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Die Wahrheit · 1925-10-02 · Heft 39 (2.10.1925) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 39 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DIE WAHRHEIT Nr. 39 komitees zu Folge hatte, eine Opposition bemerkbar, deren Ausbreitung anfangs noch durch das agitatorische Talent der Führer der zionistischen Partei verhindert werden konnte. Als sich aber vor dem XIV. Zionistenkongreß eine „Vereinigung rad i k a 1;er Z i o n i s t en" bildete, deren Wortführer gerade Ing. Stricker und Dr. Waldmann waren; da erreichte die Mißstimmung . auch innerhalb der bisher treuen Anhänger der Partei einen solchen Grad, daß eine Spaltung unvermeidlich schien. Nachdem nun gar der nationale Chauvinisv mus der „Radikalen" auf dem Kongresse, wie in der „Wahrheit" ausführlich berichtet worden ist, eine vollständige Niederlage erlitten hatte, dä fiel, wie vorauszusehen war, die mühsam zusammengehaltene zionistische Partei auseinander. Diejenigen Zionisten, welche eine Aenderung der Politik des Landeskomitees von innen heraus nicht mehr für möglich hielten, scharten sich um Dr. S c h a 1 i t, einem der opferfreudigsten Mitarbeiter Theodor Herzte, und bildeten eine „freie" Vereinigung, deren Programm aus dem im Vorstehenden veröffentlichten Aufrufe ersichtlich ist. Aber auch innerhalb der Landeskomitees, in welchem die unter Führung Strickers stehenden „Radikalen" bisher die Oberhand besessen haben, macht sich eine Abkehr von der bisherigen Politik bemerkbar, welche auf dem demnächst stattfindenden außerordentlichen Parteitage zu einer dem tatsächlichen Stimmenverhältnis entsprechenden Scheidung zwischen „radikalen" und „gemäßigten" Zionisten führen dürfte. Es ist selbstverständlich, daß wir den Vorgängen, die sich in der nächsten Zeit innerhalb des österreichischen Zionismus abspielen werden, auch weiterhin unser Augenmerk zuwenden werden. Heute wollen wir nur noch ein Moment hervorheben, daß für das gesamte österreichische Judentum von Bedeutung sein kann. Bisher haben ausschließlich „nichtnationale" Juden das» Eingreifen einer „jüdischnationalen" Minorität als politische Partei in die innerpolitischen Verhältnisse unseres Landes als den Interessen des österreichischen Judentums abträglich bezeichnet. Nunmehr stellt eine starke zionistische Gruppe, die anscheinend auch die Mehrzahl der Zionisten hinter sich hat und von namhaften, im öffentlichen Leben stehenden Männern geführt wird, die kategorische Forderung auf: „Für Palästina! Gegen die Landespolitik!" Wann endlich werden auch jene Zionisten, welche in Oesterreich trotz ihrer wiederholten Niederlagen und trotz ihrer geringen Anhängerschaftsogerne „inner e" Politik betreiben, die selbstverständlichen Konsequenzen ausdem Verna Item ihrer eigenen Parteigenossen ziehen? (jcUqs 1ROTGA55E-1 Palästina, das Zentrum der Weltknltur?! Von Prof. Dr. Samuel K r a u s s. Bitte, es steht wirklich mit doppeltem Satzzeichen: einem Frage- und einem Aiusrufungszeichen. Es steht wirklich auf dem Titelblatt eines mäßig großen Buches-, das von der Altneuibund- Loge in Hamburg herausgegeben und von dem Völkerversöhnungsbund e. V. versandt wurde; als Verfasser zeichnet ein gewisser E l i a, ein Jude, der unter diesem Pseudonym arbeitet und meiner Ansicht nach nichts Gutes im Schilde führt. Bei allen Beteuerungen seines echten Judentuims steckt ihm der Missionär im Leibe. Doch hören wir vorerst den Völkerversöhnungsbund. Er schreibt (nicht bloß an mich, sondern an einen jeden, der es hören will): P. T. Wir überreichen Ihnen in der Beilage auf Wunsch das Werk eines jüdischen Idealisten, der unter Pseudonym, mit der ganzen Glut einer jüdischen Seele die Rückkehr des jüdischen Menschen zum Urjudentum predigt. Lesen Sie diese Abhandlung mit Andacht, denn in ihrem Geiste ist die Erlösung der Judenheit, bzw. Menschheit, verankert. Da nur ein kleiner Teil der Judenheit in Palästina Raum hat, ist es unsere Pflicht, durch eine Versöhnung zwischen Christentum und Judentum die bestehende Kluft zu überbrücken und für das Heil jener zu sorgen1, die in der Diaspora verbleiben, denn nur jener ist Zionist, der nach Palästina auswandert. Die Feinde der Judenheit haben sich durch die Abwehrkämpfe vervielfacht. Der Druck hat Gegendruck hervorgerufen, und scheint es uns. daß der Antisemitismus, diese Krankheit des krassen; Materialismus, solange nicht verschwinden wird, bis sich der Jude nicht aus den Fesseln des Rationalismus befreit und. zur höchsten Stufe der Religiosität, .zum Postulat der Allgemeinmenschlichkeit offen bekennt. Wir stellen Ihnen das beiliegende Werk mit der herzlichen Bitte zur Verfügung, es zu lesen und sodann von Hand zu Hand weiterzugeben. Für jede Anregung, die unseren Idealen dient, wären wir sehr dankbar. In einem weiteren Schreiben des Völikervers'öhnungsbundes heißt es: „Der Autor, ein scharfsinniger Autodidakt von tief religiöser Natur, ein Kämpfer für die Wahrheit nach Art der Propheten,, predigt, von Ort zu Ort ziehend, Juden und Christen, in heiliger Imagination die unbedingte Notwendigkeit einer Versöhnung zwischen Judentum und Christentum. Elia predigt individuell von Mensch zu Mensch und verteilt sein Werk unter deT Bedingung der Weitergabe von Hand zu Hand unentgeltlich an seine Freunde. Der große Gedanke Elias, die Kluft zwischen Christentum und Judentum im Wege einer Versöhnung im Messias zu überbrücken, scheint im Kreise der Aufrichtigen Resonanz zu finden. Es wäre zu wünschen, daß der hohe Idealismus dieses in seiner Art einzig dastehenden Idealisten im Kreise der nach Wahrheit Suchenden, offene Herzen und verständnisinnige Gemüter finde. Um den Zweck des in dem Werke enthaltenen Versöhnungsgedankens wirkungsvoller zu gestalten, beabsichtigen wir, in der nächsten verbesserten Auflage die Urteile namhafter Theologen usw. im Anhange des Werkes zu verlautbaren." Da eine Rückäußerung und ein Urteil/ verlangt wird, so sieien folgende anspruchslose Sätze am die Adresse Elia's gerichtet: > Lieber Glaubensbruder! Sie haben sich wohl den Namen E1 i a beigelegt oder kehren Sie ihn besonders hervor, weil es von dem echten Propheten Elia heißt: Der wirtl1 das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern zurückwenden (Maleachi

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