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Die Wahrheit · 1925-09-18 · Heft 37-38 (18.9.1925) · page 23

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 37-38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. -37/38 Dg WAHRHEIT Seite 21 von außen leichter empfänglich sind als kräittge und gesunde Organismen. Dasselbe scheint auch im Leben der Völker und Staaten der Fall zu sein. Einen Beweis dafür bildet: „Ku-Klux- Klan" in Deutschland. O alte Burschenherrlichkeit Anläßlich der traditionellen Stiftungsfeier der Berliner Friedrich Wilhelm-Universität wurden wie alljährlich so auch diesmal die Preise für die besten wissenschaftlichen Arbeiten von Studenten verteilt. Die Feier wurde in herkömmlicher Form durch den Einmarsch der Chargierten und farbentragenden Verbindungen eröffnet, welche mit Banner und Standarten erschienen waren. Hierauf folgte der feierliche Einzug des Professorenkollegiums, an dessen Spitze der Rektor und die Dekane der einzelnen Fakultäten einherschritten. Der abtretende Rektor Geheimer Konsistorialrat Professor Holl hielt die Eröffnungsrede: „Die geniale Persönlichkeit und ihre Ausnahmsstellung den geltenden Sittengesetzen gegenüber." Hierauf wurden jene wissenschaftlichen Arbeiten genannt, denen die diesjährigen Preise zuerkannt wurden und zwar waren es im ganzen drei Arbeiten, welche prämiiert worden waren. Bei der Oeffnung der Briefumschläge, welche die Namen der Preisträger enthielten, ergab sich das niederschmetternde Resultat, daß sämtliche Preise von Studentinnen erworben wurden und daß zwei der Preisträgerinnen Jüdinnen waren. Die Preisaufgabe der m e d.i z i n ischen Fakultät lautete: „Welche diagnostische Bedeutung hat das* Blutbild für die otogenen Krankheiten?" Die besten Lösungen dieser Frage erbrachten die Arbeit der Berliner Else Philipp:ne Levy und die der in New York geborenen Deutschamerikanerin Eleonore von Bälden, welche je einen vollen Staatspreis erhielten. Die Preisaufgabe der philosophischen Fakultät forderte die Zusammenstellung sämtlicher Untersuchungen über die Umsetzungen zwischen Chlor und Wasserstoff. Die beste Lösung dieser Aufgabe erbrachte Fräulein Natalie Thon aus Palästina, welche die bisherigen Untersuchungen auf diesem Gebiete nach einem einheitlichen Gesichtspunkte ordnete. Wie die Berliner Presse meldet, soll das Ergebnis der Preisverteilung unter der Professorenschaft und unter der fast durchwegs völkisch-antisemitisch eingestellten Studentenschaft mit wahrer Bestürzung aufgenommen worden, sein. Der „Vorwärts" schildert anschaulich den hervorgerufen hat: „Dem Herrn Rektor verschlug die Stimme und die Burschenschafter und Korpsiers, die den Fechtboden und den Frühschoppen dem wissenschaftlichen Studium offenbar vorgezogen hatten, hämmerten ziemlich bedrückt mit ihren Schlägern den Takt zum Deutschlandlied. Dann zogen sie ab, wie sie gekommen waren, in vollem Wichs mit Bändern und Fahnen. Aber ohne Preise. Die hatten drei Frauen errungen. Und darunter zwei Jüdinnen. 0 alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du entschwunden!" Der Sejmdeputierte. Aus Warschau schreibt man der „Wr. Morgenzeitung" :Die stattliche Zahl der Sejmdeputierten wurde jüngst um einen vermehrt, der seinen Sitz im Sejm allerdings nicht der Gunst der Wähler, sondern — seiner Ortsunkenntnds verdankte. Ein Jude vom Lande suchte im Sejm den Abgeordneten Wislicki vom jüdischen Klub; er wurde ins Wartezimmer geführt und harrte „seines" Deputierten. Als aber längere Zeit verstrich und Wislicki nicht kam, machte sich der Besucher selbst auf die Suche; er kam in die Couloirs, in die Klubzhmner, aber von „seinem" Deputierten keine Spur. So geriet er in den Sitzungssaal des Sejm; wohl war der Gesuchte auch dort nicht zu finden, aber ein anderes Bild fessefte den Eintretenden: die Gesetzgeber an der Arbeit! So nahm er denn behaglich auf einem leeren Sitze Platz. Es wurde gerade abgestimmt und da der Vetter vom Lande die anderen gelegentlich die Hände heben sah, hob er auch von Zeit zu Zeit die Hand. Mit der Abstimmungsmaschinerie nicht vertraut gab er seine wertvolle Stimme bald der Linken, bald der Rechten. Diese an keinerlei Klubmemung gebundene Unbekümmertheit wurde nun doch bemerkt und man konstatierte, daß es ein fremdes Gesicht sei, daß die „Freiheit der Abstimmung" für sich in Anspruch nahm. Bald löste sich das Rätsel und unter schallendem Gelächter des ganzen Hauses fand die Abgeordnetentätigkeit des selbsternannten Deputierten em Ende. Deutschfühiende Juden. Wie Herr Walter Eckstein mitteilt, ist die Nennung seines Namens auf dem in der vorigen Woche besprochenen Aufruf des „Verbandes nationaldeutscher Juden" ohne sein Wissen und ohne seinen Willen erfolgt, zu einem Zeitpunkte, als er selbst von Wien abwesend war. Herr Fred Hornik-Harcfen wird nunmehr selbst den Inhalt des Aufrufes an die „Deutscbfühlenden Juden" sowie auch die mißbräuchliche Verwendung eines fremden Namens zu verantworten haben. Amerika und die Juden. In N e w York wurde vor kurzem der Grundstein für die zu erbauende Bne-Jacob- Synagoge gelegt. Die Feier der Grundsteinlegung fand unter ungeheurer Beteiligung der New Yorker Judenschaft statt und gewann durch eine Rede des derzeitigen Bürgermeisters von New York. H a y t o n, besondere Bedeutung. Dieser erklärte m seiner Rede, „daß die Juden mehr als den dritten Teil der Bevölkerung New Yorks bilden. Die Juden haben einen gewaltigen Teil zu der Entwicklung New Yorks beigetragen und verdienen es, daß man ihnen im Geiste der Toleranz begegnet". Er warnte gewisse „selbstsüchtige Gruppen" davor, Zwietracht unter den amerikanischen Bürgern säen zu wollen und sprach sich entschieden gegen jede judenfeindliche Bewegung aus. Bürgermeister Hayton gab in dieser seiner Rede nur jenen Anschauungen Ausdruck, von welchen die amerikanische Regierungspartei, hinter der die überwiegende Majorität des amerikanischen Volkes steht, durchdrungen ist zum Unterschied von der Regierungspartei eines anderen, viel kleineren Staates, welche in der Judenfrage eine zweideutige Haltung einnimmt. Den besten Beweis für die Un Voreingenommenheit der Republikanischen Partei der amerikanischen Union bildet die Tatsache, daß diese die Kandidatur eines Juden auf den Bürgermeisterposten von New York aufgestellt hat. Der berühmte Schreibfedernfabrikant Franc Watermann wurde nämlich, wie aus New York gemeldet wird, von der Republikanischen Partei als Kandidat für die demnächst stattfindende Bürgermeisterwahl aufgestellt. Watermann ist einer der angesehensten Führer der Republikanischen JParteL Eine seiner Töchter ist die Gattin des Ziönistenführers Dr. Stephen S. Wise, der Demokrat ist. Ertappte Hakenkreuzler. BleLm Hauptausschuß des Deutsch-österr. Alpenvereines wurden, wie das „B. T." meldet, seit etwa zwei Jahren der langbewährten Kassenführerin Geldbeträge aus der Kasse gestohlen. Um niemanden verdächtigen zu müssen, ersetzte die Kassenführerin die Fehlbeträge aus ihrer eigenen Tasche und mußte sich Entbehrungen auferlegen. Als nach ihrem Tode die Diebstähle noch nicht aufhörten, ging ihr Nachfolger der Sache mit kriminalpolizeilicher Hilie nach. Der beauftragte Krnninalbeamte überführte nach einem neuerlichen Diebstahl unschwer die ebenfalls im Hauptausschuß angestellte Sekretärin, Frau Dr. Hahn, die ein Hakenkreuz während des Dienstes trug, ihren Gatten, der in völkischen Offizierskr eisen eine Rolle spielte und bekannte Mitglieder jener extremen antisemitischen Richtung, die sich die „Reinigung" des Alpenvereins von der nicht rassenreinen Sektion „Donauland" angelegen sein ließen. Antisemitismus im Esperanto. Das Esperanto-Organ „Espero Katolika" in Paris entwickelt sich zu einem antisemitischen Hetzorgan. In der letzten Nummer dieses Blattes wird gesagt, die Juden seien das einzige Volk, das aus dem Kriege Vorteile zog. Es bestehe in Versailles und im Völkerbund eine Oberregierung der Juden. Palästina soll wieder das Zentrum der Völker sein. Oberrabbmer Kook in Jerusalem ist jetzt daran, das Sanhedrin als jüdische Weltoberbehörde zu organisieren; gleiches planen die Zionisten durch die Schaffung einer Jewish Agency. Nach der Wiederherstellung der jüdischen Obersten Geistlichkeit soll auch der jüdische König, ein Sohn Davids, als Beherrscher aller Nationen auferstehen. Man müsse blind sein, um nicht zu sehen, daß sich die größte Revolution der Neuzeit, als die Rache Israels an der Christenheit, vorbereitet. In den Fängen der ungarischen Justiz. Unter dem Vorsitz Törekis verhandelte der Budapester Strafsenat gegen den 32 Jahre alten Gemischtwarenhändler Alois Friedmann aus Aszod, dem zur Last gelegt wird, daß er im August v. J. in der Auslage seines Ladens eine Wassermelone zur Schau gestellt hat, in die er mit einem Messer das ungarische Wappen und darüber — statt der heiligen Stephanskrone — den „Mögen Dovid" eingeritzt hatte. In Wirklichkeit wies der angebliche Davidsschild statt sechs nur vier Ecken auf. Alois Friedmann bestritt jede beleidigende Absicht gegen die Stephanskrone. Er habe aus Langeweile mit seinem Taschenmesser Figuren in die Schale der Melone einzuritzen begonnen, ohne sich dabei etwas zu denken. Der Gerichtshof fand den Angeklagten des Verbrechens der Verunglimpfung des ungarischen Staates und der Nation schuldig und verurteilte ihn zu einem Jahre Gefängnis fünf Millionen Kronen Geldstrafe, dreijährigem

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