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Die Wahrheit · 1925-11-06 · Heft 44 (6.11.1925) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 44 (6.11.1925)
Date
1925-11-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite $ £)IB WAHigfiElT Nf. 44 Wahrheiten vom Tage Psychopathia poetica. Ein toter Löwe lag auf dem Boden, da kam ein Esel und versetzte ihm einen Fußtritt. An diese sinnreiche Fabel wird man erinnert, wenn man die letzte Nummer des „Eisernen Besen" durchblättert Darin findet man nämlich ein „Gedieht" eines Herrn Alois Aigner, welches dem toten Breitbart gewidmet ist und das tragische Ende des bekannten jüdischen Artisten zum Anlaß nimmt, um einige hämische und gehässige Bemerkungen über d&i Verstorbenen und über die Juden zu machen. Es wäre zuviel verlangt, von dem Verfasser dieses Gedichtes jenen Seelenadel zu fordern, der auch gegenüber dem gefallenen Gegner achtungsvoll den Hut zieht, was man aber von einem wahrhaft deutschen Mann unbedingt verlangen müßte, ist die Achtung vor der eigenen Muttersprache. Diese wird jedoch in dem Gedichte, mit dessen auch nur auszugsweisen Wiedergabe wir unser Blatt nicht beschmutzen wollen, in einer so rohen Weise beleidigt und verunstaltet, daß jedem, der noch nicht das letzte Feingefühl verloren hat, der Ekel die Kehle zuschnüren muß. Auf den Inhalt dieser literarischen Mißgeburt näher einzugehen, verbietet uns die Achtung vor uns selbst und unseren Lesern. Eine Bemerkung allgemeiner Art können wir jedoch bei dieser Gelegenheit nicht unterdrücken. Wie dieses „Gedicht", so zeigen auch die übrigen Artikel des „Eisernen Besen" ein geistiges Niveau und einen sittlichen Tiefstand, der kaum mehr unterboten werden kann. Hat der Judenhaß, so wird der Leser solcher Presseerzeugnisse fragen, den Verfassern dieses Blattes derart den Kopf verdreht, daß sie anständig von unanständig, appetitlich von unappetitlich nicht mehr unterscheiden können? Denn auch ein noch so erbitterter Kampf kann ohne Aufgeben der inneren Würde geführt werden und ohne maßlose Selbstniedrigung. Sogar die rassenantisemitische „Deutsche Zeitung" in Berlin schrieb über den Tod Breitbarts: „Wie vielen ist er noch erinnerlich, wenn er mitten in der Manege stand, umflutet vom weißen Lichte der Scheinwerfer, wenn er seine Sehnen reckte und die gewaltigen Muskeln spielen ließ. Ein Bild, das allen gefiel, wo jeder rückhaltslos Beifall zollte. Dann nahm er die eiserne Kette zwischen die Zähne . . . und dann — knack — unter dem Klatschen erdröhnte das Haus. Oder das Auto — sekundenlang stand es auf seiner Brust, voll besetzt, während im Zuschauerraum niemand zu atmen wagte. Wie Draht wickelte er sich dicke Eisenstangen um die Arme, so daß Spiralen daraus wurden. Abend für Abend immer neue Tausende begeisterte er — vorbei — vorbei. Niemand hätte sich an ihn gewagt, aber das schleichende Gift drang durch die Adern und zerstörte den gewaltigen Körper." Siegmund Breitbart war persönlich ein integrer Charakter, ein Mann von edelster Herzensbildung und hervorragendem Wohltätigkeitssinn. Und über einen solchen Menschen schüttet der „Eiserne Besen" noch nach seinem Tode den Schmutzkübel aus. Traurig, aber wahr! Eine richtige Antwort hat der Rektor der Hochschule für Welthandel, Hof rat Dr. Gruntzl den hakenkreuzlerischen Studenten erteilt. Die dortige „Deutsche Studentenschaft" ist ein Verein wie jeder andere, der sich aber gerne als Vertretung der gesamten deutschen Hörerschaft aufspielt, obwohl er ausschließlich deutschvölkische Studenten zu Mitgliedern hat Auf eine Eingabe, die genannter Verein an das Professorenkollegium der Welthandelshochschule gerichtet hat, hat nun Hof rat Dr. Gruntzl folgendermaßen geantwortet: „Auf Ihre an das Professorenkollegium gerichtete, aber in die Befugnisse des Rektorats fallende Eingabe vom 10. d. wird Ihnen mitgeteilt, daß Ihre Vereinigung seinerzeit vom Professorenkollegium nur als Vertretung der deutschvölkischen Studenten anerkannt ist und als studentische Vereinigung allen Anordnungen des Rektorats nachzukommen hat. Es wird Ihnen hiermit auch für das Studienjahr 1925/26 das Benützungsrecht für das Lokal Nr. 91 im vierten Stock erteilt, und zwar präkavistisch gegen jederzeitigen Widerruf und unter vier Bedingung, daß von Ihrer Seite nichts unter-, nommen wü|d, was die Rluhe stören könnte. — Hochschule für Welthandel der Rektor: Gruntzl m. p." Hierdurch erscheinen die Ansprüche der sich „Deutsche Studentenschaft" bezeichnenden Vereinigung auf das richtige Maß reduziert Daß eine Vereinigung nur diejenigen vertreten kann, die sie ausdrücklich mit ihrer Vertretung betraut haben, sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ebenso selbstverständlich müßte es ferner sein, daß eine studentische Vereinigung die ihr eingeräumten Begünstigungen nicht dazu mißbrauchen darf, um die Ruhe und den geordneten Studienbetrieb einer Hochschule zu stören. Manchmal allerdings müssen auch Selbstverständlichkeiten gesagt werden, besonders dann, wenn Gefahr vorhanden ist, daß sie in Vergessenheit geraten. Ein Reinfall. Nach Wiener Muster hat sich auch in Berlin eine Vereinigung gebildet, die den Zweck verfolgt, eine „Nationalbühne" zu schaffen, von der nichtdeutsche Kunst und Künstler ausgeschlossen sein sollen. Es scheint, daß in dieser Vereinigung über den „Judenpünkt" keine volle Einigung herrscht. Während z. B. der frühere Staatsminister v. Loebell, der den ersten Aufruf zur Bildung der Vereinigung unterschrieben hat, er billige es keineswegs, wenn grundsätzlich von der Nationalbühne Werke von „Juden deutscher Zunge" ausgeschlossen werden sollten, da es nicht auf den Autor, sondern auf das Stück, dessen Inhalt und Geist ankomme, scheinen in der nunmehr gebildeten Vereinigung jene Elemente vorzuherrschen, die den rein arischen Charakter der Neugründung gewahrt wissen wollen. In einem vor einigen Tagen in den Straßen Berlins plakatierten Aufruf, der von mehreren Rechtspolitikern und Künstlern unterzeichnet war, hieß es ausdrücklich, daß nur Kunst deutscher Art und „deutschen Stammes" gepflegt werden soll. Nunmehr haben jedoch sämtliche Künstler, die als Mitunterzeichnete genannt waren, in einer Zuschrift an die Presse erklärt, daß ihnen der an den Litfaßsäulen erschienene „Aufruf zur Gründung eines Nationaltheaters" nicht zur Unterschrift vorgelegen hat und daß sie sich mit seinem Inhalt nicht identifizieren. Das „Arische Theater". Der bekannte Theaterkritiker des „Berliner Tageblattes", Fritz Engel, beschäftigt sich in einer der letzten Nummern der „C. V.-Zeitung" mit der nach Wiener Muster geplanten Gründung der „Deutschen Nationalbühne". Er schreibt: „Nach einem Wiener Beispiel hat sich in Berlin eine Gruppe von .Persönlichkeiten' zusammengetan, die auch in der Hauptstadt der deutschen Republik ein rassereines Theater ins Leben rufen wollen. Spielplan arisch, Schauspieler arisch, Zuschauer arisch. In dem Aufruf, den Generaldirektoren, Grafen, frühere Staatsminister, Geheimräte, Pro- ' fessoren, Bürgermeister, Geistliche unterzeichnet haben, unter diesen auch det wendische Pfarrer Traub, wird die Absicht nicht so deutlich ausgesprochen. Man umkleidet das hagere Knochengerippe mit einem Phrasenmantel, man will die .Kunstfreunde* .aus den nicht ganz ultrarechts stehenden Parteien nicht gleich mit der Stirn auf den doch immerhin etwas gefährlichen Hauptpunkt stoßen. Man spricht von der Gründung einer „Deutschen Nationalbühne" und legt damit, gleichwie man das Nationalgefühl gepachtet hat,_ auch auf eine seit 100 Jahren und mehr von den wertvollsten Kunstmenschen gehegte Idee Beschlag. Jetzt wird dieser Gedanke verunreinigt. Er soll Dampf aufmachen in der brüchig gewordenen Maschine eines politischen Klüngels . . . Die Herren werden nun ihr Zelt aufschlagen, sie werden in dem großen und herrlichen Bestand unserer deutschen Literatur manches finden, was vor ihnen längst entdeckt und wahrscheinlich sogar von Judenhirnen gefördert worden ist Fritz Engel kommt zu dem Schluß, daß diese Gründung an geistiger Blutarmut zugrundegehen müsse, daß aber grundsätzlich auf die Gefahr dieses garantiert „arischen" Theaters aufmerksam .gemacht werden soll, da es ein „Spaltpilz" ist, „der den Gesamtkörper einer Nation und damit auch ihrer Kunst vergiftet." Deutschnationale gegen Abg. Dr. Badt. Im preußischen Landtag hat ein Abgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei eine kleine Anfrage eingebracht, die sich gegen den Abgeordneten Dr. Badt richtet und ihm zum Vorwurfe macht, *7 J\ g** II j\ \ f f"7Kleider-,Pelze-u.Gummimäntel-Fa I §Jk & I Wl A"% K Zentrale: Detailverkauf: ßm Ä ^t*# mw mm m m fl^Mm Wien II., Glockengüsse 24 Wien II., Taborstra

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