Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 42 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 DIE WAHRHEIT Seite 5 krat, konnte es nicht sein, weil er den Klassenkampf entschieden ablehnte. Als Jude geboren, blieb Dr. Ofner dem Glauben seiner Väter treu und setzte sich mit allen seinen Kräften für die vollkommene Gleichberechtigung seiner Glaubensbrüder ein. Er war einer der bedeutendsten Arbeiter in der Rechtsschutzhilfe der „Union deutschösterreichischer Jude n", welche jedes Unrecht, das die bloße Zugehörigkeit zum Judentum schuf, auf das entschiedenste bekämpft. Als daher Julius Ofner dahingeschieden war, trauerte um ihn nicht allein die österreichische Judenschaft, sondern das ganze freiheitliche und fortschrittliche Bürgertum, das in ihm seinen Führer verloren hatte; ja selbst seine politischen Gegner versagten ihm, dem tapferen, aber immer vornehmen und ritterlichen Kämpfer nicht den Tribut aufrichtiger Verehrung. Es hätte daher nicht eines sichtbaren Denkmals bedurft, denn das Wirken und Schaffen Julius Ofners hat unauslöschliche Spuren in der Geschichte der politischen Fortschrittsbewegung in Oesterreich hinterlassen, die Gesetze, die er geschaffen, insbesondere die „lex Ofner", verbürgen ihm ein bleibendes Andenken. Alle die, die das Glück hatten, Julius Ofner zu kennen, werden ihn, den gütigen, stets hilfsbereiten Menschen, nie vergessen. Um aber auch den kommenden Geschlechtern ein bleibendes" Monument zu hinterlassen, hatte sich ein „Komitee zur Errichtung des Grabdenkmales für Doktor Julius Ofner" gebildet, dem der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick, der Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden" Dr.-Jakob Ornstein, der ehemalige Direktor der Universitätsbibliothek Hofrat Prof. Dr. S. Frankfurter und Hofrat Univ.-Prof. Dr. S. Ehrmann angehören. Sonntag, den 18. Oktober, wurde nun auf dem Zentralfriedhof, 1. Tor, an der Stelle, an der seine Asche beigesetzt ist, ein mächtiges, von Prof. Hegenbarth geschaffenes Grabmonument enthüllt, bei welcher Gelegenheit eine würdige, trotz des schlechten Wetters zahlreich besuchte Gedächtnisfeier abgehalten wurde. Bundespräsident Dr. Hainisch, welcher zu dieser Veranstaltung eingeladen war, gab in einem an das Komitee gerichteten Schreiben seiner besonderen Befriedigung Ausdruck, daß das Andenken dieses hervorragenden Mannes geehrt werde, und entschuldigte sein Fernbleiben mit dringenden Amtsgeschäften. Ebenso entschuldigte sich Bürgermeister Karl Seitz in einem schönen Schreiben und betraute die-Stadträte Speiser und Breitner mit seiner Vertretung. Auch die Präsidenten des Nationalrates M i k 1 a s und E1 d e r s c h entschuldigten ihr Fernbleiben. Außer den Vertretern der Gemeinde Wien sah man die Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde mit Ausnahme der 4» jüdischnationalen, die ihr Fernbleiben entschuldigt hatten, in Begleitung der Herren Amtsdirektoren Guido Fuchsgelb und Dr. E. Adler und Amtsleiter Wilhelm Fr ei Stadt, Abordnungen des Bethausvorstandies, der Chewra Kadischa, der „Union deutschösterreichischer Juden" und deren Jugendgruppe, der B. B. Logen, den Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes Dr. V i t o r e 11 f, den Präsidenten des Landesgerichtes Dr. Altmann, den Präsidenten der „Concordia" Dr. W e n g r a f, den gesamten Vorstand des deutschdemokratischen Vereines, dessen Ehrenpräsident Ofner gewesen ist, unter Führung des Herrn Doktor Groag, sowie eine Abordnung der deutschdemokratischen Hochschülervereinigung und der jungdemokratischen Vereinigung, Baronin Hock, Nationalrat Austerlitz, Pro fessor Kelsen und Rudolf Goldscheid, Hofrat Franzi für den ,JEherechtsreformverein", Vertreter der „Bereitschaft", des Vereines „Allgemeine Nährpflicht" und der .Jüthischen Gemeinde", sowie viele anderer politischer und humanitärer Vereinigungen, denen der Verstorbene nahegestanden ist. Ueberdies Vertreter der drei freiheitlichen Burschenschaften „Fidelitas", „Suevia" und „Budovisia". Nachdem zwei Burschen der „F i d e1i t a s" in voller Wichs mit gesenkten Schlägern die Ehrenwache am Ehrengrabe bezogen hatten, sang ein Staatsopernchor unter Leitung des Herrn Grodzinsky das Lied „Der Du von dem Himmel bist". Hierauf hielt der Präsident der „Union deutschösterreichischer Juden" Dr. Jakob Ornstein folgende ergreifende Ansprache: „Julius Ofner, an dessen Grabe wir trauernd versammelt sind, war erfüllt von reinstem Idealismus und von edelster Menschlichkeit. Er war die Synthese der beiden Begriffe: ein edler Mensch und ein guter Jude. Er fühlte sich als aufrechter Jude und darum gebührt ihm auf dem geheiligten Boden, auf dem die Asche unserer Väter ruht, ein Ehrenmal. Als wahrer Apostel der Menschenliebe hat er seinen Schutz und Beistand vor allem den Enterbten und Unterdrückten angedeihen lassen. Er war ein Anwalt des Rechtes und der Gerechtigkeit von unerreichter Größe, ein wahrer und echter Volksvertreter, wie man ihn selten findet. Aber auch als Mann der Wissenschaft, als Rechtsgelehrter und Soztailpolitiker hat er unvergängliche Werte geschaffen. Wenn manche Kreise heute daran vergessen, daß schon im 16. Jahrhundert Reuchlin gesagt hat: ,Auch die Juden sind unsere Brüder, denn ein Vater hat uns alle geschaffen*, so ist Julius Ofner diesen Vergeßlichen entgegengetreten, hat das Vollbürgerrecht für die Juden gefordert und für ihre Gleichberechtigung gekämpft. Julius Ofner hat sich eingesetzt für das unschuldige Opfer des Ritualmordwahnes L. H i 1 s n e r und seinem Wirken ist es gelungen, diesem Unglücklichen nach neunzehnjähriger Haft die Freiheit wieder zu schenken. Als glühender österreichischer Patriot galt sein Wirken und Schaffen vor allem seiner geliebten Heimat Oesterreich, dem Land, in dem schon vor mehr als tausend Jahren seine Glaubensgenossen gelebt und gewirkt haben. Wenn einer seiner besten Freunde, der ebenfalls hier ruhende Jos. Popper-Lynkeus den- Ausspruch getan hat: .Wein einmal meine letzte Stunde gekommen sein wird, dann will ich von mir sagen können, ich war ein braver Arbeiter, ich habe gute Arbeit geleistet', dann gilt dieses Wort vor allem auch für Julius Ofner, dem Mann, der Unrecht und Gewalt bekämpft, für Recht und Menschlichkeit unermüdlich gestritten hat. Wenn wir Juden von einem Verstorbenen Abschied nehmen, pflegen wir die Worte zu sprechen: .Secher zaddik liwrocho, das Andenken des Gerechten sei gesegnet'. Möge auch das Andenken dieses wahrhaft gerechten Mannes zum Segen werden!" Sodann ergriff der Präsident der Rechtanwaltskammcr Dr. Eckel das Wort und feierte Ofner als eine Zierde des Rechtanwaltstandes, als einen Mann von hervorragendem Wissen, zündender Beredsamkeit und unerreichter Schreibweise. „Das Grabmal, das heute hier enthüllt wird, soll uns und kommende Geschlechter daran mahnen, daß hier ein Mann ruht, von dem man sagen kann: Wir werden nimmer seinesgleichen sehen." Hierauf übernahm Präsident Prof. Pick das Grabmal, diesen sichtbaren Beweis treuer Freundschaft für den Unvergeßlichen, in die Obhut der Gemeinde, wobei er die Persönlichkeit und das Wirken Ofners in tiefempfundenen Worten würdigte. Nachdem nun die Hülle vom Stein gefallen und das Monument, ein Meisterwerk der Bildhauerkunst, in seiner erhebenden Schlichtheit vor unsere Augen getreten war, ergriff Heinz Braun als Vertreter der „Deutschdemokratischen Hochschülervereinigung und der Jungdemokratischen Vereinigung" das Wort zu folgenden Ausführungen: „Julius Ofner hat sich längst ein Denkmal in den Herzen aller Menschen gesetzt, besonders aber wird sein Andenken in den Herzen der freiheitlichen Jugend, besonders der Hochschüler nie erlöschen. Ihm gebührt der Tribut der reinsten Liebe für sein edles Wirken, und so sei dieses Denkmal zugleich ein Dankmal, ein Zeichen des unvergeßlichen Dankes, das wir ihm schulden". Schließlich grüßte noch ein Vertreter der Burschenschaft „F i d e 1 i t a s" den „alten Herrn" und betonte, daß der unvergeßliche Dr. Julius Ofner Zeit seines Lebens den alten Burschenschaftsidealen der Freiheit und des Fortschrittes treu geblieben ist. Ein weihevoller Gesangvortrag des Staatsopernchores beschloß die» eindrucksvolle Feier._ geltes I.DHTCA .4 JAC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien IL, Glockerigasse 24 Wien II., Taborsrraöe U