Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 46 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 46 lierung zu versuchen. Bevor noch dieser Vorschlag diskutiert wurde, erhob sich der rumänische Antisemitenführer A. G. Cuza und erklärte wörtlich: „Nachdem einmal die Notwendigkeit einer Vertreibung der Juden aus Europa erwiesen ist, muß konsequenterweise die Revolution folgen. Nur Kanonen und Revolution können die Juden hinaustreiben. Wenn in Rumänien die Austreibung gelingen wird, dann werden auch alle anderen Staaten diesem- Beispiel folgen." Wenn auch diese kategorische Erklärung von einem so unernsten Menschen wie A. C. Cuza stammt, so ist sie doch sehr beredt Wir halten es nicht für notwendig, Schlüsse zu ziehen, weil sie evident hervorgehen aus der Erklärung sebst, die Rumänien zum Schauplatz der ersten Revolution machen will. Außer der Bildung dieser antisemitischen Internationale wurde in Budapest noch ein Pakt zwischen den rumänischen, ungarischen und deutschen Studenten geschlossen. In diesem Pakt wird vereinbart, den studentischen Kampf auf den Universitäten in gemeinsamem Einvernehmen zu führen." Der Eid „more judaico**. Gelegentlich einer Verhandlung, die dieser Tage in Husi (Rumänien) vor dem dortigen Bezirksgericht stattfand, verlangte eine Advokat die Beeidigung der gegnerischen jüdischen Partei more judaico. Der Antragsteller stützte sich darauf, daß das Gesetz vom Jahre 1844. das noch in Geltung steht, vorsieht daß die Juden über Antrag Ihren Eid more judaico in der Synagoge ablegen müssen. Das Gericht fällte die Entscheidung, daß durch die neue Zivilprozeßordnung sämtliche alte Gesetze abrogiert erscheinen und ließ die jüdische Partei den gewöhnlichen Eid leisten. Zum Bäekerstreik. Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren) teilt uns mit, daß auch im Talmud von einem Bäckerstreik berichtet wird. Diese Stelle befindet sich im Traktat Joma 38a. Daselbst werden auch die Namen der Streikenden genannt und die Maßnahmen angegeben, die getroffen wurden, um dem Streike der Bäcker wirksam entgegenzutreten. In Jerusalem gab es eine Familie (Bäckerzunft?) Garmu, deren Spezialität die Erzeugung von Schaubroten (für den heiligen Tempeldienst) war. Sie wollte aber diese Erzeugung monopolisieren und niemanden in diese Kunst einweihen. Darauf ließen die Weisen Bäcker aus Alexandrien kommen, die ebenfalls als Spezialisten in ihrem Fache galten. Allein sie waren nicht imstande, der erwähnten Familie Garmu Konkurrenz zu bieten, und die Weisen sahen sich bald genötigt, die ausgesperrten Bäcker wieder in ihr Amt einzusetzen. Diese weigerten sich aber, die Schaubrote weiter zu backen. Erst nach einer ihnen in Aussicht gestellten hundertprozentigen Lohnerhöhung ließen sie sich herbei, ihren Streik aufzugeben und die Arbeit weiter aufzunehmen. In Mischna und Talmud wird aber ihr Vorgehen aufs schärfste verurteilt. (Vergl. Mahrscha z. St.) . . . Rabbi Akiba hat recht, wenn er sagt: ,.Alles ist schon dagewesen." Biblische Taktik bei der Eroberung Palästinas. Ein amerikanisches ^Militärblatt berichtet über den Einfluß der Bibel auf die englische Strategie bei dem letzten Palästinafeldzuge. Es war in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht bei Jericho. Der Offensivplan war in allen Einzelheiten fertig ausgearbeitet. Im Hauptquartier saßen ein englischer Offizier und las in der Bibel die Stelle aus Samuel I., wo erzählt wird, wie sich Jonathan mit einigen ■ seiner Leute über die Felsen und Schluchten schlich, die Philister von einer Stelle aus überfiel, von der sie keine Gefahr ahnten und damit das Kriegsglück zugunsten des jüdischen Heeres wendete. Der Offizier gab seine Meinung kund, daß die gleiche Taktik heute noch gegen die Türken mit Glück angewendet werden könnte. Seine Ansichten fanden im Generalkommando Beachtung. Man schickte Pioniere aus und stellte fest, daß die Berge und Schluchten in dieser Gegend noch genau so geartet sind, wie zurzeit der Bibel. Es wurde nun ein ganz neuer Feldzugsplan nach den biblischen Anweisungen ausgearbeitet. Genau an gleicher Stelle, wo vor 3000 Jahren Jonathan und seine Freunde auf der Lauer lagen, postierten sich jetzt im Schutze der Berge kleine englische Abteilungen, die morgens auf ein gegebenes Signal losschlugen. Durch den konzentrischen Angriff von allen Seiten überrascht flohen die Türken in vollster Verwirrung über den Jordan. Jericho und damit Palästina überhaupt, fiel in die Hände der Engländer. So beeinflußte die Bibel die englische Kriegsführung in Palästina und bedingte ihren Bieg. Theater, Kunst u. Literatur] „Menorab", illustrierte Monatsschrift für die jüdische Familie, Wien L, Zelinkagasse 13 (Preis des Jahresabonnements S 20). Das reichillustrieite Novemberheft dieser vorzüglich geleiteten Zeitschrift bringt einen sehr interessanten Aufsatz des Herrn Rabbiner Dr. Saul Kaatz (Hindenburg). über die Geschichte der jüdischen Gemeinde Schwersenz. Ferner enthält diese Nummer neben Städteansichten von Schwersenz und Krakau Reproduktionen nach Originalen der bekannten Maler Erich Brill (Hamburg). Viktor Tischler (Wien) und Lyonel S. Reis (Newyork). Aus dem weiteren Inhalt heben wir noch hervor: Robert Weiß: Der erste Abgeordnete der Juden im österreichichen Parlament. Oskar Neumann: Verheißung. Dr. Oskar Bendiner: Moritz Heimann. Der Maler Erich Brill: (Hamburg). Illes KaczSr: Der Traiumsiedler (3. Fortsetzung.) Dr. Wolfgang Weisl (Jerusalem): Juden und Araber in Palästina. Eugen Höflich: Der Mörder (Fortsetzung und Schluß.) Musik: Rudolf Reti (Wien): Darius Milhaud. Außerdem die gewohnten Rubriken Frauenwelt, Schach, Modeberichte und „Für unsere Kleinen". Wissen Sie schon? Wenn wir in Deutschland zu Mittag essen, dann schlafen die Leute in Honolulu zu mitternächtiger Stunde. Wenn die Zugvögel durch die kalten Herbsttageaus unserer Gegend verdrängt werden, schlagen sie stets eine ganz bestimmte Flugstraße ein, um in wärmere Gebiete zu kommen. Von 50 deutschen Luftschiffen sind während des Krieges 17 durch feindliche Einwirkung verloren gegangen. Die Vereinigten Staaten haben den Friedensvertrag von Versailles nicht ratifiziert. Die Erblichkeit der verschiedenen Temperamente bildet noch heute eine große Streitfrage in der Wissenschaft. Das Wort „Götterdämmerung", das in der nordischen Mythologie den Weltuntergang bedeutet. All diese Fragen und viele andere löst die soeben erschienene zehnte Lieferung des „Kleinen Brockhaus", die das ganze Werk zum Abschluß bringt. Sie ist ein Spiegelbild aller vorhergehenden Hefte und stellt sich würdig an ihre Seite. Reichhaltigkeit, klare Uebersieht und strengste Sachlichkeit, sind wieder ihre wichtigsten Kennzeichen. Jedem können wir das Buch empfehlen, der kurze, aber genaue Antworten auf seine täglichen Fragen sofort haben will, ohne erst in vielen ^Bänden nachschlagen zu müssen. Besonders seien die älteren Schüler, Studenten, jungen Kaufleute Hind Beamten auf das Werk hingewiesen. Der geringe Preis von M. 23.— ermöglicht jedem die Anschaffung: des haltbaren und geschmackvollen Halble'nenbandes. Wem dieser Betrag auf einmal noch zu groß erscheint, der sei aufmerksam gemacht, daß das Werk auch weiterhin in zehn Lieferungen zu je M. 2.10 bezogen werden kann. Wir weisen auch nochmals auf das Preisausschreiben hin, das bis zum 11. Jänner 1926 seine Gültigkeit hat. Um den Hauptgewinn von M. 1800 zu erhalten, bedarf es weiter nichts als — eines glücklichen Gedankens. Jeder wird aus dem ^Kleinen Brockhaus" Nutzen ziehen; er stellt einen unentbehrlichen Freund und Helfer für das Leben dar. Schachnowitz. Die Messiasbraut. Historischer Roman aus dem 17. Jahrhundert. Frankfurt, 1925, Hermon-Ver- 1 a g. — Schachnowitz, Redakteur des „Israelit", ist ein gewandter Novellist. Hier ist die Geschichte Sabbatai Zwis, des phantastischen Erlöser-Gauklers, des betrogenen Selbstbetrügers, im Roman dargestellt. (Man beachte die Gleichzeitigkeit der Erlöserhistorien: Max Brods „Reubeni", Edmond Flegs „Juif du Pape"). Den dichterischen Impuls zu dem Roman gab indessen nicht die Figur Sabbatai Zwis selbst, sondern die geheimnisvolle „Judenbraut"; Rembrandts gleichnamiges Gemälde hat Schachnowitz zu der interessanten Figur der „Messiasbraut" inspiriert. So ist ein lesenswerter, flott geschriebener historischer Roman entstanden, in dem Dichtung und Wahrheit ein gut gelungenes Bündnis eingehen. Winingers jjäroße Jüdische Nationalbiographie. Nur sechs Lieferungen dieses in seiner Art einzigen Monumentalwerkes sind bisher erschienen und schon hat die jüdische, aber auch die nichtjüdische Gelehrtenwelt ihre Aufmerksamkeit dieser Neuerscheinung in größtem Maße zugewendet. Wie wir uns informierten, langen täglich Zuschriften aus aller Herren Länder ein und die größten und Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstra&e &