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Die Wahrheit · 1925-08-17 · Heft 32-33 (17.8.1925) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1925
Issue
Heft 32-33 (17.8.1925)
Date
1925-08-17
Page
– (sequence 32)
Language
German
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Seite 28 Dfl* WAHRHEIT Nr. 32/33 finden. Und das ist gerade das Bezwingende seiner Kunst: Abel Pann ist ein Maler, der nicht allein mit seinem Pinsel, sondern auch mit seinem- Herzen malt. Wer mit Abel Pann spricht, der merkt alsbald, daß in seinem ganzen Wesen dieselbe Begeisterung für sein Judentum zum. Ausdruck kommt, wie sie uns aus seinen Werken entgegentritt Von* seinen Werken spricht er mit einer Liebe, wie ein Vater von seinen Kindern. Diese Liebe leuchtet aus seinen strahlenden Augen, wenrt er von der Anerkennung erzählt, welche seine Werke finden^ Trotz seiner• großen Erfolge, welche ihn mit Stolz erfüllen dürfen, findet man bei ihm eine geradezu rührende Bestheidenheit Wenn er von seiner Kindheit spricht, von seinen Lehr- und Wanderjahren, wenn er Jerusalem erwähnt, dann fühlt man ganz deutlich: Dieser Mann ist von seiner Bestimmung erfüllt. Abel Pann ist in Papile, einem kleinen Städtchen in Litauen, geboren. Nach langem Sträuben erlaubte ihm sein frommer Vater, sich der Kunst zu widmen, und so verließ der ehemalige Chederschüler mit 18 Jahren das Ghetto seiner litauischen Vaterstadt, um sich in Odessa in der Malerei auszubilden. Von Odessa zog er nach Paris. Er studierte dort bei den berühmten Malern Bouguereau und Toudouz. Trotz großer Erfolge, wie z. B. die Erlangung des goldenen Staatspreises und die Aufnahme seiner Bilder in das „Museum de Luxemburg", war er innerlich doch nicht befriedigt. „Ich fühlte mich fremd", sagte der Künstler, „in dieser Stadt der Pracht und des pulsierenden; Lebens. Die Eindrücke meiner Jugend waren zu mächtig in mir, als daß ich zu einem Pariser werden konnte. Meine Seele suchte das Land der Verheißung, das es auch für mich werden sollte". Als Abel Pann daher von Professor Schatz aufgefordert wurde, mit ihm nach Jerusalem zu kommen, sagte er freudig zu. War ihm doch dadurch die Gelegenheit geboten, dort zu schaffen, wohin ihn seine Sehnsucht trieb. Ueber seine Eindrücke in Palästina befragt, sagt Abel Pann: „Ich glaubte in frühester Jugend schon hier gewesen zu sein, jedes Fleckchen Land schien mir vertraut. Acht Monate scheint da die Sonne und doch ist die Stimmung, in welcher sich uns das sonnendurchflutete Land darbietet, nie die gleiche. Als ich in Ermangelung technischer Mittel selbst in Jerusalem 300 lithographische Steine sammelte, um in dieselben meine Bilder zu meißeln, da erfüllte mich der Gedanke mit ehrfürchtigem Erschauern, daß die Steine, welche jetzt die Zeugen meiner Arbeit sind, einst die Zeugen des Lebens und Wirkens derer gewesen sind, deren Bilder ich festzuhalten versuchte. Und diese stummen Zeugen sprachen zu mir eine laute Sprache." Auf die Frage, welches der Leitgedanke seines Schaffens sei, antwortete der Künstler: „Ursprünglich wollte ich, von der Bibel ausgehend, die gesamte Geschichte meines Volkes verbildlichen und zwar so, wie ein jüdischer Maler mit seinem jüdischen Herzen dieselbe empfindet. Dann kam der Krieg und die furchtbare Not meiner Glaubensbrüder, deren Ledden mich so tief erschütterten, veranlaßte mich, dieses letzte traurige Kapitel aus der Geschichte meines Volkes zunächst festzuhalten." Aus dieser Zeit stammt die Bilderserie „Der Tränenkrug", gegen deren Reproduktion durch einen französischen Verleger der damalige russische Botschafter in Paris bei der französischen Regierung Einspruch erhob.. Diese Tatache ist wohl der beste Beweis für die Wucht dieser stummen Anklagen gegen deri Pogrom. Es ist Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, einen Maler, dem das Judentum in dem Grade Lebensinhalt und Bestimmung wurde, wirksam zu fördern. Uber einige Erfahrungen bei der stimmärztlichen Behandlung von Kantoren, Von Universitätsdozent Dr. Hugo Stern. Dem Wunsche der verehrlichen Redaktion^ einen Beitrag zu ihrer Festnummer zu liefern, komme ich gerne nach, nicht ohne aber gleich eingangs zu betonen, daß es sich mit Rücksicht auf die notwendige Begrenzung des Artikels nicht um eine wissenschaftliche Arbeit handeln kann — diese soll in einer späteren Nummer folgen —. sondern ich will in den folgenden Zeilen nur kurz über einige Erfahrungen, die ich in meiner stimmärztlichen Praxis im Laufe der Jahre in diesen Kreisen Gelegenheit hatte, berichten und einige Schlüsse daraus zu ziehen versuchen. Zunächst muß betont werden, daß sich bei Kantoren naturgemäß dieselben Stimmstörungen wie bei allen anderen Sängern, die ihre Stimme zu Berufszwecken gebrauchen, finden: Also vor allem die Affektionen, die durch Witterungseinflüsse, durch Konstitutionsanomalien, allgemeiner und spezieller Natur, durch unricktiges Singen usw. entstehen'. Was den ersten Punkt (Witterungseinflüsse) anbelangt, so spielt derselbe hier eine größere Rolle, als dies bei anderen Sängern der Fall ist. weil ja unsere Kantoren, zumal in der Großstadt, durch ihre Funktionen im Freien (anläßlich von Leichenbegängnissen) den Witterungseinflüssen stark ausgesetzt sind. Es gibt, wie mich die Erfahrung gelehrt hat, unter ihnen Sänger, die sich mit der Zeit an Wind und Wetter vollständig akklimatisieren und keinerlei Beschwerden hierdurch erleiden; auf der anderen Seite wieder gibt es allerdings Sänger, die so zarte Schleimhäute haben — oft hängt dies mit der Konstitution als solcher zusammen —, daß bei ihnen nach jeder derartigen Funktion ein Kehlkopfkatarrh auftritt, der kaum gebessert oder geheilt, durch eine neuerliche Funktion exacerbiert und so zu dem bekannten Bilde des chronischen Kehlkopfkatarrhs führt. Auch da gibt es wieder. starke individuelle Unterschiede. Ich kenne Sänger, die sozusagen ihr ganzes Leben „aus dem Kehlkopf- und Luftröhrenkatarrh nicht herauskommen" und deren Stimmfunktion trotzdem keine oder keine wesentliche Beeinträchtigung aufweist, anderseits gibt es Fälle, wo durch einen solchen chronischen Kehlkopfkatarrh die Quantität und vor allem die Qualität der Stimme wesentlich leidet und wo es so zu einem frühzeitigen Verfall oder Verlust der Stimme, soweit es sich um deren künstlerischen Gebrauch handelt, kommt. Als einen weiteren Punkt, den ich bei dieser Gelegenheit nicht unbesprochen lassen möchte und der zu vielerlei Störungen der Stimme führt, nenne ich die mangelhafte Ausbildung der Stimme. Gerade ich, der ich mich selbst seit Jahren mit stimmpädagogischen Fragen " befasse und anderseits seit vielen Jahren in den Kreisen unserer Kantoren stimmärztlich behandle, darf an dieser Stelle ein offenes Wort sprechen. Es war oben die Rede von mangelhafter Stimmausbildung. Ich darf hier einen Schritt noch weitergehen. Die Zahl der Kantoren, die überhaupt niemals irgend welche Stimmausbildung genossen haben — sie sagten es mir rückhaltlos spontan — ist keine geringe. Freilich handelte es sich in diesen Fällen nicht um Kantoren, die an erster Stelle fungieren, sondern meist um solche, die nur den Wochentagsgottesdienst zu versehen haben, ferner um Funktionäre in kleinen Bethäusern, um solche vom Lande usw. Wenn man dem entgegenhalten wollte, daß zu dieser Art von Funktion doch keine besondere Ausbildung der Stimme notwendig sei, so müßte ich dem entschieden widersprechen. Ganz abgesehen davon, daß ein derartiges Stngen — und sei es noch von so tiefen religiösen und frommen Empfindungen getragen — niemals ästhetisch befriedigen kann, leiden die Betreffenden selbst unter der Nichtausbildung ihrer Stimme, leiden an chronischen Kehlkopfkatarrhen, Stimmlippenverdicku-ngen mit allen ihren Folgen usw., kurz an einer Reihe von Affektionen, wo ärztliches Wissen und Können wenig erfolgreich eingreifen kann, weil das Substrat der Krankheit in dem jahrelangen unrichtigen Gebrauch des'Stimmorgans liegt. Und so komme ich denn zum Schluß zu einem seit Jahren von mir oft betonten und, wo es ging auch propagierten Gedanken, der Notwendigkeit der Errichtung einer Akademie für Kantoren. Wir besitzen in Wien, eine Reihe von Oberkantoren, deren stimmliches Können auf respektabler Höhe steht, die auch in stimmpädagogischer Beziehung über reiches Wissen verfügen und die — last not least — auch im traditionellen liturgischen Gesang Vorzügliches leistea Und gerade hier in Wien, das eine der hervorragendsten Kulturstätten der Musik im Allgemeinen ist, würde die Errichtung einer solchen Kantoren;Akademie seitens einer der größten und mit Recht angesehendsten Kultusgemeinden der Welt auf fruchtbaren Boden fallen. Das Budget der Gemeinde würde hierdurch eine nur geringe Belastung erfahren. Es würden sich genügend Lehrkräfte (Lektoren) für eine solche Ausbildungsstätte für Kantoren, wie ich sie im Auge habe — auf Details möchte ich in einem späteren Artikel zurückkommen — finden und damit ein großes und erhabenes Werk, das in seiner Art einzig wäre und den Anziehungspunkt für Kantoren der ganzen Welt bilden würde, in die Wege geleitet werden.

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