Ungarns beim3 Völkerbund Grafen Apponyi in: dieser - Angelegenheit: geführt. Noch "deutlicher spricht sich die „Atliance Israelite-.Universelle" aus, die in einer " Sitzung/vom 21. Oktober d i e t a p f e r e H a 11 u n g.d e r m u t i g für ihr Recht kämpfenden ungarischen Juden, anerkennt und. es begreiflichr findet, daß di e ungari sche J ü dens>chaf t• in ihrem patr iotischenJEmpf in den jede auß enpolitische Einmiengungr in die inn e ren A n g e 1 e ge n hei te n ihr e s V a t e r- 1 a n d e s a b 1 e h n t, zumal sie von ihrer "Regierung auf direktem Wege vollkommene Genugtuung. zu erlangen trachtet. Dieses Urteil über die berufenen Vertreter der ungarischen Juden haben diejenigen gefällt, welchedie Interessen1 der Juden vor dem höohsten internationalen Forum vertreten und auch die Angelegenheit des Numerus clausus i m a 11 g e m e inen dortselbst zur Sprache gebracht haben; Herr Stricker aber findet diese Haltung vom Gesichtswinkel der Taborstraße aus „würdelos". Ist es aber würdevoll, einer großen jüdischen Gemeinde, mit der man durch viele Jahre in bestem Einvernehmen stand, auf eine höfliche Einladung eine-unhöfliche Antwort zu erteilen? Ist es würdevoll, die Vertreter dieser Gemeinde, die uns zu dem Jubiläum eingeladen haben, zu beschimpfen und mit Köt zu bewerfen? Diese Fragen haben die Herren" Her jüdische Dreh9. Jakob liebte die Rachel und sprach: Ich ■ will dir dienen sieben Janre um Rachel deine jüngere Tochter.- I, 29,18 „Um Rachel, deine Töchter, die jüngere." Diese: drei Wörter der Rede Jakobs sind zum -geflügelten -Wort gewor-- den. Sie sind die Redewendung, mit der eine klare, bestimmte Forderung, zum Ausdruck gebracht wird. Sie besag«!; däß3n Wort und Rede, ehrlicher Sinn nicht deuteln und drehen kann. „Well die Leute deines Ortes trügerisch sind, will ich meine Angelegenheiten mit dir klar und deutlich aussprechen": „Ich wil dir dienen sieben Jahre um Radial und nicht um Lea"; „um deine Tochter", damit du mir nicht eine andere Rachel von der Straße bringst, die auch Rachel heißt, aber nicht deine Tochter ist"; „um die jüngere*', „damit du nicht etwa den Namen der einen mit dem der anderen vertauschest." So haben die alten Weisen den Gedankengang Jakobs aufgedeckt und uns einen Einblick in den geheimen Kämpf "zwischen Brautvater und Brautwerber gegeben. Die Fortsetzung und Entwickelung dieser Ehegeschichte ist allgemein bekannt. Jakob diente sieben Jahre, bekam die Lea statt der Rachel, diente weitere sieben Jahre, um beide zu besitzen. So' hat jener atte Erklärer recht, alz et "sagte r „Alles hatnichts "genützt" „Spanne den Frevler in ^ien Blodc der Zimmerleute, es nützt nichts." — Mit einem Krummen wird ^dne^ache nicht gerade und ehrlich. Selbst die eindeutigste Rede wird "nicht verstanden, wenn man sie nicht verstehen will und der geradeste Handel; die ehrlichste Abmachung wird zum Truge, wo Treu und Glauben fehlt Jakob, der betrogene Bräutigam, ist ein Beweis dafür, daß der werbende Mann in aufrichtiger Liebe zu dem Mädchen, das er zu besitzen wünscht, Nachteil und Schaden auf sich nimmt. Laban, der betrügerische Schwiegervater.-lief ert den Beweis, daß ein Vater, um seine Töchter an den Mann zu bringen, auch vor Trug und "Ränken nicht zurückschreckt. Ob es sich um Ehe oder andere wichtige Abmachungen im Leben handelt, immer steht der persönliche Vorteil mit Ehrlichkeit, Treu und Glauben in einem harten Kampfe. Um zu erreichen, was man will, wird oft, wenn auch nicht betrogen, so doch Wort und Sinn verdreht „Der jüdische Dreh" ist die' beliebte Anschuldigung, die die kniffige, ungerade Art, Geschäfte zustande zu bringen,-bezeichnen soll. Darum ist es von Bedeutung, daß Jakob derjenige ist, der die gerade, eindeutige Rede führt Tind daß er "durch das Verhalten Labäns in seinen weiteren Maßnahmen bestimmt wird. Man ist oft-vött/Natur, aus; nicht schlau und. verschlagen, sondern wird es .durch die Menschen, mit denen man. zu tun hat . Auch der Judehat die beste Erziehung zur strengsten Redlichkeit gehabt. „Was "deine =Lippe spricht, sollst dur hätten," hat ihm das r Schriftwort eingeprägt und am- Versohnungstage' mußte er bekennen wegen der „Sünde des Mundes und der Lippen". Zahlreich sind die Vorbilder für strengste Wahrheitsliebe* Aber er befand sich mitten unter den Völkern. „Er mußte alle Kräfte Seines Geistes anspannen," sagt Jellwiek sehr treffend: in seiner Schrift' - „Der < jüdische Stamm in nicht-jüdischen Sprichwörtern-' über--.den-jüdischen Verstand,.: „alle Schärfe: des Verstandes aufbieten, alle möglichen Kombinationen versuchen, neue Mittel und Wege entdecken, um zu existieren, zu -erwerben, ,für die Bedürfnisse seiner Farmhe zu sorgeny auch; um die Schränkender ihn einengenden Ausnahmsgesetze zu durchbrechen und einflußreiche Wächter derselben für sich zu gewinnen;" Der Weg'von den Worten: „Um Rachel, deine- Tochter, die jüngere" bis zu demrübelbeteurnäeten ^jüdischen Dreh" ist-die Schule des Lebens, in der unzählige Lehrmeister ä la Laban den-Schüler vomvgeraden?Wege ins .Krumme führten., E§: gibt aber VölkefTurid-Menschen,- die List 'und Verschlagenheit als^-Vorzug^-^^ Tugend .preise«/ und rTomer hafe gewiß1 seine« HeldenXMyssöttSiinar r ehren rwoHen, alsrer tihn^ den ijistengewandten" nannte.-Aber „was bei den Freien ein Vorzug ist,- ist bei dem Sklaven ein Fehler*', hat Leon Kellner. einmal geistvoll gesagt. Es trifft auch zu. Der „jüdische Dreh" ist ein Fehler;-weit an dem: unfreien Juden alles schlecht "und: tadelnswert ist. Auch der „jüdischer-Dreh4' "wird verschwinden-: und Jakob Jkehrt zurück zu seiner -freien, männlichen, geraden, eindeutigen Rede:. „Rachel, deine Töchter,;die jüngere," wenner "mit keinem' Laban mehr 'zu ^tini-häbat wird,- KK

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