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Die Wahrheit · 1925-10-09 · Heft 40 (9.10.1925) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 40 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 DIE WAHRHEIT Seite 7 Festesgrüße. Alle die vielen Glückwünsche, die uns anläßlich unseres vierzigjährigen Jubiläums von nah und ferne zugekommen sind und die uns mit berechtigtem Stolze erfüllen, konnten wir leider des Raummangelp wegen nicht veröffentlichen. Heute seien die folgenden drei publiziert, weil wir glauben, daß dieselben das Interesse aller unserer Leser erwecken werden. Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Geehrte Redaktion! Jüngst beging Ihr geschätztes Blatt das Jubiläum seines vierzigjährigen Bestandes. Schon der Umstand allein, daß eine jüdischen Angelegenheiten gewidmete Zeitschrift durch eine solche Reihe von Jahren einen stattlichen Leserkreis zu interessieren vermochte und im Wandel der Zeiten aufrecht er» halten werden konnte, ist ein Erfolg, der Ihnen ganz besonders zur Genugtuung gereichen muß. Ihr Blatt war in der Lage, nicht nur dank' seines großen Stabes gelehrter Mitarbeiter vielfach belehrend zu wirken, der Wissenschaft und der Geschichtsforschung wertvolle Materialien zu liefern, den Angriffen gegen das Judentum furchtlos entgegenzutreten, es hat auch — und dies sei aus Anlaß Ihres Jubiläums besonders hervorgehoben — in verdienstvoller Weise jüdische humanitäre Bestrebungen wirksam unterstützt. Bereitwilligst haben Sie stets auch den Pubikationen der Kultusgemeinde und ihren Institutionen Raum geboten und wir empfinden es als eine angenehme Pflicht, Ihnen anläßlich des vierzigjährigen Bestandes Ihrer Wochenschrift unsere wärmsten Glückwünsche zum Ausdrucke zu bringen. Mit vorzüglicher Hochachtung Guido F u c h s g e 1 b, Prof. Dr. Alois P i c k, Erster Sekretär. Präsident. * Löbliche Redaktion! Empfangen Sie meine herzlichsten Glückwünsche zum schönen Jubiläum, das Ihr geschätztes Blatt nach einer anerkennenswerten Vergangenheit, die im leitenden Artikel der Festnummer „40 Jahre Wahrheit" so treffend kennzeichnet ist, vor kurzem beging. Die dankenswerte Tätigkeit und die besonnene Richtung des Blattes ist mir bekannt und ich nahm immer reges Interesse an Ihrem gutredigierten und inhaltlich sehr wertvollen jüdischen Oeffentlichkeitsorgan. Als Mitarbeiter nahm ich Anteil an Ihrem schönen Feste und beglückwünsche Sie zu demselben herzlichst. Möge das Blatt seine edle Mission zur Freude der Redaktion und der Leser stets ungestört fortsetzen und den Segen der Aufklärung und des Friedens in die jüdische Oeffentlichkeit bringen, unter Gottes Schutz blühen und gedeihen! In vorzüglicher Hochachtung Budapest Dr. Simon H e v e s i, Oberrabbiner. * Hochverehrte Redaktion! Gestatten Sie, daß ich Ihnen, hochverehrte Herren der Redaktion, meine herzlichen Glückwünsche zum vollendeten 40. Jahre Ihres Blattes übermittle. Es ist keine leichte Sache, ein jüdisches Blatt zu redigieren, denn allzu rege ist der Geist der Kritik bei unseren Glaubensgenossen. Was aber Ihr Organ für das Judentum geleistet hat, wird allgemein anerkannt und gewürdigt. Der vornehme Ton in der Polemik, die objektive Betrachtung der Strömungen im Judentume, die hohe Geistigkeit und der sittliche Gehalt Ihrer Publikationen und nicht zuletzt die Auswahl Ihrer Mitarbeiter geben die sichere Gewähr, daß „Die Wahreit" auch in Zukunft die gern gelesene und geachtete deutschösterreichische Wochenschrift für jüdische Interessen bleiben wird. Mit den besten Wünschen für das fernere Gedeihen Ihres'Blattes bitte ich, den Ausdruck der Verehrung und Wertschätzung ienitgegehnjehmen zu wollen von Ihrem ergebenen Dr. Koloman Freud er, Bezirksrat. Glossen. So komisch es klingen mag, so ist es doch wahr: Hakenkreuizlerische, Studenten haben sich mit Nachsicht der Taxen und des Charakters den Titel von Trägern des Kulturamtes der Wiener Universität verliehen. In dem Kasten, der die Verlautbarungen des „Kulturamtes" birgt, prangt gegenwärtig ein seltsames Kulturdokument: Eine Polemik gegen ein von sozialistischen Studenten veröffentlichtes Flugblatt. Dieses war auf der Straße kolportiert worden, denn die sozialistischen Studenten gingen von der richtigen Erwägung aus, daß die Universität der Wissenschaft und nicht der Politik gehöre, die hakenkreuzlerischen Studenten zeigen durch Ihre Antwort wieder, daß sie die Universität in den Dienst der politischen Hetze pressen möchten. In Wahrheit wollen sie eigentlich gar nicht polemisieren, sondern den Vorwand benützen, um — neun Zehntel der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs zu beschimpfen. In dem Kulturdokument heißt es nämlich ausdrücklich, daß von den Juden, die 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen, 90 Prozent durch Schiebergeschäfte und Börsespekulationen die in Not befindliche deutsche akademische Jugend wirtschaftlich versklavt hat. Den Beweis für diese Pauschalbeschimpfung schenken sich die Herren. Sie kämen wohl auch in arge Verlegenheit, wenn sie verurteilt würden, ihn zu erbringen, das heißt sie würden verurteilt werden, weil sie ihn nicht erbringen können. Leicht dagegen wäre zu beweisen, daß von den Beträgen, die zur Förderung wissenschaftlicher und humanitärer Zwecke der Universität zugewendet wurden, ein unverhältnismäßig großer perzentueller Anteil aus jüdischen Taschen geflossen ist. Im übrigen reklamieren die hakenkreuzlerischen Studenten die „wahre sozialistische Gesinnung14 ausschließlich für sich. Worin diese besteht? Natürlich in der Hetze gegen die Juden, die in Bausch und Bogen als Volksausbeuter, Volksverhetzer und Volkszerstörer stigmatisiert werden. Herrlich motivieren sie ihren Entschluß, die Universität keinem jüdischen Marxistenklüngel überlassen zu wollen: „Der Naturanlage des jüdischen Volkes widerspricht es, schalende Arbeit zu leisten. Sagt doch Goethe: „Der Glauben der Juden berechtigt sie, Fremde zu berauben." Das ist doch logisch! Wer es bezweifelt, gehört sicherlich zum jüdischen Marxistenklüngel. * Ich unterdrücke die naheliegende Frage an den Rektor der Wiener Universität ob ,JKulturdokumete", in welchen neun Zehntel der österreichischen Judenschaft in der gewissenlosesten Weise besudelt werden, nicht lieber von der Stätte entfernt werden sollten, deren Erhaltung von den Steuergeldern bestritten wird, an denen auch die Juden partiziDieren dürfen. Aber keineswegs möchte ich es mir versagen, die Frage an die Verfasser dieses Kulturdokumentes zu richten, ob sie wirklich glauben, daß Goethe, der nicht nur ein großer Dichter, sondern auch gründlicher Bibelkenner war, jemals behauptet hätte, „der Glauben der Juden berechtige sie, Fremde zu berauben". Einem Goethe eine derart blödsinnige Verleumdung der Religion der Juden zu unterschieben, geht doch über den Spaß, den sich Studenten, und wären sie selbst

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