Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 34 (28.8.1925)
- Date
- 1925-08-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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■■■■■■■>■■■■«■■«•■■■■■ aaaaaaaaaaaMai Veröffentlichungen der „Union deutschösterreichischer Juden" i Wien IX. j Berggasse 4 ■ Postsparkassen - Konto! Nr. 9464 1 ■aaaaaaaaaaaaaaBBa Telephon Nr. 19-2-77 ■aaaaaanaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa«? Das sind die Folgen! Die Sommersaison geht zu Ende. Allmählich kehren die zahlreichen Familien aus den Kurorten und Sommerfrischen in ihr Heim zurück. Langsam füllen sich die Monate hindurch leergebliebenen Wohnungen. Das häusliche Leben beginnt und damit der Austausch von Erlebnissen und Begegnungen, wie sie die Ferien mit sich bringen. Wenn sonst die Sommerfrischler nach ihrer Rückkehr über die unterschiedlichen Ortschaften Oesterreichs berichten, wo sie bis in den Herbst hinein verweilt haben, so wird dies für jetzt nur im geringen Maße der Fall sein. Denn diesmal kehren sie aus viel weiterer Ferne heim als in den vorangegangenen Jahren. Der Aufenthalt über den Sommer wurde zum kleinsten Teil in den heimatlichen Landen verbracht. Man ging außerhalb der Grenzen der Republik und vermied jene Stellen im Heimatlande, wo man jahrelang Ruhe und Erholung gesucht und gefunden, um anderwärts zu verweilen und seine Geldmittel zu verbrauchen. Es war daher ganz natürlich, wenn aus einer großen Zahl von Kurorten und Sommerfrischen Klagen nach Wien gelangten über Mangel an Besuch, über freistehende Wohnungen und leere Hotels. Wieso kam das, wo sind die Ursachen dieses beklagenswerten Geschehnisses zu suchen? Man braucht nicht lange nachzudenken, um auf die wahren Gründe dieser Erscheinung zu kommen. Es liegt sozusagen auf der Hand. Auch der nicht tief Schlafende muß ihn wahrnehmen können. Es ist das Gebaren der Judenfeinde, der Alldeutschen, Hakenkreuzler, Nationalsozialisten und wie sie heute sonst noch heißen mögen. Das Gift der schamlosen Verhetzung, das sie vorerst in Wien und anderen Städten ausgestreut, haben sie nach und nach in die Provinzen getragen, haben dort Land und Leute in unverantwortlicher Weise verseucht. In ihrer beispiellosen Kurzsichtigkeit haben sie die verheerenden Folgen eines solchen Vorgehens nicht ermessen. Und was eintreten mußte, ist auch eingetreten. Eine große Anzahl von Orten innerhalb der Bundesländer, besonders in Tirol und Kärnten haben plötzlich die „Judenreinheit" proklamiert. Einzelne Wirte gingen so weit, daß die Hakenkreuzler als Warnungsschilder an ihren Herbergen anbrachten, andere wieder ausdrücklich erklärten, keinem Juden Obdach gewähren und Speise verabreichen zu dürfen — „Auf Beschluß des alldeutschen Verbandes." Die Frechheit und Arroganz, mit denen das gesetzwidrige Gehaben angezeigt wurde, war nur wieder ein Beweis dafür, daß sich diese geistreichen Judenfresser unter dem Schutze der Hakenkreuzler und Nationalsozialisten sicher wähnten. Als die ersten Meldungen über diese judenfeindliche Haltung nach Wien gelangt waren, hat die Leitung der „Union deutsch-österreichischer Juden" keinen Augenblick gezögert, die maßgebenden Behörden auf die Gefahren solcher direkt staatsfeindlicher Vorkommnisse aufmerksam zu machen. In speziellen Eingaben an den Bundespräsidenten, das Bnudeskanzelramt und einzelne Landesbehörden wurde mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, welche Folgen diese Zustände nach sich ziehen müßten und welchen Schaden die Bundesländer durch ein solches unqualifizierteres Verhalten unseren Glaubensgenossen gegenüber werden zu erleiden haben. Namentlich wurde in diesen Vorstellungen betont, daß Heimische und Fremde, die sonst mit Vorliebe zur Sommerzeit unsere lieblichen Ortschaften aufsuchen, angesichts der bezeichneten Feindseligkeiten diesen Punkten fernbleiben werden, was in wirtschaftlicher Hinsicht einen ungeheuren Verlust für öjie Bundesländer bedeuten würde! Welches war der Erfolg dieser Eingaben? Die Hetze wurde in noch eifrigerer Weise fortgesetzt. Die Hetzer blieben ungestört bei ihrem vom Auslande gut bezahlten Handwerk. Und in den österreichischen Kurorten und Sommerfrischen zeigte sich das Gespenst der vollkommenen Leere. Das Geld der Wiener und auswärtigen Juden wanderte indes ins Ausland. Wieviele Millionen beträgt der infolge der Flucht in das Ausland unserer Republik erwachsene Schaden? Das ist wohl schwer festzustellen. Das sind nun in erster Reihe die Folgen, die die Tätigkeit der „Rassenschützer" nach sich gezogen hat. Vergebens waren die Warnungen der „Union", vergebens ihre Schritte und Vorstellungen. Rücksichtslos haben die Hakenkreuzler in Oesterreich gehaust. Mit einer Kpnsequenz, die einer besseren Sache würdig wäre*, richten sie unser schönes Oesterreich ziugrunde und sie sind noch immer blind genug, um nicht einzusehen, welches Jammerdasein sie dem eigenen Lande bereifen,. Jeder Groschen, den sie von den „Freunden Oesterreichs" aus der Ferne beziehen, bringt dem Lande einen Schaden von tausenden von Schillingen. Wer nicht hören will, muß fühlen! Philipp Leon. 1 CfCltOS IR.OTGASSE-1 JAC. MAVER Kleider-. Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkaut: Wien IL, Glockengaase 24 Wien IL, TaborstraÖc 44