Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 36 (11.9.1925)
- Date
- 1925-09-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 36 Die Undank-Glocke. Der „Kölnischen Zeitung" entnehmen wir unter obiger Ueberschrift folgendes: Auf der Wegscheide zwischen Siebengebirge und Westerwald* in herrlichster Rheingegend, liegt das Dörfchen Rheinbreitbach. In diesem traulichen Dörfchen wohnt seit alters der biedere Jude Moses, der, als im Jahrei 1870 die Kriegstromniei gerührt Wurde, von England nach Deutschland eilte, um als Musketier gegen Frankreich zu marschier e n. Und 1914 fiel der Sohn des alten Moses Im deutschen Schützengraben und g.ab sein Leben für Heimat und uns alle. Rheinbreitbacher Kirchenglocken hatten während des Krieges Material für Führungsrtnge und Granatzünder geliefert, Rheinbreitbacher Bürger, katholische, und evangelische (der Ort besteht zu neun Zehnteln aus Katholiken), hatten ihr Scherflein gegeben* damit jetzt neue Glocken für die kathoische Kirche gestiftet würden. Die größte der.heuen Glocken widmete diel Gemeinde den gefallenen Helden. Und nun das tinsagbar Traürige: Ali die vor dem Feind gebliebenen Rheinbreitbacher sind auf der Glocke verzeichnet, nur der Jude Moses wurde ausgelassen. Und in seinem kleinen Bauernhäuschen sitzt ein gebeugter achtzigjähriger Mann, der alte Moses, dem es, wenn er die ÜndankgJ.ocke hört, nicht in seinen alten .KopF will, daß christliche Nächstenliebe an Konfessionen und Parteizugehörigkeit gebunden ist. Selbstmörderischer Antisemitismus. Daß die Antisemiten in ihrem Judenhasse keine Grenzen kennen, ist eine alte Erfährung. Für sie steht dieser Haß über alle Interessen und wenn irgendwo von blindem HasS die Rede ist, so trifft dies am meisten bei den Judenfeinden zu. Einen interessanten Beitrag in dieser Richtung liefert uns der bekannte englische Chemiker t. B. S. fi a 1 d a n e, Universitätsprofessor an der Universität Cambridge, der in seinem letzten Werk „Callinicus" zum Gaskrieg Stellung nimmt. Haidane schildert die drei Arten von Giftgasen, die im letzten Weltkrieg verwendet Würden, anschaulich und mit der ganzen etwas zurückstossenden Sympathie des Forschers. Das Tränengas macht Menschen, die kehie Gasmaske tragen, auf höchstens zwei Tage blind. Es Würde von den Deutschen in den Argonnen im Jahre 1915 zuerst verwendet Sie nahmen damals einen großen französischen Schützengraben und machten 2400 unverwundetc Gefangene. Nach den ersten erfolgreichen Gasangriffen, die von dem deutschen Chemiker Haber organisiert wurden, kam es jedoch auf deutscher Seite zu einem Stillstand. Die Deutschen hatten nämlich so schlechte Gasmasken, daß sie ihren eigenen Gasangriffen nicht standhalten konnten, Weil ihre eigenen Soldaten durch das Tränengas gleichfalls geblendet wurden. Die Deutschen konnten also ihre Gasangriffe nicht verfolgen, sondern mußten warten, bis die Gaswolken sich verflüchtigt hatten. Zu dieser Zeit war aber auch der Widerstand des Feindes wieder möglich. Haidane führt diesen Mangel darauf zurück, daß der tüchtigste Physiologe Deutschlands, der beste Kenner der Atmungs- Organe, ein Jude war und daß die deutschen Militärbehörden ihn deshalb nicht verwenden wollten. „Auf diese Weise", sagt Haidane, „bezahlten die Deutschen ihren Antisemitismus. Wahrscheinlich zahlten sie dafür mit dem Verlust des Krieges. Denn niemals wieder ist es ihnen gelungen, in die französische Front eine solche Bresche zu schlagen, nicht einmal im März 1918. Es war für die Deutschen gut, daß die Russen noch antisemitischer waren als sie. Hunderttausende von russischen Juden hatten sich 1914 für den Kriegsdienst freiwillig gemeldet. Beinahe alle wurden zurückgewiesen und kein einziger zum Offizier gemacht." Ludendorffs Gedächtnis. General Ludendorff hat vor kurzem an die „Schlesische Volksstimme" einen Brief gerichtet, in welchem erklärt wird, daß der Oberkommandierende der 9. Armee den bekannten Aufruf „Zu die Jidden in Paulen" auf Vorschlag des im Stabe befindlichen Feldrabbiners erlassen hat. Die Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten „Der Schild" legte den Brief Ludendorffs dem darin erwähnten Feldrabbiner der 9. Armee, Rabbiner Dr. Arthur Levy in Berlin, vor. Dieser richtete an den „Schild" einen Brief, in welchem er erklärt: „Niemals ist ein derartiger Vorschlag (Aufruf an die Juden in Polen, d. Red;) von mir ausgesprochen worden, vielmehr sind die Tatsachen, wiedergegeben an der Hand meiner Tagebuchaufzeichnungen, folgende: 1. Am 26. September 1914 (meldete ich mäch in Beuthen bei General Ludendorff als der der 9. Armee zugeteilte Feldrabbiner. Auf die Frage des Generals, wie ich mir meine Tätigkeit vorstelle, entwickelte ich ihm meinen Arbeitsplan, der ausschließlich der Seelsorge an den jüdischen Soldaten der Armee zum Gegenstand hatte. Als ich fertig War, meinte der General: „Ich habe noch einen besonderen Auftrag. Wir kommen jetzt nach Polen, wo zahlreiche Juden wohnen. Suchen Sie mit diesen Fühlung zu nehmen, sie über die Freundlichkeit unserer Gesinnung aufzuklären und den Militärbehörden darin behilflich zu sein, das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung durch Rücksichtnahme auf deren religiöse Empfindungen zu gewinnen." 2. Am 5. Oktober wurde mir vom Nachrichtenoffizier des AOK. ein fertiges, in hebräischer und jiddischer Sprache gedrucktes Flugblatt übergeben mit der Weisung, es ins Deutsche zu übersetzen. Bis dahin hatte ich von einem Aufruf weder etwas gehört noch gesprochen. 3. Am 8. Oktober wurde ich zü General Ludendorff befohlen, fer erkundigte sich nach der Stimmung der jüdischen Bevölkerung und fragte mich, ob ich mir etwas von dem geplanten Aufruf verspreche. Im übrigen wünschte er einige Veränderungen an dessen Wortlaut und forderte mich auf, in entsprechendem Sinhe eine Ümredigierung Vorzunehmen. Nachdem diese ihm vorgelegt und von ihm genehmigt war, wurde ich mit der Rückübersetzung ins Hebräische und Jiddische und der Besorgung des Neudruckes beauftragt, was ich selbstverständlich tat. Das ist mein Anteil an der Entstehung des Aufrufes." Das Organ der jüdischen Frontkämpfer fügt hinzu: Das sagt genüg. — General Ludendorff hat in seinem Buche und auch in seinem obigen Briefe gegen die deutschen Juden die schwersten Vorwürfe gerichtet, die man überhaupt gegen einen Deutschen richten kann. Er hat trotz aller Aufforderuig bisher wohlweislich vermieden, für seine Verläumdungen und Ehrabschneidereien auch einzustehen und Zeugnis abzulegen. — Wir sehen heute aus Obigem wieder, welcher Wert seinen Worten beizumessen ist. Ein Jude Entdecker des Tabaks. Der erste Europäer, der den Tabak und das Tabakrauchen zu Gesicht bekam, war ein Jude. Diese Tatsache ist offenbar nicht allgemein bekannt, denn sonst hätten sicherlich die Antisemiten aller Länder das Rauchen, Schnupfen und Kauen dieses „Teufelskrautes" wohl längst in Acht und Bann getan. Kolumbus war, als er seine erste große Reise antrat, bekanntlich weit davon entfernt, zu ahnen, daß er einen neuen Erdteil entdecken würde, vielmehr hatte er nur, den Ehrgeiz, einen direkten Seeweg nach dem östlichen Asien, Japan, China, Indien, zu finden. Da er aber offenbar; keinen des Hindustanischen, Japanischen oder Chinesischen mächtigen Reisebegleiter finden konnte, so nahm er auf seiner ersten Reise als Dolmetscher einen Hebräer namens Luis de Torres mit, weil derselbe außer spanisch auch arabisch, chaldäisch und hebräisch verstand. Kolumbus meinte, daß an den Höfen der ostasiatischen Fürsten zum mindesten ein oder der andere Gelehrte diese Sprachen verstehen würde.. Als nun der große Genueser auf Kuba landete, war er überzeugt, bereits an der Küste des asiatischen Festlandes zu sein, und schickt© unseren' Glaubensgenossen Louis de Torres mit einem gewissen Rodriguez de Jerez zum „Großchan von Katai", das heißt zum Kaiser von China in das Innere. Die beiden Gesandten stießen auf zahlreiche, von nackten, kupferbraunen Menschen bewohnte Dörfer, in denen man sie auf das gastfreundlichste aufnahm. Aber trotz seiner wohlgesetzten spanischen, hebräischen, arabischen und chaldäiscHen Anreden konnte sich Don Luis nicht mit den friedfertigen Wilden verständigen, so daß er nach sechs Tagen mit seinem Begleiter zu dem an der Küste harrenden Kolumbus zurückkehrte, mit der nicht ganz unrichtigen Nachricht, daß es offenbar bis nach China noch ein gutes Stück Weges sei. Aber etwas Merkwürdiges, schier' Unglaubliches hatte er gesehen. Seine braunen Wirte hatten in den Händen eine aus braunen Blättern gedrehte Rolle getragen, die an der einen Seite in langsamem Feuer verglimmte. Trotzdem steckten sich die WUden das andere Ende jeden Augenblick in den Mund, sogen daran, stießen heftige Rauchwolken von sich und hatten an diesem unerklärlichen Gebaren offenbar großes Wohlbehagen. Durch Zeichen von Luis da1 Torres1 befragt, was dieses Rauchen denn eigentlich für einen Zweck habe, riefen sie „tabaco" und wollten ihrem Gast ebenfalls ein solches Ding aufdrängen, was derselbe natürlich mit schlecht verhehltem Grausen von sich wies. Nerbet und verbreitet die „Wahrheit! ')mww^»)Tfira