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Die Wahrheit · 1925-08-17 · Heft 32-33 (17.8.1925) · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 32-33 (17.8.1925)
Date
1925-08-17
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Nr.. 32/33 Dtfc WAHRHEIT Seite fc9 Aus alter und neuer Zeit Die armen Reichen. Eine zeitgemäße ostjüdische Volkslegende. Nacherzählt von Regierungsrat J. Kreppe 1. In einer kleinen jüdischen Gemeinde im Osten lebte ein Waisenmädchen, dessen Eltern blutarm waren, die es aller Mittel bar hinterließen und die Gemeinde somit gezwungen war, für dessen Unterhalt zu sorgen. Die meisten Gemeindemitglieder waren allerdings selbst arme Leute: Schneider, Schuster, Wasser- und' Lasttäger und dgl., die kaum das Notwendigste für den Lebensunterhalt verdienten. Die wenigen Bemittelten und Wollhabenderen mußtenbei jeder Gelegenheit ihre Taschen offen halten) und beklagten sich stets über die Last der ihnen fortgesetzt auferlegten Opfer. Demnoch sorgte man für die arme Waise, so weit es eben ging. Der einzige -reiche Jude in der Gemeinde war hartherzig und nur mit Mühe pflegte man ihn gelegentlich zu bewegen, etwas für die Armen und Bedürftigen zu tun. So' verging eine Reihe von Jahren, bis die Waise heranwuchs und man daran denken mußte, sie nach jüdischer Sitte unter die Haube zu bringen. Lange genug erwiesen sich die Bemühungen der Gemeinde als vergeblich. Die arme Waise hatte keinen Groschen und es gab keinen, an den man auch nur um eine Ausstattung herantreten konnte. Wer soll sich dazu entschließen, sie zu ehelichen? Endlich traf es sich, daß sich irgend ein armer Bachur in die Stadt verirrte, der aller Mittel bar, auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen war. Da kam den Gemeindevorstehern der Gedanke, die beiden armen und verlassenen Menschenkinder miteinander zu verheiraten. Der Plan fand allgemeinen Anklang, selbst die Waise und der Bachur fanden Gefallen aneinander. Aber nun entstand die Frage, woher das nötige Geld nehmen, um das Brautpaar auch nur notdürftig auszustatten und ihm die Möglichkeit zu geben, sich einen, wann auch ärmlichen Hausstand zu) gründen. So zogen sich wieder die Wochen und die Monate hin, ohne daß die Gemeindevorsteher irgend einen Rat wußten. Eines Tages erschien nun der Prophet Eliahu beim Gemeinderabbiner und erklärte sich bereit, das nötige Geld herzugeben, um das Brautpaar auszustatten und ihm die Gründung eines Haushaltes zu ermöglichen. Gesagt, getan. Der Prophet erlegte beim Rabbiner die nötige Summe und ordnete an, alles herzurichten. Er werde dann wieder kommen, um das weitere zu veranlassen. Nach einigen/ Wochen, als alles fertig war, erschien der Prophet wieder beim Rabbi und ging daran, den Hochzeitstag festzusetzen. Sein Wunsch war, daß die Hochzeit am 15. Siwan stattfinde, denn er mochte dabei sein, hatte aber an allen anderen Tagen keine freie Zeit — Das wird leider schwer gehen — erwiderte der Rabbi — an diesem Tage verheiratet der Reiche der Gemeinde seine Tochter und es gehe in! einer so kleinen Gemeinde nicht an, zwei Hochzeiten an einem Tage zu veranstalten. Der Prophet ersuchte hierauf den Rabbi, den Reichen zu sich zu bitten und ihn zu veranlassen, die Hochzeit seiner Tochter für einen anderen Tag) zu bestimmen. Als der Reiche diese Proposition vernahm, polterte er vor Wut: Wieso denn! Der armen Bettlerin zuliebe solle er die Hochzeit seines Kindes verschieben! Das sei unmöglich! Er habe übrigens bereits die; Einladungen zur Hochzeit versendet und könne das Datum unmöglich ändern ... Da machte der Prophet Eliahu den Vorschlag, doch beide Hochzeiten an einem und demselben Tage stattfinden zu lassen. Der einjährige Handeiskurs Wien II., Malvgasse 16/13 Leiter: Dr. M. Wunder mann Staatl. appr. für das Lehramt an Handelsschulen und Handelsakademien gibt der reiferen Jugend die Möglichkeit zu einer gründlichen kaufmännischen Ausbildung. Mädchenkurse separat Einschreibungen und Auskünfte während der Ferien zwischen 2—5 Uhr nachmittags in der Privatwohnung 11., Pfeffergasse 1/10. Davon wollte aber der Reiche nichts wissen. Zur Hochzeit, die der Prophet Eliahu veranstaltet, werden doch alle Juden der Gemeinde erscheinen. Wer soll dann der Hochzeit des Reichen beiwohnen? — Dagegen weiß ich Rat! — erwiderte der Prophet. — Ich mache Euch den folgenden Vorschlag: Ich werde zur Hochzeit des armen Paares bloß die Armen und Mittellosen einladen. Die Wohlhabenden mögen Eure Gäste sein... Dieser Vorschlag, sagte dem Reichen sehr zu. Wozu auch sollen alle Schnorrer%eine Gäste) sein? Er würde sich schon sehr gerne mit seinen Standesgenossen begnügen. Und so wurde denn, der Pakt, .geschlossen, daß der Prophet Eliahu zur Hochzeit des armen Paares bloß die Armen und Mittellosen einlade, die Wohlhabenden und Bemittelten hingegen die Gäste des Reichen sein sollten. Als der anberaumte Tag herannahte, wartete aber der Reiche vergebens auf seine Gäste. Die Braut saß auf dem Brautstuhl, der Bräutigam stand bereit, aber kein Mensch zeigte sich. Der Reiche ließ nun durch seine Dienerschaft die Häuser seiner Freunde und Standesgenossen aufsuchen. Aber kein Mensch war anzutreffen. Alle, arm und reich, wohnten der Hochzeit des armen Paares bei. Da eilte der Reiche zum Rabbi und rief: Rabbi, der Prophet Eliahu hat mich belogen und betrogen! Er hat sein Wort gebrochen! D.er Rabbi schüttelte ungläubig sein greises Haupt. Der Prophet Eliahu ist doch kein Lügner... Aber der Reiche ließ nicht] locker und schleppte den Rabbi zur Hochzeit des armen Paares, damit er sich selbst überzeuge, daß der Prophet gelogen hätte. Dort angelangt, fanden sie tatsächlich die ganze Gemeinde versammelt. Neben den armen Leuten saßen auch die Wohlhabenden, keiner fehlte. Der Reiche überschüttete nun den Prophet Eliahu mit Vorwürfen. „So handelt ein Prophet! So habt Ihr mich hintergangen!" — Wieso denn? — erwiderte der Prophet. — Ich habe mein Wort voll und ganz gehalten. Hier sind nur Arme und Mittellose versammelt... — So? — höhnte der Reiche — und Josef der Textilengrossist! Ist der auch arm und mittellos? — Zweifellos! — erwiderte der Prophet — er gelte zwar als reich, ist aber längst passiv und werde in den nächsten Tagen Konkurs anmelden... — Und Salomon der Weinhändler? ~- fragte weiter der Reiche. — Salomon der Weinhändler habe sich in eine Valutaspekulation eingelassen und sein ganzes Vermögen eingebüßt... — Und Jakob der Mühlenbesitzer? — Dieser habe sein ganzes Geld in Aktien einer Schwindelbank angelegt! und wird in den nächsten Tagen als armer Teufel dastehen . . . Und so konnte der Prophet hinsichtlich aller als wohlhabend Geltenden das Geheimnis enthüllen, daß sie alle in Wirklichkeit Bettler seien. Da raufte sich der Reiche die Haare aus. — Heiliger Prophet! Bei allen diesen Leuten habe ich ja mein Vermögen stecken. Sie alle sind meine Schuldner. Wenn sie nun Bettler sind, bin ja auch ich ruiniert! — So — erwiderte der Prophet Eliahu — dann gehört ja auch Ihr zu meinen Gästen. Nehmet daher an meinem Tisch Platz... Priester der Liebe. Von Chajim Bloch. Die milde Gabe. In jungen Jahren pflegte Rabbi Mose von Ujhely von Zeit zu Zeit über Land zu ziehen, um Geld für Arme zu sammeln. Denn die Liebe zu den armen, vom Glück verlassenen Menschen brannte in seinem Herzen und keine Mühe war ihm zu groß, um ihnen zu helfen. Einst kam er in eine Herberge und fand eine Gesellschaft von feisten Männern beim Kartenspiel. Er trat an sie heran

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