Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 35 (4.9.1925)
- Date
- 1925-09-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 35 DIE WAHRHEIT Seite 7 So z. B. schon sieben Jahre später. In einem Straßenkrawall zwischen einem jüdischen Burschen und einem jungen griechischen Pilger hatte jener gesiegt. Jerusalem war damals von Pilgern überfüllt, die an allen Juden,. ohne Ausnahme, Rache üben wollten, we.il sie» wie die Sage ging, einen Christen gemordet, um sein Blut zu gebrauchen. Der griechische Klerus begab sich vollzählig zum Lokalgerichtshof und verlas aus der Kirchengeschichte umständliche Berichte von, ähnlichen gegen die Juden gerichteten Beschuldigungen. Der greise Oberrabbiner bewies aus dem Alten Testament und den Schriften aller gesetzlichen Autoritäten, daß die Ausübung solcher Handlungen bei seinem Volk ein Ding der Unmöglichkeit sei. Die protestantischen Missionäre gaben ihr Verdikt im selben Sinne ab. Was aber der ganzen Sache allein den Ausschlag gab, war die Vorzeigung jenes Firmans vom Jahre 1840. (Fortsetzung folgt.) Bei unseren Brüdern in Sew York. Von Chaijim Bloch. (Fortsetzung.) Während * meines New-Yorker- Aufenthaltes hatte New-York einige bekannte Persönlichkeiten als Gäste. Professor Dr. Heinrich L o e w e, Direktor der Nationalbibliöthek in Berlin, kam im Auftrage des Wolfsohn-Fonds nach Amerika, um die Geldmittel für die jüdische Nationalbibliöthek in Jerusalem aufzubringen. Seine ^Mitteilung, daß ein großer Teil der Bücher in einem gemieteten arabischen Hause" untergebracht sind und einer Beschädigung, unterliegen, machte einen schmerzlichen Eindruck, Es kam bald ein Komitee zustande, welches die Mittel für den Bau eines größeren Gebäudes zu beschaffen hatte. Einige Tage später traf eine Nachricht seitens des Direktoriums der Nationalbibliothek in Jerusalem beim Zionistischen Organisationsbureau in New-York ein, in welcher die Mitteilung Loewes als unrichtig bezeichnet wurde. Eine bekannte zionistische Persönlichkeit, die ich zu sprechen Gelegenheit hatte, war über das Vorgehen des Direktoriums gegen den um die Nationalbibliothek außerordentlich verdienstvollen Mann sehr verstimmt. Fast um dieselbe Zeit traf Professor Dr. Ludwig Stein aus Berlin in New-York ein und war Gegenstand großer Verehrung. Bei dem zu seinen Ehren veranstaltetem Festessen machte Stein folgende Aeußerung: „Mein Judentum besteht in meinem Bestreben, alle Menschen der Welt zu vereinen und sie zu einer brüderlichen Gemeinschaft zu machen. Das war auch der Grundgedanke des Propheten Jesaja." Einige Wochen später traf der Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Chaim W e i z m a n n in New-York ein, um mit den Führern des amerikanischen Judentums wegen der Beteiligung an der Jewish Agency zu verhandeln. Es gelang ihm, eine Reihe von Persönlichkeiten aus dem Kreise der sogenannten „Nichtzionisten" zu gewinnen und für den Keren Hajessod bedeutende Zuwendungen zu erhalten. Fast zur gleichen Zeit kam der polnische Sejmdeputierte Dr. Osias Thon, um das amerikanische Judentum über die finanziellen Schwierigkeiten des hebräischen Schulwerkes „Tarbut" zu informieren. Man bereitete ihm einen großen Empfang. Er war gewissermaßen der Gast des galizischen Judentums. * * * Ich habe in meiner Darstellung die Aeußerung eines amerikanischen Geistlichen wiedergegeben, wonach Amerika von der antisemitischen Krankheit verschont blieb. Zu meinem Bedauern erfuhr ich dann in New-York Dinge, die die gewiß ehrlich gemeinte Behauptung des Geistlichen nicht ganz berechtigt erscheinen ließen. Ich hatte Gelegenheit, mit dem Vizepräsidenten des Jüdischen Kongresses Joseph Barondes zu sprechen. Er zeigte sich in bezug auf den Antisemitismus nicht sehr hoffnungsvoll. Er sagte, daß eine judenfeindliche Welle im Anlauf ist, die mit der Zeit gefährliche Dimensionen annehmen könnte. Die Keime des Judenhasses finden sich innerhalb der Republikanischen Partei und dieser ist es zu verdanken, daß die berühmte Harvard-Universität den Versuch gemacht hat, Juden in einem gewissen Bruchteil zum Studium zuzulassen. Ich betone, einen Versuch! Henry Ford, der Automobilkönig von Amerika, hat zu der giftigen Atmosphäre viel beigetragen und es ist heute kein Geheimnis mehr, daß er der Geldgeber Theodor F r i t s c h s, des „Hammer-Fritsch" in Leipzig, ist.*) iFortsetzung foi^t.) *) Als die obige Schilderung bereits fertig war, kommt aus Amerika eine erfreuliche Nachricht. Die in Atlantic City abgehaltene Jahreskonferenz der amerikanischen Kirchen beschäftigte sich auch mit der Frage des Antisemitismus in Amerika. Das Vollziehungskomitee wurde aufgefordert, den anwachsenden Antisemitismus in Amerika wirksam zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke wurden für die nächsten drei Jahre je 15.000 Dollar in das Budget eingestellt. Der Fonds soll auch dazu dienen, das Einvernehmen zwischen Juden und Christen zu fördern. In Deutschland und Oesterreich ist es noch weniger Geistlichen eingefallen, ein solches Einvernehmen zu fördern! fcrgcssen Sie nicht eine Gratulationseinschaltung in unserer Neujahrsnummer sofort aufzugeben Redaktionsschluß: Donnerstag, 10. September IIIHIIIIIIIIIHIMI iiäiümmmmmm JACMAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taboratraße 44 H ,i