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Die Wahrheit · 1925-09-18 · Heft 37-38 (18.9.1925) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 37-38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37/38 piß WAHRHEIT Seite 7 Generation, veranlaßten Gott, daß er sich in den siebenten Himmel zurückzog. Israeliten waren es, die ihn aus dem siebenten Himmel zur Erde zurückbrachten, und zwar Abraham, Isak, Jakob, Levi, Kehath, Amram und Mose, der letztere vollendete diese Arbeit, deshalb heißt es: bejom kallot. Gott ist der Friedensfürst und die Stiftshütte ist sein Brautwagen. Gott ist für die ganze Menschheit und doch im engeren Sinne für Israel. Gott ist unendlich und alle Räume können ihn nicht fassen, dennoch findet er Raum in der Stiftshütte, das Weltall ist seiner voll und das heilige Zelt nimmt ihn auf; das gleicht der Felsenhöhle am Meeresrande, die Flut füllt die Felsenhöhle und das Meer wird nicht kleiner, es ist nur eine Erfüllung und der göttliche Plan wird dadurch vollständig, daß eine Stätte zustande kam, wo man ihn finden kann; es ist eine VervoUständigiMig, wajchii bejom kallot. Es wird zugegeben und anerkannt, ja es wird richtigstellend festgestellt, daß Gott selbst und kein anderer der melech Schelomoh, der Friedensfürst des Hohenliedes ist, es heißt ja schon in der älteren Sohrifterklärung, daß der Ausdruck „König Salomo" im Höhenliede überall „heilig" ist und Gott bedeutet, mit Ausnahme von Vers 3, 7. Wollte man aber da aus Vers 11 beweisen*, daß Gott e i n e M u 11 e r hat, dann gilt hier die geistreiche Erklärung des R. Eleasar, wofür ihn R. Simon auf die Stirne geküßt, der Ausdruck Mutter, die den König Salomo krönt, bedeutet Israel, sie ist wohl die Braut Gottes, doch aus Ueberfülle der Zärtlichkeit wird sie kosend auch Mutter und auch Tochter genannt. Die Gemeinde Israel ist es* die Gott die Krone reicht und darum ist sie seine Braut. Man kann au-s Canit. 3, 11, keine weiteren Folgerungen ziehen. Auch aus Proveirb. 30, 4, nicht. Dort heißt es: „Wer stieg zum Himmel und, kam herab, wer faßte in seine Hand den Ruach, wer schnairte in Kleider die Gewässer, wer ließ auferstehen die Enden (oder nach dogmatischer Erklärung: die Verendeten) der Erde, wie heißt er, und wie heißt sein Sohn, wenn Du es weißt?" Auch dieser Vers kann nicht als Stützpfeiler dogmatischer Tendenz gewertet und verwendet werden, denn es bezieht sich auf Gott, und der Sohn ist bloß eine Benennung des „Volkes Israel", wie es geschrieben steht (Moses II, 5, 22): „Mein erstgeborener Sohn ist Israel". Aus den dichterischen Benennungen Israelis lassen sich keine neuen Dogmen schmieden. Der Ausdruck bekim afsse arez bedeutet auch nicht unbedingt das Auferwecken der Toten, was auch Elija und Efocha zustandebrachten, sondern es bedeutet einfach: Durch die Verbindung Gottes mit Israel wurde die Welt gefestigt; die Verbindung mit dem einzelnen Volke hat eine universalistische Bedeutung; die Welt wurde dadurch befestigt, nitbasses haolom, die Welt bekam eine feste Grundlage; denn bis dahin war die Welt schwankend und von da ab wurde stie gefestigt, die Kräfte der Verderbnis wurden gebannt und wenn früher Haß, Neid, Zwiespalt und Mißgunst geherrscht, von da ab dämmerte die Brüderlichkeit, die Liebe und der Friede strahlend auf, bejom kallot, die Menschheit wand vollkommener, bejom kallot, und die schädlichen Kräfte fielen an jenem Tage der Vollendung der Vernichtung anheim. Der ganze Text Nr. 7 schließt sich eben deshalb an den Priestersegen und an das Wort schalom an (Num. 6, 25), denn Segen und Frieden hängen mit der Stiftshütte zusammen. Zweimal wird der Ausdruck wajekaddesch im Texte gebraucht, denn Mose vollzog die Einweihung für sein Zeitalter und f ü r d j e Zukunft. Die Einweihung war eine doppelte, für die Gegenwart und für die Zukunft. Wenn das Hohelied vom Brautwagen spricht, so haben wir in Num. 7 dementsprechend ein anderes Vehiculum Religionis, das die Fürsten Israels gespendet; diese Wagen und deren Gespann werden nie vernichtet, sie bestehen ewiglich, sie führen die jüdischen Religionsideen durch alle Zeitaktualitäten (kirusin). Und wenn Wagen und Gespann ewig bestehen, dann wird um so mehr auch Israel und seine Lehre ewig bestehen; es gibt keine Abrogation und es gibt keine Ablösung Israels. Dies in Kürze der Gedankengang einer alten jüdischen Predigt. Ein Beweis, daß der Zusammenhang der Midrasch-Predigten gefunden werden kann mit Hilfe des von Herrn Leo Baeck empfohlenen heuristischen Prinzips. Die älteste judische Gemeinde in Europa. Aus der Sammlung „Studien in Judaismen" von Professor S. Schechter, New York, sechr. lowe. Uebersetzt von Rahel Edelstein-Friedmann. (Schluß.) In Anbetracht der vielfachen Verwirrung, die aus dem bedeutungslosen „Reverend" und aus den unvermeidlichen gleichen weißen Halsbinden entsteht, wäre solch ein Zettel mit genauer Bezeichnung des Trägers für die englischen Juden nicht weniger nützlich als für die römischen. Ich war in Gesellschaft eines Schülers des Rabbinerseminars und seiner Freunde, als ich meinen ersten Gang durch das alte Rom unternahm. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen durch den eigentümlich schönen jüdischen Typus, welcher im Osten noch immer ziemlich allgemein ist. Als er in der Synagoge, wo ich ihn kennen lernte, seinen Abschnitt aus den Propheten las, erinnerte er mich an jenen Judenknaben mit hellen Augen, schwarzen Locken und den rührend schönen Zügen, der als Gefangener aus Jerusalem vor etwa siebzehn Jahrhunderten durch die Straßen Roms schritt, dessen Festhalten an den Worten des Jesajah seine Freilassung bewirkten. Es wäre eine Uebertreibung zu sagen, daß meines Gefährten Bemerkungen in künstlerischer Hinsicht sehr belehrend gewesen wären. Geboren und aufgewachsen in Rom, ging er mit äußerster Gleichgültigkeit an Gegenständen vorüber, die man bewundern sollte, während er bei anderen tatsächlich „Bildnis" ausrief oder sonst eine prosaische Bemerkung machte. Aber in einem Lande, in welchem man sich entschlossen hat, für einige Wochen den Heiden zu spielen, längst verschollenen Gottheiten zu huldigen, bei jeder Erinnerung an überholte und verschwindende Religiositäten in Entzücken zu geraten und von dem Anblick schmieriger Heiliger und haariger Märtyrer begeistert zu sein, ist es nicht schlimm, zuweilen zu seiner eigenen wahren Natur zurückgerufen zu werden. Die Gefühle, welche auf uns einstürmen, wenn wir jenen Teile der alten Stadt betreten, an welche die Rabbinen wahrscheinlich dachten, wenn sie vom „schuldigen Rom*' sprachen, sind einfach niederschmetternd. Jeder Stein und jeder Ziegel da sah die Demütigung Israels, in jedem Theater und in jedem Zirkus war der Jude eine belachte Figur und diente der komischen Unterhaltung. Durch jeden Torbogen und durch jede Gasse wurde der Jude geschleift, der sich gegen das Joch der Antisemiten des Altertums auflehnte oder er wurde auf den

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