Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 43 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 43 meisten deutschen Menschen dieser Stilühung des „Hammer" nicht beipflichten, aber es wird ihrem „gesunden Rechtsempfinden'" doch widerstreben, den Schriftleiter des „Hammer" durch fünf Revolverschüsse in eine bessere Welt zu befördern. Der „Hammer" ist empört darüber, daß die Wiener Geschworenen nur dein „Irren" Rothstock freisprachen und meint, eine nicht allzu ferne Weltgeschichte werde feststellen, „daß Rothstock sehr vernünftig war". Damit soll offenbar zugestanden werden, daß Rothstock vor Gericht dien Wahnsinn nur simulierte. Hm . . . wenn das auch die sechs Geschworenen geglaubt hätten, die ihn als Irrsinnigen freisprachen! * Hans HerzL, der Sohn Theodor Herzls verkündigt unter großem Spektakel seinen Austritt aus der katholischen Kirche, genau so, wie er vor nicht langer Zeit den Abfall von der Religion seiner Väter in die Welt hinausposaunen ließ. Seine -geistlichen Berater, die ihn als ihr Werkzeug zur Propaganda der Judenbekehrung benutzten, finden, daß Hans HerzI seinen Abgang aus der Kirche diskreter hätte vollziehen können. Vielleicht kommen die ehrwürdigen Herren jetzt auch darauf, daß Hans Herzl seinerzeit auch taktvoller gehandelt hätte, wenn er die dringende Regelung seiner religiösen Angelegenheiten mit einiger Schonung für das Andenken seines im Grabe ruhenden Vaters zu verbinden gesucht hätte, dessen Sohn er doch seit längerer Zeit war.....Hans Herzl wird jetzt wohl in das Dunkel zurücksinken, aus dem er bloß durch nicht allzu rühmliche Taten hervorgetreten. Nicht jeder, der Bedürfnis fühlt, von sich reden zu machen, ist der Rede wert. * ~ * Das Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung in der Angelegenheit der Ermordung der Redakteure Somogyi und Basco lautet noch immer: Die Mörder konnten nicht eruiert werden. Aber es darf doch nicht geleugnet werden,, daß eine r doch bereits infoige dieser Mordtat zu einer mehrjährigen Kerkerstrafe verurteilt wurde, nämlich Herr v. Beniczky. Das ist der Mann, der schon zur Zeit des Mordes als Minister des Innern sich geäußert Watte, er kenne d&e Mörder und werde ihre Namen nennen, wenn ihm dies ermöglicht würde. Jedermann glaubte, eine solche Behauptung müsse bewiesen werden und auch Herr v. Beniczky war dieser Meinung. Aber man war nicht neugierig auf seine Beweise. Da erklärte der gewesene Minister, die Mörder wären auch längst bestraft worden, wenn sie nicht ein mächtiger Schützer vor diesem Schicksal bewahrt hätte. Man war auch nicht neugierig, den Namen dieses Schützers zu hören. Nun ging Herr v. Beniczky so weit, zu behaupten, daß der Beschützer der Mörder auch dier Anstifter des Verbrechens gewesen. Bün lästiger Schwätzer! Dem Manne, der immer noch mehr beweisen wollte und schließlich sich sogar auf Zeugen wie Graf Andrassy und Markgraf Pallavicinii berief, mußte doch beigebracht werden, daß, wer zu viel beweisen will, gar ntächts beweisen! darf, und zum Verständnis dl'eses neuen Rechtsgrundsatzes wurden ihm volle drei Jahre bewilligt. Sollte dieser Zeitraum nicht geniigen, Herrn v. Beniczky die Kunst des Schweigens beizubringen? * * Ob die p. t. Mörder der beidien Redakteure unter sothanien Umständen befürchten können^ doch noch durch einen unheilvollen Zufall aus ihrem, wie vielfach' behauptet wird, staditbekanntien Inkognito gescheucht zu werden, ist kaum anzunehmen. Aber selbst wenn das Umdenkbare zum Ereigniis werden und die ungarische Gerechtigkeit keine Möglichkeit mehr haben sollte, den Mördern auszuweichen, so sind! die Braven — man kann aiuch sagen: Bravi — schon in Kenntnis der benih'iigendien Botschaft des Kriegsministörs, derzufolge ihrie in „patriotischem Ueberschwang" verübte Tat unter den Schutz 'dies Horthyschien Amnestieerlasses falle, trotzdem einer der „Patrioten" diem armen Somogyi nictit nur das Leben, sondlern auch den Chronometer geraubt hatte. Die Mörder Waben es verstanden, Somogyis Lebensuhr für immer zum Stehen zu bringen; der geraubte Chronometer zeigt aber <doch auch heute noch genau, wieviel es In Ungarn geschlagen hat. * * * Herr v. Horthy, dessen Namen fast täglich in »der GericWtssaalrubirdk der Budapester Blätter unter der Aufschrift „Beleidigung des Reichsverwieser's" zu lesen ist, hatte dieser Talge siiichi einer glänzenden Genugtuung zu erlreuenl Seine ZivJMflste wurde nahezu auf das Doppelte erhöht und Graf Bethlen erklärte in dler Nationalversammlung, daß hierdurch nur ein geringer Teil der Verdienste Horthys um Ungarn ihre Würdigung! gefunden hätten.. Worin diese Verdienste des Gouverneurs bestehen, darüber hat sich der Ministerpräsident nicht näher geäußert. Es bleibt daher jedem unbenommen!, sich die Sache so zurechtzulegen, idiaß Horthy auch Verdienste hat, die überhaupt nicht durch Geld aufgewogen werden können Hierzu darf man wohl aiuch Horthys Erfolge als Lebensretter rechnen. Wie viele, die anderwärts zweifellos dem Tode verfallen wären, haben ihm und nur ihm allein es zu dianken, daß sie noch unter der Sonne wandeln. Er war es, der unbekümmert um die ihn selbst verdächtigenden Kritiker von seinem Begnadigungsrechte Gebrauch machte. In vielen Kulturstaaten wenden edlen Menschenfreunden, die, der eigenen Gefahren trotzend, Bedrohten Rettung brachten, Medaillen verliehen. Wäre es nicht ein schöner Gddanke, daß in Ungarn eigens zu Ehren Horthys eine Medaille geprägt Würde, die ihm unter entsprechiender Feierlichkeit an die Brust geheftet oder an einer goldenen Kette um den Hals gehängt werden könnte. Auf der Medaille sollten die Namen aller verzeichnet sein., die man1 — w^re Horthys schützenldle Hand nicht gewesen — sicherlich' gehängt hätte. Ego. *J JL II AI fr^r\ Kleider-,Pelze-u.Gummimäntel-Fa IJ^A IVlJ"%^r LT 1^ Zentrale: Detailverkauf: jnVi 1 ■ Wien II., Glockengasse 24 Wienrll.. Taborstrs