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Die Wahrheit · 1925-10-16 · Heft 41 (16.10.1925) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 41 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 41 untrügliche Beweise vorhanden, daß Kolumbus in dem spani- \ sehen Städtchen Pontevedra als Kind jüdischer Eltern geboren 1 wurde. Erst nach seiner Geburt nahmen die Eltern, um den religiösen Verfolgungen zu entgehen und im Lande bleiben zu dürfen, zum Schein die christliche Religion an. Es ist nicht wahr, daß die fromme Königin Isabella ihre Juwelen veräußert hat, um Kolumbus seine Indienfahrt zu ermöglichen. An dieses Märchen glaubt heute kein irgendwie historisch gebildeter Mensch mehr. Jüdisches Geld war es, das die Fahrt des Kolumbus ermöglichte, und jüdische Köpfe ermunterten und förderten Kolumbus' Pläne, und führten so zur Entdeckung der Neuen Welt Der alte spanische Historiker Oviedo bezeugte es. indem er schreibt: „Luits de Santangel brachte das Geld für die erste Fahrt auf, die zur Entdeckung Indiens führte". Er war noch der Meinung, daß der amerikanische Kontinent Ostindien sei. Wer aber war Luis de Santangel? Kein anderer als der Sohn des Rabbi Azarias Ginillo. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien, nahm der Sohn dieses Rabbi den Namen Santaneel an und wurde einer der einflußreichsten Ratgeber des Königs. Er und andere Marannen gewährten Kolumbus eine zinsenlose Anleihe. Auch das geistige Gut dieses Pr\- jektes stammt von Juden. Niemand leugnet, daß die von\ Kolumbus benutzten Seekarten von seinem intimen Freund Abraham Zacuto. dem berühmten Astronomen und Seeforscher, dem letzten jüdischen Professor an der Salamanca-Universität, herrührten. Mit Kolumbus reisten fünf jüdische Seeleute, unter ihnen Rodrieo de Triana, der als erster das Land erblickte, und der Schiffsarzt Bernai. Der angesehene soanische Novellist Blasco Ilbanez. der einer der besten Kenner der spanischen Geschichte ist. »erbrachte seinerseits ebenfalls den Beweis von Kolumbus' jüdischer Abkunft Ein anderer Geschichtsschreiber, Enrioue Maria de Arribas y Turul. brachte den Beweis, daß Kolumbus' Mutter die Jüdin Suzana Fonterosa war und daß er Verwandte namens Abraham, Alcazar, Beniamin und Jacob besaß. Kolumbus verbarg seine jüdische Abkunft ebenso wie alle anderen Marannen in Spanien, die damals fast ein Drittel der spanischen Bevölkerung ausmachten. Die „Marannen" waren so zahlreich, daß nach der Judenaustreibung im Jahre 1492 in allen öffentlichen Dokumenten ein Unterschied zwischen ..Christianos nueves" (Neuchristen) und „Christianos viejos" (Altchristen) gemacht worden ist. Die Spaltung im österreichischen Zionismus. Zu dieser, in unserer vorletzten Nummer behandelten Krise schreibt Rudolf Seiden. Mödling bei Wien, im Leipziger „Jüdischen Familienblatt": Durch viele Jahre hindurch führten im österreichischen Zionismus die „Landespolitiker" das große Wort; die Männer, die mehr für die Beteiligung an Wahlkämofen in Wien übrig hatten, als für die eigentliche Palästinaarbeit Der nach Wien einberufene XIV. Zionistenkongreß aber brachte hier eine Neuorientierung der zionistischen Massen mit sich — durch den Streit um die Je\vish Agency. Die Landespolitiker, das sind die ..Jüdischnationalen" um Ing. Stricker, bekämpften die Jewish Agencv und ihren Propagandisten Weidmann erb't+ert — und in einer Form, die manchmal nicht mehr sachlich zu nennen war. So kam es, daß der Kampf immer schärfer wurde. — Und nunmehr stehen die Jewish Acrency-Gegner völlig isoliert da, auf ein kleines Häuflein um Stricker zusammengeschmolzen. Das gegenwärtige Landeskomitee steht sich darum gezwungen, seine Demission zu geben. .Die Jewish-Ageny-Anhänger werden die Leitung übernehmen. Wohl ist die Situation noch nicht geklärt, da auch die heutige Majorität noch nicht geeint ist. wenn sie auch dem gleichen Prinzip dient und geschlossen für die gleiche Person (Weizmann) eintritt. Doch ist zu hoffen, daß die Grunnen sich einigen werden, denn ihre Uneinigkeit ist hauotsächlich auf die verschieden stark betonte Kampfesweise gegen die numerisch kleine Gruppe um Stricker zurückzuführen, die allerdings heute in der ..Wiener Morgenzeitung" noch immer eine nicht zu unterschätzende Waffe besitzt. Wenn aber einmal — auf dem bevorstehenden Parteitag — der Rücktritt der Jewish Agencv-Geener erfolgt sein wird, dürfte sowohl die Svntrtese aller für Weizmann und sein Programm eintretenden Kräfte erfolgen, als auch die „Wiener Modenzeitung" ihre Einstellung ändern, denn — gegen den Wind läßt sich nicht segeln ... Der Neujahrsgruß des Gouverneurs von New-York. Wir haben in einer der letzten Nummern unseres Blattes zwei Tatsachen erwähnt, welche die hervorragende Stellung, welche die Judenschaft innerhalb der Vereinigten Staaten einnimmt, deutlich illustrieren: die Rede des Bürgermeisters von New-York, fiayton, anläßlich der Grundsteinlegung für die Bne-Jacob- Synagoge und die Kandidierung eines Juden, des berühmten Schreibfedernfabrikanten Frank Waterman, für den Bürger- |meisterposten in New-York durch die Republikanische Partei, [zu deren bedeutendsten Vertretern der Genannte gehört [Heute sind wir in der Lage, eine dritte Tatsache zu erwähnen, [welche deutlich zeigt, welchen Ansehens sich die Judenschaft in Amerika erfreut. Anläßlich des Rosch-Haschonoh 5686 richtete der Gouverneur von New-York, Mr. Alfred R. S m i t h, vermittels der Jüdischen Telegraphenagentur folgenden Neujahrsgruß an die Juden: „Die heilige Stimmung des jüdischen Neujahrsfestes hatte mich schon in den Kindheitsjahren, die ich im Osten New-Yorks verlebt habe, gefangengenommen. Ich erinnere mich noch an den Zug der jüdischen Patriarchen und ihrer Familien in die Synagogen, wo die Tage in ernstem Gebet verbracht wurden. Ein Volk, für welches die Religion das Brot des Tages, die Nahrung des Lebens ist, ist in jedem Lande, in welchem es lebt, ein Aktivbestand. Demnach sind die Juden ein starkes Aktivum des amerikanischen Volkes und Landes. Mein Neujahrs wünsch gilt insbesondere der jungen jüdischen Generation, von der ein Teil zuweilen vergißt, daß das jüdische Volk Großtaten in der menschlichen Geschichte vollbracht hat. Je mehr der Jude seinen Prinzipien treu bleibt, ein desto besserer Amerikaner ist er. Zum Unglück gibt es bei uns Leute — zum Glück sind sie eine Minderheit —, die in der Intoleranz gegen andere Rassen und Bekenntnisse eine amerikanische Tugend sehen. Das Gegenteil ist der Fall: Diese Leute sind unamerikanisch und unpatriotisch. Ich wünsche meinen jüdischen Bürger-Genossen der Stadt New-York ein frohes neues Jahr und schließe mich ihnen im Gebete an, daß der Allmächtige sie darin unterstützen möge, die echt amerikanischen Prinzipien der Völkertoleranz und der religiösen Freiheit stark zur Geltung zu bringen." Antisemitismus in Rumänien. Der Berliner „Vorwärt s" veröffentlicht eine Korrespondenz aus Rumänien, in welcher die Lage der Juden in diesem Lande als sehr kritisch geschildert wird. Die liberale Regierung, die im Lande sehr unpopulär ist und den Boden unter ihren Füßen schwanken fühlt, will mit der nationalistisch-antisemitischen Bewegung einen mächtigen Trumpf gegen die siegreiche Opposition ausspielen. Der Antisemitismus könne auch auf Unterstützung des Hofes rechnen. So ist der Kronprinz Carol in der Förderung der antisemitischen Bewegung soweit gegangen, daß der königstreue Prof. Jorga ihn eindringlich warnen mußte. Und ■als vor pin^t-r M.~-.-f ' rlemoki-aÄscher Parteiführer beim König gegen die reaktionäre Verwaltungsreform protestierte, antwortete ihm der König, ob er denn wünsche, daß in Jassy und anderen Städten jüdische Bürgermeister gewählt werden sollen . . . Der Korrespondent schließt: In Alt-Rumänien wie in Siebenbürgen wird es bei den im nächsten Frühjahr zu erwartenden Neuwahlen zu Pogromen kommen, die sowohl bei den Behörden wie bei der Armee Unterstützung finden werden. Ein Denkmal für Maimonides. Ein Komitee aus Juden, Spaniern und Marokkanern hat sich gebildet, um dem großen Maimonides jetzt, 721 Jahre nach seinem Tode, ein Denkmal zu setzen. Das Denkmal soll sich über dem Grab des Maimonides am Ufer des Tiberias-See jn Palästina erheben. Ein spezielles Sammelkomitee mit dem Präsidenten der jüdischen Gemeinden Spaniens, dem Bankier Ignacio Bauer an der Spitze, hat es übernommen, für diesen Zweck 100.000 Pesetas aufzubringen. Das Grab des Maimonides ist seit langer Zeit das Ziel jüdischer und arabischer Pilger. Rabbi Moses Ben Maimon (Rambam), in der arabischen Literatur als Abu Imran Mosa ben Maimun Ibn Abd Allah bekannt, wurde am 30. März 1135 in der spanischen Stadt Cordova geboren und starb am 13. Dezember 1204 in Kairo Er wurde jedoch auf seinen letztwilligen Wunsch im heiligen Lande bestattet Die erste Spende für das Maimonides-Denkmal in der Höhe von 5000 Pesetas leistete der Jude Ignacio Bauer, woraufhin der Spanier Don Manuel L. Ortega eine Soende in gleicher Höhe gab. Die „Casa Universal de los Sefardies" in Spanien und die „Associaciones Hisoano Sefardies" in Marokko übernahmen es, den Rest der nötVen Summe aufzubringen. Das christliche Snanien. welches in Maimonides den „großen Kordovaer, den Ruhm Spaniens und Israels" verehrt, reagierte auf die Mitteilung von dem DenkmalsDlan mit Enthusiasmus. Ein schöneres Denkmal als fürd as Maimonides-Denkmal in Höhe von 5000 Pesetas leistete sich Maimoniedes in seinen Werken gesetzt und wir ihm durch das Studium dieser Werke dauernd setzen, wird sich nirgends erheben. Illlllllllllllllllllllllllllllll^^ Herbct Abonnenten für „Die Wahrheit"! UllllllllllllüllllllllllllllUlllllllllHUIIIIilllllllUIIIIIIIIIIIIIIII^

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