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Die Wahrheit · 1925-10-02 · Heft 39 (2.10.1925) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 39 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 39 DIE WAHRHEIT Seite 9 einen Hirtenbrief, in dem er die harte Behandlung der Juden als einen groben Vorstoß gegen die christliche Lehre geißelte, so daß bei den Munizipalwahlen damals auch Juden gewählt wurden. Aber nicht nur auf seine unglücklichen Glaubensgenossen beschränkte Montefiore seine Tätigkeit. Im Jahre 1860 veranstaltete er eine vom besten Erfolg begleitete Sammlung (von über 20.000 Pfd. Sterling) für die verfolgten syrischen Christen. In demselben Jahre schickte er den aus Marokko entronnenen jüdischen Flüchtlingen, die infolge des spanischen Krieges ausgetrieben worden waren und in Gibraltar Schutz gesucht hatten, beträchtliche Summen; mit dem übrig gebliebenen Fonds wurden Schulen in Tetuan, Tanger und Magador gegründet. Im Jahre 1862 feierte Montefiore mit seiner Gattin des Fest der goldenen Hochzeit. Doch bald traf ihn der schwerste Schlag seines Lebens. Noch in demselben Jahre verlor er seine treue Lebens- und Reisegefährtin. Judith Montefiore war eine Frau von nicht gewöhnlicher Begabung und außerordentlicher Herzensgüte. Ihre Tagebücher, die sie über die mit ihrem Gatten unternommenen Orientreisen geführt hat, bilden für die Geschichte ihrer Zeit nicht minder wie für ihre Charakteristik eine wertvolle Quelle. Kurz nachdem sich, wie an jedem Freitagabend, am 24. September das Ehepaar gegenseitig gesegnet hatte, wurde Montefiore an das Sterbelager seiner Gattin gerufen. Er ließ auf ihrem Grabe ein Monument, genau dem Grabmal der Stammutter Rachel nachgebildet, errichten und feierte ihr Andenken durch edle Stiftungen in ihrem Geiste. Im Jahre 1863 weckte eine Notwendigkeit zu tatkräftigem Handeln den 80jähriigen Greis aus dem tiefen Gram und Kummer um den Verlust der treuen Gefährtin. Es galt diesmal den Juden in Marokko. Die Juden lebten dort in beständiger täglicher Furcht vor der Wildheit der sie umgebenden Bevölkerung. In vielen Städten durften sie keine Schuhe tragen, mußten sie weite Umwege machen, um bei Leibe nicht einer Moschee zu nahe zu kommen, die sie dadurch „entweihen" würden usw. Im Jahre 1863 nun hatte sich der spanische Konsul zu Saffi auf die Seite der Verfolger gestellt. Ein Spanier war ermordet worden, sein Konsul verlangte Genugtuung, und die Lokalbehörden boten die Juden als Sündenböcke an. Mehrere Juden wurden arretiert und einer sofort hingerichtet. Der Gemeindevorstand in Gibraltar schrieb an Montefiore über die große Gefahr, in der seine Brüder in Saffi infolge einer ganz grundlosen Anklage schwebten. Montefiore sah in dieser Anklage eine günstige Gelegenheit, die unglückliche Lage seiner Brüder in Marokko dauernd zu verbessern. Von der Wichtigkeit des Schreibens durchdrungen, besuchte er den Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, der an John Drummond Hay, den britischen Minister in Marokko, ein Telegramm sandte, das allen weiteren Hinrichtungen Einhalt gebot. Nachdem Montefiore, zum Teil nft der Post reisend und nur am Sabbat ruhend, in sechs Tagen Madrid von London aus erreicht hatte, wurde er von dem Könige und der Königin von Spanien in Privataudienz sehr freundlich empfangen. Es gelang ihm auch, in freundschaftlichem Verkehr mit dem damaligen Premierminister von Spanien, Marquis de Mirafiores, ferner mit Marschall O. Doneil und General Prim zu treten. Da er in Erfahrung gebracht hatte, daß sein Glaubensgenossen, der Banquier Weissweiller, ein intimer Freund Antonio Merrys, des Vaters des spanischen Konsuls in Saffi, war, begab er sich nach Sevilla, besuchte Don Antonio und erhielt ein sehr freundliches Empfehlungsschreiben an dessen Sohn. Dieser Schritt trug viel zum Gelingen seiner Mission bei. Zwei Tage nach seiner Ankunft in Tanger willigte der Konsul in Saffi in die Freilassung zweier jüdischer Gefangener. (Fortsetzung folgt.) --Unser Mivetkrfonds f-1 Die maßfosen Ausschreitungen eines mästen Rassenantisemitismus, dessen Schauplatz derzeit unsere HepuÖßk und vor allem Wien ist, zwingen die österreichische Judenschaft zur energischen TlÖwehr. Die unerhörten 'Beleidigungen, die nichtswürdigen Verleumdungen, und haftfosen Beschuldigungen, die von berufsmäßigen und vielfach oomTluslande hierfür hezahltenTjetzern gegen uns und unseren Qfauden unaufhörlich erhöhen werden, machen uns die Verteidigung unserer €hre und unserer flechte zur heiligen Tflicht Die entschiedene Zurückweisung der wütenden'Setze, die gerade in jüngster 2eit gegen jüdische Professoren, Tlerzte, Rechtsanwälte, und Geschäftsleute hetrießen wird, hegt oder auch im persönfichen Jnteresse aller Angegriffenen. Das wirksamste lttitte(im politischen Xampfe ist heute die Presse. Dies wissen natürlich auch unsere Gegner, welche deshalb die Tingriffe gegen das Judentum vor allem in ißren zahlreichen Dfattern erheben und den 'Breßfonds auch des kleinsten DroolnzhetzOlattchens ausgiebigst unterstützen. Gegenüber der weitverzweigten antisemitischen Dreßhetze, stellt die Erhaltung einer jüdischen flbwef/rpresse eine unbedingte Notwendigkeit dar. „Die Wahrheit*' sieht es als ihre oberste Dfiidjt an, die Interessen der gesamten österreichischen Judenschaft jederzeit und gegen jedermann zu schützen und führt daher einen schweren, aber erfolgreichen kämpf gegen alle offenen und versteckten Judenfeinde. Die Beschaffung der judenfeindlichen Bteratur des Jn- und Auslandes verschlingt jedoch große Wttel, die Durchsicht, Ordnung, tvidenzgaltung und Bearbeitung derselben erfordert viel Zeit und Arbeit eines großen Stabes, welcher jedoch notwendig ist, wenn man jede neu auftauchende Verleumdung bereits im Keime ersticken soll. Schließlich muß „Die Wahrheit", soll ihr Tlbwefirkampf Erfolg haben, allen Defförden, großen Organisationen etc. und selbstverständlich aueß aßen antisemitischen ßügenfabriken eingesandt werden. Es ist daher Pflicht eines jeden aufrichtigen Juden, „Die Wahrheit" in dem schweren Xampfe, den sie für das Hecht und die Ehre des österreichischen Judentums führt, zu unterstützen: Wer daher für unseren Preßfonds spendet, schützt sieh selbst und sehte Kinder wer de» Gefahren, welche der Judenhaß Im Gefolge hat: Der Preßfonds der „Wahrheit" soll ein Gegengewicht sein gegen die Hakenkreuzpresse. Eine Spende für den Preßfonds der „Wahrheit" Ist ein wirksamer Schutz gegen das Hakenkreuzlertum /

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