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Die Wahrheit · 1925-11-20 · Heft 46 (20.11.1925) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 46 (20.11.1925)
Date
1925-11-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Nr. 46 Von Woche zu Woche Ein Justizmord in Kowno. In Kowno wurde vor einigen Tagen das Todesturteil des Kownoer Feldgerichtes gegen den 23jährigen jüdischen Soldaten Nachum Szuwelier vollzogen. Er war beschuldigt, an einem Attentat gegen einen Provokateur, der Kommunisten der Behörde angezeigt haben soll, mitbeteiligt gewesen zu sein. Szuwelier bestritt jede Schuld. Der Haupttäter war geflüchtet, so daß eine Aufklärung der Angelegenheit erschwert war. Eine Abordnung der Kownoer Judenschaft erschien im Ministerpräsidium, um den den abwesenden Präsidenten vertretenden Min. Petrulis um die Begnadigung des immer seine Unschuld beteuernden jungen jüdischen Soldaten zu bitten. Petrulis weigerte sich aber, die Abordnung zu empfangen, und unterschrieb das Todesurteil. Die Rabbiner Kaplan und Schapiro, die von der Militärmacht eingeladen wurden, der Exekution als Seelsorger beizuwohnen, weigerten sich unter Protest, durch ihre Anwesenheit eine so grausame, gesetzlich ungeklärte Handlung zu sanktionieren. Israelitischer Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 21. November d. J., um 3 Uhr nachm., findet der Jugendgottesdienst für die israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks-Synagogen statt. Die Wiener Brockensammlung für Obdachlose und Arme, VII., Kaiserstraße 92, bittet um abgelegte Kleider und Sachen aller Art für die vielen Hilfsbedürftigen. Abholung erfolgt kostenlos. Fernsprecher 37-3-48. Teeabend. Am Sonntag, den 8. d. M. fand ein glänzender Teeabend des Mariahilfer Frauenvereines statt. Unter den Mitwirkenden, die ihr bestes boten, erregte der Oberkantor I. Koloman Katz (V. Bez.) besonderes Gefallen mit den stürmisch akklamierten jüdischen Gesängen und Arien aus Tosca, Carmen und Die Jüdin. Am Klavier Herr Zeisler. Der hier zum erstenmal im Konzertsaale debütierende erfolgreiche Sänger Oberkantor Katz wurde mit Anträgen zwecks Mitwirkung an großen Abenden beehrt. Barmizwahfeier. Samstag, den 14. d. M. fand im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier des Studenten Otto Herz, Sehn des Herrn Leopold Herz und seiner Gattin Johanna, geborene G e r s 11, statt' Zur schönen Feier hatten sich die Vorstandsmitglieder des Tempelvereines, die engeren Verwandten und viele Freunde der Familie Herz-Gerstl eingefunden. Alle Anwesenden waren von dem schönen Vortrage des Barmizwanten geradezu entzückt. Herr Rabbiner Dr. S. Funk richtete an den Konfirmanden eine herzliche und eindrucksvolle Ansprache, in welcher er besonders den Sinn des Vaters fürs Judentum und die edlenBestrebungen seiner Eltern hervorhob, und dem Sohne die Pflicht auferlegte, solchen Beispielen nachzueifern. Der gleichfalls zur Thora gerufene Vater sowie zahlreiche Verwandte und auch Freunde des Hauses spendeten bei diesem Anlasse namhafte Beträge. Am Nachmittag fanden sich die Familienmitglieder und Freunde der Familie zu einer schönen Feier zusammen^ bei welcher der kleine Otto eine aus warmem kindlichem Gemüt kommende Ansprache hielt, welche die Herzen aller Anwesenden eroberte. Sein reizendes Schwesterchen Irene würdigte den Festtag in einem hübschen Gedichte aus der Feder der Schriftstellerin Beate Baumgarten. Hierauf richtete Dr. Camillo Baumgarten an seinen Schüler, den er auch für die Barmizwah vorbereitet hatte, einige eindrucksvolle Worte, worauf Prof. Nasche im Namen der anwesenden Freunde eine geistsprühende Rede hielt, in welcher er insbesondere die 83jährige Großmutter Regine Herz, die aus weiter Ferne gekommenen Onkel und Tante des Barmizwanten, Simon und Olga Herz, und die langjährigen Freunde der Familie, Adolf Reiß, S. Moreno, Moritz Gerstl, Moritz Wärndorfer und Siegmund Chlamtatsch begrüßte. Am Schlüsse der Feier trug Frau Baumgarten einige schöne selbstverfaßte Gedichte vor, welche allgemein viel Gefallen gefunden haben. 70. Geburtsstag. Herr Salomon Hoffmann feiert Montag, den 23. November, in voller geistiger .und körperlicher Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Der hochgeschätzte Jubilar wird diesen Freudentag im engen Familienkreise begehen, umgeben von seiner treuen Gattin Jeanette, geb. Knöpfelmacher, den Söhnen Eduard. Dr. Oskar, Fritz und Dr. Richard Hoffmann. den Töchtern Frau Berta Hohenberg, Frau Dr. Ilona Kral und Frau Stella Leitner, sowie Schwiegersöhnen, Schwiegertöchtern und Enkelkindern, gefeiert und beglückwünscht von den zahlreichen Freunden, die er sich hn Laufe seines arbeitsreichen Lebens durch ^em redliches und hilfsbereites Wesen erworben hat Herr Salomon Hoffmann hatte seinerzeit den bosnischen Okkupationsfeldzug mitgemacht und wandte sich nach seiner Rückkehr aus Bosnien dem Kaufmannsberufe zu. Durch seine geschäftliche Tüchtigkeit erwarb er sich im Kreise seiner Berufsgenossen einen angesehenen Namen und kann jetzt auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Der Jubilar, der ein aufrechter und gottesfürchtiger Jude ist, gehört zu den Begründern des Tempelvereines „Aeschel Awroho m", in dessen Vorstand er bereits seit 35 Jahren eine angesehene Rolle spielt. Den zahlreichen Glückwünschen, welche Herr Hoffmann aus Anlaß seines 70. Geburtstages empfangen wird, schließt sich die Redaktion der „Wahrhet" aus vollem Herzen an. Der Unstern der Familie Breitbart. Der Bruder des kürzlich verstorbenen Eisenkönigs Breitbart, Josef Breitbart, der de Absicht hatte, sich ebenfalls als ,£isenkönig" zu produzieren, ist vor kurzem bei einer Probe im Zirkus Busch, wo er am 16. d. zum erstenmal auftreten sollte, lebensgefährlich verunglückt. Als ihm von mehreren Zirkusarbeitern zur Probe ein schwerer Amboß auf die Brust gestellt werden sollte, glitt einer der Arbeiter aus und der Amboß fiel dem Artisten auf den Fuß, der fast vollkommen zerquetscht wurde. Josef Breitbart schwebt in Lebensgefahr. Todesfälle. Dienstag, den 17. d. M. fand am Zentralfriedhof, 1. Tor, unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis des Herrn Markus N e u m a n n statt. Der Verblichene, Vater der Gemahlin unseres Chefredakteurs, Frau Sidonie Hirschfeld, Gatte der Frau Katharina Neumann und Bruder des Herrn Philipp Neumann, verstand es, durch unermüdlichen Fleiß und strenge Rechtlichkeit als Kommissionär der Produktenbörse, der er über 50 Jahre angehörte, im Kreise seiner vielen Freunde und Bekannten einen geachteten Ruf zu erringen. Herr Rabbiner Dr. Max Grunw a 1 d hielt dem im Alter von 78 Jahren nach langem schweren Leiden Verstorbenen einen zu aller Herzen dringenden Nachruf, in welchem er ihn als musterhaften Gatten, liebevollen Vater, Großvater, Bruder und Onkel würdigte. Unter den zahlreichen Anwesenden sah man in Vertretung des Vereines „Wohlfahrt" Vizepräsident D. G o 1 d m a n n, für den „Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels" Vizepräsident Oskar T o n e 11 o, für den Tempelverein „Aeschel Awrohom" Präsident Oskar Schrämek, Vizepräsident J. Schönherz und Vorstandsmitglied Franz Engel, eine Deputation der Wiener Fruchtbörse, ferner die Herren Robert Bösel, S. Chlamtatsch, H. Maer, M. Waerndorfer u. a. m. Die kantorale Funktion versah Oberkantor J. Müller. — Am 11. d. M. ist hier nach langem qualvollem Leiden Frau Therese König, Witwe nach dem vor drei Monaten verstorbenen Herrn Hermann König, aus dem Leben geschieden. Dem letzten Wunsche der Dahingeschiedenen entsprechend, fand die Bestattung in aller Stille und im engsten Familien- und Freundeskreise von der Wohnung, XIX., Mediergasse 5. aus auf den Zentralfriedhof am 13. d. M. statt. Die rituelle Zeremonie übte der dem Hause innig befreundete Herr Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter aus. welcher der Dahingeschiedenen einen ihrem frommen, echt jüdischen Lebenswandel gemäßen, die Herzen der Trauernden tief ergreifenden Nachruf hielt, in dem er Frau Therese König als wahre „Escheth Chail" rühmte, deren Angedenken bei allen, die sie kennen und schätzen lernten, insbesonders bei den Dürftigen und Armen, denen sie mit vollem Herzen beigestanden, in steter Erinnerung verbleiben wird. Unter den Trauergästen befand sich auch Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Feuchtwang, der es als seine Pflicht erachtete, an die Hinterbliebenen warme Worte des Trostes zu richten. Tempelverein und Chewra Kadischa Döbling, ferner die jüdischen Frauen^ vereine Döbling und Währung waren bei der Trauerfeier vertreten. Selbstmord und Konfession in Deutschland. Laut der Statistik sterben in Deutschland im Durchschnitt von einer Million Einwohnern 206 durch Selbstmord. Im Jahre 1922, also in einem Jahre, das bereits von der Inflation beschattet war, verübten in Deutschland insgesamt 6362 Personen Selbstmord. Davon waren 4970 Christen, 1299 Christinnen, 69 Juden und 24 Jüdinnen. Unter den Christen überwog ganz wesentlich die Zahl der Protestanten. Die Selbsmorde bei den Juden wachsen in den letzten Jahren auffallend. jum nimm Ii in imniiiii Werbet Abonnenten für „Die Wahrheit"!

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