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Die Wahrheit · 1925-10-02 · Heft 39 (2.10.1925) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 39 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 39 DIC WAHRHEIT Seite 11 •schwer belehrbaren Deutschnationalen. Daß die Deutschvölkischen nach wie vor jede Verständigung, ja sogar den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu verhindern suchen, bildet zwar noch immer eine schwere außenpolitische Belastung für Deutschland, da man im Auslande geneigt ist, die Völkischen nicht nach ihrer politischen Bedeutung, sondern nach der Stärke ihres Geschreies zu beurteilen. Immerhin beweisen sowohl die innerpolitischen als auch außenpolitischen Ereignisse der letzten Wochen, daß das Vermächtnis Walther Räthenaüs nicht erstorben ist. Erlebnisse eines Wieners in Melk. Wir erhalten von absolut vertrauenswürdiger Seite folgende Zuschrift, die ein bezeichnendes Licht auf die heimische Fremdenverkehrsförderung und die Sicherheitsverhältnisse in der vielbesungenen Waehau wirft. Die Judenschaft wird in ihrem eigensten Interesse die Nutzanwendung aus einem harmlosen Sonntagsbesuch in Melk zu ziehen haben: Ich war vor einigen Wochen, an einem Sommersonntag, Passant in Melk, das ich übrigens genau kenne, und von wo Seh abends mit dem Schnellzug nach Wien zurückfuhr. Wieder einmal wollte ich nach einem Kaffeehausbesuch die paar Gäßchen unter dem' hochragenden Stift mit dem Anblick der Donaulandschaft durchschreiten, hatte aber offenbar die Rechnung ohne die p. t Melker Hakenkreuzjerjugend gemacht, obwohl ich kern, prononzierter verlästerter Ostjude, sondern ein höherer Beamter der österreichischen Verwaltung in Pension bin. Diese angeblichen Studenten, bald zu zweit bald zu dritt, anscheinend m dem lieben Melk gut verteilt, scheinen nämlich auf die ankommenden Fremden tückisch zu; lauern und so wurde ich nach diesem Feldzugsplan auf dem Wege vom Bahnhof zum .Hauptplatz nicht weniger als sechsmal angestänkert, frech beschimpft und in rohester Weise bedroht. Nach dem Verlassen dies Kaffeehauses wiederholte sich das gleiche Schauspiel; erst als ich die Schritte zum Gebäude der {Sendarmerie in der Nähe der Bahnstation lenkte, verdufteten die „Sieger". Leider hatte ich eine Warnung vor der Wachau, in der es „judenreine" Sommerfrischen gibt, nicht beachtet Ich möchte noch betonen, daß die „Deutsche Arbeiterpresse" im Zeitungsstand des Melker Bahnhofes in Deutzenden von Exemplaren aufliegt. Mich aber kann die sagenhafte Wachau jetzt zu keinem Ausfluge mehr verlocken. Indem ich im Interesse aller Glaubensgenossen für diese Veröffentlichung danke, zeichne ich hochachtungsvoll E. L. Unsere Aufklärungsarbeit. „Bekommt denn überhaupt irgendein Christ die „Wahrheit"?" Immer wieder kehrt dieser Satz in Zuschriften an unsere Redaktion. Alle diese besorgten Freunde werden nicht enttäuscht: Im Rahmen des finanziell Möglichen — denn was u n s f i n a nziell ermöglicht wird, ist für uns technisch möglich — tun wir für die Aufklärung christlicher Kreise alles Erdenkliche. „Die Wahrheit" geht wie in unserem heutigen Preßfondsaufruf betont wird, an zahlreiche nichtjüdische Empfänger. Alle öffentlichen Bibliotheken, Staats-, Stadt-, Universitätsbibliotheken, akademischen Lesesäle, die Redaktionen der wichtigsten österreichischen und deutschen Zeitungen, die Korrespondenten der ausländischen Presse in Wien, das Parlament die verschiedenen Land^ und! wichtigsten <iemeinderäte, sämtliche Reichs- und! Landesbehörden erhalten die Wochentagsnummer der „Wahrheit" pünktlich. Alle größeren Parteien, auch die gegnerischen, und deren bedeutendste Führer können jeweils aus den Feststellungen der „Wahrheit" ihre Kenntnis über die Judenfrage ergänzen. Die Jubiläumsnummer der Wahrheit" hat erhöhte Beachtung m Leserkreisen gefunden. Daiher wird die Mitteilung interessieren, daß über die in üblicher Weise an christliche Empfänger gesandten Eremplar hinaus diese Nummer noch an ein« große Anzahl ausgewählter Empfänger ging* Pflicht unserer vielen Freunde ist es, diese uns materiell sehr belastende Verbreitung unseres Blattes in christlichen Kreisen sicherzustellen, jeder, der für unseren Preßfonds etwas spendet wirkt daher an unserer unendlich wichtigen Aufklärungsarbeit eifrigst mit. Jörn Kippur als gesetzlicher Feiertags Die französische Protektoratsregierung hat auf Ersuchen der Judenheit Tunesiens ein Dekret erlasseh, laut welchem der jüdische Versöhnungstag (Jörn Kippur) als ein gesetzlicher Feiertag zu gelten habe. Sämtliche Banken und andere Handelsinstitute, ebenso die Börse, werden an diesem Tage geschlossen sein. Handelsgeschäfte dürfen an diesem Tage nicht abgeschlossen werden. Em ähnliches Gesetz ist bereits in Syrien in Geltung. Von Woche zu Woche Israelitische Ktütasgemetade Wien. Wir erhalten folgende Mitteilung: In Anbetracht jener Entwicklung, welche der Amtsbetrieb und die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Wien seit der vor nahezu dreiißg Jahren erfolgten Systemisierung der Aemter und Stellen genommen hat wurde vom Kultusvorstande die Amtsbezeichnung des Sekretariates — Zentrale „Amtsdirektion der israelitischen Kultusgemeinde Wien" und die Verleihung des Funktionstitels „Amtsdirektor" an die bisherigen Ersten Sekretäre Dr. Emil Adler und Guido Fuchsgelb beschlossen. Dadurch wird die Stellung der Ersten Beamten der Kultusgemeinde sowohl der übrigen Angestelltenschaft gegenüber, als auch nach außen hin deutlicher gekennzeichnet, als es bisher der Fall war. Renovierung des Schifftempets. Wenn auch die Renovierung eines Tempels in der Regel kern so bedeutendes Ereignis darstellt als es ein Neubau ist so verdient dennoch die Renovierung der Schiffschul rühmend hervorgehoben zu werden. Denn erstens wird durch die nunmehr vollzogene Renovierung des Tempels ein sehnlicher Wunsch der Tempelbesucher erfüllt, zweitens stellt die gediegene und geschmackvolle Durchführung sämtlicher Umzuarbeiten allen an denselben Beteiligten, vom rührigen Bauleiter Ing. Ludwig K r i t z 1 e r bis zum einfachen Handwerker, das beste Zeugnis aus. Und was besonders erfreulich ist. es waren jüdische Architekten und Professionisten, welche den Glanz des Gotteshauses erhöht haben. An der Durchführung der Umbauarbeiten waren folgende Unternehmungen beteiligt: Bauleitung: Ing. Ludwig Kritzler. Baumeister arbeit: Bau- und Adaptieren gsunternehmung von Hoch- und Eisenbetonbau G. m. b. H., I., Bauernmarkt 21. Maler- und Vergolderarbeiten: Moritz Forscher, IX., Rögergasse 24. Anstreicherarbeiten: Emil Zimmentstark IL, Obere Donaustraße 73. Elektrische Installation: Josef Eisner, II., Praterstraße 52. Beleuchtungskörper: Pragan Arnold. VI., Windmühlgasse 24. Tischlerarbeiten: Leopold Frankl, IL, Franzensbrückenstraße 13. Glaserarbeiten: Adolf Blatt XX., Karl Meißelstraße 10. Bleiverglasungen: Berthold Kubie, IX., Hahngasse 8. Steinmetzarbeitan: M. Schestopal, XX., Jägerstraße 77. Spenglerarbeitett: M. Bergmann, IL, Haidgasse 7 a. Leo FalL Die Nachricht vom Hinscheiden Leo Falls traf die zahlreichen Freunde und Verehrer des Künstlers wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Stand doch der im Alter von 53 Jahren verschiedene Komponist auf der Höhe seines Lebens, seines Schaffens und seines Ruhmes. Wer hätte es ahnen können, daß das Herz, das für alles Schöne und Edle schlug; so bald zu schlagen aufhören sollte? Und so fanden sich die tieferschütterten Angehörigen und nächsten Freunde des Verstorbenen Freitag, den 17. d. M., mittags im Trauerhause in Hietzing ein, um Leo Fall die letzte Ehre zu erweisen. Freilich, die Zahl derer, welche dem Leichenzuge folgten, war nicht allzu groß hn Vergleich zu der großen Menge jener, weiche von Fall, dem unermüdlichen Spender, von Lebensfreude), schmerzlichen Abschied nehmen mußten. Nachdem Oberkantor Margulies die religiösen Zeremonien vollzogen hatte, wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und mit Blumen und Kränzen übersät auf den Zentralfriedhof übergeführt. Dortselbst wurde der Verstorbene von zahlreichen Trauergästen erwartet unter denen sich viele bekannte Theaterleiter, Komponisten, Librettisten, Schauspieler und Schauspielerinnen befanden. Unter anderen waren zu sehen: der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Professor Dr. Pick, mit dem ersten Sekretär Fuchsgelb und Anttsleiter Frei Stadt die Theaterdirektoren) Fronz, Lischka, Miksa Preger, Marischka samt Gattin, Fritz Grünbaum, Jarno iun. usw., der Präsident des Bühnenvereines Stärk; der Präsident des ungarischen Autorenvereines Eugen Heltai, der ungarische Verleger Miksa Mar ton, die Komponisten Franz Lehär, Bela Laszky, Edmund Ejrsler und Dpstal, der Verleger Eirich. die Schauspielerinnen Hansi Niese, Betty Fischer, Mftzi Zwerenz. Louise Kartousch .und Mimi Kött und die Schriftsteller Dörmann, Jakobson, Paul Frank, Bela Jenbach. Karl Lindau, Regierungsrat Julius Stern usw. Oberkantor Kaufmann brachte zunächst in ergreifender Weise däe Tramergebete zum Vortrag, worin er van einem verstärktes Qhor wirksam unterstützt wurde. Sodann hielt Rabbiner Dr. Feucht Wang eine tief empfundene Trauerrede, in welcher er Leo Fall als Künstler, als Mensch und als guten» aufrechten Juden pries: „Leo Fall war ein Freudenbrmger für

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