Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1925-10-30 · Heft 43 (30.10.1925) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 43 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064022-3064062--14087-3081626
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 43 zahl gesetzestreuer Juden in Erez Jisroel geschaffen. Der Keren Hajischuw will die begonnene Arbeit fortsetzen; weitere Bodenkäufe tätigen; den Strom der orthodoxen Einwanderer durch Arbeit Verdienstmöglichkeit schaffen; Industrie und Gewerbe im alten und neuen Jischuw fördern; die Organisationen der gesetzestreuen Arbeiter unterstützen, Lehrfarmen und Unterrichtsanstalten, gründen. Der „Keren Harißchuw" will dazu beitragen, daß das Land der Väter auch im Geiste der V äte r a uf g eb a u t werde. 70. Geburtstag. Zu den bedeutendsten Kantoren unserer Zeit gehört unstreitig Oberkantor Aron Friedmann in der „Alten Synagoge" in Berlin, welcher vor einigen Wochen seinen 70. Geburtstag begangen hat. Friedmarn, der in Litauen geboren wurde, ist durch Erziehung und innere Gefühle erfüllt vom Judentum. Er hatte das Glück, um die letzte Hälfte des vorigen Jahrhunderts Unterricht von den berühmten osteuropäischen Chasonim zu empfangen und mit diesem Wissen verbindet er die Gründlichkeit deutscher Methode. 41 Jahre hat er der bedeutendsten deutschen Gemeinde, Berlin, als Oberkantor in der alten Synagoge gedient, da, wo Moses Mendelssohn zu beten pflegte. Die Art seiner Andacht ist gewöhnlich: Am Vorabend und während des ganzen Tages jedes Sabbathes und Festtages enthält er sich streng jeder ablenkenden Tätigkeit, um sich durch innere Sammlung für das heilige Amt des Abends und des folgenden Tages vorzubereiten. Von tiefer Religiosität, sieht er seine Mission darin, religiöse Begeisterung in die Herzen seiner Zuhörer zu füllen. Seine Begeisterung ist mehr als Würde im Gottesdienst, sie ist ein Geist der Heiligkeit gewesen. Und die jüdischen Feiertage bedeuten und bedeuteten ihm im wahren Geiste des Judentums heilige Tage. Von den großen Kantoren, an denen das 19. Jahrhundert so reich war, ist er einer der wenigen, die uns noch geblieben sind. Wir sind daher oft geneigt zu glauben, daß Chasonim vom Schlage Friedmanns Gestalten der Geschichte sind, von der wir sehr fern sind. Oberkantor Friedmann ist aber auch ein Gelehrter von großem jüdischen Wissen, welcher sich insbesondere mit dem Studium der jüdischen Musik im allgemeinen und der Synagogalmusik im besonderen beschäftigt hat. Er hat seine Studien auf diesem Gebiet auch in eine Reihe von Schriften veröffentlicht, welche viel zur Erkenntnis des Wesens und der Geschichte des jüdischen Gesanges beigetragen haben. Auch als schaffender Künstler hat sich Oberkantor Friedmann betätigt. Wir brauchen große jüdische Sänger, große Sänger jüdischen Gesanges, durch deren göttliche Begeisterung das Herz unserer modernen Juden zur inbrünstigen Andacht entflammt werden müßte, Männer von der künstlerischen Begabung, dem reichen Können und frommen, gottesfürchtigen Wesen Aron Friedmanns. Goldene Hochzeit. Dieses seltene Familienglück erlebt am 15. November d. J. Herr Oberlehrer Josef F r i e d 1, der Senior unter den Taubstummenlehrern des allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstituts, mit seiner Frau Johanna, geb. P o 11 a k. Die religiöse Feier findet Samstag, den 14. November, um VAQ Uhr, im Institutstempel, III., Juchgasse 22, statt. Kultusvorstand und Magistrat sind verständigt. Josef Friedl ist am 2. Februar 1851 in Pulitz, Mähren, als Sohn eines Arztes geboren und begann seine sehr erfolgreiche Erzieher- und Unterrichtstätigkeit am Wiener israelitischen Taubstummeninstitut unter Joel Deutsch am 1. September 1875. Seit 1. Oktober 1922 ist er im Ruhestand. Er war schon 1910 nach 35 Jahren Dienstzeit pensioniert worden, aber 1920 wurde er reaktiviert- 37 Jahre hat sich unser Josef Friedl dem schweren Beruf gewidmet 1923 wurde er durch die Regierung mit dem Titel Oberlehrer ausgezeichnet. Fünf Kindel umgeben das Jubelpaar. Der jüngste Sohn wird am 15. November heiraten. Herr Oberlehrer Josef Friedl hat in der gesamten Taubstummenlehrwelt einen ausgezeichneten Ruf als Fachmann und Fleiß, Gewissenhaftigkeit, pädagogischer Takt und größte Geschicklichkeit zeichnen ihn aus. In größter körperlicher Rüstigkeit feiert das Jubelpaar den Tag und herzlichste Wünsche des Institutsvorstandes, der Kollegen, der Schüler und der zahlreichen Freunde und Verehrer begleiten das goldene Ehepaar an diesem Tage. Todesfälle. Unter außergewöhnlich starker Beteiligung fand am 21. d. M. auf dem neuen israelitischen Friedhofe die Bestattung der Frau Rosa Plaschkes, der Gattin des Herrn Bezirksrates Hermann Plaschkes und Mutter des Gemeinderates Dr. Leopold Plaschkes, des Facharztes Dr. Siegfried Plaschkes und des Kaufmannes Jakob Plaschkes, statt. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Prof. Dr. A. Pick mit den beiden Vizepräsidenten Dr. Örnstein und Dr. Löwenherz und eine große Zahl von Mitgliedern der Kultusvorstehung, das Präsidium des Zionistischen Landeskomitees unter Führung des Präsidenten Dr. Desider Friedmann, sämtliche zionistische Mandatare sowie Vertreter zahlreicher Körperschaften waren eschienen. Die kantoralen Funtionen versah Herr Oberkantor Gerson M a r g u 1 i e s. — Das verdienstvolle Vorstandsmitglied des jüdischen Hilfsvereines Prater und langjährige Mitglied des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" Herr Siegmund Z i e r e r, ist am Freitag, den 23. d. M., im 42. Lebensjahre zu Grabe getragen worden. Die Beliebtheit des Heimgegangenen zeigte sich in der großen Anzahl Leidtragender, welche ihm die letzte Ehre erwiesen. Herr Rabbiner Dr. S. Funk widmete dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der alle zu Tränen rührte und in dem sein edles Wesen, seine hervorragenden Eigenschaften, seine große Liebe zu seiner Familie, ganz besonders zu seiner alten Mutter sowie sein großer Wohltätigkeitssinn hervorgehoben wurden. Sodann sprachen namens des Prater-Hilfsvereines Vorstandsmitglied Dr. Frey und namens des Unpolitischen Zentralverbandes der Gewerbe- und Handeltreibenden Oesterreichs Herr A. M. Ehrlich. Zahntechniker Willy Stern kondolierte namens des Standesun-di Reichsverbandes der Zahntechniker Oesterreichs Oberkantor J. Müller brachte die Trauerpsalmen wirkungsvoll zum Vortrag und rezitierte am Grabe namens des Tempelvereines »Aeschel Awrohom" sowie im Namen des Herrn Kommerzialrates J. Blau das El mole Rachamim. Für den Prater-Hilfsverein verrichtete Kantor G o 1 d s t e i n ebenfalls das Trauergebet. Hierauf sprach namens der sozialdemkratischen Bezirkssektion Fürsorgerat B. Weiß warme Worte des Abschiedes. Der schwergeprüften Frau Johanna Z i e r e r und den drei unmündigen Kindern sowie der alten Mutter wendet sich die Teilnahme aller fühlenden Menschen zu. Das Archiv der Wiener Kultusgemeinde befand sich bisher in einem sehr traurigen Zustand. Seine bisherige Verfassung wird am besten durch die Worte dargestellt, welche. Prof. A. F. P r i b r a m. einer der bedeutendsten Historiker unserer Zeit, in seinem großen, im Jahre 1918 erschienenen Werke: „Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien" (Bd. I., S. 6, 1918) über das Archiv geschrieben hat: „Eine große Enttäuschung bereitete dem Herausgeber die Benützung des Archives der israelitischen Kultusgemeinde. Dasselbe befindet sich in einem chaotischen Zustande; die Materialien sind in unzulänglichen Räumen untergebracht; eine berechtigte wissenschaftlichen Anforderungen entsprechende Ordnung der Archivalien mangelt vollständig." Das neugewählte Präsidium der Kultusgemeinde hat nun dem Archiv besondere Aufmerksamkeit zugewendet und ist bemüht, diesem vielbeklagten Uebelstande abzuhelfen, worin es vom Sekretariate der Gemeinde wirkungsvoll unterstützt wird. Es wurde ein eigenes Archivamt ins Leben gerufen und in den ziemlich geräumigen Lokalitäten, in welchen sich früher die Chewra Kadischa befand, untergebracht. Mit der Leitung des Archives wurde Herr Saul C h a j e s. Kustos der Gemeihdebibliothek, betraut, der von Herrn S. Weinstein in seinen Arbeiten unterstützt wird. Nachdem die mühsame Arbeit des Ordnens und Registrierens des gewatigen Aktenmaterials bendet war, wurde mit der Anlegung eines nach Schlagwörtern, Namen und Orten geordneten Zettelkataloges begonnen. Sobald diese Arbeit beendet sein wird, werden ExhibitenProtokolle (Aushebungsbücher) mit fortlaufender Numerierung angelegt, durch welche eine ständige Kontrolle sämtlicher vorhandener Akten ermöglicht werden soll. Das Präsidium, sowie alle an der Neueinrichtung des Archives beteiligten Kreise haben sich durch diese Arbeit ein großes Verdienst um die Gemeinde, die Wiener Judenschaft und die gesamte Oeffentlichkeit erworbn, da das Archiv Dokumente von unschätzbarem Werte und großer historischer Bedeutung enthält, die erst jetzt der Forschung sowie allen interessierten Kreisen zugänglich werden. Wir finden hier z. B. 10 wertvolle Dokumente aus dem XVII. und 79 aus dem XVIII. Jahrhundert. Das älteste Aktenstück stammt aus dem Jahre 1626, das älteste Geburtsbuch aus dem Jahre 1784, das älteste Sterbebuch aus dem gleichen Jahre, während das älteste Trauungsbuch die Jahreszahl 1785 trägt. Wenn das Präsidium noch ein Uebriges tun will, dann möge sie noch die Archivräumlichkeiten renovieren und den gesamten Beständen ein einheitliches Aussehen geben. Dann dürfte das Archiv der Wiener Gemeinde ein Musterinstitut werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.