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Die Wahrheit · 1925-11-13 · Heft 45 (13.11.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 45 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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.Nr. 45 DIE WAHRHEIT Seite 3 ben und diese zur Richtschnur unseres Lebens machen. Erkenntnis ist das Resultat des Denkens. Viele Menschen, die ein und dasselbe Endziel verfolgen, sind in ihrer Denkart grundverschieden; Hillel und Schammai z. B., zwei große Lehrer in Israel, haben nie in ihren Ansichten übereingestimmt. Wir Juden haben dieselbe Geschichte, dieselbe Tradition und dieselben Grundsätze, aber die Gewandung, in die wir sie kleiden, ist verschiedenartig. Israel ist eine Einheit, aber nicht eine Einigkeit. Eine solche hat unter den Juden nie existiert und wird nie existieren. Aber gerade diese Uneinigkeit beweist die Zähigkeit des Juden und seine Fähigkeit, Lebensfragenzu erfassen und zu denken. Man kann daher nicht erwarten, daß die Millionen Juden, die aus allen Teilen 4er Welt in Amerika eingewandert sind, sich einmütig zu ein und derselben Meinung bekennen würden. Wir haben drüben gerade so strenggläubige und Reformjuden wie in Europa. Diese haben eine Vereinigung, welche „Union of American Hebrew Congreg a t i o n s" heißt und zu der ungefähr 385 Gemeinden gehören, während jene einen Verband haben, der den Namen „United Synagog of America" trägt und nahezu dieselbe Anzahl von Gemeinden zu ihren Mitgliedern zählt. Es wäre ungerecht zu behaupten, daß die eine oder die andere Gruppe ihre Pflichten gegenüber dem Judentum vernachlässigt hätte. Weder Geld noch Mühe wird von beiden Seiten gespart, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Die „U n i o n" hat in allen Universitäten, wo jüdische Studenten sind, Gemeinden organisiert, die zweimal wöchentlich Gottesdienst abhalten, und schickt hervorragende Rabbiner hin, um dort zu predigen. Die „Union" unterhält Religionsschulen, Lehrer-Bildungsanstalten. Sie sendet religiöse Traktate, Bücher, Anleitungen zu Religionsunterricht und Gebetbücher nach Wunsch der Bestellenden, Minhag AschkeiTasi oder Minhag Amerika zu kleinen Gruppen jüdischer Siedlungen. Das Budget für alle diese Zwecke beziffert sich auf Dollar 245.000 für 1926 und diese Summe wurde bereits bewilligt. Dollar 263.500 sind ausgesetzt für das Seminar in Amerika, also eine Gesamtsumme von über einer halben Million Dollar. Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß man mit den Reformeinrichtungen in Amerika anderen Konfessionen eine Konzession gemacht hätte, in Wahrheit dem „Geiste der Zeit". Diese sind genau dieselben, welche Geiger, Einhorn, Holdheim, Salomon und andere — auch Rabbiner in Italien vor ihnen — im vorigen Jahrhundert in Europa eingeführt hatten. Es ist unrichtig, daß der Sabbat auf Sonntag oder sonst ein Feiertag auf ein anderes Datum verlegt wurde. Viele Gemeinden haben Samstag und Sonntag Gottesdienst, diesen zu dem Zwecke, um junge Leute zu ermuntern, sich im Tempel einzufinden. Die Gebete sind die der Wochentage. Viele Gemeinden bezahlen armen Juden, damit sie täglich zu Minjan kommen, um Mitgliedern Gelegenheit zu bieten, am Todestage ihrer Dahingeschiedenen das Kaddischgebet zu verrichten. Die Hauptstücke an Sabbat- und Feiertagen werden hebräisch, seit einigen f Jahren mit sephardischer Aussprache vorgetragen. Borchu, Schema, Keduscha und andere Benediktionen .werden vom Kantor oder vom Chormeister mit Chor und Orgelbegleitung gesungen, geradeso wie im Seitenstcttentempel. Die Hymnen am Sabbat und an Feiertagen sind von Sulzer, Lewandowslri und anderen berühmten Kantoren. Verschiedene Gebete werden in englischer Sprache gelesen. Ich glaube, es ist besser, Gebete in Englisch zu verrichten, als gar nicht zu beten. Es soll noch erwähnt werden, daß unsere Weisen behaupten, Gott habe die zehn Gebote mit dem ägyptischen Worte „a-noki" begonnen. „Ich" heißt auch babylonisch-assyrisch anoki. In den Machsorim für die Feiertage kommen beinahe so viel aramäische und chaldäische Worte wie hebräische vor. Hat der Reformjude etwa weniger Herz und Sinn für das altjüdische Ideal der Wohltätigkeit, welches unsere Ahnen mit den vielbedeutenden Worten „Z e d a k a h und G e m i 1 u t h C h a s a d i m" bezeichnete als unser orthodoxer Bruder? Haben sich vielleicht Witwen, Waisen, Altersschwache, kranke und alle Juden, die der Hilfe bedürfen, zu beklagen, daß ihnen solche nicht zuteil wird? Die Stadt New York hat fünf jüdische Waisenhäuser. Eines, das 130 Jahre alt ist, beherbergt 1200 Kinder und 800 sind bei jüdischen Familien untergebracht. Die anderen haben eine geringere Anzahl von Zöglingen, weil man nicht Raum genug hat, sie unterzubringen. Eine Nationalitätenfrage existiert nicht, wohl aber die eine, ob die Kinder Juden sind. Julius Rosen wald, Mitglied der Sinai Reform-Gemeinde in Chicago, bestreitet die Kosten für 34 Waisen, die bei jüdischen Familien wohnen. Dieser war der erste, welcher eine Million Dollar in einer Konferenz zeichnete, welche in Philadelphia am 3. September stattfand, um 15 Millionen Dollar als Unterstützungen für überseeische bedürftige Juden aufzubringen. Felix Warburg, Mitglied des Tempels Emanuel, gab die zweite Million, Simon Guggenheim und I. Levinsohn haben je 75.000 dem Mount. Sinai-Hospital und dem Libanon- und Montefiore-Spital Geldsummen zugewendet. Diese Leute tun viel Gutes, das nicht in die Oeffentlichkeit gelangt. Ich glaube, daß alle Juden der ganzen Welt die Namen dieser Glaubensgenossen wie auch von Oskar und Nathan Straus, HerbertLehman, LouisMarshall, Rabbi StephenWise und andere kennen, obwohl sie der Reformrichtung angehören. Die UnitedCharities von New York haben in einem Jahre zwei und eine halbe Million Dollar verausgabt. Schließlich sei noch der B n a i B r i t h Orden erwähnt, der so viel Ersprießliches leistet und eine Gründung amerikanischer Juden ist. Religion und Wirtschaft. Von B. W. Segel. (Schluß.) Der Brotneid der Zünfte führte ebenfalls zu Pogromen. Der Adel hatte kein Interesse an einem Monopol der Christen und stand auch hier auf selten der Juden. So ging der Kampf zwischen Juden und Bürgern jahrhundertelang dahin. Die Vertreter der Bürgerschaft, die deren „berechtigte Interessen" vor den Behörden wahrzunehmen hatten, machten dabei gute Geschäfte. Der Verfasser teilt eine Rechnung aus dem Jahr» 1670 mit, die beweist, daß die Herren Schöffen und Advokate« ihre Juristische Weisheit nicht billig verkauften. Es ist wiederum ein Prozeß im Gange, und die Lubliner Bürger schicken ihr» Sachverwalter nach Warschau: Plötzliche Abreise nach Warschau, unterwegs Wasser 15 Dukaten; Konferenz mit de«

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