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Die Wahrheit · 1925-09-11 · Heft 36 (11.9.1925) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 36 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 DIE WAKRffEIT Seite 7 Reiche sein innigster Wunsch sei, und daß dieser Gegenstand augenblicklich seine lebhafteste Aufmerksamkeit in Anspruch nehme. Seine Majestät drückte zugleich auch den Wunsch aus, daß ich die Städte, in denen Juden am zahlreichsten wohnten, besuchen und deren Wünsche und Bedürfnisse ausforschen möge. Der Zar erwähnte im Laufe dieser Unterredung die Vereinigung der Juden in einigen übervölkerten Provinzen und einen von ihm gehegten Plan, der seitdem nur milde in Ausführung gebracht wurde, „um die Hebräer etwas auseinander zu bringen." Der Zar hob hervor, daß er in seiner Armee 100.000 tapfere Juden habe — „wahrhafte Makkabäer", wie er hinzufügte — und daß kein Gesetz bestehe, das sie davon ausschlöße, es bis zum Offiziersrang zu bringen. Montefiore fragte, ob sie auch wirklich befördert würden, wenn sie es verdienen. „Gewiß", war des Zaren Antwort. Beim Abschied sagte Montefiore dem Zaren: „Sir! Ich empfehle meine jüdischen Glaubensgenossen Ihrem Schutze", worauf der Zar erwiderte: „Sie sollen ihn haben, wenn sie Ihnen ähnlich werden" (s'ils vous ressemblent). Montefiore machte bereitwilligst von der Erlaubnis des Zaren Gebrauch, seine Brüder in Rußland zu besuchen. Er reiste mit dem Privilegium der Benutzung kaiserlichen Vorspannes und sammelte wertvolle Beobachtungen. Ueber den Eindruck seiner Reise und verschiedene Zwischenfälle sind wir jetzt aus zeitgenössischen jüdischen Aufzeichnungen und Autobiographien unterrichtet. Während des Pessachfestes sah er ein Regiment, das vollständig aus jüdischen Soldaten bestand, die alle Gesetzesvorschriften streng beobachteten. Als er über die Dwina setzte, gab das Eis nach. Einer der Bedienten, ertrank, das Ehepaar Montefiore rettete nur mit knapper Not das Leben. In Polen fand Montefiore die Juden geneigt, Ackerbau zu treiben und auszuwandern. Er bat die „Chassidim" dringend, ihre eigentümliche Kleidung abzulegen. Es wird erzählt, daß, als er dem Fürsten 'Paskiewitsch es als vorteilhaft empfahl, auch den jüdischen Schülern den Eintritt in die öffentlichen Schulen zu gestatten, der Fürst lachend geantwortet habe: „Gott bewahre! Sie sind schon zu gescheit für uns, sie würden uns alle aufzehren!" Tatsache ist, daß kurz nach Montefiores Besuch beim Zaren ein kaiserlicher Ukas erschien, der den Juden das Recht gewährte, Ländereien und Häuser anzukaufen und sich in die Handelskorporationen aufnehmen zu lassen. Die Reise Montefiores durch Warschau, Wilna und Norddeutschland glich einem Triumphzuge. Der König von Preußen bedauerte, daß er Berlin' verlassen hatte, bevor der König von den Manövern aus Torgau nach der Residenz zurückgekehrt war. Nach seiner Heimkehr verlieh ihm die Königin Viktoria die Würde eines Baronet. Der Premierminister Robert Peel, fügte, als er ihm diesen Beweis königlicher Auszeichnung mitteilte, hinzu, daß Ihre Majestät die Königin hiermit ihre huldvolle Wertschätzung der hohen Dienste bekunden wolle, die Montefiore „der Verbesserung der Lage seiner Brüder und Glaubensgenossen, sowie der Beförderung und Hebung der Zivilisation und Humanität im allgemeinen geleistet habe." Ein Beispiel des Vertrauens, das ihm von seinen Brüdern entgegengebracht wurde, liegt in dem Testament Judah Touros, eines reichen, Montefiore vollkommen unbekannten jüdischen Kaufmannes in New-Orleans, der den Armen seiner Heimatstadt große Summen hinterließ und 50.000 Dollars an Montefiore übersandte, damit dieser sie zum Besten der Juden Palästinas verwende. Der Ausbruch des russischen Krieges im Jahre 1852 hatte eine Hungersnot in Jerusalem zur Folge. In der ersten Hälfte des Jahres 1854 lag der Schnee auf den Bergen fußhoch. Die Kamele mit ihren leicht ausgleitenden Füßen vermochten die schlüpfrigen Bergpässe nicht zu passieren^ und so konnten weder Lebensmittel noch Brennmaterial in die heilige Stadt gelangen. Die Juden hatten den Lokalbehörden nach wie vor ihre überaus schweren Abgaben zu entrichten, empfingen aber infolge des Krieges die gewohnten milden Gaben von ihren Brüdern im Auslande nicht mehr. Der Oberrabbiner von Jerusalem machte sich selbst nach Europa auf, um für seine1 hungrige Gemeinde eine Sammlung zu veranstalten, starb aber unterwegs in Alexandria. In England erließen Chiefrabbi Dr. Adler und Montefiore einen Aufruf und sammelten unge- JAC. MAYER fähr 20.000 Pfund Sterling. Nachdem die dringendsten Bedürfnisse durch Geldvorschüsse gedeckt waren, begaben Montefiore und Frau im Jahre 1855 sich zum drittenmal nach Palästina, um das Tourosche Legat und die durch die Sammlung aufgebrachten Gelder zu verteilen. Sie kamen durch Konstantinopel, wo mit Hilfe des englischen Gesandten ein Firman vom Sultan erwirkt wurde, der Montefiore ermächtigte, Ländereien in Palästina anzukaufen. Auf dem so erworbenen Eigentume baute er die Touroschen Armenhäuser und eine Windmühle; er gründete eine Mädchen- und eine Handarbeitsschule, ließ das öffentliche Schlachthaus aus dem jüdischen Viertel entfernen, wo der Kehricht sich seit den Tagen des Kalifen Omar angehäuft hatte, baute ein neues Schlachthaus außerhalb der Stadt und gründete in Safed und Tiberias Ackerbaukolonien. (Fortsetzung folgt) Vergessen Sie nicht eine Gratulationseinschaltung in unserer Neujahrsnummer sofort aufzugeben Redaktionsschlußs Montag, 14. September Am Samstag, den 12 September 1925, 7 Uhr vormittags, findet die Barmizwah-Feier unseres Sohnes Kurt im Bethause, IL, Große Schiffgasse 8, statt, zu welcher wir unsere lieben Verwandten und werten Bekannten höflichst einladen Benjamin Schreiber und Frau Gratulation 5 Uhr nachm. mWienea", II.. ObereDonaustr. 91 -' t; ,$ CfClles »B.OTGA5SE-1 Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: JAfien I]., Glockengüsse 24 Wien II., Taborstraße 44;i

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