Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 32-33 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064022-3064053--13915-3081445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 32/35 DIE WAHRHEIT Seite 33 saßen-die anderen Glaubensbrüder auf tiefen Sitzen trauernd; ihre Gedanken waren in einer anderen Welt. Unsere jungen Freunde hatten voll innerster Ergriffenheit dieses erlebt. Mit einem Male war ihnen! eine neue Welt aufgegangen. Dies war ein Stück lebendiges Judentum. Zum ersten Male fasteten sie an diesem Tag der Tempelzerstörung. War nicht auch in ihrer Seele Jerusalem zerstört worden? War nicht der Golus auch für sie hart, wenn er auch nicht in jedem Augenblick die körperliche Bedrohung nach sich zog, wie das noch im Osten der Fall war? Nach diesem Tage wurden sie andere Menschen. Sie mieden das hohle und. leere Leben, ■> dem sie bisher gefrönt hatten, sie> beschlossen nicht eher zu ruhen, bis sie ihres letzte Kraft dafür eingesetzt hatten, daß ein neues Judentum wiederersteht, das alle jene Schalen abgeschüttelt hat, die die Zeit der Verbannung an die jüdische Seele ansetzte. So wurde ihnen der Tischo B'aw zum Segen. Festesgrüße Vergessen Sie nicht eine Gratulationseinschaltung in unserer Neujahrs* nummer schon jetzt aufzugeben 'W^JWWftrV^rV^rVAr^ftftftftj^ üiatfMariäiiHraia!: I,9 MARIA THERES1ENSTRASSE ECKE HOHENSTAUFENGASSE Erstklassiges Etablissement Fabelhafte Getränke - Warme ~ Speisen zu Mittag u. abends - - Bier^vom Faß - - Aufliegen sämtlicher in- und ausländischer Jagesblätter - - Zivile Preise! - - 5 Treffpunkt^ der Kongreßteilnehmer "■ i^WKTOWffiw^wwwwri Zum 40jährigen Bestandesjubiläum der „Wahrheit" sind uns eine große Zahl von Glückwünschen von nah und fern zugekommen, die uns ein wertvoller Beweis dafür sind, daß wir uns durch unser bisheriges Wirken die Sympathien weiter Kreise erworben haben. Aus der Reihe dieser Festesgrüße, die uns mit Stolz und Freude erfüllen und für die wir an dieser. Stelle nochmals unseren besten Dank aussprechen, seien heute zunächst die folgenden wiedergegeben, teils weil sie Gedanken enthalten, "zu welchen das Jubiläum der „Wahrheit" - -; , ' - Anlaß gibt, teils weil sie Anregungen bringen, die wert sind, allgemein bekannt zu werden; weitere folgen in der nächsten Nummer. An die Wahrheit. Dein Weg ist steinig und aus vielen Wunden Da bluten die, so ihn begehen, Doch fühlen sie der Gottheit Nähe wehen Und fassen Mut auch in den schwersten Stunden. Wohl schmerzt das Gift der Abertausend Andern, Die Lüge und Verleumdung sich erkoren, Daraus den Saft der Niedertracht gegoren, Schlicht die Getreuen deine Straße wandern. Und fühlen: an der Wahrheit reinen Flammen, Die unseres Lebens letztes Tun erhellen, Zerbrechen einst der tück'schen Lüge Wellen. Es kommt der Tag, da fällt der Haß zusammen Und von der Wahrheit tiefstem Sein durchdrungen, Anhebt ein stilibeglückend Weltverstehen Und sich die Menschen nur als Brüder sehen. Von deiner Sprache Allgewalt bezwungen. Beate Baumgarten. Gruß aus Baden. Von Meir F r i e d m a n n. Hermann Hessesr betrachtsame, von feinem, stillen Humor gewürzte Erzählungskunst, hat in seinem „Kurgast" mit bildhafter Wirklichk'eitstreue eine Badesaison in Baden auf Druckpapier festgehalten. Leibhaft sehen wir vor uns die dreibeinigen oder rollstuhl gefahrenen Opfer der Gicht und verwandter Menschheitsgeißeln. Wir riechen förmlich die Schwefeldünste des Josefsplatzes. Bis wir zu unserer Ueberraschung entdecken, daß gar nicht von unserem Baden bei Wien, sondern von dem Baden bei Zürich die Rede ist. Alles stimmt bis auf ein Haar. Nur einige kleine Unterschiede. Aber gerade die rücken uns die Vorzüge unseres Baden vor dem Namensvetter in der sonst in manchen Belangen glücklicheren Schweiz recht eindringlich vor Auge und Nase. Daß in unserem Baden die Bäder nicht wie dort in die Häuser eingelassen sind, hat seine besonderen therapeutischen und technischen Gründe, sicherlich aber bei manchem Nachteil für die badenden Kurgäste für die große Zahl der Erholungssuchenden den Vorteil, daß nicht alle Logierhäuser durch den nasenbeklemmenden Schwefeldunst infernalische Gedanken wecken. Ohne Frage läßt es sich auch wenigstens mit unserem Schilling bei uns zu Lande leichter leben als in dem Machtbereich des Schweizer Franken. Eines kommt uns aber vor allem beim Blättern in Hesses Humoreske ins Bewußtsein. In dem maschinellen Drill des Schweizer Kurbetriebes kann unmöglich jenes urbehaglich geruhsame Phäakentum aufkommen, das für die zartesten Komponente unserer Leiblichkeit, unsere Nerven, das einzige natürliche und darum wirksame Heilmittel bildet. Still ist Baden.