Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 46 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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■■giMnKgsradiis#i*y^^ Nr. 46 DIE WAHRHEIT Seite 11 berühmtesten Universitäten, unter anderen auch die von Upsala, haben bereits das Werk subskribiert. Die bisher erschienenen Lieferungen, die nur einen geringen Bruchteil des Gesamtwertes umfassen, genügten, um das größte Interesse wachzurufen und dieses Interesse basiert nicht nur auf der Einzigartigkeit der Nationalbiographie, es ist auch und vielleicht vor allem der gediegene inhaltliche Wert, der eine so ungewöhnlich große Beachtung in Gelehrtenkreisen hervorgerufen hat. In knapper Form, mit einigen Strichen, werden die einzelnen Persönlichkeiten in dem Werke skizziert und doch ersteht vor uns bei der Lektüre sine vollständiges Charakterbild. Der Autor hat sich nicht auf die Aufzählungen biographischer Daten beschränkt, sondern jede Biographie mit Lebenswärme wiedergegeben. Darum hat das Werk auch in der gesamten Presse eine ungewöhnlich warme Aufnahme gefunden. So bildet denn die Anerkennung, die das Werk findet, eine gewisse Befriedigung für die jahrelangen Bemühungen des Autors. Das Werk, dessen Erscheinen unter so günstigen Auspizien vor sich geht, verspricht das zu werden, als was Wininger es haben wollte: als das Monumentum judaici nominis. J. Meisl, Geschichte der Juden in Polen und Rußland, 3. Band, Berlin 1925, C. A. Schwetschke & Sohn, Mk. 10.—, geb. Mk. 12.—. Wenn der Verfasser hofft, daß eine Darstellung neben der, die Dubnow von dem einschlägigen Gegenstand geboten, sich behaupten wird, so darf er sich dieser Erwartung vollauf berechtigt fühlen. Dieser Band, dem dieselben Vorzüge wie den beiden früheren nachzurühmen sind, verrät wiederum Meisterschaft und Beherrschung des Stoffes wie eine übersichtliche Formgebung. Fesselnd geschrieben ist hier ein Martyrium, das nirgends seinesgleichen findet. Im einzelnen sind wir dankbar für Aufklärungen über Steuern, wie die „Kerobka" (55), für sehr anschauliche Charakter- und l ebensschilderungen von geistigen Interessen des Ostjudentums (z. B. 115, 293), des Chassidismus und anderer zahlreicher Erscheinungen innerhalb des Judentums jener Gegenden und Zeiten. Gerade dieser Band, der so recht an die Gegenwart heranrückt, verdient besonders von jedem für die Vergangenheit seines Volkes interessierten Juden gelesen zu werden. M. W. Flaig. Alpenpflanzen, Frankh-Verlag, Stuttgart Mit 129 Abbildungen auf Tafeln und acht farbigen Bildern. Das Buch hält mehr als es verspricht. Denn wir finden in dem herrlichen Bilderbuch nicht nur Alpenpflanzen, sondern auch tropische Urwaldfarne und die Zedern des Libanon. Das Werk wird jedem Naturfreund viele Freude bereiten, ebenso w i e E. Thomson Setons „Wilde Tiere zu Hause". Ein neues Buch vom Autor des „Bingo", das heute wohl niemandem mehr unbekannt ist. Wenn Löns schrieb: „Wenn es nach mir ginge, müßte jeder von Staats wegen diese Bücher erhalten," so können wir nur dem beipflichten. — Dr. J a n e r t s Die Kunst geistig vorteilhaft zu arbeiten (Frankh) birgt eine Fülle guter Ratschläge und Anregungen, die bereits einen großen Kreis von' Freunden gefunden haben, wie man aus der in kurzer Zeit erfolgten dritten Auflage schließen darf. Besonders hervorragend ist das Kapitel „Geistige Höchstleistungen". E. Ludwig. Genie und Charakter. Berlin 1924, Ernst Rowohlt. Unter den zwanzig männlichen BMrissen, dffiehier in Wort und Porträt vor uns treten, begegnen uns Rathenau und Lassale als Vertreter jüdischer Typen. Typisch ist jeder dieser Charakterköpfe, sei es für ein Volk oder für eine bestimmte Weltanschauung und Willensriichtung. Weit entfernt von Carlylascher Helden-verehrung wird hier realistisch das Kernhafte aus jeder Persönlichkedt herausgeschält und mit der Hand eines berufenen Künstlers zur Anrechnung gebracht. Das Buch liest man mit ungewöhnlicher Spannung uind legt es aus der Hand mit der Wehmut, daß alles edle Wollen an den Widerständen dies Unverstandes scheitern muß, aber doch auch bestärkt in der Ueberzeugung, daß, was im Leben untergeht, in der Idee nicht nur, sondern auch in der praktischen Wirkung fortlebt, wenn ein zielbewußter, starker Wille es beseelte. M. Popper-Lynkeus-Gespräche (mitgeteilt von Margit Ornstein und Heinrich Low, R. Löwit-Verlag, Wien-Leipzig). Das mit vier lebenswahren Bildern des großen Philosophen geschmückte und mit einem Vorwort von Dr. Julius Omer versehene Buch enthält Gespräche, welche der große Sozialethiker Josef Popper in den letzten Jahren seines so segensvollen Lebens mit den Kindern seines verstorbenen Jugendfreundes, des Rechtsanwalts Dr. Moses Löwy, Margit und Heinrich geführt hat, die ihm in treuer Liebe in der Zeit seines langes schweren Leidens zur Seite gestanden sind. Die Aussprüche des bereits körperlich schwer leidenden, aber geistig bis zu seinem Tode ungemein regen Meisters, eines treuen Sohnes unseres Volkes, zeugen von seinem ebenso umfangreichen wie tiefen Wissen, gepaart mit einer Menschenliebe, wie man sie selten findet Popper liebte die Menschen, wie sie sind, und nicht, wie sie sein sollen, er liebte sie mit all ihren Schwächen und Fehlern, wie ein Vater seine Kinder liebt Popper, der au» dem jüdischen Ghetto in Berlin stammte, beschäftigte sich oft mit jüdischen Problemen, die er in seiner realistischen Art behandelt. Besonders von Interesse dürfte eine Aeußerung sein, welche er einmal zu seiner treuen Margit machte: „Wissen Sie, mit welcher Frage ich muh jetzt beschäftige? Mit der Frage: Warum Saul so melancholisch war? Ich habe nämlich von Else Feldmann (einer begeisterten Anhängerin Poppers. Die Redaktion) eine Karte mit einem Bilde von Rembrancjt bekommen: .David spielt vor Saul Harfe4. Hat man je von einer solchen Situation gehört? Ein König läßt sich die Harfe vorspielen von einem, der eines Tages sein Nachfolger werden wird! — Ich lese jetzt die zwei Bücher Samuel. Ich halte das für die interessanteste Episode der Weltgeschichte." Wenige Tage vor seinem Tode diktierte Popper, der zwar mit vielen Geistes-, aber nicht mit materiellen Gütern gesegnet war, folgenden Brief: „An den geehrten Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien^L Wien, den 10. August. Sehr geehrte Kultusgemeinde! Um gewisse Bestimmungen in meinem Testament zu treffen, bitte ich mir mitzuteilen, welches die stufenweisen Abgaben für ein Begräbnis sind, darunter auch ein Massengrab verstanden. Ferner bitte um Mitteilung, wie hoch sich die Kosten belaufen für das Grab nach seinen verschiedenen Abstufungen, ferner für die verschiedenen Funktionäre, die beim Begräbnis anwesend sein müssen. Ich bitte recht sehr um baldige Mitteilungen sowie darüber, ob no^h irgendwelche! Unkosten zu tragen sind, von denen ich keine Kenntnis habe. Für Ihre gefälligen Nachrichten im voraus dankend, zeichnet hochachtungsvoll Josef Popper- Lynkeus." Auf diesen Brief wurde Popper von der Kultusgemeinde geantwortet, daß für ihn ein Ehrengrab bereitstehe. Als Prof. Alois Pick, der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, nach einiger Zeit dem greisen Gelehrten einen Besuch abstattete, sagte Popper: „Ich werde Euch noch lange mit Eurem Ehrengrab warten lassen!" Dr. W. Adam Smith, „Der Reichtum der Nationen." 2 Bde. Alfred Kröner-Verlag, Leipzig 1924. Das Werk des Glasgower Logikprofessors, das 1776 unter dem Titel „An inquiry into the Mature and causes of the wealth of nation" erschien, hatte einen Erfolg, wie selten ein spezialwissenschaftliches Werk vor und nach ihm. Das Buch wurde gefeiert wie eine zweite Bibel, Anhänger fanden sich in der ganzen Welt und Smiths Lehre wurde Mode, wie ein Jahrhundert später Häckels „Welträtsel" als neues Evangelium in die Welt hinausgetragen wurde. Doch Smiths „Reichtum" war keine kurzlebige Sensation, sondern es zählt heute noch, 150 Jahre nach Erscheinen, zu den grundlegenden Werken der Volkswirtschaftslehre. Ueber manche seiner Anschauungen ist die Wissenschaft hinausgewachsen, manche sind noch heiß umstritten, das Werk als Ganzes aber ist für jeden gebildeten Laien — für die ist die vorliegende Ausgabe hauptsächlich gedacht — eine ebenso genußreiche Lektüre wie für den Fachmann. K. G. Mori ja und Golgatha von Binjamin Seegel ergreifende und wirksame Apologie der Jüdischen Religion, besonders geeignet, auf frische Jugendliche Menschen bleibenden Eindruck zu machen, — Preis Hark 1.50. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und durch den Verlag M. POPPELAUER, BERLIN C2 Neue FriedriohstraBe S9 if /