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Die Wahrheit · 1925-10-16 · Heft 41 (16.10.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 41 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 DIE WAHRHEIT Seite 9 Ehrenbeleidigungsklage vor dem Strafbezirksgericht I einbrachte, von der Herr Grüner, ohne daß Oberländesgerichtsrat Dr. Weiß ins Beweisverfahren weiter eingegangen wäre, mit der Begründüng freigesprochen wurde, daß ein GastwiTt es sich nicht gefallen lassen müsse, von seinen Gästen gefrozzelt oder beleüdigt zu werden, sondern von seinem Hausrecht vollen Gebrauch machen könne. Dagegen wurde Dr. Fritsch bei der Ehrenbeleidigungsklage, die Herr Grüner gegen ihn wegen des Ausdruckes „jüdische Frechheit" einbrachte, zu einer Geldstrafe von 50 Schillingen verurteilt. Die jüdische Kolonisation In Rußland. Gelegentlich seiner Anwesenheit in Berlin empfing der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin, eine Delegation, bestehend aus den Herren Dr. B a e c k, Präsident des deutschen Rabbinerverbandes, Dr. Brodnitz, Vorsitzender des Zentralvereins deutscher Staatsbürger indischen Glaubens, Dr. Paul Nathan. Vorsitzender des Hilfsvereins der deutschen Juden, Kurt B1 u m e n f e 1 d, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie Professor Albert Einstein. Es wurde die Frage der jüdischen Kolonisation in Rußland besprochen. Tschitscherin gab eingehende Aufklärung über die Haltung der Sowjetre^ierung m dem von ihr gefördeten Projekt der landwirtschaftlichen An Siedlung von Juden. Völkische Angriffe auf Dr. Eckener. Dr. Eckener, der geistige Erbe Zeooelins. erfreut sich nicht der besonderen Sympathien der Deutschvölkiscfoen. weil er alles andere nur nicht ihr Gesinnungsgenosse ist. Diese können ihm besonders nicht verzeihen, daß er zum Chefkonstrukteur für das von Deutschland nach Amerika gelieferte Luftschiff den Juden Dr. Arnstein gewählt hatte. So veröffentlichte im „Volk. Beobachter" Hitlers ein Kapitänleutnant a. D. Helntuth v. Mücke geeen den Aufruf zur zweiten Zeooelin-Snende einen Gegenaufruf, in dem er aufforderte, keinen Pfennig für das Eckeher-Luftschiff zu zeichnen. H. v. Mückes besondere Entrüstung haben viele unter dem Aufruf stehende Namen erweckt, von denen er nur die folgenden hervorhebt: Georsr Bernhard, Fehrenbach, Herrn. Müller-Frankenl R&esser, Salomonsohu. Walter Schücking, Simon und Warburg. Dr. Eckener nimmt diese Angriffe sehr gelassen auf. Nach der ..Voss. Ztsr." äußerte er sich darüber: „Leute wie die Miesbacher kann man gar nicht ernst nehmen und bekämpfen. Ich brauchte da auch keinen Schutz durch die Presse, denn die Miesbacher Angriffe und Forderungen, das deutsche Volk solle seine Stellung zu mir revidieren sind erfreulicherweise wirkungslos." — Ganz unsere Meinung! Ein gefährlicher Dilettant Deutschnationale und deutschvölkische Blätter spendeten dem in Bayreuth lebenden deutschvölkischen Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain aus Anlaß seines 70. Geburtstages begeisterte Lobeshvmnen. Tn wissenschaftlichen Kreisen hat man über diesen geborenen Engländer, der eine rein französische Erziehung genossen hatte, um dann zum Deutschtum überzuwechseln, wo er sich bald zum Vorkämpfer eines verstiegenen deutschen Nationalismus entwickelte und sich auf den verschiedensten wissenschaftlichen Gebieten versuchte, ein ganz anders Urteil gefällt. Er hat sich ia selbst einen „Dilettanten" genannt und gemeint, daß dies ihm einen besonderen Vorzug vor den Fachgelehrten gebe. In seinen ..Grundlagen des 19. Jahrhunderts", die vorwiegend der Rassentheorie gewidmet sind, und in seinen übrigen Schriften über Goethe usw. betrieb er einen krassen Antisemitismus. Was ihn besonders kennzeichnet, ist, daß es ihm nicht darauf ankam, womöglich auf derselben Seite das Gegenteil von dem zu behaupten, was er kurz vorher gesagt hatte. Bald ist bei ihm Jesus ein Arier oder gar Germane, dann wieder ein Jude. Das Hauotwesen seiner Schriftstellerei ist Vergrößerung oder Vergröbening dessen, was er bei anderen Schriftstellern gefunden hat. Ob bei dieser „Methode" Unsinn herauskam, war ihm ganz gleich, die Hauptsache ist für ihn die schöne Form und das Phraseneeklingel. Im Kriege veröffentlichte er eine Reihe von politischen Aufsätzen, die ebenfalls eine stupende Unkenntnis auf diesem Gebiet an den Tag legten. Er gefiel sich besonders in Verhimmelungen Wilhelms II., den er wiederholt mit dem Großen Kurfürsten verglich, als den „aufgehenden Morgen", „den ersten Kaiser überhaupt" bezeichnete usw. Auch seinem deutschen AdontivvateiElande leistete er wahrlich keinen Dienst, wenn er es als Notwendigkeit bezeichnete, „die deutsche Sprach'? der Welt aufzuzwingen" oder wenn er sagte, daß „wer nichtDeutsch könne, in gewissem Sinne eine Paria sei". Man kann sich denken, wie das auf das feindliche Ausland wirkte. — Seine Werke fanden in den nationalistischen Kreisen viele Leser; dieser eingedeutschte Engländer hat also in so manchen Köpfen arges Unheil angerichtet. Störung der Jom Kippur-Andacht in Jerusalem. Telegramme aus Jerusalem besagen: Während eine große Zahl Juden am Versöhnungstage an der Klagemauer Gebete verrichtete, erschien eine Abteilung Polizei und forderte die Andächtigen zum Verlassen des Platzes auf. Als dieser Aufforderung nicht gleteh Folge geleistet wurde, wurden vor der Klagemauer alle Sitzgelegenheiten entfernt. Der Andächtigen bemächtigte sich große Erregung. Eine Abordnung derselben begab sich zum Jerusalemer Gouverneur. General Sir Ronald Storrs, um vor ihm Klage gegen das Vorgehen der Polizei zu erheben. Sir Robert Storrs bestätigte, daß er selbst die Anordnung zur Entfernung der Betenden gegeben habe und bezog sich dabei auf ein altes türkisches Gesetz, welches eine Gemefndeandacht vor der Klagemauer, sowie die Benützung von Bänken und Sitzen vor der Klagemauer verbiete und nur improvisierte Sitze erlaube. Die Abordnung gab sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden- und wies darauf hin, daß das erwähnte Gesetz zur Zeit der türkischen Herrschaft auf dem Papiere blieb und daß die Juden seit unvordenklichen Zeiten am Jom Kipour vor der Ktagemauer ihre Andacht verrichteten. Die Mitglieder der Abordnung kündigten eine Gerichtsklage gegen die Polizei wegen Störung des Gottesdienstes an. Richard Wagner und sein jüdischer Kaoellnieister. Es ist verschiedentlich behauptet worden, Richard Wagner habe seinen jüdischen Kapellmeister Hermann Levi nur deshalb geehrt, weil er ein tüchtiger und für seine Zwecke geeigneter Musiker gewesen. Wagner hatte ihn als Leiter der Münchener Hofkapelle für die Dirigierung des Parsival ausersehen. Kaum war dies bekannt geworden, erhielt er efnen anonymen Brief, des Inhalts, er solle sein Werk , rein erhalten und es nicht von einem Juden dirigieren lassen". Dieser Brief war dem Kapellmeister Levi von Richard Wagner selbst gezeigt worden, wobei ihm versichert worden war. ..daß auch nicht die leiseste Erinnerung an. den Inhalt in ihm bleiben werde." Damit war die Sache für Wagner abgetan. Hermann Levi glaubte aber dennoch, wohl um allen Mißverständnissen und Weiterungen aus dem Wege zu gehen, aus Bayreuth bzw. Wahnfried, wo er zu Gast war. abreisen zu müssen. Von Bamberg aus bat er, „ihn der Dirigierung des Parsival zu entheben." Daraufhin erhielt er folgendes Telegramm von Wagner: ..Kapellmeister Levi, Bamberger Hof, Bamberg. 30. Juni 1881. Freund, Sie sind auf das ernstlichste ersucht, schnell zu uns zurückzukehren, es ist die Hauptsache schön fn sichere Ordnung zu bringen, Wagner." Die antisemitische Internationale. Alfred Rosenberg, Hitlers Propagandachef, läßt soeben ein Propagandaheft für das von ihm herausgegebene Organ der antisemitischen Internationale „Der Weltkampf" erscheinen. Darin ist der folgende Brief des französischen Antisemiten, General N., abgedruckt: „Unsere demnächst erscheinende Zeitschrift JL'orde social' wird mit Ihnen in innigen Kontakt treten fn dem gemeinsamen Kampf der christlichen Völker gegen das Judentum." Kunschak auf Kriegspfad Die christlichsozialen Parteiführer merken es auch bereits, daß ihnen die Hakenkreuzler den antisemitischen Wind aus den Segeln nehmen können, und so wurde denn am 23. v. M. Nationalrat Kunschak in Simmering in einer christlichsozialen Versammlung zum Kampf gegen diese neuen eFinde vorgeschickt, um dieser betrüblichen Erscheinung Einhalt zu tun. In dieser Versammlung sagte er: „Ich spreche es ganz offen aus, daß die Hakenkreuzler den christlichsozialen Arbeitern um keine Nuance freundlicher gegenüberstehen als die Sozialdemokraten. Ich stelle fest, daß die christlichsozialen Arbeiter dort, wo es in den Betrieben hakenkreuzlerische Betriebsräte und Beamte gibt, mehr zu leiden haben als unter den Schikanen sozialdemokratischer Betriebsräte. Weiters ist zu beobachten, daß die Hakenkreuzler dort, wo sie Ueberwasser haben, wie etwa im Deutschen Reiche, die lautesten Agitatoren gegen alles Katholische sind." Ob dieser Aeußerungen wird der Redner von den Hakenkreuzlern als Verleumder bezeichnet und kategorisch aufgefordert, den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen zu erbringen. War Kolumbus jüdischer Abkunft? Der bekannte spanische Historiker Jose M. E r u g o schreibt auf eine Anfrage der Jüdischen Telegraphen-Agentur: Ich habe alle mir zugänglichen Daten über Kolumbus' Abstammung gesammelt; es wird

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