Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 32-33 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite_J6 DIE WAHRHEIT Nr. 32/35 vielen Stellen betont; in folgender Parabel wird jedoch der Gedankengang dargestellt, der den unerklärlich scheinenden oftmaligen Sieg der Lüge über die Wahrheit in hochinteressanter Weise darstellt. „Rabb! Levi sagt," heißt es im Midrasch, „vor dem Einbruch der Sintflut war unter den anderen Geschöpfen auch die Lüge vor Noa mit der Bitte um Aufnahme in die Arche erschienen. Da sprach Noa: ,Das geht nicht! Nach dem Befehl Gottes dürfen in die Arche nur Pärchen, ein Männchen und ein Weibchen, aufgenommen werden.' Die Lüge ging hinweg und machte sich auf die Suche! und begegnete) dem Laster und die Lüge sprach zum Laster: ,Ich komme von.Noa, der meine Aufnahme in die Arche1 mit der Begründung abwies, Gott habe ihm befohlen, einzeln Erscheinende werden nicht aufgenommen, es muß ein Pärchen sein. Möchtest du nicht mit mir zusammen zu Noa kommen? Ich würde einen Vertrag mit dir schließen; von allem, was ich als Lüge mir erwerbe, sollst du, das Laster, die Hälfte^bekommen." So ist es auch seit tausenden Jahren in der Wirklichkeit des Lebens, und dies erklärt uns, warum die Lüge so schwer zu besiegen ist. Sie hat das Laster an ihrer Seite, das Laster, das den Inbegriff alles Bösen in sich schließt, die Mißgunst, den Betrug, die Schmeichelei und HeuÖielej, die Genußsucht, den Ehrgeiz, die Ehrlosigkeit, in allen Formen menschlicher Verderbtheit und Verächtlichkeit Diese gewaltigen Kämpfe erleiden wir auch in der gegenwärtigen Zeit, die ia eigentlich, wenn auch nicht eine Sintflut des Wassers, so doch eine solche des Blutrausches, in dem so furchtbar beendeten Weltkrieg erlebt hat. Die Juden haben nun in der Nachkriegzeit alle schrecklichen Folgen des vorangegangenen WeltkamDfes in allen Gliedern zu spüren. In diesem. Kampfe der Wahrheit gegen die Lüge, Bosheit, Verleumdung, mit allen sie begleitenden Furien, haben wir als Minorität in allen Ländern der Welt immerfort Front zu stehen, um Widerstand zu leisten. Alle Bemühungen haben sich wohl bisher als nutzlos und vergeblich erwiesen; jedoch der Kampf, der mit unserer Existenzfrage zusammenhängt, darf deshalb doch nicht feige und mutlos aufgegeben werden. In dieser so schwierigen Kampfmethode hat das Organ „Die Wahrheit" immer seine Pflicht erfüllt. Es hat sich nie mit den Parteikämpfen im internen Leben des Judentums abgegeben, weshalb diese jüdische Zeitschrift auch von allen Glaubensgenossen, welcher Partei auch, immer angehörig, mit Befriedigung gelesen wird, sondern ihr Augenmerk auf die Verhältnisse des jüdischen Volkes nach außen hin gerichtet und auf diesem Gebiete hat sie bisher, soweit es überhaupt menschenmöglich war, Ersprießliches geleistet. „Die Wahrheit" verdient es. zur Zeit ihres vieljährigen Arbeitsjubiläums, herzlich begrüßt und aufrichtig beglückwünscht zu werden. Pur jüdische Interessen. Von Rabbiner Dr. H. Rosenmann. Erfördern und verlangen „jüdische Interessen" ein Organ, ein Blatt, eine Zeitschrift zu ihrer Geltendmachung? Oder genauer gesagt: Hat die jüdische Oeffentlichkeit. das iüdische Publikum, ein „Interesse", daß die Wünsche und Beschwerden, die Hoffnungen und Befürchtungen, die Ansichten und Absichten, die Zwecke und Ziele der jüdischen Gesamtheit oder einzelner lebenswichtiger jüdischer Kreise publizistisch vertreten, verkündet, durchgesetzt werden, und weiters, welche Mittel werden beigesteuert und welche Opfer zur Aufrechterhaltung eines solchen Werkzeuges „für jüdische Interessen" gebracht? Wer die Verhältnisse genau kennt und sich nicht scheut, sie auch ruhig zu beurteilen und zu verurteilen, möchte irgend welche Bejahung obiger Fragen bezweifeln und vielleicht auch über die fast '«»glaubliche Wandlung der jüdischen Psyche verzweifeln. In der heiligen Schrift wird von zwei Söhnen des Patriarchen Jakob, Sebulun und Isachar, erzählt. Während der eine dem Erwerbe, dem Verdienste, der Gewinnung' materieller Güter sich hingab, weilte der andere im „Zelte der Lehre". Der Erwerbende betrachtete es aber als seine Pflicht, dem geistig Arbeitenden es zu ermöglichen, in idealer Weise ^auch für ihn selber zu wirken, zu schaffen. Gilt dies auch jetzt? Pennen Sic noch ob Sie nicht in Ihrem Verwandten-oöer Freundeskreise jemanden wissen, der „Die Wahrheit" abonnieren würde. Wenn jeder Abonnent uns noch einen Abonnenten zuführt, verdoppelt sich die Aufflage. Das wäre das schönste Juftiläumsgesdienh unserer Freunde an „Die Wahrheit" Bitte denken Sit noch