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Die Wahrheit · 1925-09-04 · Heft 35 (4.9.1925) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 35 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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r Seite 2 DIE WAHRHEIT rsr. od Qnmppe der Müsrachisten in schlecht angebrachtem religiösen Fanatismus nicht davor zurückgeschreckt, dlas ganze Werk des Aufbaues zu gefährden, weil Mir einige Maßnahmen der Exekutive nicht gefielen. Die Engherzigkeit dieser Auffassungen trat gerade im entscheidensten Moment des Kongresses hervor, als die Leistungen der Exekutive in den letzten zwei Jahren beurteilt werden soßtem Als es sich nämlich darum handelte, Stelling zu nehmen zu den erfolgreichen Unterhandlungen bezüglich der Jewish Ageney, zur Steigerung dier Einwanderung von 100 auf 1000 ilm Monat und zur Eröffnung der jüdischen Universität in Jerusalem, da ergriffen genannte Delegierte die Flucht vor 4er eigenen Verantwortung und ließen die Leitung im Stiche. Da sie weder „Ja" sagen wollten, noch auch „Nein" sagen konnten, glaubten sie durch ihre Enthaltung bed der Abstimmung besondere parlamentarische Tüchtigkeit zu bekunden; wie überhaupt der Ansicht der Zionisten, daß es sich hier um. ein Parlament handle, in dem Sanne beiizupfliohten wäre, daß alle Mängel einer parlamentarischen Verhandiungsweise deutlich zum Ausdrucke kamen. Obstruktionsredenv Geschäftsordnungsdebatten, Zwischenrufe, Stimmenenthaltungen und dergleichen erschwerten sehr die sachlichen Beratungen und die Kongreßleitung hätte alle Mühe, einen geordneten Gang der Verhandlungen zu ermöglichen. Die Folgen der merkwürdigen Haltung der Flügelparteien sind nicht ausgeblieben. Nach einer Abstimmung, bed welcher Weizmann von 244 nur 137 Stimmen erhielt, erklärte derselbe in seinem Namen und im Namen dier Exekutive, mit einer so geringen Majorität nicht weiterarbeiten zu können und eine Neuwahl ablehnen zu müssen. Diese Erklärung Weizmanns war die unter solchen Umständen einzig mögliche; denn wie hätte er darauf rechnen können, daß ihm diejenigen künftighin unterstützen, düe seiner biisihleinilgen Tätigkeit ihre Anerkennung versagtem? Sollte doch dile Politik der Exekutive auf derselben Linde fortgeführt werden wie in der abgelaufenen Funktionsiperiode. Da wlurdie den so enthaltsamen- Politikern rechts und links vor Ihrer Politik 'der Enthaltsamkeit auf einmal angst und bang. Sie sahen ein, daß bei der momentanen weltpolitischem Situation des Zionismus ein Regieren niuir mit, aber niemals ohne oder gar gegen Wieizmann möglich' sei und! erkannten noch im letzten Moment, daß das Heim, das in Brez Jüsroei für 'das jüdische Volk gewimmert werden sollte, mitten im Bau stecken bleiben müßte, wenn man dem bewährten Baumeister, welcher diie Pläne hierzu entworfen hat, die Leitung dier Aufbauarbeit aus der Handi nehmen würde. Und so bat man Weizmann und Sokolow, „im unibedingten Interesse des Zionismus an der Spitze der Bewegung zu verbleiben" und sprach der bisherigen Leitung mit 217 gegen 15 Stimmen bei nur mehr 18 Stilmnienenthaltungeni dlas Verbauen aus. Nach außen war also die gewünschte Einigkeit einigermaßen hergestellt, aber wie steht es mit dier Eindlgkeit nach innen? DaimJit ist es so bestellt, wie es im Laufe der Geschichte unseres Volkes stets zu beobachten war. Angesichts eiüner Gefahr schließt man sich zusammen, sobald man diese geschwunden glaubt, bricht dier Widerstreit der Meinlungen' sofort wieder aus. Und so wird die Zukunft erst zeigen, ob die heterogenen Elemente, welche diie zionistische Organisation in sich birgt, zu gemeinsamer Arbeit fähig sein werden. Angesichts einer solchen! überwiegenden Mehrheit kann und wird1 Weäzmann die Betrauung seiner Person malt der Bildung der neuen Exekutive anmentalen, zumal er in dier wichtigsten auf dem diesmaililgiem Kongreß zu lösende« Frage, nämlich' der Agency-ErWeiterung *), einem vollen Sieg errungen hat. Dieser Sieg ist deshalb von! ganz besonderer *) Mit dem diesbezüglichen.Kongreßbeschluß werden wir uns demnächst eingehend beschäftigen. Feuilleton Der Blutgenuß. Von Prof. Dr. K a h a n, Znaim. Daß die Juden an gewisse Speisegesetze gebunden sind1, die ahnen ihre Religion vorschreibt, weiß Jeder. Daß aber auch1 die Christen nach ihrer Religion nacht alles essen dürfen!, sichlemt ganz unbekannt zu sein. Und! doch gülbt es eine Speise, welche düe christliche Religion viel nachidtrückliicher und strenger vembietet als däe jüdische — ciämfch das Blut! Schon die Thbra verbietet den Blwtgenuß nicht nur dbm Volke Israel oder den Juden, sondern auch den sogenannten Noachiden, d. h. allen Menschen Im ersten Buche Mosis, 9, 4, spricht Gott zu Noah undi sieinen Söhnen : „Nur Fleisch, dlas noch sein Leben* s e i n B1 u t in sich hat, sollt ihr nicht essen!" Die Rabbinen allerdings verstehen darunter nur das Verbot des Fleischgenusses von einem noch lebendett Tiere. After dlas Verfoot 'dies Blutgenusses ist mehrmals wiederholt, so 3. Mosis, 3, 17; 7, 26; 17, 10; 5. Mosiis, 12; 16, 23; 15, 23. Hat muri das Christentum dieses Qebot wie so mianches Qebot der Thora aufgehoben? Nein! Darüber belehrt uns die Apostelgeschichte, Kap. 15. Dort wiJrd erzählt, daß die Apostel im Gegenwart von Petrus und Paulus auf Vorschlag des Jakobus beschlossen halben, den christlichen Gemeinden zu schreiben: „Daß ihr euch enthaltet vom Götzenopfer und vom Blut und! vom Erstickten (d. h1. NichtgechlalcMeten!) undi von Ausschweifung." (Vers 29.) Alteo im Christentum steht der Blütgewuß sowie der Genuß von Nibhtgeschilaichtetem auf einer Stufe mit Götzendienst und Ausschweitag. Daß die Christen^ der ersten Jahrhunderte dieses Verbot ernst nahmen, bezeugt der Kirchenvater Tertullaian (gest. 220), indem er ün seiner Apologie sich an die Hdildlen mit den Worten wendet: „Ihr solltet vor Schialm erröten vor uns Christen, die wir nicht edntmal Tüerblut zu den eßbaren Gerichten zähta, diie wir .deshalb auch des Erstickten und des Krepierten uns enthalten, dtait war nur auf

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