Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 43 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 43 DIE WAHRHEIT Seite 11 Verständigung der Völker und als Pazifisten gegen den Krieg aufgetreten sind, von antisemitischer Seite für den Krieg verantwortlich gemacht worden. Es ist unverständlich, wie die Persönlichkeit des Generals Ludendorff der antisemitischen Hetze in Deutschland hierbei Vorschub leisten konnte. In seinem Buche „Kriegführung und Politik" findet sich folgende Anschuldigung, für deren Richtigkeit er irgendeinen Beweis nicht erbracht hat: „Mit Frankreich und England Hand in Hand arbeitete die Oberleitung des jüdischen Volkes usw." Der mit Ueberlegung niedergeschriebene- Satz Ludendorffs ist ein drastisches Lehrbeispiel, wie aus einem Endergebnis auf die Ursache eines Krieges geschlossen wird." Auch im weiteren Inhalt des Buches finden sich noch manche Stellen, die der Widerlegung der antisemitischen Legenden von der „Schuld der Juden im Kriege und an der Revolution" gewidmet sind und eine gerechte Darstellung und Beurteilung der wahren Ursachen enthalten. Eine Internationale getaufter Juden. In London fand vor kurzem eine Zusammenkunft getaufter Juden statt, welche sich den stolzen Titel* „Internationale Konferenz der Hebrew Christian Alliance" beilegte. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Bildung einer „Internationale aller zum Christentum übergetretenen Juden" gefordert wird. In der Resolution wird festgestellt, daß auf der Welt 250.000 getaufte Juden leben, und der Wunsch nach einer separaten jüdisch-christlichen Kirche ausgesprochen. Die Täuflinge und Renegaten haben, wie aus dieser Tatsache hervorgeht, ihre Methoden vollkommen geändert. Bisher nämlich war es so, daß die aus dem Judentum Ausgetretenen in dem Bestreben, ihre Herkunft zu verwischen, von ihrer früheren Religion nicht viel Aufhebens machten, ja sogar, um die Früchte ihres Verrates an dem Glauben der Väter ungestört genießen zu können, nicht nur ihre Väter und Brüder verleugneten, sondern diese sogar heftiger bekämpften als die erbittertsten Judenfeinde. Nun aber treten sie in die Oeffentlichkeit, bekennen sich vor aller Welt als getaufte Juden und wollen sogar eine „Internationale" ihrer Gesinnungsgenossen, bzw. ihrer Genossen der Gesinnungslosigkeit gründen. Warum denn nicht? Unlängst fanden sich die Geisterseher in Paris zusammen und gründeten! eine „Spiritistische Internationale". Auch in der Hauptstadt Magyariens wurde ein „internationaler Kongreß" abgehalten, bei welchem zwar zum Unterschied von dem in Paris stattgehabten von „Geistern" nichts zu sehen war, dafür aber das furchtbare Gespenst einer jüdischen Weltverschwörung heraufbeschworen worden ist. Diesen bewährten Vorbildern sind nunmehr auch die jüdischen Renegaten gefolgt- Sie haben durch ihren schnöden Verrat die Achtung derer verloren, mit denen sie früher durch die Bande der Religion verbunden waren, ohne die Sympathie jener andern erworben zu haben, in deren Mitte sie sich einzudrängen versuchten. Verachtet von ihren Stammesgenossen und beargwöhnt von ihren Religionsgenossen, tragen sie Zeit ihres Lebens einen Makel, der auch durch das Taufwasser nicht hat abgewaschen werden können. In dieser gesellschaftlichen Sonderstellung und seelischen Vereinsamung blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich zusammenzuschließen. Und so dürfte die Walt in absehbarer Zeit um eine neue Internationale reicher sein. Auf die Internationale der Antisemiten folgt die der abgefallenen Juden, auf die Weltorganisation des Hasses folgt, die Weltorganisation der Häßlichkeit. „Religionslehrer" Katz. Wie wir erfahren, ist der wegen Erpressung verurteilte Markus Katz weder Religionslehrer an öffentlichen noch an privaten Anstalten gewesen und zur Erteilung des Religionsunterrichtes seitens der Kultusgemeinde nicht approbiert Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß nachstehende Klassenlotterie-Losnummern: 15.550, 35.550, 35.553, 35.595, 73.193, 78.683, 78.708, 83.267, 84-258, 94.309, 94.317, 96.553 seit 19 Ziehungen nicht gezogen wurden, daher größte Aussicht auf einen Treffer in der 14. Klassenlotterie haben. Genannte Nummern sind nur in der Geschäftsstelle J. Prokop, Losversand für die Bundesländer, Baden bei Wien, erhältlich. Losbestellkarten dieser Geschäftsstelle liegen unserer heutigen Auflage bei! Große Gewinnchancen! Von Woche zu Woche Israelitische Kultusgemeinde Wien. Um den Kinders mittelloser Eltern Gelegenheit zu geben, sich für die Barmizwah vorbereiten zu können, hat der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien beschlossen, auch im Schuljahre 1925/26 einen unentgeltlichen Barmizwah-Kurs zu eröffnen. Der Unterricht findet Sonntag von 9 bis 12 Uhr vor-?mittags und Mittwoch von 3 bis 6 Uhr nachmittags in der Chorschule der Israelitischen Kultusgemeinde, I-, Seitenstettengasse 4, 4. Stock, statt. Jugendgottesdienst. Am Samstag, den 31. Oktober d. J.. um 3 Uhr nachmittags, findet der Jugendgottesdienst für <Üe israelitische Schuljugend in den Gemeinde- und Bezirks- Synagogen des 1., 2., 9. und 20. Bezirkes statt. An die verehrlichen Mitglieder der „Union"! Die ..Union" hat einen neuen Inkassanten, Herrn S. Koch, aufgenommen und ersucht die verehrlichen Mitglieder, dessen Arbeit im Interesse der schwierigen Finanzlage der Vereinigung nach Kräften zu unterstützen. Die Vorfälle im Restaurant Toneilo. Die Vorfälle, welche sich jüngst in dem bekannten Wiener Restaurant Toneilo abgespielt haben, sind das letzte Glied einer Kette von Erpressungen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen, mit welchen die Kellner mehrerer ritueller Gastwirtschaften den gewerkschaftlichen Kampf gegen die jüdischen Restaurateure führen. Während des Zionistenkongresses stellten die Angestellten der „Wienea" an den Besitzer desselben ganz unvermittelt ein mit 2 Minuten befristetes Ultimatum, in welchem sie schwerwiegende Lohnforderungen geltend machten. Herr Schreiber, der Besitzer genannter Restauration, war damals in einer Zwangslage, in welcher er die Forderungen bewilligen mußte. Da aber der Besuch seines Etablissements wäh- > rend des Kongresses seinen Erwartungen nicht entsprach, sah er sich gezwungen, die ihm unter Drohungen abgepreßten Zusagen teilweise zu widerrufen. Als nun dias Gewerbegericht die Klage der Kellner auf Erfüllung der während des Kongresses gemachten Zusagen abwies, traten die Kellner in den Streik, so daß Herr Schreiber nur mit Hilfe seiner Verwandten den Betrieb wenigstens zur Not aufrechterhalten konnte. Da nun Herr Oskar Toneilo als Präsident des Verbandes jüdischer Gastwirte seinem bedrängten Kollegen zu Hilfe kam, beschlossen die streikenden Kellner, an ihm Rache zu nehmen und zwar in der Weise, daß sie an zwei Abenden hintereinander frühzeitig das Lokai Tonellos besetzten und hierdurch dem Stammpublikum die Möglichkeit nahmen, in gewohnter Weise an den Tischen Platz zu nehmen. Hierbei beschmutzten die ungebetenen Gäste die Tischtücher und andere Einrichtungsgegenstände und zogen nicht früher ab, als nicht der letzte Gast aus dem Lokal vertrieben war. Daraufhin kündigte Toneilo sein gesamtes Personal und ist entschlossen, diese Kündigung so lange aufrecht zu erhalten, bis reicht andere Formen des gewerkschaftlichen Kampfes eingeführt werden. Die Angestellten des Herrn Toneilo jedoch, welche seit Jahrzehnten in dessen Etablissement beschäftigt sind und mit ihrem Verdienste ebenso zufrieden sind, wie der Chef mit ihnen, setzten sich bei der Gewerkschaft dafür ein, daß derartige Besuche künftighin unterbleiben mögen, und drohten für den Fall, als ihr Chef weiterhin belästigt werden sollte, mit dem Austritte aus der Gewerkschaft. Seither herrscht Ruhe in der Restauration. Keren Hajischuw ist der Name des Wirtschaftsfonds der Agudas Jisroel für Erez Jisroel; er ist das Finanzinstrument für den Jischuw von Erez Jisroel im Geiste der Thora und der jüdischen Tradition. Dieser Fonds hat die Gründung der ersten agudistischen Kolonie „M a c h an e h Jisroel" in Emek Jesreel ermöglicht und die Beschaffung von Baumaterialien zur Errichtung solider Heimstätten in Palästina gefördertDurch den Keren Hajischuw wurden Einwanderungsheime und rituelle Arbeiterküchen errichtet und hunderten gesetzestreuen Arbeitern Arbeits- und Verdienstmöglichkeit geschaffen. Es wird ferner mit den Vorarbeiten zur Errichtung einer Siedlerschule in Emek Jesreel begonnen sowie eine Informationsstelle zur Beratung in allen wirtschaftlichen Angelegenheitengeschaffen, welche unter der bewährten Leitung des Soziologen und Wirtschaftstheoretikers Dr. Robert Weiß steht. Der Keren Hajischuw hat ferner den Erwerb von 80.000 Dunam Boden für agudistische Kolonisationszwecke ermöglicht und hierdurch die Grundlage für die Ansiedlung einer großen An-