Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 41 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 LH£ WAÜRrt&lT Seite II | Theater, Kunst u. Literatur [ (§ Von Woche zu Woche Urteile über Winingers „Jiid. Natlonalbiographle". Ueber dieses erste und einzige biographische Lexikon des jüdischen Volkes, liegen folgernde, im Auszuge wiedergegeben« Urteile der hervorragenden Wiener Fachgelehrten Rabbiner Dr. Feuchtwang, Prof. Dr. S. Krauss, Universitäts-Prof. Dr. Neuburger u. a. aus früherer Zeit vor. Die erstexen schreiben: „Das Werk des Herrn S. Windnger lag uns handschriftlich in größeren Partien vor. Daraus haben wir die feste Ueberzeugung gewonnen, daß das vorliegende Material ein überaus nützliches Werk bilden wird, das den Stolz unseres jüdischen Volkes heben, seine Begeisterung erwecken und es betreffs seiner eigenen Vergangenheit belehren wird. Außerdem wird es ein sehr erwünschtes Nachschlagewerk sein, wie wir in unserec Literatur noch keines besitzen und das jedem auf diesem Gebiete Arbeitenden gute Dienste leisten könnte. Mit voller wissenschaftlicher Ueberzeugung vertreten wir daher den Standpunkt, daß es eine nützliche und erhebende Sache wäre, besagtes Werkzu fördern und zu verbreiten, weshalb wir es denn allen, die es mit unserer Glaubensgemeinschaft gut und ehrlich meinen, wärmstens empfehlen." Professor Dr. Neuburger schreibt: „Nach einigen Stichproben von medizinischen Biographien bin ich in der Lage, obiges Gutachten auch meinerseits durchaus bestätigen zu können und glaube, daß die Veröffentlichung des Werkes dem Zwecke deT Popularisierung jüdischer Literarhistorik in besonderem Maße dienen wird." Soeben erschien die 4. Lieferung dieses Werkes. Bestellungen auf dieselbe, sowie Subskriptionen auf das Gesamtwerk (5 Bände, Lexikonformat) nehmen die Buchhandlungen: S. Widmann und „Auror a", C e r n a ut i (Rumänien) entgegen. Der kleine Brockhaus. Die weiteren Lieferungen des vortrefflichen Unternehmens verdienen jede Anerkennung und Hervorhebung. Immer sind die jüdischen Dinge mit Sachkenntnis und bei dem gedrängten Raum mit erstaunlicher Vielseitigkeit behandelt. Als Beispiel seien die folgenden beiden kleinen Beiträge aus der dritten Lieferung zitiert. „Ephraim (hebr. Fruchtbarkeit) 2. Sohn Josephs (1. Mos. 41, 52); nach ihm der Stamm E., Hauptstamm des Reiches E. E p h r a i m i t e n, Spottname für geringhaltige Münzen aus der Zeit des siebenjährigen Krieges, nach dem jüdischen Münzpächter Ephraim (Itzig & Co.)" Das Werk, das unterdessen zu 8 Lieferungen gediehen ist (Preis für die Lieferung M. 1.90), kann dringend empfohlen werden. „Menorah", illustrierte Monatsschrift für die jüdische Famüie, Wien, I., Zelinkagasse 13 (Preis des Jahresabonnements S 20.—. Das reich illustrierte Oktoberheft dieser vorzüglich geleiteten Zeitschrift bringt einen sehr interessanten Aufsatz über die Synagoge in Heidingsfeld von Erich Toeplitz, (Frankfurt a./M.) Ferner enthält die Nummer Reproduktionen nach Originalen von Ludwig Blum und Hermann Fechenbach und einen Bericht des Dr. I. Jakobsohn über die Moses Mendelssohn-Ausstellung in Dessau mit zwei interessanten Porträts von Moses Mendelssohn. Aus dem weiteren Inhalt heben wir noch hervor: Gerhard Birnbaum: Vergänglichkeit. Rabb. Dr. Viktor Kurrein (Linz): Die Monate des Jahres in der volkstümlichen Deutung. Herbert Urfahr: Drei Gedichte. Univ.-Prof. Dr. Max Eisler: Von unseren jungen Künstlern. Illes Kaczer: Der Traumsi edler (1. Fortsetzung). Eugen Hoeflich: Der Mörder (Fortsetzung). Außerdem die gewohnten Rubriken Bibliographie, Frauenwelt, und ,JFür unsere Kleinen". Jüdische Familienforschung. Soeben bringt die Gesellschaft für jüdische Familienforschung das dritte Heft ihrer Mitteilungen heraus. Aus dem reichen Inhalt seien folgende Beiträg« erwähnt: Rabbiner Dr. A. Löwenthal (Berlin): „Die Quellen der jüdischen FamnienfOTSchung" — Dr. jur. D. M. Kauschausky (Berlin): „Die Rechtsstellung des natürlichen Kindes im jüdischen und im orientalischen Recht" — H. Moses (Wien): „Jüdische Famiheimamen" — L. Horowitz (Kassel): „Familiennamen aus Westpreußen" — Generalkonsul Karl Simon (Mannheim): „Aus der Geschichte der Familie Dinkelspiel (Mannheim)" — Rabbiner Dr. Heinrich Flesch (Dolni Kounice): „Die Familie Bloch in Neu-Raußnitz". Für alle Interessenten kann de Zeitschrift, die allen Mitgliedern der Gesellschaft kostenlos zugeht, wärmstens empfohlen werden. Wilhelm der Zweite und Hitler. In der letzten Münchenef völkischen Radauversammlung, in der, wie jetzt gewöhnlich, Hitler-Anhänger und Ludendorff-Anhänger einander auf wüste Weise beschimpften, erwähnte der nationalsozialistische Abgeordnete Streicher in seiner Rede, daß der frühere Kaiser Wilhelm seine Gemahlin zweimal nach München geschickt habe, um Sicheres über Hitler zu erfahren. Prinzessin Hermine habe Hitler sprechen gehört und sei auch persönlich mit ihm in Fühlung getreten, ohne sich jedoch zu erkennen zu geben. Sie habe dabei nur die günstigsten Eindrücke von Hitler gewonnen und nach ihrer Rückkehr nach Doorn den Kaiser in diesem Sinne berichtet! Dr. Julius Ofners Grabdenkmal. Ein Komitee, an dessea Spitze Universitätsprofessor Dr. Alois Pick steht hat sich die Aufgabe gestellt, das Andenken des vor einem Jahre dahingeschiedenen Dr. Julius Ofner durch Errichtung eines Grabdenkmals zu ehren. Am Sonntag, den 18. Oktober um halb 11 Uhr vormittags findet auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes (I. Tor), wo die Aschenreste Ofners ia einem seinerzeit von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gewidmeten Ehrengrabe ruhen, die feierliche Enthüllung des vom akademischen Bildhauer Hegenbarta geschaffenen Denkmals statt. Jüdisch-theologisches Seminar in Breslau. Im Wintersemester 1925/26 werden folgende Vorlesungen und Uebungea gehalten werden: I. Herr Sermnarrabbiner Prof. Dr. Michael Guttraann wird lesen: 1. Talmud Gittin (stat) vom 2. Abschnitt ab (A); 2. Talmud Sanhedrin (curs.) für Anfänger (B); 3. Dezisoren: Eben Haezer (Forts.) und Jore Dea von § 98 ab (A); 4. Apologetische Vorlesungen mit Uebungen. II. Herr Dozent Dr. Isaak Heinemann wird lesen: 1. Abschluß der hebräischen Grammatik (C); 2. Einführung in die aramäische Sprache der Bibel, des Targum und des babylonischen Talmud (B, C); 3. Leichte Abschnitte aus dem babylonischen Talmud (C); 4. Gabirols Philosophie und seine philosophische Dichtung; 5. Uebungen über Philons griechische und jüdische Bdidung (nur für humanistisch Gebildete); 6. Lektüre aas Crescas4 Or Adonai (A). 7. Uebungen zur Pessach-Haggada; 8. Homiletische Uebungen. III. Herr Dozent Dr. Albert Lewkowitz wird lesen: 1. Kant und der Neukantianismus in ihrer Bedeutung für die jüdische Religionsphilosophie; 2. Die Religionen des alten Orients (Fortsetzung); 3. Die jüdischen Denker der Gegenwart und ihre Anschauungen vom Wesen des Judentums; 4. Uebungen zu Kants Kritik der praktischen Vernunft und Cohens Ethik des reinen Willens; 5. Lektüre von Otto: Das Heiliget IV. Herr Dozent Dr. Israel A. Rabin wird lesen: 1. Bibel: a) Jeremia (A); b) Grundfragen der wissenschaftlichen Pentateuchexegese und Erklärung ausgewählter Pentateuchabschnitte (B); c) Die 5 Megülot (curs. B); d) Isaak Abravanel als Kommentator (A); 2. Geschichte: a) Von der Zeit des Herodes. bis zum Abschluß des paläst. Talmud; b) Historischie Uebungen: Die Martyrologien (A); 3. Geographie Palästinas (Fortsetzung); 4. Talud: a) Makkot (curs. A); b) Kethubot II (stat B). Begina des Winter-Semesters: 25. Oktober 1925. Alle Anfragen sind an das Dozentenkollegium des jüdisch-theologischen Seminars (Fränckelsche Stiftung), Dr. Heinemann. z. Zt Vorsitzender, zu richten. Der Israelitische Frauen-Wohhatigkeits-Verein für dea XVI. und XVII. Bezirk veranstaltet am Samstag, den 31. Oktober d. J. in den Olympia-Sälen, I., Rotgasse 5, einen Wohltätigkeits-Raut. Die Musik wird die bekannte Salonkapelle Domansky besorgen. Eintrittskarten zu dieser Veranstaltung, die noch verschiedeiie Ueberraschungen vorsieht, sind bei sämtlichen Vorstandsdamen erhältlich. Hugo Preuß. Die Tragik dieses bedeutenden Mannes war sein Judentum. Als Einjähriger hatte er eine so glänzende Stellung in seinem Regiment, daß seine Vorgesetzten ihn gern zum Reserveoffizier eingeben hätten. — Aber — er war Jude! „Können Sie diesen kleinen Uebelstand nicht abstellen?" fragte ihn sein Rittmeister. „Nein!" sagte Preuß und war damit ausgeschlossen von dem schwindelnden Glück des Leutnantdaseins. Als Privatdozent überschattete er alle seine Kollegen. Er war der beste Kenner des Verwaltungsrechts in ganz Deutschland. Aber ordentlicher Professor an der Berliner Universität konnte er nicht werden. Für diskret© Hinweise von Vorgesetzten, ob er sich nicht taufen lassen