Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 32-33 (17.8.1925)
- Date
- 1925-08-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 DIE WAHRHEIT Nr. 52/53 Werkes und die dabei befolgten Grundsätze. Es gibt auch Andeutungen über Entstehung und Verlauf der Arbeit, über ihre Voraussetzungen, das Material und die Quellen über die schier unüberwindbaren Schwierigkeiten, nicht zuletzt über die Hemmungen, und Förderungen, die Wininger bei seinem Unternehmer»' gefunden hat. Das Beachtenswerteste an dem Werke ist wohl die Person seines Verfassers. S. Wininger ist kein zünftiger Gelehrter, er war und ist vielleicht noch (ich weiß das nicht bestimmt) Postbeamter, aber er ist ein Mann, der von Begeisterung erfüllt, sich durch keine' -Schwierigkeit abschrecken ließ, dessen Blick durch keine Sachkenntnis getrübt die großen Schwierigkeiten zunächst gar nicht sah und als sie sich einstellten, weil säe sich einstallen mußten, sich' durch sie nicht beirren ließ, sondern mit zäher Willenskraft sein Ziel fest im Auge behaltend, ihm zustrebte und auch durch Fehlschläge und unerfüllte Zusagen sich nicht abschrecken ließ, bis er es erreichte. Wininger empfand es als schweren Mangel, daß es an einem Werke fehle, das über die hervorragenden Männer und Frauen des Judentums aller Zeiten und Länder Auskunft gebe, was eben Aufgabe einer jüdischen Nationalbiographie sein müßte. Die Empfindung teilte Wininger mit vielen anderen, aber er unternahm es mit kühnem Wagemut, diesem Mangel abzuhelfen, im Sinne der weisen Väter: ,.Wo es an Männern fehlt, schicke dich selbst an, ein Mann zu sein." Mit einer selbstbewußten Befriedigung schreibt er, er habe ein Werk geschaffen, welches geeignet sei. die Kenntnis des Lebens jüdischer Größen in die weitesten Volksschichten zu tragen, hierdurch das jüdische Selbstbewußtsein zu heben sowie die Liebe zum angestammten Glauben zu stärken (das ist: wohl kaum zu erwarten, umso weniger, als ja auch jene aufgenommen werden, die sich von diesem Angestammten Glauben losgesagt haben). Seine ganze freie Zeit widmete er der Ausführung seines kühnen Beginnens. ..Welch immense Arbeit da geleistet werden mußte, um das Riesenmaterial zusammenzutragen, ist schon darauf zu ersehen, daß zu verschiedenen Zeiten begabte Biographen, von der Notwendigkeit gedrängt, der jüdischen Literatur solch ein Werk zu schenken, mit den Vorarbeiten begannen: ihre Werke sind entweder Fragmente geblieben oder waren bloß für eine gewisse Gruppe oder ober für einen gewissen Zeitraum be~ rechnet.....Die Tatsache, daß das jüdische Volk verstreut unter allen Völkern der Erde lebt, ließ ein solches Werk umso wertvoller und wichtiger, aber auch dringender erscheinen. . . . Diese Tatsache bestärkte: mich in der Ansicht, eine Uebersieht über das Ganze zu geben, über das, was jüdische Männer und Frauen aller Zeiten und Länder für das Judentum und innerhalb des Judentums (soll heißen der JudenheiO selbst und — was sie darüber hinaus geleistet haben. Das Werk soll eine Brücke ausfüllen, wodurch jener oft bestrittene Anteil der Juden am Kulturwerk der Menschheit sozusagen dokumentarisch festgelegt wird; es soll ein momumentum .Tudaici nominis, ein Denkmal des jüdischen Namens und Volkes, seines Geistes und sei^ps Schaffens sein. Das Werk ist wissenschaftlich in dem Sinne, daß es auf Grund verläßlichen Quellenmaterials bearbeitet ist, gleichzeitig ist es volkstümlich in der Form, daher lesbar für die weiten Kreise der Gebildeten und des Volkes und von allgemeinem Interesse, bestimmt für Juden und Nichtjuden". Zwar muß er klagen, .meine vielen Bemühungen, das so oft gerühmte iüdische Mäzenatentum für die Sache zu gewinnen, blieben leider ohne Erfolg". Aber seiner zähen Unverdrossenheit ist es doch gelungen, der großen materiellen Schwierigkeiten Herr zu werden. „Umso höher", fährt er fort, „ist die Tat eines einzelnen zu werte n, der für sich das Verdienst in Ansoruch nehmen kann, die Drucklegung des vorliegenden Werkes ermöglicht zu haben. Herr Jakob Fallenbaum, Fabriksbesitzer zu Chemnitz in Sachsen, war es. der in raschem Entschlüsse dip Bedeutimg und den erzieherischen Wert des Werkes besonders für die indische Jugend erfaßt! und in hochherziger Weise die für die Drucklegung und entsprechende Ausstattung erforderliche Summe zur Verfügung gestellt hat. Nur diese großzügige finanzielle Unterstützung ermöglichte die Beendigung und Heransgaba des Werkes " Da es meine Absicht lediglich ist, mit diesen Zeilen die jüdische OeffentÜchkeit auf das Werk aufmerksam zu machen, um dafür Teilnahme zu wecken, soll von kritischen Bemerkungen, zu denen es Anlaß gibt, abgesehen und auch Versehen nicht berücksichtigt werden. Wininger verdient alle Anerkennung. Es ist gerade in unserer Zeit umso rühmlicher, daß ein einzelner, lediglich auf sich selbst gestellt, vom idealen Eifer beseelt, ein solches Werk unternommen und mit zäher Ausdauer zu Ende geführt hat. Mag man auch im einzelnen manches einzuwenden haben, so gibt doch das bereits Vorliegende eine gute Probe für das Ganze. Der Verfasser verkennt selbst nicht, daß dem ersten Versuche Mängel anhaften. „Es sei aber in des Lesers Hand gegeben, sein Interesse an dieser nationalen Arbeit zu beweisen und ihn durch Berichtigungen, Ergänzungen von Biographien, Anregung und Ratschlägen zu unterstützen." Und auch zu dieser Förderung wollen die vorstehenden Zeilen anregen, vor allem ist jedoch zu wünschen, daß das Werk große Verbreitung finde. Deshalb sei noch mitgeteilt, daß die Versandbuchhandlungen S. Widmann, Cernauti, Strada Regina Marie Nr. 10 und „Aurora", Cernauti, Piata Ale_xandrei, eine Subskription auf das Gesamtwerk! zum ermäßigten Preise veranstaltet haben, und zwar für das gesamte Ausland: fünf Bände Lexikonformat in Halbleder handgebunden, pro Bänd Dollar 5.50, broschiert 4.50, per Lieferung 0.60. Der Ahasvergedanke. Von Gustav Deutsch. Die Sage vom „Ewigen Juden" hat mehrfach zu Dichtungen angeregt, aber keine ist annähernd so groß angelegt* prächtig, fesselnd und gedankenkühn wie Robert Hamerlings „Ahasver in Rom". Hier bewährt-sich in jedem Vers Oesterreichs hervorragendster Epiker. Daß Hamerling ein deutschnationaler Sänger von glühender Begeisterung ist und mit dieser Gesinnung sein Werk erfüllt hat, kann seinem Genie keinen Abbruch tun, noch ihm zum Vorwurf gereichen. Er selbst hat es für angezeigt gehalten, in einem „Nachwort an die Kritiker" eine Art Begründung und Rechtfertigung zu geben, aus welcher wir die folgende Stelle wiedergeben: *„Es ist nicht ganz unmöglich, daß die so überaus lebenskräftige jüdische Rasse alle anderen Rassen überdauert, aber so lange dies Schicksal nicht erfüllt ist, so lange die Ange* hörigen der übrigen Rassen noch in der Mehrzahl sind, kann die Idee von der Unzerstörbarkeit des Judentums nicht eine so allgemein rein menschliche und welthistorische Bedeutung haben, daß ein nichtjüdischer Dichter es wagen dürfte, sie in einem Epos zu verherrlichen. Selbst wenn der Epiker das Judentum des Ahasver sich allmählig zum reinen Menschentum läutern ließe, so hätte er damit immer mehr ein Werk jüdisch-nationalen als allgemeinen Interesses geschaffen, denn nicht für die gesamte Menschheit ist das Judentum Ausgangspunkt der Entwicklung." Von seinem Standpunkt aus betrachtet Hamerling das Germanentum als Ausgangspunkt der Entwicklung für die gesamte Menschheit und in diesem Sinne ist ihm Ahasver kein Repräsentant des Jüdischen, sondern ein Wegbereiter des Germanenzuges, der mit der Fäulnis des heidnisch-römischen Geistes aufräumen muß. Mit feurigem Schwung verkündet er in dem Schlußgesang: ......Eine neue Zeit Sucht nue Helden sich auf neuer Stätte Der neugeborene Phönix Menschengeist, Gen Norden fliegt er und in reinere Lüfte Abschüttelt er von goldener Schwinge dort Den Aschenrest des Brandes, draus er stieg. Hinwandre ich, wo die junge Zukunft schon Sich machtvoll vorbereitet in der Stille. In deine Wälder wandre ich, Germane, Und wecke die Barbarenfürsten auf, Daß brausend sie mit ihrem Völkerzug Wie Geier sieh aufs Aas des Weltreichs stürzen. Wenn sie die Lüfte so gereinigt, werden Sie freudig dann ihr Bündnis schließen Mit eurer milden Lehre und anbrechen Wird wieder eine Zeit, wo sich das Herz Der Menschheit hebt zu neuer Lebensfrische. Dann will zu Euch ich, o Ihr Männer, kommen Und müde von der langen Pilgerschaft Will ich im Schatten Eures Kreuzes mich Hinstrecken, nicht auf ewig auszuruhn. Zu sanfter Rast ein wenig einzuschlummern. Ein „Ewiger Jude", der sich im Schatten des Kreuzes hinstrecken will,- ist zwar wenig stilgemäß, aber Kreuz und Deutschtum waren vom Mittelalter bis in die Neuzeit ein Unteilbares, Untrennbares; es konnte sogar zum Hakenkreuz, entarten.