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Die Wahrheit · 1925-10-23 · Heft 42 (23.10.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 42 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4________ __ __ DIE WAHRHEIT _ .....____________ . Seite_3 „Deutschen Gesellschaft für Rasse npfleg e", welche sich jedoch mehr mit der „semitischen" als mit der „arischen" Rasse zu beschäftigen scheint und nebenbei auch dem „Kulturamt" ins Handwerk pfuscht: „Deutschtum und Judentum bilden unüberbrückbare Gegensätze, keine Macht der Welt, keine Assimilationstheorie, keine Judenemanzipation, keine Toleranz kann sie ausgleichen. Jeder Ausgleichsversuch muß früher oder später zusammenbrechen, weil, die Ausgleichung Sünde gegen die Gesetze der Natur ist, Sünde wider Art und Blut". Folgerichtig wird daher „die amtliche Aufrollung der Judenfrage" mit Entschiedenheit gefordert. Hierauf folgt der Anschlagkasten der, „Frontkämpfer- Vereinigung, Sektion Universität". Diese Vereinigung hat „die wahre und echte Kultur und Sittlichkeit" auf ihre Fahnen geschrieben (es wird einem geradezu schwindlig vor lauter Kultur!) und kämpft daher als „arische, unpolitische Vereinigung" (selbstverständlich) gegen „die internationalen, volksstörenden Elemente, wie die unter jüdischer Führung stehenden Sozialdemokraten und Kommunisten". Unweit hiervon ist ein weiterer Anschlagkasten des „Kulturamte s" angebracht, der nur so von Beschimpfungen und Verleumdungen strotzt und daneben befinden sich die Ankündigungen der Akadem. Ortsgruppe „Schiller" des Deutschen Schulvereines „Südraark". Mit Bitternis und Trauer gewahrt man auch hier zwei mächtige Hakenkreuze; ist doch der „Deutsche Schulverein" seinerzeit auch von Juden gegründet worden und hat sich bisher von jeglicher antisemitischen Hetze ferngehalten. Es folgt der Anschlagkasten des „Alldeutschen Verbandes, gang stets mit Erde bedecken kannst." Diesem Satze, der die Reinhaltung des Lagers von menschlichem Schmutze, die Gesundheit und Sauberkeit des jeweiligen Aufenthaltsortes bezweckte, gab der genannte Lehrer eine ebenso geistvolle wie beherzigenswerte Deutung. Lies nicht „asenecha", „bei deinem Waffengeräte", sondern „Osnecha", „für dein Ohr", denn Gott hat dem Menschen die Finger der Hand spatenförmig geformt, damit er mit dem Finger das Ohr verschließen kann, hat der Ohrmuschel das weiche, biegsame Ohrläppchen angehängt, damit der Mensch das Ohr zustopfen kann, wenn er häßliche, schmutzige Rede vernimmt. Es gibt nicht nur den Schmutz, der die Luft verunreinigt und die Gesundheit des Körpers gefährdet, den man darum von seinem Wohnort fernhalten muß, sondern auch solchen, der die Seele vergiften, die Reinheit und Gesundheit des Denkens zerstört. Das ist der Schmutz des Wortes! Der jüdische Dichter Imanuel ben Salomo, Manoello genannt, ein Freund und Zeitgenosse Dantes, ist berühmt wegen seines Geistes, seines Witzes, seiner Phantasie und Meisterschaft in der hebräischen Sprache. Trotzdem haben die Rabbiner die Lektüre seiner Gedichte im Schulchan aruch im allgemein untersagt, weil er die Keuschheit der Sprache geringachtete und frivol den Schleier der Scham von unserer heiligen Sprache herabriß, indem er die Worte der Thora für die Niedrigkeiten des Lebens gebrauchte. Man hat die Rabbinar hie und da wegen dieses Verbotes der Rückständigkeit beschuldigt und ihnen mangelndes Verständnis für die Freiheit des Dichters vorgeworfen. Die Rabbiner halten eben den Dichter in erster Linie für berufen, zur Höhe zu führen, die Seelen von Schmutz und Erdenstaub zu befreien. Im Talmud wird erzählt: Vor dem großen Lehrer Hillel saßen zwei Schüler und lernten. Der eine fragte: Warum muß man Trauben ernten in Reinheit und Oliven auspressen in U nreinheit? Der andere fragte: Warum muß man Trauben ernten in Reinheit und Oliven auspressen nicht in Reinheit? „Dieser", sprach Hillel, wird ein großer Mann in Israel werden!" So kam es. Der Mund, der sich hütete, ein häßliches Wort zu sprechen, war berufen, Lehre, Weisheit und Wahrheit zu verbreiten K. Sektion Universität", der außer Hakenkreuzen auch eine „Extraausgabe" der Verbandszeitung enthält, mit der in großen Lettern gedruckten Ueberschrift: „Das Judentum als Schützer des französischen Imperialismus." Es ist ferner der Anschlagkasten der „Deutschakademischen Gemeinschaft" zu sehen sowie die Ankündigungen einer großen Zahl anderer deutsch-arischer Vereinigungen, deren weitere Aufzählung sich nicht lohnen würde. Alle diese Ankündigungen erfolgen mit Wissen des Rektorates, bzw. der Dekanate. Wir sehen also, daß diese Behörden durch die Publikation unwahrer, lügnerischer, verleumderischer und beleidigender Veröffentlichungen in den Räumen der Universität ihre eigenen Verordnungen verhöhnen lassen. Denn es ist geradezu ein vernichtender Schlag gegen jede akademische Autorität, wenn trotz aller Erlässe und Ermahnungen nach wie vor gerade das geschieht, was verboten wurde und es sollte uns nicht wundern, wenn diejenigen, die die Ohnmacht der akademischen Behörden erkannt haben, auch vor weiteren und schwerwiegenderen Uebertretungen nicht zurückscheuen sollten. Wenn daher, wie dies bereits öfter der Fall v/ar, auch in diesem Jahre diese verhetzenden Anschläge Widerhall fänden in den Gemütern einer leicht erregbaren Studentenschaft und die Saat aufgänge, welche hier gesät wurde, dann könnte man diejenigen nicht ganz von der Verantwortung für die möglichen Ausschreitungen freisprechen, welche durch ihr merkwürdiges Verhalten der Politisierung und Aufreizung der Studentenschaft Vorschub geleistet haben. Auch an den übrigen Wiener Hochschulen feiert ein wüster Rassenantisemitismus in Anschlagkästen und sonstigen Ankündigungen wahre Orgien und nur die Hochschule für Welthandel bildet hierin eine rühmliche Ausnahme, da ihr Leiter, der Rektor Hofrat Dr. G r u n t z e 1, verhetzende und beleidigende Ankündigungen jeder Art in den Räumen dieser Hochschule verboten hat. Mit welchem Wutgeheul der gesamte Hakenkreuzlerpresse diese einzig vernünftige und gerechte Maßregel begleitet ersehen wir am besten aus einem Artikel der „Deutschen Arbeiter-Presse", welche sich in den niederträchtigsten und gemeinsten Beschimpfungen gegenüber einem Manne ergeht, welcher nichts anderes getan hat als seine Pflicht und Schuldigkeit: „F.in Notschrei der deutschblütigen Jugend gellt an unser Ohr: „Hilfe! Verrat von allen Seiten!" Angeblich „deutsche" Professoren wollen die deutsche Jugend geistig erdrosseln, wollen ihr die Freiheit des Wortes rauben ... In den Umsturzjahren war die Hochschule für Welthandel die „Edelzuchtanstalt der Börsengauner und der Valuten Verbrecher!" Der Abschaum der Menschheit, der scheußlichste Auswurf der Wüste trieb sich dort herum. Da kam die Welle der Frontstudenten und reinigte das deutsche Haus vor dieser Menschenpest mit einem eisernen Besen! . . . Um die geistige Judenseuche zu überwinden, führten die Führer im deutschen Haus, am deutschen Ort das freie deutsche Wort ein! Ein mustergültig ausgebautes Anschlagwesen, durch welches die deutsche Jugend über alles aufgeklärt wurde, was die jüdische Pest unterdrückt, was die „J u d e n k n e c h t e" nicht hören wollen . . . Abseits standen die Menschen, die vom deutschen Staate bezahlt werden, um vor allem die deutsche Jugend im deutschen Sinne heranzubilden! Es fanden sich sogenannte deutsche Männer, die sich gegen diese Jugend stellten, die gegen sie von Haß erfüllt waren und die sie vernichten wollten! An der Spitze dieser schändlichen Menschen steht ein „H o f r a t" Q r u n t z e 1 . . .

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