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Die Wahrheit · 1925-10-23 · Heft 42 (23.10.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 42 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 tM WAHRHEIT Nr. 42 Sein teuflischer Plan ist gelungen, die deutsche Jugend ist mundtot gemacht! Jeder Anschlag ist verboten! Das ist Verrat, das ist Verbrechen an der deutschen Jugend, das ist Sadismus! Wer dieses System der geistigen Versklavung der deutsch blütigen Jugend unterstützt, ist ein Lande sv erräter und Mörder des Freiheitsgeistes! Dieses Verbot ist eine Kulturschande, eine Beleidigung der deutschen Bevölkerung Wiens! Ein Gruntzel aber hat den Anspruch verloren, „Deutscher" genannt zu werden! Die Rektorenkonferenz, die diesen Volksverräter in ihren Reihen duldet, würde sich auf die gleiche Stufe stellen! Der deutsche Student, der diesen „Menschen" bei der Amtseinführung still anhört, hat verlernt, wann e i n Mensch aus der anständigen deutschen Gesellschaft ausgestoßen werden muß! Der sogenannte Rektor Gruntzel ist kein deutscher Rektor! Er macht Zutreiberdienste für das Juden- und Tscheche ntum, ist ein Förderer der Bettauer-Asiaten, ist ein hinterhältiger, haßerfüllter Feind der deutschblütigen Jugend, ist ein Lehrer, der auf seinen Gesundheitszustand geprüft werden soll, weil er ein unlösliches Rätsel darstellt. Heute schössen wir bloß mit dem Revolver! Ist dieser Warnschuß umsonst, dann kommt die Flinte! Verkriecht sich der Rassenbrei und Wüstenauswurf noch immer nicht, dann gibt es Minen! Macht man den Wortbruch an dieser Kulturstätte nicht schleunigst gut, dann fahren die Kanonen auf! Vergessen die deutschfühlenden Professoren noch immer ihre Pflicht, dann kommt der Mörser!" Die Ausführungen lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. In derselben Nummer werden die deutschen Studenten auch aufgefordert, ihre „Anschriften" bekanntzugeben. Zu welchem Zwecke das geschieht, kann man sich leicht vorstellen. Die Auspizien, unter welchen das Wintersemester an unseren Hochschulen begonnen hat, sind demnach keine günstigen. Trotz alledem hoffen wir noch immer, daß uns und unseren höchsten Bildungsstätten Zustände erspart bleiben mögen wie die, an welche wir uns nur mit Scham und Erbitterung erinnern. Arbeiten und nicht Politisieren, Studieren und nicht Raufen: dies sei die Parole, mit der unsere Studentenschaft ins neue Semester treten möge. Dann, aber auch nur dann wird jene wahre, echte Kultur in unseren Hochschulen ihren Einzug halten, welche nichts gemein hat mit Rassenhaß, Klassenkampf und anderen Ausgeburten einer entarteten Zeit. _ AUtagspropleme des Wiener Judentums. Von J. Grobtuch. Fürsorgewesen. Heute wollen wir uns mit den Institutionen, die sich mit dem Fürsorgewesen in der Wiener Gemeinde befassen, publizistisch beschäftigen. Einwandfrei kann festgestellt werden, daß bei keinem anderen Volke Wohltätigkeit zu üben so prägnant zum Ausdruck kommt, wie gerade beim jüdischen. Und auf diesem Gebiete war die Wiener jüdische Gemeinde vor dem Kriege durch Dezennien mustergültig. Auf diese Führung kann und darf sie heute nicht verzichten, zumal sie gegenwärtig die einzige westeuropäische Gemeinde mit einer Einwohnerzahl von beinahe einer Viertelmillion Juden ist. Das jüdische Stiftungswesen, welches vor Kriegsausbruch auf allen Gebieten der öffentlichen Wohlfahrt hilfreich eingriff, ist der Inflation zum Opfer gefallen. Aber genau so wie überall das Bestreben vorhanden ist, die Schäden des Krieges und der Inflation wieder gutzumachen, ist es ebenso Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, auch hier Mittel zu finden, die die Rückkehr zu normalen Verhältnissen ermöglichen. Ein solches Mittel, Interesse für das Stiftungswesen zu erwecken, erscheint uns in der Veröffentlichung eines Verzeichnisses der bis zum Kriegsausbruch bei der Wiener Kultusgemeinde vorhanden gewesenen Stiftungen, in dem auf die Wirkung hingewiesen wird, die sie auslösten. Freilich muß eine solche Publizierung so vor sich gehen, daß sie in jene Schichten gelangt, wo sie Erfolg verspricht. Wenn auch zugegeben werden muß, daß der gegenwärtige Zeitpunkt, infolge der herrschenden Notlage, kein sehr günstiger ist, darf man doch die eventuelle Wirkung einer derartigen Veröffentlichung nicht unterschätzen. Daß man in Zukunft bei der Anläge von Stiftungsgeldern, durch die Erfahrung gewitzigt, vorsichtiger sein wird, ist klar. Die Zentralstelle, für jüdische soziale Fürsorge steht ebenfalls infolge der drückenden Not, welche täglich zunimmt, vor schwierigen Problemen, deren Abhilfe der gesamten Wiener jüdischen Bevölkerung fast unmöglich wird. An den vielen und mannigfachen Wohltätigkeitsvereinen ist es vor allem gelegen, sie durch einen engeren und wärmeren Kontakt zu unterstützen. Wenn schon im Jahre 1908 sich das Bedürfnis fühlbar machte, eine Zentralstelle der Fürsorge zu schaffen, um wieviel wichtiger erscheint es heute, sie straffer zu spannen. Der Krieg und die Nachkriegszeit haben eine Umschichtung der Bevölkerung hervorgerufen, man hat es mit neuen Elementen zu tun. Würdiges von Unwürdigem zu unterscheiden, fällt jetzt viel schwerer. Nur die Zusammenarbeit und der gemeinsame Wille helfen diesen Aufgaben gerecht zu werden. Rivalität und Vereinseifersucht, Eigenschaften, welche leider unserem jüdischen Vereinswesen nicht fremd sind, müssen in Anbetracht des höheren Zieles, das es zu erstreben gilt, verschwinden. Dem Andenken Dr. Julius Ofners. Am 26. September 1924 hat Dr. Julius Ofner seine Augen für immer geschlossen; ein Herz hatte zu schlagen aufgehört, das stets für die Schwachen und Unterdrückten geschlagen hat, ein Geist hatte den ewigen Frieden gefunden, nachdem er einen langen, schweren, aber von Erfolg gekrönten Kampf für Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit geführt hatte. Denn Ofner ist ein Kämpfer gewesen, eine nimmermüde Kampfbegeisterung für alles Edle und Gute erfüllte ihn, aus seinen klaren, träumerischen Augen zuckten Blitze und mächtig donnerte seine sonst so warme, freundliche Stimme, wenn er den Vertretern jener dunklen Gewalten gegenübertrat, welche Haß, Unrecht und Unterdrückung nicht aufheben wollten. Er war nicht allein ein scharfsinniger Rechtsgelehrter, sondern auch ein weiser Gesetzgeber, nicht nur ein gewandter Parlamentarier, sondern — und das ist das höchste Lob, das Ofner gespendet werden kann — ein Mensch in des Wortes höchster Bedeutung oder, wie es auf dem federlich enthüllten Grabmal steht: „Ein Mensch, der nichts als ein Mensch sein wollte." Julius Ofner war Demokrat und Sozialist. Wo immer ein soziales Unrecht nach Abhilfe rief, da war Ofner der erste, welcher dert Bedrängten und Benachteiligten zu Hilfe eilte. Und doch war er, der konsequente Demokrat, kein Sozialdemo- \

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