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Die Wahrheit · 1925-09-04 · Heft 35 (4.9.1925) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 35 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 DIE WAHRHEIT Seite 3 Bedeutung, weil er nicht nur die volle WiedlerberstelÜFUTiig des Vertrauens der zflcmistisclben Organisation zuir Exekutive deutlich zum Ausdruck bringt, sondern auch geeignet ist, 'das Vertrauen der außerhalb dar zionistischen Bewegung stehenden Judenschlaft dazu zu stärken, daß die Führer des Zionismus bei ihrem Streben nach Zusammenarbeit aller zionsfreundlichen Juden die nötige Unterstützung innerhalb Ihrer Organisation finden werden. Denn nur dann ist ein gedeihliches Zusammenarbeiten aller am Wiederaufbau Palästinas interessierten Juden zu erwarten, wenn die nötige Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens vorhanden ist. In diesem Sinne bedeutet der Wiener Kongreß einen Erfolg des Zionismus, und daß sich dieser" Erfolg zu einem solchen für das gesamte Judentum auswirken möge, ist unser Wunsch in der Stunde, wo die auis aller Welt in unsere Stadt gekommenen Delegierten die Stätte ihrer Beratungen verlassen. Will man das Ergebnis des Kongresses auf eine knappe Formel bringen, so könnte man dies wie folgt ausdrückeni: Weüzmann bleibt. Dies b e d e u t e t d i e U e b e r w i n d u n g d e s n a t i onalten durch den staatlichen Zionismus, d e n S i e g der aufbauenden über die destruktiven Bestrebungen innerhalb der Ziio n i stis ch en Partei. Mit dieser Wendung können auch diejenigen unserer Glaubensbrüder zufrieden sein, die wie wir den jüdischen Nationalismus ablehnen, aber den Wiederaufbau des Heiligen Landes herbeisehnen. IROTGA5SE-1 Mittelalterliches. Im Spiegel deutschvölkischer Geschichtsforschung. Von Dr. Hugo Spie gl er. „Dem geistigen und sittlichen Niveau der antisemitischen Tagesberichterstattueg entspricht vollkommen die deutschvölkische Methodik der Geschichtsforschung. Jüngst ist mir durch Zufall eine wahre Perle solch „wissenschaftlicher" Geistesprodüktion in die Hände gefallen und die heitere Stunde, die mir eine Lektüre verschafft hat, veranlaßt mich, auch die Leser der „Wahrheit" auf dieses Werk aufmerksam zu machen, obwohl sein Erscheinen um volle drei Jahre zurückliegt. Es ist nämlich ein im Juniheft 1922 der Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung" abgedruckter Artikel des „Historikers" Alfred Rosenberg, „Der Antisemitismus". Dieser Aufsatz gibt einen Ueberblick über die Menge Rechte und Vorrechte, die die Juden im Altertum und Mittelalter genossen haben. Als besondere Judenfreunde zählt der Autor die römischen Kaiser Nero und Titus auf. Daß der erstere den Krieg gegen den jüdischen Staat begann, den der letztere mit der Zerstörung des weltlichen und religiösen Zentrums der Juden beendete, scheint dem deutschvölkischen Geschichtsforscher ebenso entgangen zu sein wie die Tatsache, daß unter Nero im ganzen römischen Reiche die grausamsten Judenverfolgungen einsetzen, weil man die „unerwünschten Gäste aus dem Osten" für die umstürzlerischen und kommunistischen Lehren des Christentums verantwortlich machte, das ja tatsächlich in Palästina seinen Ausgang genommen hatte und die Fundamente des Weltreichs untergrub. Mit dem Christentum haben sich die europäischen Erben der alten Römer inzwischen bekanntlich schon ausgesöhnt, bloß mit dem Kommunismus stehen sie nach wie vor auf dem Kriegsfuß, wofür merkwürdigerweise auch heute noch das Judentum die Kriegskosten zu zahlen hat. keine Weise mit Blut befleckt werden* auch mit dem in den Eingeweiden sich bergenden." Sehr interessant ist, was Tertullilan von den Römern erzählt, daß sie nämlich bei ihren Gesellschaftsabenden, wenn sie Verdacht hatten, daß in ihrer Mitte ein heimlicher Christ sich befindet, die List angewendet haben, Blutwürste herumreichen zu lassen. Der heimliche Christ verriet sich dadurch, daß er diese Speise nicht berührte. Tertullian fährt nun fort: „Wie ist aber dieses euer Verfahren zu bezeichnen, wenn ihr von denjenigen glaubt, daß sie nach Menschenblut lechzen (die Christen wurden damals von den Heiden des Ritualmordes beschuldigt, wie später die Juden von den Christen!), von deren Abscheu vor Tierblut ihr überzeugt seid? Ihr müsset denn, die ihr darin erfahrener seid, jenes für wohlschmeckender halten als dieses!" Bs ist mir nicht bekannt, wer dieses apostolische Verbot dies Genusses von Blut und Ersticktem (Nichtgesöhlaohtetem) außer Kraft gesetzt hat. Nur möchte ich eine Vermutung aussprechen, die ich den Theologen zum Nachdenken empfehle. Im rabbinischen Judentum galt folgende Regel: Alle Sünden darf man begehen, wenn das Leben bedroht ist. Eine Ausnahme davon bilden: Götzendieost, Unzucht und Mord — da muß man sich lieber töten lassen, als diese Sünden zu begeben. (Pes. 25 a, Sanh. 74 a). Der hebräische Ausdruck für Mord ist hier, wohl rmt Anspielung auf Gen. 9, 6, scfoephiafeut damim Vergießen von Blut, Blutvergießen. Wie wäre es, wenn diese fabbinische Anschauung von dien drei schwersten Sünden, die man unter allen Umständen vermeiden müsse, von den Aposteln übernommen wurde, nur daß der Ausdruck Blutvergießen mißverstanden wurde,.so d!aß der Ausdruck schepMahiut dlaniiim als Gebot verstanden wurde, das Blut der Tilere zuver gießen und nicht zu genießen? Heißt es doch ausdrücklich Lev. 17, 13: Er soll vergießen sein (des Tieres) Blut! Diese Vermutung würde auch die brasse Zusammenstellung von Unzucht und Bhitgenuß erklären!

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