Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 43 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 4 t>m WAHRHEIT ..... Ar. Der deutsche Karpfen und der jüdische Hecht. Von Wilhelm Schäfer. Wir freuen uns ganz besonders, den ausgezeichneten Ausführungen des bekannten deutschnationalen Politikers und Publizisten in unserem Blatte Raum geben zu können. Wenn sich auch unsere Auffassung der Judeiifrage, wie es ja bei der Verschiedenheit des Standpunktes selbstverständlich ist, nicht mit der des geschätzten Autors vollkommen deckt, soTnuß dennoch der Klarheit und Objektivität seiner Ausführungen jenes Maß an Anerkennung gezollt werden, die sie in hohem Grade verdienen. Es wäre nur zu wünschen, daß die An&cliauung von der engen Verknüpfung des deutschen Schicksals mit dem jüdischen auch innerhalb der politischen Partei, welcher der Verfasser dieses Artikels angehört, mehr Anhänger finde, als es bis jetzt leider der Fall ist. Wir müssen der deutschen Judenfrage entschlossen ins Auge sehen: was bedeutet es für unser Volkstum, daß unter rund 60 Millionen Deutschen rund sechs hunderttausend Juden eingebürgert sind, d. h. daß jeder hundertste deutsche Staatsbürger Jude ist? Die andere Seite der Frage ist: wasi bedeutet es für sechshunderttausend Juden, daß sie unter 60 Millionen Deutschen leben müssen? Daß ihrer zu wenig sind, um mehr als Versprengte zu sein, und zu viel, um sich verlieren zu können, geht zunächst nur die Juden an und ist für uns eine Sentimentalität. Immerhin wird es klug und gerecht sein, die Antwort von hier aus zu versuchen: denn dies dürfen wir keinen Augenblick vergessen, daß die deutschen Juden an dem Schicksal, das uns aneinander brachte, weitaus das unangenehmere Ende zu tragen haben. Geduldeter Gast zu sein» ist eine böse Rollei Fassen wir, um die Möglichkeit eines Ausgleiches zu suchen, das; Schicksal der Juden noch einmal in seiner Tiefe: ihnen ist das Schlimmste widerfahren, was einem Volke widerfahren kann, sie haben ihr Vaterland verloren. Ein Deutscher, ein Franzose, ein Engländer, der irgendwo in der Fremde versprengt ist hat die Gewißheit dieses Vaterlandes trotzdem: der Jude hat nichts als die Gewißheit seines Volkes. Das ist ein starkes Kapital, solange ihm die Gläubigkeit bleibt; und hier liegt die Inbrunst und Kraft des jüdischen; Volksgefühls; zum guten Teil begründet Gerät dieser Glauben ins Wanken, so bleibt ihm zweierlei übrig: entweder hi dem Volk unterzugehen, darin er zu Gast ist, oder einen neuen Zustand der Welt auszurufen, darin es keine Volksgenossen mehr, nur noch Menschen, Weltbürger gibt, deren jeder irgendwo durch Gebürtigkeit oder Wahl sein Staatsbürgerrecht hat. Das sind die drei Möglichkeiten, unter denen der Jude zu wählen hat, um sein Lebensrecht mit dem der anderen Völker in Uebereinstimmung zu bringen und dadurch den Konflikt aufzuheben. Machen wir uns klar, was diese drei Lösungen der Judenfrage im Einzelnen für uns Deutsche bedeuten! * lAmeinfachsteoj klarste nun dstärksten stehen nat ürl'ich die Juden da, die der Verheißung ihrer Väter nach gläubig b 1 e i be n. Ihnen ist es, daß sie ohne Vaterland unter Fremden wohnen müssen, ein Schicksal von schärfstem Wehe; aber es ist ein Schicksal und es heiligt, wie jedes Schicksal seinen Träger heiligt. Der gläubige Jude, wie er wahrhaft alttestamentarisch noch einmal an den Wassern Babylons sitzt, aber nicht um zu weinen, sondern seines Gottes auch in dieser Verbannung gewiß zu sein, wie er nicht hadert mit ihm, sondern mit Hiob gelernt hat, sicliN seinem ewigen Ratschluß demütig zu beugen: dieser gläubige Jude ist eine Ehrfürchtigkeit, die jedes menschliche Gefühl achten muß. Ihm sind die Christen, unter denen er lebt, natürlich Gojim, und ein Rattenkönig blutrünstiger Sagen hat sich an ihn gehängt. Seit dem Kaufmann von Venedig steht er da mit seinem Messer, dem Christen das Herz auszuschneiden. In jenen Gegenden unseres Vaterlandes, wo die Viehställe noch behext werden, schlachtet er angeblich Christenkinder, weil Wahn nur Wahn sehen kann. Die wir aus diesem Wahn gegangen sind, wollen auch den Haß daraus nicht mitnehmen. Mag der gläubige Jude uns Ungläubige nennen, wir können uns nur wünschen, ihm gleich zu sein in der Unbeugsamkeit unseres Glaubens. In vielem sein Gegenbild und dennoch seinesgleichen ist der Z i o n i s t, der als die moderne Konsequenz solcher Volkstreue nach und nach das Judentum durchsäuert hat. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß die elf Millionen Juden, die es auf der Erde gibt, jemals zu einem beträchtlichen Teil nach Palästina zurückkehren könnten. Die Wiederaufrichtung von Zion kann kaum mehr als eine Geste sein; aber diese Geste will dem Juden wieder aufbauen was ihm Titus zerstörte: die Zentrale. So ist der Zionismus die völkische Idee des Judentums, und aus der Mitte dieses seltsamen Volkes ein Bekenntnis zum Nationalismus, da smit der Fiktion, als sei das Judentum nur eine Religionsgemeinschaft, in der Judenschaft gründlic haufräumt Es sind nun zwar nicht die schlechtesten Geister, die den Nationalismus überhaupt als das böse Ergebnis des XIX. Jahrhunderts verdammen, weil sie die ruhige Weltbürgersehaft dies XVIII. Jahrhunderts in Haß und Verhetzung hinschwinden sehen; ihnen muß auch der Zionismus der Juden lediglich ein Symptom der allgemeinen Erkrankung sein. Sie vergessen, . daß der Nationalismus zunächst nichts anderes ist, als daß die Völker zum Selbstbewußtsein erwachen. Wäre kein Zionismus entstanden, so würde dies bedeutet haben, daß kein weckbares Selbstbewußtsein der Juden mehr bestand, daß sie kein Volk mehr waren, an der Entwicklung der Menschheit selbständigen Anteil zu nehmen. * Von den sechshunderttausend Juden in Deutschland kann nur ein kleiner Bruchteil als zionistisch angesprochen werden; weitaus der größte Teil fühlt sich in der deutschen Staatsbürgerschaft wohl und überdies dem deutschen Volkstum' verwachsen. Er ist zwar noch mosaischen Glaubens, aber er betrachtet diesen Glauben lediglich als eine Kirchenzugehörigkeit, die zu opfernder in vielen Fällen bereit ist, um durch die Taufe — wie er meint — das einzige Hindernis zu beseitigen, das ihn vom Deutschen trennt.-Gerade durch diese Bereitwilligkeit erscheint er dem Rassentheoretiker als die eigentlichle Judengefahr; auch wenn er nicht von einer Hochwertig-?